Lebenseinstellung – VanLife

Heutzutage hat doch jeder einen Blog.

Ob es sich thematisch um die schnöden Leben der Schreiberlinge dreht oder etwas detaillierter von Klamotten, Delikatessen oder dem ausgiebigen Fröhnen in der Kommerzmaschinerie handelt ist doch eigentlich nur nebensächlich. Jeder mag gerne im Rampenlicht stehen, wenn auch nur für virtuelle Freunde in sozialen Netzwerken. Ob Daumen, Sternchen oder anderen Bewertungskriterien hinterherheischend ist mir eher scheißegal.

Ich will die Welt aufrütteln und zum Nachmachen animieren, wenn ihr schon nicht eure Ketten absprengen könnt, dann will ich wenigstens zum Nachdenken motivieren. Ich will euren Neid spüren, denn nur so ist die Anregung zum Umdenken selbst kreiert.
Ich bin kein Klugscheißer oder Weltverbesserer, denke sogar sie wäre ohne den Großteil der Menschheit besser dran und käme alleine ganz gut zurecht. Da dieses Schicksal aber seit dem aufrechten Gang ins Wanken geriet muss dem Wackelkandidaten eine neue Perspektive geboten werden. Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Genug der Vorrede, ich bin Philipp, Mensch, unfrei geboren und nun seit Jahren am Versuch auszubrechen. Auf die Frage: “Was machst du so?” antworte ich manchmal mit — Reisen –. Aber halt, ich schreibe keinen blog über die schönsten Hotels und besten Amüsierviertel, ich führe eher ein nomadisches Leben geprägt von Roadtrips und spontanen Entdeckungen. Erfahrungen gab es in den letzten drei Jahren einige die Stück für Stück zu digitalem Papier gebracht werden. Der Clou an der Geschichte ist aber, dass ich und damit meine ich wir (…deliteindisorder..) fast ohne finanzielle Ressourcen unseren Lebensweg bestreiten. Nun schon bei knapp 100.000km in 20 Ländern im dritten Bus und noch lange nicht müde.

Und wer jetzt immer noch mitliest kann sich höchstens von den nächsten Eckdaten und Schlagworten abschrecken lassen. Wir bewohnen einen 1978er Mercedes 407 DüDo, sind Motorradfreaks und dank mobiler Garage erkunden wir mit den Zweirädern auch die letzten Winkel.

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Unsere Alarmanlage Hund hört auf den Namen Atlas.

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Wir sind Sportenthusiasten seit Kindertagen (Mountainbike, Klettern, Kampfsport, Surfen, Slackline und Fitness) Weitere Themenpunkte : Ernährungsberatung und Nahrungsbeschaffung durch Dumpster Diving, Recycling und Upcycling, Survival und Outdoortips, Geschichten von Reisegefährten und deren Heimen, Der blues der Straße und wunderschöne Natur in Bild und Ton. Im Kontrast natürlich der Fingerzeig auf Missstände in dieser Gesellschaft und Lösungswege.

Herzlich Willkommen bei >>MB407.wordpress.com<<

Viele Reisende wie wir haben das “Problem” Haus oder Wohnung in der Heimat. Man muss sich kümmern und laufende Kosten zahlen, unmöglich neben der Miete noch Reisegeld anzusparen. Unterwegs arbeiten lohnt nur als digitaler Nomade mit Fachwissen. Bei uns geht das etwas einfacher. Wir arbeiten und sparen im Sommer, ich bau Motorräder auf und verkaufe die dann oder restauriere Busse. Für alles andere ist tauschen ist die älteste Wirtschaft der Welt.

Und sie funktioniert heute besser als jemals zuvor in der Moderne. Immer mehr Menschen schließen sich langsam dem Gedanken an und nutzen auch das Internet für Angebot und Suche. Bei mir gibt es schon eine ganze Weile gute Beispiele. Unser Garten, der in den Sommermonaten unsere Heimatbasis ist, wurde vor einigen Jahren gegen einen anderen ohne Laube drauf getauscht. Diesen wiederum habe ich für gratis bekommen weil eine Menge Arbeit zu erledigen war bevor der Urwald wieder in der Kolonie akzeptiert wurde. Selbst mit den Bussen ist es theoretisch nicht anders. Direkter Tausch eher nicht, aber das Zwischenmedium Geldwährung wurde zumindest nicht in sinnlosen Plunder wie Flachbildfernseher oder Designerklamotten versenkt, sondern in eine Wunschoptimierung investiert.

Platz ist Luxus und so genannte Tiny-Häuser groß im Nutzwert. Wenn wir unterwegs sind haben wir 12m² Wohnraum zur Verfügung, zuhause immerhin das Doppelte. Hat gedauert sich von genügend Besitz zu trennen um unbeschwert leben zu können. Dafür aber auch in der Großstadt im Grünen, die meisten Besucher konnten es nicht glauben, seht selbst.

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Eine klassische Laube, Datscha oder Hütte, wie man mag. Küche, Bad und Wohnbereich, der oben im Dach vom Schlafbereich überspannt wird, was will man mehr. Dazu noch 400m² um Obst und Gemüse anzubauen, alleine diese Fähigkeit zur Lebenserhaltung ist den meisten heutzutage fremd geworden.

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Reiche Ernten ergänzen unseren Speiseplan und wer kann schon die Freiheit geniessen im Sommer nackt auf seiner eigenen Wiese zu liegen oder einfach mal nen Lagerfeuer anmachen, wenn man wünscht. Ok, man hat kleinere Pflichten und Ruhezeiten einzuhalten, aber Kompromisse gibt es überall. Für uns ist es definitiv die beste Art zu wohnen, wenn es auch nicht offiziell möglich ist.

Als DauerKleingartenAnlage gibt es zwar ganzjährige Nachbarn, die haben aber Bestandsschutz und größere Steinhäuschen. Wir verbringen auch nur wie alle anderen die schönen Tage des Sommers hier. Und ganz ehrlich, viele der recht spießigen Nachbarn meinen wir machen es genau richtig… und gucken uns im Herbst neidisch hinterher.
Für alle, die nicht durch das Glück des Tüchtigen an solch ein Idyll gelangen, hier ein paar Anregungen zum Nachmachen. Parzellen in Anlagen werden gepachtet, der Bestand darauf (Haus, Baum und Strauch) wird offiziell geschätzt und ist an den Vorbesitzer zu zahlen, meist 5000-10000€ in Berlin, im Umland teilweise geschenkt. Zusätzlich gibt es ein Eintrittsgeld in den Verein und man braucht einen Wohnsitz in der Nähe. Danach interessiert es niemanden mehr. Die Pacht samt Müll, Strom und Wasser beträgt bei uns knapp 500,- jährlich.

Berlin ist hip, Berlin ist arm aber sexy… und so weiter. Christie ist aus NewYork und mag dieses große Dorf hier sehr. Wir schlendern gerne über Flohmärkte und kurz vor Schließung bekommt man sogar noch vieles geschenkt, was Verkäufer nicht mehr mitnehmen möchten. Der touristisch aufgebauschte Mauerparkflohmarkt ist hierfür beste Adresse und das nachmittägliche Drumherum auch sehenswert.

Mauerpark Flohmarkt Berlin

Wenn man sich überlegt, was der Durchschnitt der Bevölkerung für Miete, Lebensmittel und schlimmer noch Suchtmittel ausgibt, dann noch Klamotten sowie Unterhaltungselektronik dazu addiert… und das alles von seinen Rechnung abzieht ist es kein Wunder, dass bei uns zwei Monate im Jahr zu arbeiten völlig ausreicht. im Mittel verbrauchen wir 3000,- für eine halbjährige Tour zu zweit mit Sprit und Kulturausgaben. Klar ist das alles eine Milchmädchen-Rechnung aber nicht geschönt. Reparaturausgaben für den Bus zum Beispiel fallen auch nicht an, das mache ich selber und die Teile gibt’s bei einer befreundeten Werkstatt, wo ich dies quasi abarbeite.

Es gibt viele Argumente unsere Freiheit nicht einfach nachahmen zu können, Geld gehört aber nicht dazu, also los, was steht euch im Wege?