Lamhiriz bis Mauretanien

Von Dakhla bis zur Grenze sind es knapp 400km, machbar an einem Tag aber eine Tortur. Wir waren also wie üblich gemütlich unterwegs und genossen die abwechslungsreiche Aussicht auf der Route in den Süden. Naja…

Unsere Busse liefen rund und Dank Rückenwind mit um die 70km/h, mehr muss nicht sein, die Straße nicht immer die Beste und Gegenverkehr unberechenbar. Außerdem ist es heiß und sonnig, die Reifen heizen sich gut auf. Für heute stand ein Großteil der Strecke bis zur Grenze auf dem Plan. So schaffen wir am nächsten den Übertritt gegen Mittag und damit die unkomplizierteste Zeit wie man liest. Mehr dazu aber später. Auf der ganzen Fahrt habe ich mir nur zwei Orte markiert die auf dem Rückweg interessant sein könnten, eine Piste zu einer Bucht und eine große Düne in einem sonst wie üblich flachem Gebiet mit nur einigen Büschen. Echt öde und hoffentlich bald anders.

Unser Schlafplatz ein Versuch ins Blaue und 18km Fahrt von der N1 entfernt. In Barbas einem der wenigen Versorgungszentren (Tankstelle mit Restaurant und Werkstatt) biegen wir also ab zur Küste. Lamhiriz soll ein verschlafenes Fischernest und zum Stehen angenehm sein. Definitiv ruhig, fast schon ein Geisterdorf als wir im Zentrum an der Moschee ankommen. Nach kurzem Überblick finden wir hinter der Kaserne die einzig logische Stellplatzecke an der abwechslungsreichen Küste. Ca. 10 Camper verstecken sich vor dem Wind an der Mauer wie auf eine Perlenkette aufgezogen. Wir parken abseits und am Strand mit dem leichten Schaukeln des Windes im Einklang mit der Natur.

Die Küstenlinie sehr schroff hier und bestehend aus kleinen Buchten umgeben von felsigen Hügeln mit Abbrüchen und Muschelbänken. Sehenswert und lecker… zur Ebbe am Abend geht es mit dem Eimer auf Beutezug. Daumengroß und in Massen vorhanden, das Gesammelte sollte eine Portion werden. Wir hofften ja auf ein Fischrestaurant, aber Suche negativ.

Es gefiel uns hier und wir beschlossen einen Tag Pause einzulegen und erst am darauf folgenden zu starten. Der Wind legte sich etwas und so gab es am Tage Zeit für Sport, Basteleien und Erkundungen. Die Nachbarn meist Boule spielende Franzosen. Der Ort aber auch Anlaufpunkt für viele Weiterreisende mit Allradgefährten. Am ersten Abend noch ein deutscher LKW mit Vario Bus Begleitung die seltene Klänge zum Besten gaben. Da spielte doch tatsächlich einer Dudelsack während wir unser Abendessen zubereiteten. Am Zweiten dann eine Gruppe PickUp Nomaden mit Klappdach, beide waren am frühen Morgen leider schon verschwunden.

Die Erkundungen ergaben einen endlosen Strand im Süden und ein im Bau befindliches Gebiet im Norden wo eine Hafenbefestigung oder dergleichen erstellt wird. Dazwischen sehr zentral die Bucht mit den hier grünen Fischerbooten. Leider alle wie am Abend zuvor und verlassen. Fischer gibt es hier keine. Eine ummauerte mit offenen rostigen Toren versehene Anlage diente früher als Kern der Stadt und zum Fischhandel. Sandverwehungen und herumwirbelnde Strauchreste, fühle mich an Wildwest Filme erinnert. Bröckelnde Fassaden, eingeschlagene und fehlende Fenster, zerbrochene Markisen, Geisterstadt… überall.

Die einzigen Gäste im einst mal hübschen Restaurant ein wildes Rudel Hunde. Ich treffe einen einzelnen Marokkaner der in einem der leer stehenden Häuser (wohnt?). Er meinst die Fischer sind weg, schlechte Zeiten oder Wetter, das Wort bedeutet im französischen das Gleiche. Die Stadt seit Jahren verlassen und das alles vor mehr als 20Jahren gebaut. Die Regierung ist schuld, obwohl es irgendwie doch voran geht, da erst vor wenigen Jahren Strommasten gestellt wurden. Die meisten der Menschen die aber noch hier sind hausen nördlich der Anlage in Zelten, aber auch da ist aktuell kaum jemand da.

Ich fahr mit dem Fahrrad also mal weiter und finde erneut ein Fischerslum wie auch schon im Süden Dakhlas vor. Zelte wären noch ne temporäre Lösung, die Hütten hier aus Müll und Bootsresten gebaut zeugen von dauerhafter Lebensweise. Es stinkt gewaltig, daran ist aber kein Fisch schuld, sondern die Ziegenherden die mittendrin leben. Schade sowas in dieser tollen Ecke vorzufinden, erst Recht weil die festen Gebäude da oben alle leer stehen. Man könnte ein schönes florierendes Städtchen als letzte Oase im Süden erschaffen, die Touristen sind ja auch / immernoch hier, vielleicht wirklich nur aktuell im Januar verlassen? Ich drücke die Daumen.

Was Indiz für Leben ist, steht mal wieder gut gepflegt im Zentrum an der einzigen Kreuzung des Ortes, die aus einem großen Kreisverkehr besteht auf welchem die Moschee thront. Tolles Bild mit passendem Gegensatz wie ich finde. Das rostige Verkehrsschild klappert im Wind und sehen tut man hier aber auch niemanden. Zumindest hören wir am Abend den Gebetsruf vom Minarett

Die Muscheln haben einen Tag im Wasser geruht um Dreck los zu werden. Wir haben in Dakhla schon welche nur in Tomaten und Zwiebeln gedünstet und dabei ordentlich Salzwasser erhalten. Heute koche ich die im eigenen Sud vor, die Schalen werden gepult und mit dem Fleisch eine Sauce gemacht, das Salzwasser dient dann zum Spaghetti kochen, al frutti di mare.

Eine herrliche Bucht ist unsere Aussicht und man könnte hier mit einigen Vorräten auch wirklich ne Weile bleiben.

Für uns heißt es aber am kommenden Morgen Abfahrt. Der Himmel diesig, ob Hochnebel oder Sand schwer zu erkennen, windig ist es auf jeden Fall immernoch oder schon wieder.

Etwas südlich wird die Umgebung abwechslungsreicher, kleine Hügel säumen die Straße und auf einigen thronen Steintürmchen… ob zu Orientierung oder Zeitvertreib weiß ich nicht. Wer Einsamkeit mag und sucht ist auf jeden Fall perfekt in der Westsahara aufgehoben. Urplötzlich das letzte Örtchen Guergarat, was hauptsächlich eine Kaserne, eine Tankstelle und die Grenze ist.

Die Prozedur beim Ausreisen aus Marokko gleicht derjenign im Norden bis ins Detail. Wüste Bürokratie, unsinniges mehrfaches checken von Papieren und Passport, erschwerend noch die Moppeds und der Hänger. Da trifft es sich gut, dass ein junger Beamter sich freut deutsche zu treffen und stolz berichtet unsere Sprache zu lernen, ein paar Brocken kann er schon und wünscht sich so gerne ein leicht verständliches Comic zum üben. Welch Zufall, hat Olli nen Dagobert Duck Heftchen übrig und wir machen ihm ne große Freude damit. Er versucht uns bei seinen Vorgesetzten zu helfen und liest während seines Dienstes im Büchlein und fragt mich immer wieder zu Aussprache und Sinn von Worten. Donald hat Daisy grad Zuckerwatte gekauft und er kennt nun auch diese Leckerei.

Röntgen und Fahrzeugbesichtigung auch an dieser Grenze, bei Olli checken sie sogar die Dachboxen. Auspacken müssen wir aber nix, nur der Senegalese neben uns mit dem proppevollen Möbeltransporter hat heute noch ein Puzzle vor beim wieder Einräumen. Und wir sammeln weiter Kritzeleien und Stempel.

Und dann mit den letzten Stempeln und Eintragungen im Buch des Posten verlassen wir Marokko und sind in… wo überhaupt. Eigentlich und nicht nur theoretisch sondern auch praktisch im Niemandsland.

Wir werden empfangen von Schleusern und anderen „Helfern“ die Fahrzeuge im Bild sind gestrandete und dienen als Wohn und Handelszentren. Gesetzloses Land hier, etliche Autowracks neben der Straße, teils ausgeweidet. Müll sowieso überall. Wir müssen einfach der Straße folgen und sollten uns nicht abseits bewegen, ist noch teils vermint. 4Kilometer geht das so plötzlich hört dann doch die Straße auf, Willkommen im Nichts.

Mauretanien ist nicht mehr weit, man kann etlichen verschiedenen Spuren folgen, jeder der weiter will muss hier durch. Auch LKW und Reisebusse müssen über diese sehr holprigen Pisten und sich schleichend eine Route suchen. Teilweise nicht unbedingt simpel und wenn man falsch entscheidet Pech gehabt. Aufsetzen oder einsanden ist hier kein Problem. Wir schaffen es aber und sehen die nächste Grenze vor uns.

Auch hier gibt es etliche Schreiberlinge und Leute die sich ne Mark, Dollar, Euro oder nen Ouguiya verdienen wollen. Sollte mit Französisch aber kein Problem sein und grob weiß ich was zu tun ist. Erstmal beim Polizeiposten anmelden, dann wird das Fahrzeug durchsucht. Bei mir nur theoretisch, der nette Hundeführer mit einem Mallinoi hat keinen Bock auf Stress und fragt nur ob ich Drogen Waffen oder Alkohol dabei habe… natürlich nicht. und auf zur nächsten Etappe.

Diese ist die Visa Stelle und mit HighTech ausgerüstet. Fingerscanner und Foto, direkt ausgedruckt und in den Pass geklebt. Nette Beamte die locker mit uns plaudern. Die Jungs zählen vor unseren Augen grad Euros und verpacken die in einem Blatt Papier mit Tackernadeln zusammengehalten Bündelweise in einem wackeligen Safe direkt neben mir. 55,- pro Person kostet die einmalige Einreise… lohnt sich anscheinend, obwohl anscheinend seit letztem JAhr der Pres von 120,- auf 55,- gesenkt wurde. Bienvenue a Mauretanie

Danach wird an der nächsten Station ein Engagement d’Honneur ausgefüllt, eine Ehrenerklärung, dass man sein Auto hier im Land nicht verkaufen will. Bei uns noch Anhänger und Moppeds handschriftlich dazunotiert kostet das weitere 10,-€.

Nochmals ein Check von Papieren und die ganze Grenze hier hat vielleicht 30Minuten gedauert, mit Zwischenetappe und marokkanischer Abfertigung waren das keine drei Stunden. Jetzt könnte man noch Geld tauschen oder ne Versicherung abschließen, kann man aber auch später. Hallo Mauretanien, wir sind gespannt, was du zu bieten hast. Für heute steuern wir Nouadhibou an eine Stadt ähnlich Dakhla auf einer Halbinsel gelegen. Kleiner Umweg von der Hauptroute ins Land aber für heute ist nix weiter geplant.

Das gespannt sein endet erstmal ernüchternd… was haben wir anderes erwartet… SAND

3 Gedanken zu “Lamhiriz bis Mauretanien

  1. Hans Peter Hauschild schreibt:

    Hallo,
    erst mal danke für die aktuellen und interessanten Berichte eurer Erlebnisse.
    Was macht der „Kulturschock“ nach der Einreise nach Mauretanien?
    Nouadhibou ist ja wohl definitiv anders als Marokko, oder?
    Bleibt mal ein paar Tage dort, dann gewöhnt man sich an das Land.
    Meine Erfahrung: Mauretanien ist viel teurer als Marokko!
    Bis Nouakschott ist nur Sand, zwischendurch an den Strand zu fahren dürfte mit den Bussen ohne Sandbleche eher schwierig werden, beim „Sultan“ kurz vor Nkt rechts ab ist aber ein guter Platz. Wenn ihr schon mal in Nkt seid, dann lohnt die Fahrt an den Senegal Fluss, aber eher nach Kaedi und Boghé als nach Rosso, über Rosso zurück ist eine Alternative (Straße von Selibaby bis Rosso geteert), auch die Strasse nach Keur Massene könnte einen Ausflug wert sein, mit ein wenig Aufenthalt in der Landschaft.
    Viele Grüße,
    HPH

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s