Küchenhexe, Kanonenofen… ein Holzofen im Bus

Auch wir müssen den Bus ab und an mal heizen, dafür haben wir einen kleinen Holzofen. Beim letzten Umbau flog die Gas-Truma raus, das war zwar eine ohne Umluft und Lärm, aber war eigentlich auch nicht sehr effektiv. Ausserdem fehlte schlichtweg der Platz in unserer Raumaufteilung und ich wollte nicht noch nen Loch in die Aussenhülle schneiden um den Auspuff neu zu verlegen. Dann ist da immer die Problematik mit Gasverbrauch.
Ich suchte also den ganzen Sommer nach nem passenden Ofen, Kaminofen, Holzofen mit weiteren Schlagworten in ebay und Kleinanzeigen. Vergebens und bekam den Tip vom Kumpel mal nach Kanonenofen zu suchen. Mein Wunschkandidat war ja klein, leicht und unter 3kW… selbst als Werkstattofen schwer zu bekommen. Die kleine runden sind langsam echte Raritäten.

Das Schicksal spielte mal wieder mit und ich fand ein antikes sehr hübsches Stück als Küchenhexe und Kanonenofen beschrieben. Sogar um die Ecke unserer Freunde, die uns darauf besuchen wollten, also mit Lieferservice. Der Preis von 300,- würde noch auf faire 150,- runtergehandelt… es war schließlich Sommer.

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Der kleine ist einmalig, aus dem Jahre 1900 und mit “Dackelfüßchen” ausgestattet. Ideal finde ich auch den Abzug nach hinten, damit man einen weiteren Topf erwärmen kann. Er ist Kniehoch und wiegt gerade mal 15kg, hat dafür zwar kein Schamott aber nen Backstein oben drauf speichert zur Not auch etwas Hitze.

Als unser Ofen also endlich im Bus einzog waren wir uns nur noch nicht über den Standort klar, er sollte Jahreszeitlich flexibel aufbaubar sein, keinen zusätzlichen Schornstein brauchen und während der Fahrt natürlich fixiert werden können. Neben der Küche war Platz, hätte aber etwas im Raum gestanden und meine Idee mit der Ofenrohrführung durchs Fenster wäre hier umständlich. Die ideale Variante versperrt uns den Weg von den Sitzen nach hinten, aber irgendwas ist ja immer, er steht also vorne bei uns.

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So muss ich also nur 80cm hoch und im 90° Winkel 100cm zur Seite weg um Rauchgas in die Freiheit zu lassen. 100mm Rohrdurchmesser muss man sowieso im Internet bestellen, fand ich was hübsches gebrauchtes für nen weiteren Fuffi. Na gut, Budget dafür überschritten, aber der Brennstoff liegt überall gratis herum. Am Rohr wurde etwas angepasst und die Durchführung aus Resteblech realisiert, fertig und flexibel für beide Seiten.

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Man glaubt kaum wie angenehm ein Holzfeuer im Bus ist, nicht ohne Grund ist das die gängige Heizmethode in der Wagenszene. Die Kondensfeuchte verschwindet auch recht schnell und am Ofenrohr kann man sogar Handtücher trocknen. Vom romantischen Aspekt brauche ich nur das knistern erwähnen, die Vorbereitungen machen Spaß und das Ergebnis ist wohlige Wärme.
Wir verfeuern am liebsten Naturholz, abgestorbene Äste und je nach Wetterlage auch herumliegendes Totholz, zum Anfeuern machen sich kleine Einwegpaletten oder Holztragekisten ideal. Wir hatten noch nie Probleme mit Qualm im Bus, der Schornstein zieht wie Sau, wir haben keine Regulierung eingebaut. Zwei Co-Melder sind im Bus und das ganze hat genügend Abstand zu den daneben stehenden Sitzen, die Polster werden etwas warm.

Wir haben schon drauf gekocht und während der Fahrt ist er mit einem Zurrgurt gesichert, dient zusätzlich als Armlehne. Bald kommt die Zeit, wo er komplett in der Garage verschwindet, bis dahin müssen nur die drei Elemente des Rauchrohres während der Fahrt nach hinten. Wir haben schon Erfahrungen mit Diesel-Standheizungen, haben den Vorteil auch den Motor vorzuwärmen und verbrennen den Treibstoff aus dem Tank, machen aber dank Taktpumpe und automatischer Brennerzündung immer Lärm. In einem kleinen Van würde ich auf sowas gerne verzichten.