Expeditionamobil Hausbau – die Planung

Ziel dieser Restauration des Unimogs ist ja ein einsatzbereites Expeditionsmobil zu erschaffen. Die ganze Arbeit bisher nur das Vorgeplänkel, da ein Fahrzeug ohne Wohnbereich nur ein Lastenesel ist und noch kein nutzbares Schneckenhaus. Ich hatte zu Beginn ja eigentlich vor das Teil erst ausgiebig zu testen bevor ich mich an die Investition von Zeit und Material setze, aber die allein optische Begutachtung ergab meinen Entschluss das Projekt durchzuziehen, egal was da kommen mochte. So kaufte ich relativ früh die neuen Reifen und kümmerte mich um den Rostfraß an der Karosse. Der Motor läuft ja, das Getriebe schaltet und die Ausgleichssperren hab ich ja schon gangbar gemacht. Achsen und Getriebe erhalten demnächst neue Betriebsflüssigkeiten. Den Service am 5,7Liter 6Zylinder Aggregat verschiebe ich auf nach mindestens 2Stunden Betriebszeit um Ablagerungen umzuwirbeln. Dann gibt es den Ölwechsel und die Düsen werde ich abdrücken, schlepp das Gerät ja nicht ohne Grund seit Europa mit mir rum. Ventile einstellen und hoffentlich finde ich keine Überraschungen unter dem geschweißten Ventildeckel. Elektronik hat das Teil zum Glück wenig und wird selbst noch eine Reduktion dieser bekommen. Scheibenwischer brauch ich nicht, es gibt ne mechanische Wischhilfe, Lichtanlage und das war es, ein Diesel braucht weiter keinen Strom. Der Rahmen und das Fahrwerk in perfektem Zustand, nur die beiden Probleme Wellendichtring Vorgelege und Staubkappen Bremszangen müssen auf später verschoben werden. Bleibt also aktuell nix zu tun und ich kann mich dem Projekt Hausbau widmen. Erste Überlegungen ja schon so alt wie meine Entdeckung vom 406.

Am Anfang wie üblich ne Menge Ideen. Grundlegend will ich die Vorteile des kleinen, schmalen, wendigen Alleskönners nicht beeinflussen, heißt also durch Masse oder Ausmaße unhandlich machen. Die alte Ladefläche war 2x2m aber die Grundfläche darf doch etwas wachsen. Nicht viel in die Breite und in der Höhe auf keinen Fall über Niveau des Fahrzeugdachs samt Ersatzrad hinausragen. Aus Erfahrung sind selbst 2,70 manchmal zu hoch und verderben den Spaß an Erkundungen. Natürlich gibt es erneut ein Hubdach, meine 1,88 müssen ja bequem und mit der gewohnten 360grad Aussicht Platz finden. Das Konzept der Walküre hat sich so dermaßen geil ausgezahlt, dass ich nie wieder ohne die daraus resultierende Freiheit sein möchte.

Der Holzaufbau mit stabilem Stahlrahmen an der Walküre hat sich bewährt und die Konstruktion ist mit den hier verfügbaren Mitteln machbar, einzig so und eher alternativlos. Es gibt keine Sandwichplatten oder Siebdruck in meiner Region in Afrika, auch würde das nicht mit meinem nachhaltigen Umweltbewusstsein kompatibel sein. Übrigens ist der Zustand vom aufwändig verzierten Fußboden-Pinien-Holz minderer Qualität immer noch perfekt. Die ersten Imprägnierungen und die Pflege im Dreimonatsrythmus können sich sehen lassen.

Bis hierher war es wieder ein halber Tag Arbeit, die Regenzeit lässt äußerlich ne Menge Dreck und vielleicht auch biologisches anhaften. Kann man aber mit Seife abwaschen und getrocknet wieder ölen.

Der anfänglich sorgenerregende Wandel des in Portugal recht frischen, noch harzig-feuchten verbauten Holzes, welches sich in der trockenen Sahara doch teils erstaunlich zusammenzog hat hier im feuchten Klima keine gegenteiligen Auswirkungen. Quasi Normalzustand ohne sichtbare Spalten oder Quetschungen in den Fugen. Hab Nut-Federholz verwendet, man stelle sich vor ich hätte durchgetrocknetes Holz verwendet, was erstmalig hier im Regenwald aufquillt und alles zum krachen bringt… Bin kein Holzwurm oder Experte, aber wie mein Karma und das Schicksal so spielt war es wohl doch ne gute Wahl. Mehr zum Aufbau der Walküre ja auf der hp, oder hier mal ein direkter Link zur Holzverblendung auf Stahlrahmen.

Link WALKÜRE Holzaufbau 1

Link Teil 2

Den Wohnaufbau komplett aus Holz und ohne das Stahlgerüst zu fertigen halte ich für zu schwer und instabil, der UNIMOG soll ja schließlich noch extremer offroad gehen als der 508. Bambus als Baumaterial war in der Überlegung. Wäre eine einzigartige Erscheinung, verkompliziert aber durch seine natürlichen Formen und wird nur im Innenraum einziehen. Nachdem also die Eckdaten grob standen ging es an die Planung.

Der Platz von meinem treuen Begleiter Atlas, der sich nur selten die Chance entgehen lässt selbst in der Werkstatt bei mir zu sein, ist ideal zur Beobachtung der Gesamtobjektes.

Wie im letzten Blog beschrieben hab ich mich auf grob 2,50m Länge eingepegelt, mit arttypischer Schräge am Heck ist der Böschungswinkel uneingeschränkt und in engen Kehren hängt das Heck nur 50cm hinter dem früheren Original hinaus. Die alte Ladefläche übrigens wird nicht als Basis verwendet, ist einfach zu stabil und damit schwer, außerdem verliere ich wertvolle Zentimeter nach oben. Die Lagerung auf der Heckspinne aber die per Dreipunkt für den verwindbaren Unimog ideal ist bleibt erhalten und dient als Brücke. So kann ich auch optional Kabine oder Ladefläche nutzen! Erste Berechnungen zum benötigten Material…

Die Raumaufteilung gibt dann die Äußere Erscheinung vor und nicht anders herum. Jedoch fällt wegen der Schräge am Heck die Terrasse dort weg, auch eine Tür fände ich dort zu kompliziert und habe mich für ein geschlossenes Heck mit großem Fenster entschieden. Der Einstieg also seitlich und die Klappe dazu eine Mini-Terrasse. Übergang zum Fahrerhaus obligatorisch. Bett, Küche, Schrank… mehr hab ich aktuell auch nicht. hier also die Überlegungen Tür mittig oder vorne, kommt auf die Position der Hubelemente an und die werde ich statt über den Haltern des Hilfsrahmens an den Außenkanten der Grundfläche anbringen, also auch diese Entscheidung getroffen.

Wenn man sich das Bild mit dem Brett nochmal anschaut kann man verstehen, was ich mit Verlust an Höhe meine. Das Brett liegt nur auf den Kotflügeln auf, der rahmen hätte aber selbst Höhe und die Halterungen für die Kugelköpfe wären noch unten drunter. Ich baue also eine hängende Konstruktion und hab somit zumindest im Einstieg was Küchenbereich ist und unterm Bett im Heck sowas wie nen Keller. Die hinteren Räder verschwinden dann vielleicht für 5-10cm in einem Radkasten, da der Rahmen darüber hinaus gehen wird. Sollte kein Problem darstellen. Breite der Rahmenstrebe an jeder Seite durch Breite des Rohres der an vier Ecken genutzten Baustützen vorgegeben, 6Zentimeter… etwas Innenverkleidung gerechnet und eine bequeme Schlafbreite von 2m bedacht hab ich also auch meine seitliche Breite auf knapp 2,15 festgelegt. Die Kugelköpfe befinden sich bei 185cm auf 125cm und ergeben so den rechteckigen Ausschnitt im Grundrahmen.

All diese Überlegungen haben so einige Zeit beansprucht, vor allem weil ich erstmal schauen musste welche Materialien verfügbar sind. Tube Quarre – also quadratische Rohre, Corniere – Winkel, Fer plat – Flacheisen und runde Rohre… nicht grad berauschende Auswahl. Vor allem die Materialstärken und Qualitäten mies. dieses 30×30 mit 2mm Wandstärke z.B sehr rar aber mein Wunsch für alle Verstrebungen…

Wieder einmal musste ich bis ins 80km entfernte Kpalime fahren, wo Material aus dem 200km entfernten Lome angekarrt wird… sehr sporadisch. Aber ich hab Doppel T-Träger – hier H genannt, einfache T und U gefunden. Das U mit quasi drei flachen Seiten und ausreichender Stabilität also meine Wahl der Bodengruppe… aber auch mit Bestellung dauert das ewig, deshalb die letzten Verzögerungen am Projekt – befohlener Urlaub. Aber immerhin hab ich nun nen ausgereiften Plan und kann genau Material ordern.

5,80m lang jede Einheit und bestelltes Zeug kann ich nur am Stück nehmen. Selbst wenn ich vor Ort schneide hab ich keine Lust das mit einer Fahrt in der WALKÜRE zu verbinden. Ständige Polizeikontrollen mit notorisch blanken Uniformierten und der Umstand dass mein Haus grad echt bequem steht ließen mich einen Deal mit nem Baumarkt auf halber Strecke in Adeta schließen, wo ich sonst mein Zeug her bekomme. Ich kaufe alles was bei ihm möglich ist samt Lieferung und den Rest der Sachen die er nicht hat holt er mir aus Kpalime. Mit dem Moped bekomme ich das echt nicht weg… 2xU60, 3xU40, 2xL30, 9xQ30, 4xQ40… und schon sind wieder 200.000cfa ausgegeben und 120laufende Meter Material geordert…

Naja, die Afrikaner, ausgemacht war dass die Lieferung mit dem Lastendreirad Pickup was hier üblich ist kommt. Es erschien aber ein Corolla mit den Stangen auf dem Dach, ohne Dachträger und nur mit Gummibändern fixiert… 200Kilogramm! Kein Wunder also dass die Jungs (alle drei unter 20) das unterwegs mal verloren haben, zum Glück ist Stahl recht stabil, aber das Fenster vom Corolla hat es nicht überlebt. Nicht meine Schuld aber trotzdem fühle ich mich dazu genötigt ihm nochmal 5.000 in die Hand zu drücken und auf zukünftig bessere Ladungssicherung zu plädieren.

Eine Stange haben sie auch vergessen, muss ich wohl demnächst auf dem Mopped in drei Teile zerlegt her schaffen. Immerhin ist der grobe Anfang geschafft und ich kann die nächsten Tage wieder aktiv werden…

Nur hat aktuell mal wieder das Wetter ein Wörtchen mitzureden, nach dem Abladen begann es in Strömen zu schütten. Erzwungene Pause, so läuft das hier in Togo. Selbst die Jungs verstecken sich vorm Regen und wollen jetzt nicht Auto fahren… vielleicht besser bei der Schüssel.

2 Gedanken zu “Expeditionamobil Hausbau – die Planung

  1. Tom schreibt:

    Vielleicht noch eins bedenken:
    Die „Open Air-Bauweise“ beschränkt deinen Aktionskreis auf Afrika und Südasien.

    Andere, kältere, aber auch interessante Gegenden wie Skandinavien, Sibirien, Alaska, Kanada, Feuerland etc kannste so eher vergessen…

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