The Golden Eye Togo

Ich bin nach meinem Ausflug zum Wasserfall also meinem Herzen gefolgt und wieder die Piste den Berg hinauf dem Unimog entgegen. Ich habe keinen Plan, nur die Idee mich direkt dort auf die Lauer zu legen und zu warten, jeden zu fragen der dort passiert was er zum Fahrzeug weiß. Die Strecke mal wieder eine der tollsten Routen im Lande wie ich finde, wenig Verkehr durch relativ unberührte Natur vorbei an richtigem Regenwald. Der Untergrund holprig und steinig aber nicht extrem ausgewaschen oder mit groben Mängeln versehen, macht Spaß zu Fahren. Die herrliche Aussicht verbessert sich noch mit jedem Höhenmeter, der perfekte Tag dazu. Ich beschließe einfach am Wegesrand im Schatten einiger Bäume eine Mittagspause mit Nickerchen am Steuer zu machen, ja sowas geht hier. Die Wanderung am Morgen war wohl doch kräftezehrender als gedacht.

Als ich mir dann so die Umgebung und spezieller die Hügel ansehe entdecken meine Augen eine Kuriosität. Eine gigantische, für heimische Häuser viel zu breite Kuppel ganz oben auf einem Berg. Die Richtung stimmt grob und auf der Karte ist es als Golden Eye eingetragen, davon hab ich am Wegesrand schon mal ein Schild gesehen. Wink des Schicksals, dort fahre ich mal gucken und frage nach.

Am oberen Ende der Piste, wo die Straße dann durch den Wald führt und wenig später am Unimog vorbei ein weiteres simples Schild mit dem Logo vom Golden Eye. Ein kleiner dunkler Waldweg umgeben von richtig hohen Bäumen und dann eine Freifläche mit Gräsern bewachsen. Dahinter dann das gelandete Raumschiff.

Laut dem einzigen iOverlander Eintrag vor Jahren ein Hotel, und ich traue mich fast nicht an den Wachleuten vorbei in die spiegelnd geflieste Halle. Der komplette Innenraum ist ein einziger offener Saal, die Akustik der Wahnsinn und die freitragende Dachkonstruktion zwar von diesem Stern aber definitiv nicht heimische Handwerkskunst. Ich treffe direkt am Tresen den Chef und wir setzen uns zu einem Plausch ins Büro. Pierre, netter Kerl Ü50, Franzose. Er hatte vor 7Jahren diesen Traum hier angefangen. Erst war es ein Bivouac im Wald, dann keimte die Idee eines Hotels. Zusammen mit einem Geschäftspartner binnen weniger Jahre verwirklicht und aufgebaut, der Präsident war auch schon hier. Die gut erhaltene Piste immerhin 15km lang ist auch auf seinen Mist gewachsen. Ursprünglich mal von den deutschen in den Fels gehauen (deshalb fühlen sich die Kurven so sanft an) und dann wie alles andere in Vergessenheit geraten und runtergerockt. Eine anständige Renovierung mit grobem Gerät war notwendig um die Gäste direkt von der Hauptstraße her zu bekommen, welch ein Aufwand. Ich hatte ja zuvor den Umweg von der anderen Seite über Danyi vorbei am Kloster gemacht und bin damit ein ordentliches Stück Plateau abgefahren.

Netter Kerl dieser Pierre, wie so viele die sich ne neue Existenz am Arsch der Welt aufbauen ein alter Hase im Reisen und zuletzt viel in Mali gewesen, vorher die ganze Welt gesehen. Es ist heute nicht viel los im Hotel und wir haben Zeit zum quatschen und irgendwann komme ich auf das Thema Unimogfund am Straßenrand. Ja, das ist Seiner und der steht da seit nem Jahr. Ich fasse es nicht, mein Instinkt hat mich genau zum Richtigen geführt. Er selbst ist ihn nie gefahren, braucht ihn auch nicht mehr, war halt hier zum Bau mit Anhänger für Material im Einsatz. Ist wohl seit 5Jahren der Besitzer und hat ihn von nem Franzosen aus Lome der ihn per Schiff importiert hat. Selten genutzt mit wenigen Kilometern. Er hofft dass er dort noch vollständig steht, weiß von den platten Rädern Bescheid. Ich bekunde Interesse und will mir den mal genauer ansehen. Ohne Wissen über den aktuellen Zustand kann ich damit keine Pläne schmieden, mein Kumpel Michi als Unimog Experte soll noch seinen Senf dazu geben, auf den warte ich also.
Wir machen einen Rundgang durchs Hotel, der Saal mit der 180grad Aussichtsterrasse dient als Restaurant, es gibt eine richtige Küche und ich komme pünktlich um zum Essen eingeladen zu werden. Danach gehen wir außen herum und eine Etage tiefer, das Hotel an den Berg gesetzt hat 10Zimmer in europäischem Stil zu bieten alle mit Zugang zur Wiese mit Aussicht.

Und das Highlight wahrscheinlich der erste Raum in der Erschaffung ein Natursteingewölbe mit kleinem Saal für Veranstaltungen auf dem Bild zuvor hinter der halbrunden Spiegelglasfront. Weinkeller fällt mir als erstes dazu ein, der Wahnsinn hier in Togo.

Pierre ist schon stolz auf sein Hotel und ich bin einfach sprachlos, die Dachkonstruktion wie erwartet aus Frankreich per Container importiert, alle anderen Materialien hier hergestellt. Ich glaube das war Arbeit und kostete viele Nerven, das Ergebnis aber ein runder (eher 6-8eckiger) Bau der in Westafrika einzigartig ist.
Ich soll meine Zelte auf der Wiese aufschlagen, er muss sowieso für ein paar Tage nach Lome wenn die letzten Gäste abgereist sind. Am Wochenende ist er für die nächsten zurück und wir sehen weiter. Seine Guards wohnen nicht weit und sie zeigen mir ein externes Gebäude im Wald in denen sich WC und Duschen noch von den Zeiten des Bivouac hier befinden. Klares Wasser aus einem eigenen Bach, alles was man braucht.

Das Beste aber der Stellplatz an sich. Meine Terrasse mit Aussicht.

Mal wieder ein Blick in die andere Richtung meiner Bleibe, das Dach auf 50cm passend für das umliegende Zelt ausgefahren. Genügend Platz im Alkovenbett und tagsüber den Freiraum auf der Couch nutzen können. Immer ein nostalgischer Blick auf meinen früheren grünen Bus genannt Wüstenschiff links im Bild.

Wie es die Lichtverhältnisse von Dunkel nach Hell zu fotografieren, hier mal der Blick eines anderen Tages in die andere Richtung meiner Aussicht.

Die Walküre steht also mit genügend Abstand und autark wie gewohnt in der Nähe vom Golden Eye Togo und ich hab schon wieder Urlaub. Sonne macht Strom, Wasser keine 20m entfernt, Toilette und Dusche in 150m nette Nachbarn und nur 1,5km vom Unimog entfernt. Meine Futtervorräte sind gut gefüllt und ich bin gespannt was es hier in der Umgebung zu entdecken gibt.

Da wären zum einen ein herrlicher Wanderweg südlich dem Pfad folgend. Das Wetter hier oben zur Regenzeit immer wieder wechselnd und damit herrliche Wolkenspiele möglich.

Ein paar verstreute Häuser im Wald und weiter hinten an einer kahlgefressenen Stelle eine zeitweise von Peul genutzte Hütte. Über dieses Nomadenvolk der Viehhirten hab ich kürzlich erst was geschrieben.

Link zu weiteren Peul Infos

Hier also auch die Möglichkeit auf Ouangage und Milch frisch vom Erzeuger… Avocados und auch Mais gibt es zur Zeit genügend in der Gegend. Mit etwas Mehl für die Tortillas macht das ein ordentliches Abendessen welches in der Kombination hier nicht bekannt ist.

Es vergehen einige Tage, Michi kommt noch nicht aus Lome weg, erst Probleme mit dem Auto, dann der Gesundheit… das Wetter spielt auch nicht immer mit. Dafür gibt es von hier aus tolle Perspektiven.

Am Morgen ziehen die Wolken vom Tal herauf oder werden von der Sonne vernascht. Ich hatte das Kapitel Maus doch nicht abgeschlossen oder schon wieder einen Neubezug. Immerhin rausgefunden wo sie durch kommt.

Es regnete ab und an auch mal, meist gut angekündigt und mit Panorama über die Serpentine hinaus bis zu den Ortschaften im Tal.

Eine Fahrradtour den Hügel hinab zum Tofu kaufen wurde auf halber Strecke mit Plattem Reifen vereitelt. Doch zu derber Untergrund für sportliche Abfahrten mit dem Drahtesel. Es hieß also 6km Wanderung wieder hinauf. Dabei mal der Blick zur Kuppel vom Golden Eye, welche hier mit Pfeil markiert.

Wenig später selbe Aktion mit dem anderen Zweirad. Nur hier gab es kein Zurück und die letzten Kilometer halt auf der Felge rollend bis ins Dorf wo Hilfe kam. Ventil abgerissen, der Schlauch ja auch schon ein alter Ersatz, nun für 5,- einen Neuen verbaut, hoffentlich ne Weile Ruhe. Die Rückfahrt war ein Spaß, den geländegängigen, kraftvollen Zweitakter im Drift den Berg hinauf scheuchen… geilo.

Man kennt mich hier nun in der Nachbarschaft und auch Pierre ist zurück, am Wochenende war das Hotel gut besucht und ich hab interessante Leute getroffen. Hier kommen auch viele gut betuchte Togolesen vorbei. Ich habe mich als Mechaniker angeboten und auch schon mehrfach Hand an die Generatoren angelegt die den Strom erzeugen der auch das Wasser vom Bach rauf pumpt. Einmal Sieb im Tank die Ursache, beim anderen ein verstopfter Luftfilter und ein auf den letzten Löchern pfeifender Anlasser, Ersatz wird gesucht. Der große Dieselgenerator spuckt keine Ladung für die Startbatterie mehr aus, kleinere Probleme mit großer Wirkung. Ich kann mich etwas nützlich machen. Gespräche über meine Ideen mit dem Unimog und weiteres Vorgehen fanden auch statt und werden demnächst gesondert behandelt.
In der Nachbarschaft findet sich noch ein Bauwerk extremer Dimensionen am Erbauer gemessen. Ein locker 5-6m hoher Termitenhügel am Eingang zum Pfad zu einem Nachbarn mit dem ich öfter verkehre.

Wenn man lange genug an der Piste wartet kommen auch ab und an ein paar KFZ vorbei, hauptsächlich Mopeds ab und an mal ein Dreirad, selten PKW und wenn überhaupt ein kleiner Laster am Tag. Der Toyota Corolla mit Allrad ist in Togo eines der häufigsten Fahrzeuge, hier auf dem Bild aber kaum als solcher zu erkennen.

Avocados sind grad überall zur Ernte freigegeben, in noch richtig festem Zustand kann man die dann auch wie gewohnt in Säcken transportieren. Ende ist aber nicht wenn die Zuladung des Fahrzeug, sondern die Möglichkeit der Raumnutzung erreicht ist. Hier hätte man aber clever noch was auf die halb offene Heckklappe bekommen, den Schwerpunkt dafür etwas senken können. Auf ein Moped passen auch immerhin drei Säcke plus Fahrer.
Ich mag diese Gegend und kann mir gut vorstellen noch ne Weile zu bleiben, je nachdem was sich so entwickelt. Michi ist auch noch nicht hier und ich verbringe die Zeit mit Wandern. Es gibt noch richtigen Regenwald hier oben. Und irgendwo da unten drin ging letztens mein Akku leer, da muss ich nochmal zum fotografieren hin.

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