Farmleben und Nachwuchs…

Ich hab ja auf der Farm bei Agou im Frühjahr öfter schon von hiesiger Landwirtschaft berichtet. Nun befinde ich mich in einer völlig andersartig klimatischen Region in den Bergen der Prefecture Danyi auf 800-900m Höhe. Klar wird noch Mais angebaut und die Wurzeln Maniok, Yams und Taro als Hauptnahrungsmittel ebenfalls, doch der Boden ist steiniger, die Temperaturen milder und die Feuchtigkeit jetzt in der Regenzeit dauerpräsent. Ich gebe also mal einen erneuten Überblick.

Farmen gibt es überall, kleine Familiengrundstücke für den Anbau des täglichen Bedarfs. Einiges davon wird auf dem Markt verkauft um andere Güter zu erwerben. In meiner Region hier sind viele dieser Höfe nur über Fußwege oder mit dem Moped erreichbar. Zerklüftete Gegend halt, keine Ebene. Die Häuser wie im letzten blog (Zeitwert) beschrieben klein und einfach, davon meist drei-fünf zu einem Hof gruppiert, dazwischen dann der Platz des Alltages. Es gibt je nach Saison Kohl und Kürbis, viele kleine Tomaten, und einige Ananasfelder. Papaya leider nicht so häufig wie mein Bedarf es gerne hätte, dafür aber Bananen überall. Hier mal ein Einblick auf ne größere Farm.

Mein Honigdealer, der echte Qualität herstellt und der Präsident einer Imkervereinigung hier ist baut selbst Bienenstöcke und verteilt diese im Busch. Weiterhin hat er 12Hektar Land meist mit Avocados bewachsen und dem üblichen was sein „Dorf“ zum leben benötigt. Dorfkomplex bestehend aus mehreren Häusern in denen seine diversen Frauen und daraus resultierenden Familien mit Anhängseln wohnen. Er gehört zu der cleveren Sorte Afrikaner ist gebildet und hat auch schon mehrfach Europa bereist. Sein Sohn profitiert ebenfalls und spricht sogar etwas englisch. Es geht ihnen gut, es gibt sogar ein Auto. Honig ist mit 4000cfa das Kilo (also ca 6,-€) in den letzten Jahren auch ordentlich im Preis gestiegen. Ist es mir aber wert und ich verwende sonst keinen Zucker.

Die Arbeit hinter dieser Leckerei verrichten die Bienen ganzjährig. Die Stöcke sind eigentlich simple Holzkisten in denen von oben Kassetten mit Drahtgestell als Hilfe zur Wabenbildung eingesteckt sind. Dach drauf und das ganze auf eine erhöhte Position mittels Baustahlgestell gesetzt. Angelockt werden die neuen Bewohner dann mit einer Zitronellawäsche der Innenseite dieser Kisten. Würde man direkt Honig verwenden holen sich das die Ameisen noch vorher…

Schattiges Plätzchen unter Bäumen und die umliegende Natur bietet die nötigen Blüten. Avocadohonig könnte man dies nennen, denn die überall verstreut angepflanzten Bäume gleichen fast einer Plantage. Drei verschiedene Arten Avocados gibt es hier und diese sind immer zu anderen Zeiten reif. Trotzdem ist das Problem die recht kurze Periode der Früchte, die gegen Transportschäden nur sehr hart geerntet werden, gewinnbringend auszunutzen. Alles wird hier in Schüsseln oder Säcken gerechnet, Säcke sind sowas wie die Norm und enthalten rund 50Kilo Avocados die auf dem Markt 10.000cfa bringen. Das Kilo also 200cfa und damit 30ct.

Logisch funktioniert das so nicht mit essbaren reifen Früchten, die es dann später auf dem Markt je nach Größe bis 100cfa das Stück gibt. Was aber noch viel geschäftsschädigender ist sind das saisonale Überangebot und der damit einhergehende Absatzmangel. Resultat dann wie auch weltweit mit anderen Produkten die Verschwendung oder Nichtnutzung…

Bei jedem Baum in der Region sieht es so aus und geerntet werden nur die besten Früchte. Wir sprachen über Alternativen und kamen auf das Thema Trocknung und Ölpressung. Doch dazu fehlt das Material und knowhow… Wissen auch nicht viele hier, dass man Avocados bei uns Fettfrucht nennt und bis 10% Öl daraus pressen kann. Hochwertig und teuer bei uns sogar, vielleicht mit Absatz nach Europa? Ein Solartrockenschrank ist schnell gebaut und Helfer zum schneiden und trocknen sollten auch zu finden sein. Die Presse dann halt importiert oder selbst konstruiert… eine Geschäftsidee…

Er hat aber gerade noch eine andere Nutzung seiner Farmflächen eingeschlagen. Den Artemisia Anbau, also die Pflanze die Malaria heilt und als Hauptbestandteil auch in den meisten Malariamedikamenten enthalten ist. Ein Kilo getrocknete Pflanzenschnipsel bringt hier 15.000cfa und damit ne Menge Geld. Das Saatgut und den Abnehmer macht das Maison Artemisia Kpalime, die wohl auch mit europäischem Einfluss agieren.

Habe schon einmal über die Heilkraft berichtet und über Das Projekt Anamed.org gesprochen (Selbsthilfe aus der tropischen Natur) Den Beutel 50g Tee bekommt man für 1500, ist zwar mehr als ein Tageslohn aber weniger als die Medikamente für 3000.
Die Anzucht aus Samen über Setzlingen mit späterer Verteilung auf den Flächen ist unkompliziert… mein Kumpel Kekeli über dessen Ökofarm ich mal berichtete bewässert sogar in der Trockenzeit. Damit wäre er der mir bekannte Zweite der diese Pflanze kultiviert.

Beim Honigchef Togbe aber gibt es dieses Grünzeug in größerem Rahmen…

Die Trocknung dann bei passendem Wetter gehächselt vor der Tür… hoffentlich kommt kein Windstoß.

Ebenfalls auf der Piste vor dem Haus stolziert ein etwas anderer Wachmann mit hübschem Federkleid.

Nicht viele haben solch einen schönen Vogel mal in der Realität bestaunen können. Der Truthahn ist doch meist nur aus dem Supermarkt verpackt zu besichtigen.

Im zweiten Teil des Videos eine interessante Raupe mit lustigem Kopfschmuck. Hoffentlich nicht so gefährlich wie sie aussieht. Die folgenden jedoch sollte man meiden… wie wohl bei uns der Prozessionsspinner.

Auf den Wegen also immer Obacht unterwegs, denn speziell Hühner sind keine Experten in der Flucht vor Motorrädern. Im letzten Moment noch einen haken schlagend direkt vors Vorderrad ist nicht unüblich… was mich einmal aber aus dem Konzept brachte ist diese Entenfamilie in einer Pfütze beim Schwimmunterricht. Die haben zum Glück das Wasser nicht verlassen als ich vorbeigedonnert bin. Musste echt nochmal umdrehen und verifizieren was meine Augen in der kurzen Sekunde dort gesehen haben…

Heute anscheinend Tag des Nachwuchses, denn bei den Peul (Volksgruppe) bei denen ich Milch hole kam ein Kälbchen auf die Welt und war noch zu schwach um die Tour mit den Großen durch den Busch zu marschieren. Es blieb also einfach entspannt unter einem Baum liegen und ließ sich streicheln.

Zum Abschluß noch weitere Neulinge auf diesem Planeten. Wie schon einige Male erwähnt hat die Hündin vom Nachbarn vier gesunde Welpen geworfen. Genügend Futterstellen vorhanden, jedoch schwer zu finden.

Auch war der Platz im Vorraum von seinem Haus nicht der ideale für das immer aktiver werdende Rudel, also hab ich schnell mit Naturlehmsteinen und Holzresten aus der Werkstatt eine Hundehütte neben den Hühnerstall gesetzt. Das Dach soll später eine echte afrikanische Grasdeckung bekommen.

Sie entwickelten sich super und verblieben drei Wochen im neuen Heim. Mein täglicher Besuch zur Reinigung und Kontrolle war interessant, trotzdem werde ich keinen weiteren Hund adoptieren. Die Augen wurden geöffnet und die Welt erkundet, nun kamen auch die Zähne durch. Das Leben könnte so entspannt sein, nur leider ist die Hundemutter in der fünften Lebenswoche der Kleinen verstorben. Nach anfänglicher Verzweiflung und Traurigkeit beim Besitzer haben wir wieder Hoffnung für den Nachwuchs. Mit Milch und Brei aus Gemüse, Reis und Fleisch nehmen die vier nun schon auch feste Nahrung zu sich. Vielen Dank erneut an all meine Freunde die zu kleinen Patenschaften bereit waren um diese aufwändige und teure Prozedur zu unterstützen. Über die finale Namensverteilung werde ich später berichten, es wird lustig. Hier noch ein kleiner Einblick vor knapp einer Woche… die Racker wachsen schnell…

Etwas abgeschweift vom ursprünglichen Thema Farm werde ich über diese Thematik immer mal wieder berichten. Ebenso über die Entwicklung der Welpen bei denen ich täglich einige Zeit verbringe. Also bis dann.

2 Gedanken zu “Farmleben und Nachwuchs…

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