Reanimation vom Unimog406 in TOGO

Heute mal wieder ein reiner Schrauberblog, wenn auch aus tollster Umgebung auf dem Plateau bei Danyi/Togo im Wald am Wegesrand. Der Unimog dort von mir mit platten Reifen, halb eingewachsen aufgefunden.

Eigentlich hoffte ich auf schnelle Hilfe durch meinen Kumpel Michi, der aber seit über ner Woche überfällig ist. Mit seinem Unimog und Druckluftanlage wäre das hier ein Klacks. Aber ganz alleine mitten im Wald und 15km in egal welche Richtung entfernt von der nächste Ansiedlung mit Reifendienst und nem Kompressor entfernt. Zum Glück laufen die Dinger hier meist mit Benzinmotor aber sind schwer transportabel, erst Recht wenn hauptsächlich Mopeds dafür bereit stehen. Ein Angebot zum Luft aufpumpen hab ich über 5000cfa bekommen, nein Danke. Also Vorbereitungen und Handarbeit.

Da auch die Walküre gut abgeparkt steht nutze ich mein Moped zum Transport der Holzbohlen um den Unimog aufzubocken. Bei Portalachsen die um die 50cm vom Boden entfernt sind muss man mit nem kleinen Wagenheber schon ganz ordentlich improvisieren um da was auszurichten. Gab es einen ab Werk Unimog Wagenheber?
Wenn ich schon einmal Fragen in die Runde werfe, vielleicht kann jemand Hilfe bei Nachforschungen anbieten. Fest steht es ist ein Franzose, die Plakette im Motorraum besagt dies und gibt als Type 406B-T an. Dahinter steht was mit 3500, kann eher nicht das Gewicht sein, oder doch? Weiter mit dem Herzen.

Laut Motornummer 353.902 eine 84PS Maschine, die gepaart mit den Scheibenbremsen ab 1973 Einzug fanden. Die Datumskennung an den Felgen nach denen ich immer gerne schaue besagt 1976. Auf jeden Fall ist die Plakette am Ventildeckel mit der gleichen Nummer wie am Block ausgestattet, hoffe also original so verbaut gewesen. Hier das ganze Aggregat.

Der 6Zylinder mit 5,7l endet quasi direkt zwischen den Sitzen und wird als Antriebsstrang vom großen Getriebe bis übers Zentrum des 4m Vehikels hinaus zum Heck weitergeführt. Zusätzlich noch die großen Achsen und vor mir steht die quasi stärkste Ausführung dieses „406“ den es wohl auch kleiner mit dem von mir aus den 407 Düdos und W123 gut bekannten OM616 2,4l Vierzylindermotoren gab.
Die Außenmaße übrigens relativ übersichtlich mit 2m Breite, besagten 4m Länge und samt Überrollbügel 250cm Höhe. Um es simpel zu halten ist die Ladefläche 2x2m auf 1,30m Höhe. Der Radstand beträgt grob 2,30m und zwischen den Gummis sind genau 125cm Platz vorne-hinten wie links-rechts also an den Achsen. Reifendimensionen 14,5 R20 und einer schon metrisch mit 365/80 R20 angegeben. Knapp nen Meter im Durchmesser und samt Felge gerade so noch zu bewegen. Wie das mit den ganzen Hebeln dann irgendwann mal funktionieren soll ein anderes Thema.

Wie ich laut Skizzen erkennen kann gibt es 6 Gänge, diese noch in Schneckengang, Kriechgang und mit Zwischengängen unterteilt. Dazu ein Extra Hebel für Rückwärts der bis zum zweiten Gang reicht. Heckantrieb, Allrad und mit Sperren ein weiterer Wahlhebel. Ein Hebel für die Nebenantriebe, also die Welle nach vorne, hinten oder beide… fehlt grad unten links im Bild oder wird direkt am Getriebe geschaltet und noch verwirrender ein weiterer Hebel der Vorschaltgetriebe oder Hauptgetriebe zur Auswahl hat, was soll das?

Immerhin hab ich rausgefunden, dass die beiden Hebel am Lenkrad nur für die Hydraulik zuständig sind die ein relativ umfangreicher Teil am Fahrzeug sind. Pumpe mit Keilriemen unterm Motor, Reservoir Motorraum Beifahrerseite, Verteilung vorm Lenkgetriebe, unendlich viele Leitungen um vorne und hinten Zusatzgeräte anzuhängen und zu bewegen. Braucht man sowas? Kann man sich damit zur Not was zum Anheben des Fahrzeuges basteln? Aber das ganze unnötige Gewicht…

Noch verwirrender scheint mir aber die Druckluftanlage. Zur Bremskraftunterstützung vorhanden, mit Abgängen am Heck auch für den Anhängebetrieb soweit klar. Jedoch dessen Leitungen und Ventile oder Regelsysteme mir noch ein Rätsel. Immerhin nur eine einzige Druckanzeige im Cockpit.

Es gibt einen großen Kessel und einen kleineren, die Handbremse scheint per Seil mechanisch zu sein, hat aber hinten eine Wippe die das Seil umlenkt und per Kugelkopfstab mit dem Kasten hier in der Bildmitte, verbunden ist. Ich kann sie so kaum bewegen und die Enden der Seile, wenn auch gangbar also nicht festgerostet, sind nicht in den dafür vorgesehenen Hebeln der Bremszangen eingehängt. Die Bremsen übrigens weisen kaum Gebrauchsspuren auf. Scheiben ohne erkennbare Verschleißringe, deutet auch auf wenige Kilometer hin.

Der HBZ sieht naja, von außen definitiv rostig aus, aber was dieses Dingsbums hier daneben ist, keine Ahnung, hat vielleicht eher was mit der Hydraulik zu tun?

So, genug Details. Die Karre ist aufgebockt, gefühlt leichter als meine Walküre was ich am Krafteinsatz des Wagenhebers bemerke. Die Achsen eignen sich gut um darunter Blöcke zu setzen… Türen sind nun auch offen und gangbar wie auf dem Foto zu sehen.

Hinten war der Unimog logischer Weise noch leichter und wurde in Etappen abwechselnd und in der Summe um 15cm angehoben. Der Reifen mit ansehnlichem Profil ist noch zu retten, nur aus seinem Bett gesprungen. Wenn man übrigens keine passenden Ventile zur Hand hat, tun es auch die vom PKW mit Fahrradschlauch umwickelt… Afrika mal wieder… oder ein Griff in meine Ersatzteilkiste.

Die Ladefläche kann bei diesem DreiseitenKipper individuell bewegt werden. Auf vier Kugelköpfen gelagert, mit einem mittig liegenden Stempel (keine Ahnung ob Hydraulik oder Pneumatik aber scheint ölig) kann man also je nach Lösen zweier Verbindungen das Ding heben und damit ggf. auch Bodenlevel ausgleichen. Lustige Spielerei falls man im geplanten Wohnaufbau Schieflage auszugleichen hat.

Die Türverkleidungen hab ich übrigens entfernt um an den Öffnungsmechanismus zu gelangen. Fensterheber funktionieren noch, jedoch wurde er mit halb offenen Fenstern abgestellt und immer vollgeregnet. Das Wasser steht noch unter den Sitzen, was immerhin davon zeugt, dass die Karosse noch nicht komplett durchgerostet ist.

Was man vom Dach und dessen Rinne nicht behaupten kann. Die geteilte Frontscheibe ist übrigens keine Sonderausführung sondern eine afrikanische Windschutzscheiben Reparatur. Ersatz gab es nicht, also wurde was gebastelt. Eine ungefähr passende Scheibe geteilt und verklebt, fertig. Bleibt nicht so! Wie ich das erkennen kann ist die Kabine nur nahe der Stoßdämpfer mit zwei Stützen am Rahmen verbunden, vorne mittig eine Art Gelenk, kann man die Kabine etwa kippen, ein Stück anheben ohne vorne alle Kabel lösen zu müssen wäre zur Überarbeitung des Unterbodens aber von großem Vorteil…

Der Fußraum im Unimog der sich quasi hier drüber befindet sehr beengt aber die Pedale trotzdem gut erreichbar. Kann mich noch an meine verzweifelten Versuche erinnern nen E30 zu fahren, da ist’s erst eng… Der gelbe Kasten links neben der Kupplung ist übrigens die Lüftung. Eigentlich auch Heizung, aber es führen keine Kühlwasserschläuche hin.

Zur Motor-Reanimierung hab ich nach dem WOLKE-Prinzip auch mal nen Check angefangen.

Wasser ist zumindest noch im Kühler, der kleine Ablaufhahn unten dran ist praktisch. Das Reservoir überm Motor aber leer. Eine Art Motorvorwärmung unterm Krümmer hab ich entdeckt, ebenfalls nicht angeschlossen.
Öl hat er auch laut Peilstab genug, Ventildeckel sifft, kein Wunder, ist an einer Stelle fett Aluverschweißt und hat sich wohl deshalb verzogen.
Luft bekommt er durch einen völlig sinnlosen Schnüffel, der oben zugekleistert ist und unter der Haube vorm Filter mit einem Innenraumschlauch lose verbunden ist. Damit durchs Wasser wäre der Tod. Der Luftfilter selbst ein Ölbadfilter nun auch wieder ohne Schlamm.

Kraftstoff hat bisher am meisten Arbeit gemacht. Angefangen am Tank der obenauf ein paar kleine Rostlöcher hat. Drin fand sich neben dem üblich nicht funktionierendem Geber (weil Faden im Poti gerissen) Ein Stück Schlauch, hat wohl der letzte beim Abzapfen fallen lassen. War eh nur noch Wasser drin.

Ich hatte mir zur Tankreinigung als Hilfe den Nachbarn geschnappt, mit ein paar Steinen drin schüttelt es sich zu zweit besser. Das Wasser vorher jedoch mit sicherlich auch etwas Restdiesel wollte er in den Busch kippen, da war mir die Piste doch lieber. Entsorgen kann man sowas hier nirgends. Den Diesel zum Spülen hab ich brav aufgefangen und werde den weiter zum Reinigen verwenden und anschließend verbrennen. Immerhin war im Tank weniger Rost als ich vermutet hätte. Eigentlich eine Platzverschwendung das klobige Teil direkt dort an den Rahmen zu hängen… hab da ne Idee.

Die Dieselfilter hab ich mir natürlich auch vorgenommen, man war da ne Suppe drin. Rostig dunkel und hat gestunken. Erst der zweite Filter wurde immerhin klarer. Die alten Filterkartuschen kann man toll auswaschen, wenn sonst kein Ersatz zur Hand, außerdem heißt es erst testen vor investieren. Kann nur an der ESP keine Ablassschraube erreichen, die hätte ich vorm Start gerne auch noch mit frischem Kraftstoff versorgt.

Um die WOLKE vollständig zu machen (Wasser / Öl / Luft / Kraftstoff … Energie) Fehlt noch die Stromversorgung, diese sieht optisch ok aus. Alle Kabel führen dahin wo sie sollen an der Masse ist sogar noch ein Natoschalter und die Sicherungen interessieren dann wenn es soweit ist. Batterie muss ich besorgen. Dann kann es losgehen…

25 Gedanken zu “Reanimation vom Unimog406 in TOGO

  1. Nils schreibt:

    So wie es aussieht sind alle Hebel da… Grundgetriebe 6 Gang: Schalhebel + Vorwärts/ Rückwärts + Allrad/ Sperre (ganz unten nur Heck, Sufe 1 Vorderachse dazu, Stufe 2 Allrad + beide Sperren) + Zapfwelle (Drehzahl kann man am Abgang einstellen… der Hebel fehlt bei dir… wird wahrscheinlich mit dem Draht geschalten)… zusätzlich gibts hier noch: Gruppenwahlhebel Vorschaltgetriebe (das ist der kleine neben dem Hauptgetriebe)… dort kannst du wenn der Hebel ganz hinten ist dann Zwischengänge (split) schalten (vorn sind Kriechgänge + Schneckengänge… Mitte neutral) + Schalthebel Zwischengänge (der Hebel hinter dem Hauptschalthebel… nach hinten aus, also die vollen Hauptgänge nach vorn ein halber Gang… Kuppeln nicht vergessen ;)… in der Mitte noch mal Neutral). Die Kipperpritsche ist hydraulisch, einen Heckkraftheber hab ich auch gesehen und ebenso eine Frontanbauplatte. Auf jeden Fall ziemlich viel Zeugs auf engstem Raum 🙂

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    • Nils schreibt:

      Die Zwischengänge (split sind zum ziehen super)… jeder Gang wird halbiert. Also… erster Gang reinund los gehts, kuppeln Zwischengang Hebel nach vorn… erster Gang und ein halber sind drin… kuppeln, Zwischenganghebel nach hinten 2. Gang… kuppeln, Zwischengang Hebel nach vorn… 2. Gang und ein Halber… und so weiter… 12 Gänge schakalaka…

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      • Nils schreibt:

        …eigentlich 24 Gänge… 6 Hauptgänge, eine Kriechganggruppe und eine Schneckengang Gruppe. Alle Gänge und Gruppen lassen sich noch einmal halbieren. Der Rückwärtsgang geht nur im 1. und 2. Gang und natürlich auch zwei mal untersetzt und mit split. Schneckengänge braucht man eigentlich nur in der Landwirtschaft… ist schon sehr langsam. Der Hauptschalthebel hat einen Wiederstand zwischen der Gasse 1, 2 und 3, 4 ab dem 3. ist der Rückwärtsgang gesperrt… anfahren leer geht gut mit dem 3. Gang. Insgesamt ist das Getriebe eine ziemliche Diva…

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    • Nils schreibt:

      Ganz vergessen… das Dingsbums neben dem HBZ/ Vorspannzylinder ist meine ich für die Zweikreis Bremse am Unimog selbst… den gab es auch mit nur einem hydraulischen Kreis (evtl nachgerüstet). Der Hydraulik Steuerblock ist ein ziemlich massives Teil rechts. Den steuerst du mit zwei Hebeln am Lenkstock… meist ist da die Kipperpritsche und der Kraftheber angeschlossen… heben, senken und Schwimmstellung nach oben. Der Hebel vom Handbremsseil auf die Pneumatik Relais ist für die Feststellbremse am Anhänger.

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