Das letzte Stück bis Dakhla

Kurz vor Dakhla, der letzten Stadt vor Mauretanien könnte man mit Blick auf die Karte behaupten, der Maßstab trügt aber und ich hab noch ein paar Hundert Kilometer vor mir. Die Landzunge auf der sich ein Etappenziel befindet ist selbst riesig und lang. Distanzen werden hier in Zeit gerechnet. Diese Zeit wird mit Musik, Hörbuch oder Sudoku vertrieben. Dafür hab ich ne einfache App gefunden die mich täglich neu versorgt. Falls jemand das Rätsel aus dem letzten blog angegangen ist… nicht verzweifeln. ich hatte immer wieder irgendwo einen Fehler drin und meine Freunde involviert. Erstaunlicher Weise kamen viele unterschiedliche aber korrekte Ergebnisse zurück, wieder was gelernt, es gibt nicht nur eine Lösung!

Die Straße bedarf der gesteigerter Aufmerksamkeit. Gegenverkehr jetzt kräftiger und auch in meine Richtung fahren immer mehr Laster Waren nach Dakhla. Außerdem musste ich zweimal das Tempomat drosseln um eine Brücken-Baustelle zu umfahren.

Mangels Alternativen nun noch ein unglaubliches Bild von der frisch erneuerten RN1. Tutti kompletti mit Markierungen, Seitenstreifen und noch extravaganter Leitplanke. Immerhin hat man sich die Millionen von Begrenzungspfosten gespart, sonst könnte man sich auf einer deutschen Straße wähnen.

Ich wollte mir mal wieder die Beine vertreten und checke einen Punkt von maps.me aus. Source thermique steht da, also heiße Quelle. Naja, irgendwie schon aber alles andere als romantische Vorstellung von ner warmen Wanne. Gegenüber einer aus Tankstelle und fünf Häusern bestehenden Ortschaft steht ein Wasserturm auf einem ummauerten Gelände mit Pumpenhaus. Daraus tritt ein Rohr und leert sich in ein unansehnliches Becken. Nicht sauber, auch nicht ruhig und abgeschieden, kein Bedarf an stinkendem Wasser.

Dann wieder ne Weile hinterm Steuer bis Nitirift einem Fischerort nicht mehr weit vor meinem Ziel. Wenn man im Ort die sehr kaputte Straße bis zum Ende fährt landet man an einer Klippe und kann sich das Treiben unten im „Hafen“ mal ansehen. Jetzt muss erwähnt sein, dass der Ort an sich verwaist ist, daneben aber ein gigantischer Slum, würde man sagen, mit selbstgebauten Hütten und Moscheen dessen Funktion übernommen hat. Ich falle nicht besonders auf, ein weißes Wohnmobil hat sich hier aber noch nicht verirrt würde ich behaupten.

Das Schauspiel da unten erstaunlich lässig. Kids spielen Fußball am Strand, wohl die einzige ebene Fläche ohne Hindernisse wie Steine oder Müll. Die Boote alle flutsicher geparkt aber weit weg zum wassern. Dafür gibt es aber die Traktoren mit der Schubstange und den Reifen vorne dran. Erst werden die Boote über den Strand gezogen und dann von hinten mit dem Trecker ins Wasser geschoben. Der alte Diesel muss dafür fast nen Meter tief rein und dementsprechend sieht das Material aus, dass jahrelang mit Salzwasser in Berührung kommt. Es dauert zwar alles seine Zeit, läuft aber doch, hab’s nur nicht auf Video.

Nur wie kommen die Dinger da runter? Der nächste Trecker beladen mit allem Nötigen wie Außenborder, Netzen und Mannschaft zeigt mir den Weg. Eine steile sandige Abfahrt zwischen zwei Ruinen.

Von weiter oben an der Klippe betrachtet sieht man eine komplette Zeltstadt wohl etwas windgeschützt in einer Senke installiert. Und mitten drin ein recht großer Fabrikkomplex… die keine Software herstellen. Natürlich dreht sich hier alles um Fisch und der Geruch dementsprechend.

Es sind ja auch nen Haufen Boote von oben betrachtet und noch lange nicht alle in der Nähe. Am anderen Ende des Strandes ein weiterer Liegeplatz und im etwas Entfernung ein zweites ähnliches Dorf mit noch mehr Booten hier in der Bildmitte zu erkennen.

Auch hier oben ist eine Armada der landestypischen Fischerboote abgeparkt. Alle blau und damit im Gegensatz zum letzten Dorf mit roten Booten ein Unterschied. So erkennt man sich wohl unterwegs besser. Oder gehören die Boote der Fabrik und die Fischer sind nur angestellt?

Diese Ansiedlung hat anscheinend alles was zum Leben gebraucht wird. Moschee, Versorgungsmöglichkeiten und Werkstätten, Bootsbauer und Fischerbedarf, kleine Shops an jeder Ecke. Und natürlich wie üblich Müll überall. Ich hoffe ich fahre mir nichts in meine Reifen als ich ne kleine Rundfahrt mache.

Immerhin wird an eine Seite der Mauer die früher mal den Ort umschloss eine Art Kaserne gebaut. Ich schätze mal das sind Unterkünfte, die den Lebensstandard etwas anheben sollen und irgendwann mal die Zelte und Wellblechpaläste ersetzen. Das sind Maßnahmen die nötig sind aber ich frage mich was mit den meist leer stehenden halb zerfallenen Häusern dahinter im Ortskern passiert, das wäre doch viel einfacher dort aufzubauen.

Und noch mehr Fehlplanung natürlich weiter zur Straße hin. Wie im Land üblich, verfällt schon erschlossenes Bauland und wird mit Schutt zugeschüttet. Hier gibt es angelegte Straßen, Laternenmasten und Stromkästen… doch meist sieht es nun so aus. Ist auch ein bis zwei Kilometer weg vom „Hafen“ und dem Slum. Wahrscheinlich wieder Politik und Unterdrückung im Spiel. Ob die Bewohner Sahaouris oder vom Norden Zugewanderte sind kann man nicht erkennen. Auf jeden Fall stehen auch ne Menge neuerer Geländewagen und überhaupt nen Haufen Autos dazwischen, so schlecht kann es also doch nicht gehen.

Ich mache mich auf die letzte Etappe für heute. Abzweigung nach Dakhla hinter Militärposten und Tanke und dann runter von der Straße, dort soll es eine weitere heiße Quelle geben. Ja, Wäsche waschen wäre mal angesagt. Umringt von karger Wüste stehen hier ein paar Rohbauten die als Pumpenhaus dienen. Dazwischen eine Art Plateau wo das warme Wasser auf eine mit Teppichen ausgelegte Fläche spritzt, soll wohl heimeliges Duschen suggerieren. Ein junger Schwarzer begrüßt mich, er wohnt hier und hält das in Schuss. Ein Sichtschutz, Marokko Fähnchen, hat noch Potential. Für mich aber leider nix.

Also doch noch die letzten Meter nach Dakhla, wieder zurück über die Piste auf die Straße durch die Lagune.

Vorbei am Kilometer 25 dem Wohnmobilstellplatz für die High Society der Westsahara… noch nicht ganz so gefüllt wie mitten im Winter, aber grausam genug um mich nach einer Rundfahrt abstoßend zu verscheuchen. Hatte gehofft Overlander hätten sich dazwischen verirrt, Pustekuchen. Ich verkneife mir Bilder und verwaise nur auf nen alten Beitrag.

Link zum Beitrag aus dem Archiv

die letzten 25Kilometer zur Stadt… ja, deswegen heißt der Joghurtbecherplatz so, dann wie gewohnt mit Rückenwind. Meine Agenda hat sich nicht geändert, ausruhen und Wäsche waschen steht Morgen an. Ich steuere also die nicht grad idyllische aber abgelegene Quelle an die neben einem Park eine Rinne mit klarem, warmem Wasser füllt. Man kann auch drin baden, aber ich hab ja ne Wanne mit. Foto vom Archiv.

Der Platz hinter Palmen auch etwas windgeschützt, hier ließe es sich aushalten.

Wenn ja wenn aber das Schicksal spielt nicht mit. Ursache unbekannt und Nachforschung vergebens. Auch das große Becken hinter der Mauer (oben offen) zeigt gleiches.

Kein Wasser mehr an der heißen Quelle am Nordstrand von Dakhla, ein Schock und keine Ahnung was nun, darauf habe ich mich wirklich die letzten 1000km schon gefreut. Neeeeein.

Ok, wenn jetzt die Schadenfreude der Leser vorüber ist, das Leben geht weiter. Reisen heißt improvisieren, dann halt ein Bad im Atlantik und die Tage mal ins Hamamm, und die Wäsche bekomme ich auch noch sauber. Ich beziehe also das Ausweichlager, den Plan B und kann mich darüber eigentlich nicht beschweren. Es ist grad Flut und der Strand direkt vor mir überspült. heißt er ist aber gleich frisch und sauber, Atlas freut sich und ich bin endlich in Dakhla.

2 Gedanken zu “Das letzte Stück bis Dakhla

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