Projekt Pritsche – Holzarbeiten Teil 2

Wie schon im letzten Beitrag beschrieben wird die äußere Erscheinung meines Aufbaus einer Holzhütte gleichen. So ganz ohne Verkleidung an den Wänden sieht ja auch doof aus, kann jeder reingucken und ne Plane drüber wäre auch nur ein Zelt auf Rädern.

Das Dach auf dem Foto in bequemer Stufe 2 aufgestellt um nicht bei jedem Arbeitsschritt ne Beule am Kopf zu riskieren. Das Raumgefühl auf jeden Fall schon ausreichend. Der verfügbare Platz kann effektiv genutzt werden und die Aufteilung schwirrt mir schon im Kopf vor.

Der Fußboden ist nun schon drin und auch bei den Wänden verzichte ich auf Siebdruckplatten welche neben Sandwichplatten wohl auf Rang 2 der umgekehrten Umweltverträglichkeit liegen. Preislich hier unten aber unangefochten auf dem Podium. Quadratmeterpreise um 25€…
Optisch soll mein Waldhäuschen auf Rädern einem Blockhaus ähnlich sein. Warum also nicht gleich die Fußbodendielen auch an den Wänden verarbeiten. Dank Nut und Feder und 20mm stabil genug.
Außerdem bleibe ich meiner Linie treu, wenn schon gekauft werden muss dann wenigstens regional und nachhaltig. Die heimische Pinie ist also das geringste Übel das ich für meinen Shelter wählen kann. Hab schon über Palettenholz nachgedacht, doch die Arbeit jenes spaltfrei und stabil zu befestigen wäre unmöglich. Einwegpaletten (mit unbehandeltem Holz) sammle ich trotzdem schon, wenigstens Innen werden die Baumaterialien wiederverwertet, neudeutsch recycled. Hier auf Beutezug mit Kumpels Pickup.

Ich muss also weitere Pakete mit Dielenbrettern im Baumarkt holen. 9,- der Quadratmeter und 1,2m in einem Paket mit knapp 20Kilo… Der Zustand beim Kauf alles andere als Optimal. Astlöcher in 4 von 5 Paketen schon offensichtlich. Man braucht also Geduld zum wählen. Und so richtig trocken sind die Dinger auch noch nicht. Muss ich mir zumindest keine Sorge um Spaltmaße und Ausdehnung sowie knarzen machen, die werden auf jeden Fall noch kleiner.

Die Dinger kommen vertikal an den Rahmen, stört also nicht dass nach 200cm das nächste Brett startet, sollte stabil genug sein. Dafür gibt es M8 Schlossschrauben wie auch am Fußboden zur Befestigung. Dies bedeutet aber auch dass pro Seite 6o Löcher gebohrt werden müssen. In 2mm Stahl mit drei Vorstufen bin ich mal wieder nen ganzen Tag mit der Bohrmaschine beschäftigt.
Bei den beiden äußeren Balken sogar kompliziert am Rand da sonst der innenliegende Hebemechanismus ja nicht funktionieren würde. Auch an so Ecken wie 5mm Knotenblechen hab ich gut zu arbeiten.

Im unteren Teil das Loch „neben“ dem Balken im Hintergrund an der Wand schon die sortierten Bretter. Und dann ging alles ganz schnell, einpassen ablängen und nächstes Brett. Sind ja immer nur vertikale Schnitte und der Fortschritt schnell erkennbar.

B

Dann alles von Innen durch die Löcher im Rahmen bohren, Position mit Buchstabenfolge markieren und wieder runter mit der Wand. Jetzt folgt mit der Oberflächenbehandlung der lustige Teil. Ne glatte Bretterwand anschrauben und mit Farbe übermalen kann ja jeder. Ich werde zum Schutz des Holzes Nut und Federn auch einölen und auch nochmal an die Sichtflächen Hand anlegen.

Die Maserung der Pinie ist mit den ganzen Astlöchern echt interessant und schön. Muss nur etwas mehr zur Geltung kommen wie ich finde. Meine Gedanken kreisen um sandstrahlen und abfackeln, aber die offensichtlichste Vorgehensweise ist bürsten. Der richtige Aufsatz dafür ist nach einigen Probeversuchen auch endlich gefunden. Winkelschleifer mit nicht gezopfter Drahtbürste, eigentlich sonst unsinniges Arbeitsgerät, da zu schwach für Metall, für die weichen Holzfasern aber ideal und nicht zu stark dass es mir auch die festen Bereiche wegrubbelt.

Einem Künstler ähnlich gehe ich also jeder Linie im Holz mit 12500 Umdrehungen auf meiner Bosch hinterher. An den Rundungen ist Geschick gefragt und der „Dreh“ ist schnell raus. Jedoch brauche ich doch pro Brett ne Stunde… die es mir aber wert ist. Das ganze in angenehmer Arbeitsatmosphäre mit grüner Kulisse. Um die Geräusche etwas auszuschalten und in eine Art Meditation beim arbeiten überzugehen habe ich mir ganze zwei Hörbücher mit Kopfhörern angehört.

Der Kerl hat wirklich ne Macke muss man denken, schleift tagelang nur für optische Zwecke die Außenhaut eines Offroad-Reisemobiles. Und gerade deswegen! Auf der glatten Oberfläche würde jeder Kratzer sofort ins Auge fallen, wenn sowieso alles rauh und uneben ist fallen eventuell entstehende Risse sogar nicht auf und können irgendwie gekittet werden. Mir geht auf jeden Fall voll einer ab wenn ich das Ergebnis dann so betrachte. Jeder Besucher der Baustelle ist ebenfalls erstaunt, wenn auch die Nachbarn sicherlich genug von mir haben.

Wow und jetzt die Krönung: Ich erinnere mich an eine Wandverkleidung die ich früher mal aus Palettenholzresten gebastelt habe. Dort wurde großflächig der Bunsenbrenner eingesetzt um Muster ins Holz zu brennen. Hier möchte ich nur die schönsten Details untermalen und durch angekokelte Ecken hervorheben… mit künstlerischer Ambition.
Jetzt hab ich für die knapp 10 Quadratmeter Außenhülle nun schon locker 50Stunden Staub und Lärm verursacht, da kommt es auf ein paar Minuten Qualm nun auch nicht mehr an.

Die Masse an bearbeitetem Material fällt erst in der Gesamtansicht auf. Die Terrasse bietet eine hervorragende Ablagemöglichkeit. Ein Stapel ist eine Wandseite, dazu kommen noch Front und Heckbogen vom Dach sowie das Fenster zum Durchgang.

Auf der gegenüber liegenden Seite nochmal die selbe Geschichte also Bretter in Form etc…

Der angesprochene Durchgang hat dann auch mit dem letzten Reststück aus dem Bogen gepasst und es wurden weder zu viel noch zu wenige „Soalho Pinho nacional“ gekauft. Materialeinsatz irgendwas um 200,-€ für die Wände und 150,- für Fußboden und Terrasse.

Wer jetzt genau hinschaut kann aber noch das Fahrerdach erkennen, schon gut mit dem Blechrest verschraubt aber noch nicht versiegelt und lackiert. Der Alkovenboden später unter der Matratze braucht also auch noch Material. Ich hatte zwei alte Türen gesammelt und dafür angedacht, die waren aber etwas zu kurz für die gesamte Breite und ich wusste nicht weiter. Der Zufall des Tüchtigen wieder brachte mein schwedischer Helfer richtig massive Terrassenbretter aus Teak von einem Abbruchhaus mit… für seine Dachterrasse. Es sollte da aber noch mehr rumliegen also sind wir zusammen nochmal los um nach einigen Kilometern toller Offroadstrecke die letzten noch brauchbaren Bretter einzusammeln. Ein paar oberflächlich vom Regen feuchte Balken gab es auch noch, suche schon länger nach dergleichen und kann damit abgeschliffen sicherlich was anfangen.

Beutezug erfolgreich, nur wurde damit die Arbeit nicht weniger. Sehr hartes Holz, vermutlich Teak und ziemlich schwer aber mordsmäßig stabil, ärgere mich schon das nicht als Fußboden früher gefunden zu haben. Die alte Beschichtung, teils bröckelig musste runter. Der Exzenterschleifer hat nicht viel gebracht, mit der Fächerscheibe hätte ich zu viele Unebenheiten rein gebracht.

Ein deutscher Supermarkt hatte grad nen Bandschleifer im Angebot, mehr Spielzeug also und das Ergebnis recht anständig. Coole Farbe (später für den Innenraum) gab es auch zu günstigem Preis… manchmal lohnt sich solch Discounter wahrlich.
Mein letzter großer Einkauf fand ja vor Wochen bei „L**l loht sich“ statt… Korb voll, glücklich.

Auch die Litergebinde Öl zur Holzbehandlung gab es beim großen A und damit der kommende Arbeitsschritt.

Doch erstmal zurück zum Alkoven. Ich quälte mir doch quer zur Diele einen ab die Farbe runter zu bekommen. Einer meiner Nachbarn hatte Mitleid und nen Tip parat, mit der Maserung und mit mehr Power… japanisch klingender grüner Werkzeughersteller erleichterte mir die Arbeit sehr.
Bretter eingepasst, oberflächenbehandelt und demnächst also wieder zum endgültigen Einbau bereit…. man glaubt es kaum auch dafür müssen wohl wieder einige Löcher gebohrt werden.

Bis zum finalen Anblick vergeht also mindestens noch ein Blogbeitrag. Und irgendwas kommt immer dazwischen. Plastikgeruch aus meiner guten alten Bosch. Trotz häufigerem auspusten um Verstaubungen innen zu vermeiden hat ein Lager seinen Geist aufgegeben und das ganze Teil im Plastikgehäuse gedreht… Zum Glück gab es letztens auf dem Flohmarkt einen günstigen Ersatzteilspender. Die Motorwelle und eine Gehäusehälfte getauscht geht es weiter mit schleifen… so langsam reicht es aber auch wieder.

Doch es macht Spaß, ich habe Vorfreude und mich treibt das Fernweh an… bald bald wird es soweit sein.

5 Gedanken zu “Projekt Pritsche – Holzarbeiten Teil 2

  1. Alex schreibt:

    Echt super! Ich hab das im Zug gelesen (wie meistens) und dabei bekam ich direkt den Geruch von angeflammten, abgebürsteten Holz wieder in die Nase. Danke für den „Flashback“! 🙂
    Ich hab auf die Weise unsere Küchenarbeitsplatte gebaut. Anschließend mit Bootsklarlack(matt) versiegelt. Falls die dein Lack mal nicht witterungsbeständig genug ist, der Bootsklarlack hält alles aus.Auch und vor allem kräftigere Stösse und Wasser.
    Mittlerweile ist die Küchenzeile durchgehend von Wand zu Wand erweitert:

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