Mobiles Leben spart Fixkosten, ermöglicht Reiseträume

Heutzutage hat doch jeder einen Blog oder Instagram account…

Ob es sich thematisch um die schnöden Leben der Schreiberlinge dreht oder etwas detaillierter von Klamotten, Delikatessen oder dem ausgiebigen Fröhnen in der Kommerzmaschinerie handelt ist doch eigentlich nur nebensächlich. Jeder mag gerne im Rampenlicht stehen, wenn auch nur für virtuelle Freunde in sozialen Netzwerken. Ob Daumen, Sternchen oder anderen Bewertungskriterien hinterherheischend ist mir eher scheißegal.

Ich will die Welt aufrütteln und zum Nachmachen animieren, wenn ihr schon nicht eure Ketten absprengen könnt, dann will ich wenigstens zum Nachdenken motivieren. Ich will euren Neid spüren, denn nur so ist die Anregung zum Umdenken selbst kreiert.
Ich bin kein Klugscheißer oder Weltverbesserer, denke sogar sie wäre ohne den Großteil der Menschheit besser dran und käme alleine ganz gut zurecht. Da dieses Schicksal aber seit dem aufrechten Gang ins Wanken geriet muss dem Wackelkandidaten eine neue Perspektive geboten werden. Vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Genug der Vorrede, ich bin Philipp, Mensch, unfrei geboren und nun seit Jahren am Versuch auszubrechen. Auf die Frage: “Was machst du so?” antworte ich manchmal mit — Reisen –. Aber halt, ich schreibe keinen blog über die schönsten Hotels und besten Amüsierviertel, ich führe eher ein nomadisches Leben geprägt von Roadtrips und spontanen Entdeckungen. Erfahrungen gab es in den letzten Jahren einige die Stück für Stück zu digitalem Papier gebracht werden. Der Clou an der Geschichte ist aber, dass ich fast ohne finanzielle Ressourcen den Lebensweg bestreite. Nun (2019) schon bei knapp 180.000km in 33 Ländern im vierten Bus und noch lange nicht müde.

Und wer jetzt immer noch mitliest kann sich höchstens von den nächsten Eckdaten und Schlagworten abschrecken lassen. Ich bin DüDo-Fan also alte Mercedes Transporter, bin Motorradfreak und dank Zweirad dabeierkundet man auch die letzten Winkel.

Meine Alarmanlage Hund hört auf den Namen Atlas.

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Ich bin Sportenthusiast seit Kindertagen (Mountainbike, Klettern, Kampfsport, Surfen, Slackline und Fitness) Weitere Themenpunkte der homepage : Ernährungsberatung und Nahrungsbeschaffung durch Dumpster Diving, Recycling und Upcycling, Survival und Outdoortips, Geschichten von Reisegefährten und deren Heimen, Der blues der Straße und wunderschöne Natur in Bild und Ton. Im Kontrast natürlich der Fingerzeig auf Missstände in dieser Gesellschaft und Lösungswege.

Herzlich Willkommen bei >> MB407 <<

Viele Reisende haben das “Problem” Haus oder Wohnung in der Heimat. Man muss sich kümmern und laufende Kosten zahlen, unmöglich neben der Miete noch Reisegeld anzusparen. Unterwegs arbeiten lohnt nur als digitaler Nomade mit Fachwissen. Bei mir geht das etwas einfacher: arbeiten und sparen im Sommer, ich bau Motorräder auf und verkaufe die dann oder restauriere Busse. Für alles andere ist tauschen ist die älteste Wirtschaft der Welt.

Und sie funktioniert heute besser als jemals zuvor in der Moderne. Immer mehr Menschen schließen sich langsam dem Gedanken an und nutzen auch das Internet für Angebot und Suche. Bei mir gibt es schon eine ganze Weile gute Beispiele. Der Garten, der in den Sommermonaten Heimatbasis ist, wurde vor einigen Jahren gegen einen anderen ohne Laube drauf getauscht. Diesen wiederum habe ich für gratis bekommen weil eine Menge Arbeit zu erledigen war bevor der Urwald wieder in der Kolonie akzeptiert wurde. Selbst mit den Bussen ist es theoretisch nicht anders. Direkter Tausch eher nicht, aber das Zwischenmedium Geldwährung wurde zumindest nicht in sinnlosen Plunder wie Flachbildfernseher oder Designerklamotten versenkt, sondern in eine Wunschoptimierung investiert.

Platz ist Luxus und so genannte Tiny-Häuser groß im Nutzwert. Unterwegs stehen 10-12m² Wohnraum zur Verfügung, “zuhause” immerhin das Doppelte. Hat gedauert sich von genügend Besitz zu trennen um unbeschwert leben zu können. Dafür aber auch in der Großstadt im Grünen, die meisten Besucher konnten es nicht glauben, seht selbst.

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Eine klassische Laube, Datscha oder Hütte, wie man mag. Küche, Bad und Wohnbereich, der oben im Dach vom Schlafbereich überspannt wird, was will man mehr. Dazu noch 400m² um Obst und Gemüse anzubauen, alleine diese Fähigkeit zur Lebenserhaltung ist den meisten heutzutage fremd geworden.

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Reiche Ernten ergänzen den Speiseplan und wer kann schon die Freiheit geniessen im Sommer nackt auf seiner eigenen Wiese zu liegen oder einfach mal nen Lagerfeuer anmachen, wenn man wünscht. Ok, man hat kleinere Pflichten und Ruhezeiten einzuhalten, aber Kompromisse gibt es überall. Für mich ist es definitiv die beste Art zu wohnen, wenn es auch nicht offiziell erlaubt ist.

Als DauerKleingartenAnlage gibt es zwar ganzjährige Nachbarn, die haben aber Bestandsschutz und größere Steinhäuschen. Ich verbringe auch nur wie alle anderen die schönen Tage des Sommers hier. Und ganz ehrlich, viele der recht spießigen Nachbarn meinen ich mach es genau richtig… und gucken im Herbst neidisch hinterher.

Für alle, die nicht durch das Glück des Tüchtigen an solch ein Idyll gelangen, hier ein paar Anregungen zum Nachmachen. Parzellen in Anlagen werden gepachtet, der Bestand darauf (Haus, Baum und Strauch) wird offiziell geschätzt und ist an den Vorbesitzer zu zahlen, meist 5000-10000€ in Berlin, im Umland teilweise geschenkt. Zusätzlich gibt es ein Eintrittsgeld in den Verein und man braucht einen Wohnsitz in der Nähe. Danach interessiert es niemanden mehr. Die Pacht samt Müll, Strom und Wasser beträgt bei uns knapp 500,- jährlich. Da ich nun einen weiteren Traum verwirkliche und ein paar Jahre weg sein werde ist mein Garten bei Freunden in guten Händen.

Berlin ist hip, Berlin ist arm aber sexy… und so weiter. Trotzdem liegt alles auf der Straße, ich schlendere gerne über Flohmärkte und kurz vor Schließung bekommt man sogar noch vieles geschenkt, was Verkäufer nicht mehr mitnehmen möchten. Der touristisch aufgebauschte Mauerparkflohmarkt ist hierfür beste Adresse und das nachmittägliche Drumherum auch sehenswert. Auch der Flowmarkt in Neukölln oder am Boxhagener Platz haben nun schon KultCharakter.

Wenn man sich überlegt, was der Durchschnitt der Bevölkerung für Miete, Lebensmittel und schlimmer noch Suchtmittel ausgibt, dann noch Klamotten sowie Unterhaltungselektronik dazu addiert… und das alles von seinen Rechnung abzieht ist es kein Wunder, dass bei mir zwei Monate im Jahr zu arbeiten völlig ausreicht. im Mittel verbrauch ich 3000,- für eine halbjährige Tour mit Sprit ggf. Futter und Kulturausgaben. Klar ist das alles eine Milchmädchen-Rechnung aber nicht geschönt. Reparaturausgaben für den Bus zum Beispiel fallen auch nicht an, das mache ich selber und die Teile gibt’s noch günstig von vielen Schlachtern. Es gibt viele Argumente diese Freiheit nicht einfach nachahmen zu können, Geld gehört aber nicht dazu, also los, was steht euch im Wege?

Zum Thema Wegwerfgesellschaft kann ich noch so einige Denkanstöße beisteuern. Es gibt nix, was noch nicht im Müll gefunden wurde. Klar fallen somit ein Großteil der Fixkosten weg und ich kann mir diesen Lebensstil so leisten.

Containern ist das immer populärer werdende Einkaufen hinterm Geschäft nach Schließung. Da überall eh nur auf der Durchreise wage ich jeden Blick zu jeder Zeit. Bei vielen Anbietern werden Tonnen auch gerne nachts ein- oder abgeschlossen, also keine Berührungsängste und immer mit einem lockeren Spruch parat, falls dir mal wieder ein gefrusteter Mitarbeiter erzählen möchte, dass das verboten sei… Verkehrte Welt – Essbares wegwerfen gehört verboten. Es ist auch dank Hygienevorschriften selten eine eklige Angelegenheit.

Ich werde immer nach Tipps gefragt und es gibt heutzutage schon facebook Gruppen zum Thema, alles Unnütz, es gibt keine “sicheren spots”! Es könnte überall und zu jeder Zeit Beute auftauchen, oder an bekannten Orten mal tagelang wegbleiben. Vielseitig und überall wo man rumkommt einfach kurz anhalten, schadet nicht und hat schon viele Überraschungen gebracht. Hinter einem Discounter z.B. muss mal die Kühlung ausgefallen sein, alles wurde aussortiert… (und kam am nächsten Morgen ins Müllauto, hab es beobachtet) In der Nacht zuvor hatte ich den ganzen Anhänger beladen und per foodsharing verteilt, nur wenige Prozent retten können.

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Man muss auch in seiner Auswahl sehr wählerisch sein und sich nicht vom Angebot verführen lassen, Obst und Gemüse ist klar und immer vor Ort, aber auch bei haltbaren Lebensmitteln wie Nudeln und Reis greift man auch bei angerissenen Tüten immer zu.

Bei Süßigkeiten und ungesundem hört der Spaß meist auf, man glaubt gar nicht, wieviel Massen Zucker mit Joghurt und billiger versalzener Wurst in der Tonne landet. Diese Pralinen hier wurden bei so einigen Geburtstagspartys großzügig verteilt:

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Glaubt vor allem nicht, dass ihr jemandem was wegnehmt, selbst die ReFood Verwertungstonnen fliegen nur zur Biogas Herstellung in einen riesigen Bottich. Die Tafel nimmt schon lange nix mehr mit was abgelaufen ist. Was ihr nicht mitnehmt einfach für den Nächsten obenauf liegen lassen und ganz wichtig den Müllplatz wieder sauber hinterlassen!

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Drinnen sieht es manchmal so aus:

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Die Speisepläne richten sich bei uns also gerne nach dem Angebot, saisonal und regional am liebsten vegetarisch, doch manchmal ist mehr Fleisch dabei, als ich Atlas füttern kann.

Um Weg von den Superlativen zu kommen, am Liebsten haben wir es so:
Klein und übersichtlich, täglich Frisch, viel Spaß beim Lebensmittel retten.

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Als ich anfänglich meinte ALLES bezog sich das wirklich nicht nur auf Lebensmittel. Den kompletten Busausbau des mb407 habe ich aus Elementen vom Sperrmüll, sowas nennt sich dann upcycling, das wird im Umbaubericht näher erläutert. Auch der 608 hat seine Palettenwandverkleidung vom Müll.

Aber auch nützliches ist ab und an dabei. ich fand schon Handys und Armbanduhren (die gerne Tauschgegenstände im Süden sind) Als sehr erstaunlich fand ich meine Beute vom Schrott bei der Stadtreinigung im Sommer 2016. Im Container wo ich durch Zufall Kleinzeug aus dem Garten loswerden wollte lag schon fast unter Gerümpel verdeckt ein Fahrrad. Das Vorderrad fehlte und der Gabelschaft war krumm, aber hey: hydraulische Scheibenbremsen und der Rest völlig brauchbar.

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Aber das Alles ist noch nix gegen einen Besuch auf nem Festivalgelände am Abreisetag.

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Wacken ist hier Favourit und brachte schon so einige Campingausrüstungen und Kochutensilien wieder in den Umlauf dank eBay-Verkauf.

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Das Highlight aber waren diese Säcke gefüllt mit teurem Plastik, nie zu schade Pfand zu sammeln.

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über 700 Pfandflaschen ließen uns etwas über eine Stunde den Automaten bei nem Discounter füttern. Das Bargeld dafür hat die Spritkosten und Tickets für diesen Trip locker rausgeholt.

Das Geld liegt auf der Straße… ist nicht bloß eine Floskel. Schrott sammeln lohnt sich bei den Preisen nur noch bedingt, Buntmetalle findet man selten, Batterien aber brachten mir bis zu 50ct pro Kilo und da kommt schnell Gewicht zusammen!

Ebenso muss man Platz für Laubsäcke haben, auf den Hänger passen die aber immer. Zumindest in Berlin gibt es das Phänomen Laubsack. Man erwirbt den bei der Stadtreinigung und darf ihn gefüllt am Straßenrand abstellen oder gegen Pfanderstattung beim Entsorger abgeben. 1,- Euro pro Sack!

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Augen auf…

Es geht aber noch reisespezifischer, der Bus braucht auch Input.
Bitte nur nachmachen, wenn ihr technischen Sachverstand habt!

Der OM 616 im 407 ist ein Vorkammer-Diesel, das heißt auch der Treibstoff wird” altmodisch” über Einspritzdüsen in eine vorgewärmte Kammer eingesprüht und dann erst in den Hauptbrennraum gesogen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Vorkammereinspritzung

Viele Dieselmotoren müssen extra auf Pflanzenölbetrieb umgebaut werden, da ich nicht in kalte Regionen komme ist das  unnötig und im Sommer ein Betrieb mit bis zu 100% PÖL machbar. Die Nachteile hierfür dürfen aber nicht außer Acht gelassen werden, Drecklösung im Tank, Aufweichung von Dichtungen und evtl. bakterielle Zerstörung des BioDiesels…

Doch was auf der Positiv Seite gegenüber steht ist unglaublich. Kostenloser Treibstoff in vielen südlichen Ländern. Es begann vor Jahren auf der Italientour, der Dieselpreis lag bei über 1,70 und wir hatten im Supermarkt eine Kiste Rapsöl für 85ct/l gekauft. Hab das früher schon mal in alten Saugdieseln ausprobiert, und auch im Düdo lief das gut.

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Nun mag der Italiener ne menge frittierter Speisen und kauft massig Öle in Flaschen. Da das genutzte Zeug aber nicht in die Kanalisation soll und es niemand trinken mag gibt es vor vielen Supermärkten und auf öffentlichen Recyclingplätzen solch Tonnen.

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Treibstoff containern und dank Plastikgebinden kann man auf den ersten Blick schon schauen ob’s klar ist, oder echt trübe Brühe. Also wird direkt vor Ort ausgewählt und später nochmal umgefüllt und durch nen Nylon Socken gefiltert. Für die restlichen Partikel sind dann Vor- und Hauptfilter zuständig, davon habe ich eine handvoll parat.

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Auch an der Französischen Südküste und in Spanien ist das gut machbar, auch wenn die Tonnen manchmal abgeschlossen sind und man sich über den Einfüllschacht bedienen muss. Hab ne Öse an Metallhaken gebastelt um zu angeln. In Gibraltar zum Beispiel sehe ich das Treibstoffcontainern als am Einfachsten, orange Tonnen an jeder Ecke, meist randvoll und in guter Qualität.

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Der Geruch der Abgase ist etwas… gewöhnungsbedürftig, man schmeckt förmlich den früheren Gebrauch heraus. Ob Fisch, Süßes oder in Kruste frittiertes… den nachfolgenden Verkehr wird es freuen. Die Leistungsausbeute ist nicht 100%, aber wer beim Düdo mit Leistung rechnet ist eh verkehrt.

Zu bedenken ist allerdings, dass bei kaltem Motor und kaltem Tank das Starten schwierig werden könnte, länger vorglühen versteht sich von selbst, auf die letzten Kilometer aber Diesel nachschütten ist angebracht.

Zwei separate Tanks wäre eine gute Lösung, in der Summe wurden von mir knappdie Hälfte der Reisekilometer ohne Diesel absolviert.

Sparen kann man also überall, mir sind das meine Träume wert.