Ein Abenteuer in Mali, schade um den schönen Fluss

Nach einem Ruhetag zieht es mich in Richtung Südosten und damit weg von der Nationalstraße in Richtung Hauptstadt. Der Zustand des Straßenbelages wird nach etwas Entfernung von Kayes deutlich besser als gedacht, denn von Mali bin ich sonst anderes gewohnt, wie es mal wieder im Archiv nachzulesen gibt.

https://mb407.wordpress.com/2018/02/09/mali-live/

Hier übrigens auch nochmal eines der typischen Dörfer Reetgedeckten Lehmrundhäusern zu beschauen. Aber ich erkunde für mich neue Gegenden und habe auch schon in wenigen Kilometern in Medinha ein Fort als Sehenswürdigkeit angezeigt. Ein Haus mit Veranda in Kolonialbauweise.

Alles verlassen aber nicht verwahrlost, geschlossen und doch nicht zu, afrikanisch halt. Und wenn ich schonmal hier bin schau ich mir das auch an. Die große klobige Villa wirkt nach all den Hütten und Lehmhäusern mehr als deplatziert und war laut Schild das Offiziersheim im damaligen wahrscheinlich französischem Fort.

Am Ende des “Gartens” durch diese Tür war es früher dann wohl nicht so amüsant. Hier folgen Pulverkammer und Kerker und wahrscheinlich noch andere grausame Räume.

Der Platz ohne Schatten und mit militärischer Funktion was all die Schießscharten beweisen. Hinter der nächsten Mauer dann auch schon der Fluss. Sicherlich wurden auch Sklaven von hier verschifft.

Eine relativ ordentlich erhaltene Anlage die aber anscheinend kaum genutzt wird, viele Touristen kommen hier auch nicht vorbei. Vorne an der… ich nenne es mal Straße… steht noch ein Denkmal neben dem ehemaligen Sklavenmarkt beschildert aber Treffpunkt für die Dorfjugend ist, deshalb davon kein Foto war mir zu blöd-

Ich folge dieser kleinen Piste, die im nächsten Ort wieder auf die richtige Straße führt, gute Entscheidung wie sich später herausstellt, dazwischen schöne Landschaft direkt am Fluss Senegal.

Diese großen runden Steine liegen auch immer wieder in verschiedenen gespaltenen Größen am Wegesrand rum. Steinbruch als Kleinstbetrieb und damit irgendwie kaum ein sichtbarer Eingriff in die Region.

Weiter abseits treffe ich dann auf einen Steineklopfer, der natürlich sofort freundlich zur Begrüßung kommt und seine Arbeit unterbricht.

Das Foto nach unserem Gespräch gestellt aber authentisch, da ich ihn auf dieser Matte sitzend mit dem Hammer als einziges Werkzeug dort antraf. Er macht quasi Kies und haut die kindskopfgroßen Steine zu faustgroßen Brocken und später nochmal zu kleinen Stückchen, die wohl zum Bauen benutzt werden. Jeder Schlag eine Teilung und jeder Kiesel mindestens ein Dutzend Handgriffe allein im letzten Stadium. Wow. Ich dachte immer Fließbandarbeit ist monoton. Und zum Thema Arbeitsschutz… Hammer auf Stein macht Splitter und sowas im Auge heilt nicht gut. Ich hab noch ne Sonnenbrille auf dem Armaturenbrett die ich selten bis nie nutze, bei ihm ist sie weit besser aufgehoben und anscheinend auch echt dankbar aufgenommen. Nun etwas sicherer und wahrscheinlich den ganzen Tag der wieder über 30grad im Schatten werden wird weiter im Trott.

Ein Stück weiter hat jemand Platten aus der Oberfläche gebrochen, Abnehmer wird es sicherlich geben, nur sehe ich keinen der das hier verkauft.

Wer genauer hinschaut kann im letzten Bild fast schon eine natürliche Kunst entdecken. Ist es nur meine Phantasie, oder erkennen auch meine Leser die Form des Kontinents Afrika?

Zurück auf dem guten Asphalt läuft es seit etlichen Tagen mal wieder sehr entspannt und gemütlich. Ich würde behaupten totale Entschleunigung ist eingetreten und mein magerer Gasfuß bringt es heute auf 45km/h und damit weit mehr als der Durchschnitt der letzten Pistenabschnitte. Das Gefühl ist einfach nur passend. Kann mich an die letzten gegenteiligen Empfindungen erinnern wenn ich von den Wintertouren hier zurück in Europa eintraf und um mich rum alle so zu Rasen schienen. Die Düdogeschwindigkeit wächst in Europa dann je weiter nördlich jenseits der 70 und final auf deutschen Autobahnen wird man dafür trotzdem noch als Schleicher angehupt.

Der Schnappschuss hier zeigt also Tacho, Fahrbahnbelag und einen relativ gut gepflegtes heimisches öffentliches Verkehrsmittel. Der Bambus Dachgepäckträger ist der Hit und der Geschwindigkeitsüberschuss des Überholenden mit 5-10km/h ebenfalls sehr entspannt. Man winkt nett und sieht wie sich alle nochmal umdrehen. Saß da ein bärtiger “Blanc” mit Fuß auf dem Armaturenbrett und wippte mit dem Kopf zur Musik?
Aber warum die Welt auch schneller passieren, wenn ich was habe ist es Zeit und höchstwahrscheinlich komme ich nie wieder hier vorbei. So entgeht mir auch kein markantes Stückchen Land und ich hab da abseits wieder was entdeckt. Ich muss etwas durchs Dickicht, bei Bauern freundlich gefragt die Felder passieren um endlich an den Fluss zu gelangen. Malis Vegetation, herrlich.

Auf dem Rückweg dann durch diese Baobab Gruppe und leider verstummt dabei die umgebende Tier- und Vogelwelt die sonst ein Orchester ist, das ich mal auf Band festhalten möchte.

Je nach Perspektive erstaunen mich die dicken Dinger immer noch und ich werde es nicht müde Bäume zu fotografieren.

Mein nächster Stop an einem in der Karte als kleinen Wasserfall eingezeichneten Bereich kurz bevor es über eine Brücke auf die andere Uferseite geht. Wow, was für eine tolle Gegend. Am Ufer waschen Frauen Wäsche, dahinter ein paar Felder. Ein um seine Mutter rumtollender Jungesel freut sich am Strand seines noch freien Lebens. Und ich völlig fasziniert von richtigem rauschenden und klaren Wasser.

Die Steine in der Umgebung zeigen dass öfter schon Hochwasser deren Ecken rund gewaschen hat. Mit Schilf und hoffentlich Fischen im Fluss ein richtiges Idyll.

Ich hab heute erst 30km geschafft und noch nen besseren Wasserfall auf der Liste, sonst wäre das ein schöner Platz um zu Verweilen, Badechance inklusive.

Ich mache eine Runde und schaue auch mal über die Schilfrohrzäune in die Gärten dahinter. Alles noch recht frisch angepflanzt aber doch strukturiert und hoffentlich erfolgreich. Im Hintergrund die Waschfrauen an einem steinigen Uferbereich.

Zum Abschluss ein kurzer Clip mit Blick auf die Stromschnellen.

Ich hab ein grobes Ziel vor Augen, der Weg dahin hieße der Hauptstraße folgen die über eine Brücke ans andere Ufer und später wieder mit einer Fähre zurück führt. Meine Karten aber zeigen mir eine kleine Piste die kurz vorher staubig rot abgebogen ist. Die Strecke ist kürzer ud führt direkt an den Wasserfällen von Gouina vorbei, eine Attraktion im Land wie ich gehört habe. Also klare Entscheidung, was ist schon ein bisschen Staub und holperige Piste.

Der Eingang der Piste ist übrigens nicht zu verfehlen, die Straße in der Umgebung rot und gleichzeitig ist das wohl ein Taxisammelplatz mit gut Publikum und ein Shop steht auch an der Ecke. Ein paar rotweiß angemalte Tonnen an den Seiten sollen wohl der Vorsicht aufmerksam machen. Ich passiere in Schrittgeschwindigkeit. Die Piste ist mit Verkehrsschildern auf 30kmh empfohlen, hab ich so auch nicht erwartet. Ich passiere einige Bauern die komische Melonen auf ihren dörren Feldern haben. Hätte schon wieder Bedarf nach einer, sieht aber eher wie nen Kürbis aus.

Die Piste recht breit und öfters mit LKW Verkehr wie sich zeigt. Wird aber trotzdem grad mit einer geraden Schneise durch die Wildnis und vielen betonierten Furten für Wasserläufe zu einer richtigen Straße ausgebaut. Interessant.

Mir kommen schon einige Autos und auch Fußgänger entgegen, bin nun schon 20km auf dem roten Sand unterwegs und finde mich plötzlich in Asien wieder. Ein Bogen mit chinesischen Schriftzeichen überspannt die Straße, hatte erst gedacht nochmal umzudrehen und den Truck drunter posieren zu lassen. War gegen die Sonne nicht schön…

Rechts von mir ist wohl eine Bauarbeiter Unterkunft die aus hunderten Wellblechhütten und anderem Gerödel gebastelt wurde. Dann kommen mir auch immer mehr Arbeiter zur Mittagspause entgegen. Alle winken freundlich und rufen wie überall Bonjour, ca va.

Und im Hintergrund sieht man auch was die hier erschaffen. Ein Wasserkraftwerk und wahrscheinlich mit chinesischer Hilfe, denn ich habe einige Chinesen in Pickups rumfahren sehen. Das kuriose an der Sache, der Wasserfall ist direkt dahinter und meine Karte zeigt mir an wo ich lang muss. Hier in diesem Kanal wird wohl bald Wasser fließen.

Ich passiere ihn noch trockenen Fußes und finde 300m weiter den Parkplatz für die Sehenswürdigkeit… leer vor. Ganz alleine an den Chutes de Gouina. Und der Anblick ist gigantisch, atemberaubend… toll. Halbrund mit 10-15m Höhe ergiesst sich der komplette Fluss eine Etage tiefer.

Schon klar, warum dieser Platz zur Energiegewinung rangezogen wird, natürliches Gefälle. Ich hab mein Camp aufgebaut, koche was zum Mittag und hab auch die Wasserfilteranlage am Laufen. Mit dem Fernglas erkunde ich von der Terrasse die Umgebung… und die haben anscheinend wirklich vor den Fluss aufzustauen und das Wasser im Kanal nebenan durchs Kraftwerk zu jagen. Auf dem folgenden Panorama sieht man schon die halb fertig gestellte Staumauer nur 300m hinter den Wasserfällen. Eine Schande wenn man mich fragt.

Hier will ich doch nicht über Nacht bleiben, man hört zwar nix, aber die Betonklotzansicht schmälert das Naturerlebnis Wasserfall doch gewaltig. Anscheinend ist überall Mittagspause und ich sehe niemanden arbeiten. Ein Pickup kommt auf mich zu, Chinesischer Fahrer und uniformierter Afrikaner mit Kalaschnikow. Upps, und freundlich ist der auch nicht gerade. Was ich hier will und überhaupt, ich soll verschwinden. Ok, gebe ich zu verstehen, bin eh fertig und esse nur schnell auf dann bin ich weg. Hund liegt unterm Truck wollte sich der Kerl noch weiter meinem Heim nähern, Atlas bellt ihn an und er richtet das Gewehr auf ihn. Hey, immer langsam Kumpel, mein Hund, mein System Securite, also Alarmanlage. Er dreht um und der PickUp verlässt den Platz. Ich packe ein und will nur noch schnell ein Foto machen, vorhin ging mein Telefon wegen leerem Akku aus.

Dieser herrliche Wasserfall vielleicht schon bald nicht mehr so berauschend. Das letzte hübsche Bild der Kaskaden von Gouina?

Ich parke nur 150m entfernt und sehe beim Zurückkommen schon, dass der Pickup wieder da ist, diesmal mit Verstärkung. Noch unfreundlicher der andere, größere Kerl. Was ich hier mache, na den Wasserfall besuchen, bin Tourist in Mali, eurem schönen Land. Kamera her flappst er mich an… und ich schalte schnell. Telefon mit den Bildern in der linken Tasche greife ich in die Rechte und gebe ihm die GoPro die ich ebenfalls dabei habe. Mit dem Gewehr zeigt er mir den Weg zur WALKÜRE, mitkommen… Irgendwas läuft hier komisch. Sie steigen ein und fahren voraus, ich also hinterher, will ja meine Kamera wieder haben. Das Telefon verschindet zur Sicherheit zwischen den Sitzen.

Ab jetzt wird es spannend und gibt keine Bilder mehr, ich folge bis vor die Baustelle da steht etwas abseits eine Baracke vom Militär, ist mir vorher gar nicht aufgefallen, wahrscheinlich dort wo mir die ganzen Arbeiter entgegen kamen. Sonst gibt es aber keine Verbotsschilder, Posten oder Straßensperren. Ich bin mir keiner Schuld bewusst hier eingedrungen zu sein. Im Hof sitzen noch zwei weitere Uniformierte. Der Kommandant anscheinend und einer mit nem Streifen weniger auf der Schulter. Alles FAM Force Armes Malienne. Ich solle meinen Pass holen und mein Telefon. Zum Glück habe ich ein zweithandy zur Navigation und als MP3 Spieler dabei, das wandert in seine Tasche. Ich erkläre meine Situation und auch dass ich keine ahnung habe warum ich hier nciht sein darf. Der eine Typ, anscheinend einfacher Soldat immer noch mehr als unfreundlich und blafft mich nebenbei von der Seite an während der Kommandant ganz in Rue vor mir sitzt. Ich verstehe nicht alles, nur immer wieder Hund. Der mechant (verrückt gefährliche) Hund also gehe ich mit dem zweiten Offizier raus und zeige ihn den zum Glück nett aussehenden Atlas auf dem Beifahrersitz. Er muss grinsen. Der große Kerl hat vor nem 12Kilo Hund Angst. Ich muss gleich noch weitere Dokumente holen, Zollpapiere etc… hab ich alles schon zusammen in der Laptoptasche verstaut, also ein Griff und alles dabei.

Ich fühle mich nicht mehr wohl, keiner eklärt mir was läuft, der eine nun wirklich aggressiv und laut, ich erkläre wieder dass Atlas mein Hund ist und sogar einen deutschen Heimtierausweis besitzt. Er tut niemandem was der mir oder dem Haus nicht zu nahe kommt. Auf jeden Fall wird mir nun ganz übel als der Kerl sein Gewehr durchlädt und zu meinem Truck gehen will. Ich werde laut, flehe den Kommandanten an er soll was tun, ich bin Tourist und habe Angst. Der Kerl ruft er werde meinen Hund töten, was kann ich schon machen wenn er meinen Hund abknallt. Ich sehe ihn an und sage kalt und unüberlegt aber als einzigen Ausweg, dann werde ich dich töten. Böser Fehler, aber nach der ganzen Zeit hat sich auch in mir Spannung aufgebaut, Arschloch in Uniform… fuchtelt vor mir mit ner Waffe rum und bedroht mich. Er schubst mich sogar vor die Brust was ein Schlag hätte werden können wenn ich nicht ausgewichen wäre.

Tief durchatmen, ich verstecke mich hinterm Kommandanten der immer noch mit einer Arschruhe sitzt und nix macht. Ich werde nun von anderer Seite als Rassist beschimpft, was ich mir als Weißer erlaube etc. Entschuldigen hilft auch nix, ich bin echt eingeschüchtert. Dann kommt der Satz den ich nicht vergessen werde. Du hast Glück dass du Deutscher bist, wärst du Franzose hätten wir dich längst erschossen. Harte Worte und eine unverpackte Drohung. Endlich schickt der Boss den Verrückten weg, ich soll ihm auch die LaptopTasche geben und seinen Männern nach Kayes folgen. Bitte was? da komme ich her, das sind 70km davon 25Piste. Man wird wieder laut und sagt eigentlich nur noch FOLGEN. Der Kommandant hatte zwischenzeitlich einige Male telefoniert, ich krieg nicht mehr den genauen Ablauf zusammen. Stress.

Die haben meinen Pass, meine Dokumente und den Laptop und denken auch mein Telefon zu haben. ich bin gefangen. Muss also einer Eskorte folgen die im Geländewagen etwas schneller sind als ich. Das stört die aber nicht und fahren weit voraus, halten immer mal wieder. Die Fahrt dauert fast zwei Stunden. Zeit in der ich mir Gedanken mache. mein Telefon hab ich ja noch. Schreibe eine email ans Camp das ich die Tage besuchen wollte. Schildere die Situation mit Bitte es der Botschaft zu melden. Doch das reicht nicht, anrufen kann ich direkt nicht, kaum Guthaben und auch keine Ahnung was ich erklären soll. ne email finde ich auf die schnelle nicht, super. alles mit einer Hand und während der Fahrt.
Mir fällt ein Kumpel ein auf den Verlass ist, auch er wird instruiert was geschehen soll wenn ich mich bis zum Abend nicht melde. Ich bin zwar nicht festgenommen aber irgendwie Gefangener. Wohin bringen die mich? Der Umweg nach Kayes kotzt mich echt an. Zumindest kenne ich da die Polizeistation, da kommen wir vorbei, da halte ich an auf jeden Fall.

So kam es auch, nur wollte die Eskorte früher abbiegen, ich also die letzten Meter mit Verfolgern zum Revier, parke am Straßenrand und springe. Der Kerl von gestern dort am Empfang und erinnert sich an mich, ich erkläre ich habe ein Problem und niemand weiß über mich Bescheid. Gebe ihm Name und Geburtsdatum und die Nummer der Botschaft, Hilfe ich habe Angst. Arfika läuft etwas anders, nicht meine erste brenzlige Situation, aber er beruhigt mich, sagt ich solle der Armee folgen und ich hab zumindest die Hoffnung dass ich nun nicht einfach verschwinde. Kommt den gar nicht in den Sinn, dass auch ich Rechte habe oder mir nicht behagt niemanden informieren zu können wo ich bin. Ich darf auf mehrmalige Nachfrage nicht telefonieren, Botschaft oder so.

Also etwas ruhiger ab zur Kaserne. Doch bei der Ersten ist anscheinend niemand zuständig. Also quer durch die Stadt zur Anderen dort dann endlich ein entspannter wenn auch nicht sehr redseliger in ziviler traditioneller Kleidung. Trotzdem der Kommandant von diesem Stützpunkt. Auch hier läuft alles etwas anders, jeder trägt irgendwie ne Waffe mit sich rum, dazu meist noch ein Telefon in der selben Hand, Disziplin gibt es keine. Also wieder alles von vorne erklären. Und da das nicht reicht bei einem immerhin sehr netten Beamten im Nebenzimmer nochmal zu Protokoll. Ich spiele zwar mehrfach auf Wechsel zwischen kooperativ und ich sage nix mehr ohne die Botschaft aber zumindest hab ich Vertrauen zu dem einen Kerl und wir habe genug Zeit uns später noch über vieles Privates zu unterhalten. Ich bin in der Summe 6Stunden in Gewahrsam ohne jemanden kontaktieren zu dürfen. Habe nun schon die Befürchtung dass mein Kumpel in der Botschaft Alarm schlägt obwohl hier jetzt alles entspannt abläuft. In Afrika zieht sich alles unendlich. Die Protokolle der Eskorte aus Gouina werden durchgegangen, man geschuldigt mich einen Soldaten als Hund bezeichnet zu haben. Käme mir nicht in den Sinn und wäre definitiv keine so schlimme Beleidigung, aber alles Moslems hier. Sie verschweigen also den Schlag und von den Fotos steht da auch nix. Ich will nur weg hier und kümmere mich später drum.

Es wird auf das Urteil vom Oberboss gewartet. Der spielt aber grad Fußball und geht nicht ans Telefon, also fährt der Kommandant hin, wieder ne Stunde weg. Es wird langsam dunkel, meine schlimmste Befürchtung, denn ich will hier nicht übernachten und fahre sehr ungern in der Dunkelheit erst Recht bei solchem Verkehr in einer Stadt. Raus für nen anständigen Schlafplatz dauert auch ne Weile.
Aber so kommt es dann schlussendlich, ich bekomme meine Sachen zurück als wenn ich riesiges Glück hätte und nicht zum “Tribunal” muss. (zu spät um in der Botschaft anzurufen) So geht man hier mit Touristen um die unwissentlich ungekennzeichnete Sperrgebiete betreten was erst nach ner halben Stunde jemandem auffällt. Die Chinesen kaufen sich ein und zerstören die Natur aber Fotos machen ist verboten. Upps, jetzt sind sie ja schon online. Na dann kann ich zum Abschluss auch noch das Video hochladen 🙂 Ansicht auf eigene Gefahr, vielleicht auch strafbar… konspirativer Journalismus und so…

Mal wieder eine Chance das Ganze aus der Vogelsicht durchs Internet zu betrachten, glaube da müsste auch schon was zu sehen sein. Was sagen die Medien dazu? Hatte noch keine Muße zu suchen.
Auf jeden Fall bin ich wieder frei und zurück in Kayes, juhuu. Ich muss also morgen die ganze Strecke wieder zurück und suche mir nur nen Schlafplatz außerhalb. Die Asphaltstraße bis zur Brücke also erneut ruhig zu fahren und erst an der Brücke beginnt quasi mein nächster blog.

Und wieder etwas reicher an Erfahrungen habe ich nun neben Zweittelefon und kopierten Dokumenten weitere Vorkehrungen getroffen immer mal Freunde zu informieren wo ich bin und was meine nächsten Schritte sind, Nummern für Notfälle übermitteln, Termine abzusprechen etc. Danke für die Hilfe daheim.

11 thoughts on “Ein Abenteuer in Mali, schade um den schönen Fluss

  1. Markus says:

    Gott, da hätte ich mir aber (auch?) in die Hose gemacht. Spannend zu lesen, aber wenn ich mir vorstelle, wie man von jetzt auf gleich, so mir-nichts-dir-nichts einkassiert, scheinbar rabiat verhört, bedroht und quasi verschleppt wird, ohne zu wissen, ob man den nächsten Tag die Sonne noch mal sieht .. wie im schlechten Film. Meinste der hätte dich als Franzosen wirklich abgeknallt? .. mit den ganzen Chinesen drum rum? Wieso eigentlich diese Geheimniskrämerei dort? die Baustelle kann man via google maps recht detailliert in Augenschein nehmen .. sogar den Kran sieht man .. Weiterhin alles Gute 😉

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  2. Roger-T. says:

    «  Dann kommt der Satz den ich nicht vergessen werde. Du hast Glück dass du Deutscher bist, wärst du Franzose hätten wir dich längst erschossen. Harte Worte und eine unverpackte Drohung. »

    Nein, aber Grossmaul, denn gezielt wäre das garantiert nicht passiert, höchstens als « Unfall » oder “Notwehr” gegen einen renitenten Europäer. Aber je mehr Zeugen in der Nähe sind, desto besser für den Reisenden in einer solchen Situation.

    Der Vorfall zeigt immerhin sehr gut die Nervosität in der Region. Rational ist da manchmal nur wenig, denn der Typ wusste offenbar nicht, dass auch 1100 deutsche Soldaten im Land tätig sind. Und gegen die bewaffnete fremde Anwesenheit allgemein wird gerade in Mali seit einigen Wochen eine sehr wirksame Propagandawelle gefahren, die auch der – ungeliebten – Regierung gefährlich werden kann. (Deshalb schrieb ich gestern: «Die Lage ist dort jedenfalls unübersichtlich und die Zentralregierung hat kaum Einfluss. Hinzu kommt nun aktuell die ideologische Welle gegen Barkhane und Minusma… »)

    Übrigens: Einheimische haben nur sehr eingeschränkte « Rechte »; warum sollten einsame Europäer – denen man immer ein « Vergehen » anhängen kann – mehr davon haben? Du bist jedenfalls noch extrem gut weggekommen. Sie hätten Dich und Dein rollendes Home auch sehr gründlich auseinander nehmen können – und niemanden hätte es gestört!

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  3. Tg. says:

    Heiliger-Maximin-von-S. B., das hätte blöd ausgehen können. Roger T. hat’s gut beschrieben.
    Die Tel.-Nr. der jeweilig zuständigen Botschaft muß schußbereit im Phon eingespeichert sein, nebst mindestens einer Kontaktadresse, wie mir eigene Erfahrungen in Libyen gezeigt haben.
    Viel Glück weiterhin auf Deiner tollen Tour!

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    • Roger-T. says:

      Na, das ist ja echt eine Überraschung…bon pied bon oeil, wie ich hoffe! 😉

      Da treffen wir uns – nach eilenden Jahren – doch noch auf afrikanischem Boden; grosse Welt – weites Internet.
      (Und der heilige Maxi….isst immer noch gern lockerluftige pain au chocolat!)

      Tja, dem vergnügt reisenden Germanen (mit einer ungestillten Liebe für kämpfende Jungfrauen, wenn ich die Namensgebung für den Untersatz richtig deute) kann man nur guten Verlauf auf seiner langen Fahrt wünschen!

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  4. triunitas says:

    Mit bewaffneten Uniformierten, die einen auf Obermacker machen, ist echt nicht zu spaßen. Hab da auch meine Erfahrung und würde nächstes mal mich einsichtig zeigen und gleich das Weite suchen, auch wenn ich mir nix zuschulden hab kommen lassen…

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  5. 4x4tripping says:

    Da kann man sich noch so gut vorbereiten – leider lässt sich nicht verhindern dass man für einige Tage verschwinden kann.

    Angenommen man schafft es noch die Botschaft zu informieren – die weiß dann auch nicht wo der Reisende steckt bzw hingebracht wurde – und bei der afrikanischen Geschwindigkeit vergehen ein paar Tage – bis sie dich finden – wenn denn überhaupt.

    Bei jedem Anruf erhalten die Botschaft eh nur die info “ne, den haben wir hier nicht” – ganz egal ob Du da bist oder nicht.

    Ich zähle da mehr auf Freunde&Famillie die meinen Reisen via Satelliten-Messenger bzw Livetracking folgen, dass Sie aktiv werden, einfliegen- als dass ein mässig interessierter Botschaftsmitarbeiter mich finden würde…

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