Wendekreis des Krebses

Dakhla ist ein gemütliches Städtchen, aber wie alle größeren Orte in Marokko auch ein ganz schönes Dreckloch. Müll überall und vermehrt noch außerhalb der Wohngegenden. Mülltonnen haben wir zwar einige entdeckt, aber wie da die Logistik funktioniert ist mir ein Rätsel. Irgendwie doch eingebaut und mit der siffenden Umgebung zu einer stinkenden Einheit geworden. Bild direkt hinterm Markt aufgenommen.

Was mir besonders aufgefallen ist, die wenigsten Häuser haben einen Wasseranschluß und Installation beschränkt sich auf ne Tonne auf dem Dach und fließendes Wasser ins Gebäude, raus wie auch immer. Heißt damit auch, dass der Tankwagen ein ständiges Straßenbild ist und egal wann wir wo waren, immer fährt einer hupend und schleichend durch die Viertel und bietet seine Dienste an. Bei unserer Suche nach Wasser fanden wir die Station, wo diese Trucks wiederum auffüllen. Wohl so ziemlich die einzige Quelle in Dakhla und relativ zentral gelegen auf der großen Freifläche wo zum Windschutz ein Palmenwäldchen angepflanzt wurde.

Im Bild nur die beiden LKW aktuell bei der Befüllung, die uns freundlicher Weise direkt in unsere Kanister laufen ließen. Dahinter und daneben teils in Pausenstimmung mehrere Dutzend weitere Laster mit teils selbstgebauten Tanks on top.
Wir haben einen sehr bescheidenen Wasserverbrauch und kommen zu zweit mit 10-15l am Tag inklusive daraus gefilterten 5l Trinkwasser aus. Das wöchentliche Hammam mit knapp 2Eimern statt der unzählbaren der verschwenderischen Einheimischen schon eingerechnet. Am Stellplatz der etwas westlich vom Ortseingangskreisverkehr liegt gab es jedoch eine sehr angenehme Überraschung. Mal wieder eine heiße Quelle, wenn auch weder wirklich heiß, noch schön anzusehen. Wieder mal wurde hier wohl gebohrt und die Qualität als nicht nutzbar erachtet. Das Speicherbecken verwahrlost und Der Ablauf eine im Nichts endende Rinne. Das Wasser auch schwefelhaltig und knapp über Körpertemperatur. Von den Anwohnern als Waschplatz, für Autowäschen und als Baderinne benutzt.

Waschen ist nach den stürmischen Tagen für den Bus mal eine Frage der Konservierung und Rostprävention. Eine Salzkruste macht die Fenster undurchsichtig und der anhaftende Dreck zeugt keineswegs von Pflege am KFZ. Nachteil schöner Küstenstellplätze. Da wir heute aber selbige verlassen ist also auch mal Waschtag angesagt. Dank Leiter, Lappen und Eimer, einer Menge Zeit und kurzweiliger Gesellschaft eine lustige Veranstaltung. Normalerweise wird bei mir einmal im Jahr meist vor Neulackierung gewaschen, mein treues Wüstenschiff hat sich diese Kur aber mal verdient und strahlt nun wieder. Auch die Felgen sind wirklich noch reinweiß.

Während unserer Aktion kam eine Gruppe Kinder und hatte Spaß im Freibad. Die ideale Belohnung nach getaner Arbeit auch für mich. In meiner Top5 der hotsprings ist Dakhla nun aufgrund der Rahmenbedingungen knapp eingesprungen. Aber direkt vom noch fehlenden Fask bei Guelmim verdrängt worden.

Top5 hotsprings

Wir verlassen also Nachbarn und Reisegefährten, auch Robin im roten Bremer wird nicht weiter südlich ziehen. Diese Fahrt ins Ungewisse nehme ich mit Olli alleine auf und dafür gewappnet brauchen wir noch Treibstoff. Einige Tankstellen kommen noch aber auf Anhieb hat mein Vorhaben bei der ersten schon Erfolg. Ich tausche ungenutzten Ballast gegen sinnvollen Ballast in einem Verhältnis, welches mir fast schon kriminell vorkam. Mit etwas Nachverhandeln seitens des Tankwarts und von mir einigen Tetrapaks Wein obendrauf für beide Seiten ein gutes Geschäft wie es scheint. Sollte nun ne ganze Weile reichen.

Der Tag war schon wieder gut vorangeschritten. Zur Grenze ist es noch ne Tagesetappe, heute jedoch nicht mehr. Wir kämpfen uns zäh gegen den Wind nach Norden auf den Platz bei Kilometer 25 und damit erneut ins unglaubliche Rentnerparadies. Fremdschämen ist der richtige Ausdruck für dieses recht perverse Schauspiel dort. Ich hab Geschichten gehört von handgreiflichen Revierkämpfen und monatelanger Einnistung. Aber man glaubt es nicht, wenn man es nicht live gesehen hat, ich versuche mal Bilder sprechen zu lassen.

Massives Vorzelt, Außenklo, Garage und gigantische Sattelitenschüssel. Im folgenden Bild unwesentlich kleiner Empfänger vom VerdummungsTV und weniger verschlossenes Setup mit Windfang/Blickschutz samt Wäscheständer.

Und manchmal ist es wohl doch zu langweilig und man macht sich auf zu Besorgungen oder was auch immer. Bloß nicht den Platz verlieren.

Besorgungen sind eigentlich unnötig, da alles auf Wunsch hergekarrt wird. Der Gasmann kommt und bimmelt wie auch einige andere Lieferanten. Und auch hier kann man gesehenes toppen, was nicht im Bild ist, keine 50m hinter mir wartet eine fette Alte (ich kann es nicht netter ausdrücken) mit ihren leeren Flaschen an der Straße und unterhält sich hämisch mit der Nachbarin (auf französisch), dass ihr der Weg zu weit ist und der LKW ja sowieso hinten umkehren muss. Darf bei ihr dann nochmal halten… wie weit muss man sinken um so den Proleten raushängen zu lassen. Und sich dann wundern warum Europäer nicht (mehr) überall willkommen sind.

Und wenn ich schon wieder politisch unkorrekt und gegen den Strom wettere, muss ich euch das schlimmste an der ganzen Veranstaltung leider ohne Geruch auf die Nase binden. Scheiße passiert, in großen Mengen und alles unter Observierung der Polizei an der Kreuzung zum Eingang.

Echt unglaublich, eine wilde Entsorgungsstelle für Chemietoiletten, direkt hinterm Sandhügel auf dem Bungalows entstehen die eine Bucht im Naturschutzpark umringen. Bedarf es noch mehr Worte? Für die ganz harten die Großaufnahme und kein Einzelfall. In den 30Minuten die ich morgens dort umhergelaufen war kamen 3 Rentner mit Bollerwagen und brauner Sauce völlig selbstverständlich und ungeniert die Straße herauf. Hochgerechnet… undenkbar. Ich wünsche mir nur von ganzem Herzen, dass irgendwann mal einer reinrutscht und nen tiefen Schluck nehmen muss. So entsteht Hass auf Weißware, hoffentlich schreitet hier bald jemand ein, ohne diesen Platz ist Marokko nicht ärmer. Ekelhaft.

Schnell weg hier. Der Wind steht uns danach seitlich als wir der Straße entlang nach Osten folgen. Wenige Kilometer weiter dann die Kreuzung wo wenige wie wir nach Süden abbiegen. Das folgende Straßenschild hat dann wenig abwechslungsreiches zu vermelden.

Dabei noch die ersten drei Posten sehr zu vernachlässigen weil quasi nicht existent, mehr dazu aber im nächsten Beitrag. Nennenswert vielleicht noch das letzte Bild von heute. Optisch wenig spektakulär, praktisch jedoch genau auf dem Breitengrad des Wendepunkt des Krebses und damit steht hier zur Sommersonnenwende besagter Lebensspender genau mittig über den Köpfen, oder hab ich da irgendwas falsch verstanden?

Abschließend muss ich mich für die heutige Wort- und Bildwahl entschuldigen. Wie auf der HP angekündigt nicht immer alles Sonnenschein auf dieser Welt. Es kommen auch wieder buntere Bilder (hoffentlich) Danke fürs Lesen, macht euch mal Gedanken.

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