Mali – Wie kommt man über den Fluss

Nach meinem Militär-Abenteuer also mit dem Umweg zurück nach Kayes starte ich erneut am anderen Ufer des Senegal Fluss. auf halbem Wege nach Bafoulabe passiert man eine alte aber für Afrika gut erhaltene, einspurige Brücke. Nix besonderes könnte man meinen, aber die Seltenheit für solche Brücken über große Flüsse fällt einem erst auf wenn es sie nicht häufig gibt.

Der Weg schlängelt sich nicht mehr am Fluss entlang und führt etwas mehr ins staubig trockene Hinterland. Vorbei an einigen Zementwerken von denen “Diamond” das größte ist was ich je gesehen habe. In der Vorbeifahrt sieht man hunderte LKW am anderen Straßenrand auf Ladung oder Arbeit warten. Mal wieder was für die Vogelperspektive und sollte ohne GPS zu finden sein.

Der Rest der Route halt Afrika, rote Erde, Trockenzeit. Hier mal ne klassische Szene kurz vor einem Dorf.

Die nächste Ortschaft Bafoulabe liegt wieder am anderen Ufer. Diesmal endet die Route am Wasser und eine Fähre muss den Verkehr übersetzen. Zum Glück warten kaum Fahrzeuge und man braucht hier keinen halben Tag einplanen, alles schon (zB. Gambia) erlebt. Alles was Räder hat muss hier mit, selbst Eselkarren können nicht schwimmen. Und die Sattelzugmaschinen, bei uns 40Tonner genannt ebenfalls. Zum Glück jedoch wird der mit Zement vollbeladene Laster neben mir grad ausgeladen und auf LKW verteilt. Hätte kein gutes Gefühl wenn der mit mir auf dem kleinen Kahn steht, warum wohl?

Aber er rollt und ein 40Tonner bringt hier nachgerechnet an Zementsäcken locker 50Tonnen Ladung mit sich (das Fahrzeugeigengewicht noch mit dazu!) Da würde ich als Reifen auch irgendwann resignieren. Rund um eine Fähre ist auch immer was los. Marktstände und Shops, auch Restaurants, doch niemand hat ne anständige Portion, ich finde entweder Brot und Ei oder Pommes, wollte heimische Küche. Also ohne Ablenkung ab aufs nächste Boot.

Das sind nicht alles Passagiere die unbedingt rüber müssen, einige tun es wohl tagtäglich mehrfach aus Langeweile wie es scheint und sind Kumpels von der Besatzung. Auf jeden Fall arbeitet ein Kapitän, ich sehe einen Mechaniker und einen Ticketverkäufer. Vielleicht hat es noch einen Anlegehelfer nötig aber sonst? Ich bezahle meine 2500cfa obwohl natürlich erst versucht wird mir die LKW Summe von 5000 abzunehmen. Beim durchzählen meiner vier Reifen akzeptiert der Schaffner dann die PKW Summe mit Quittung.

Die anderen Menschen, meist sogar Kinder, haben mobile Marktstände und verkaufen direkt auf der Fähre. So komme ich ohne Zwischenhändler direkt an frische Papaya fürs Frühstück. 500cfa für eine kindskopfgroße als akzeptabler Durchschnitt und reif auf den Punkt ist mir das die 80ct wert. Und logisch bin ich und mein Fahrzeug mit dem Moped vorne dran die Attraktion auf dieser Tour und Gesprächsthema. Gefühlt hab ich einmal jeden Begrüßt und Hände geschüttelt, doch noch etwas Zeit gefunden für ein kleines Video.

Der Fluss vereinigt sich die mit dem Bafing und trägt zum ersten Mal den Namen Senegal. Es gibt also auch drei Anlegestellen und mein Wunsch war die Seite am Ufer nach Manantali. Dort sind die beiden Fahrzeuge vor mir runter und hinter mir wieder drauf, die Ortschaft hab ich also ausgelassen.

Auch hier am Ufer noch keine Zeit für Restaurantessen, also Abfahrt und mal wieder selbst kümmern. Die restliche Strecke von 80km ist eher dünn besiedelt. Es gibt auch mehrere Varianten wie man wieder auf die Asphaltstraße gelangen kann. Mein Ziel immer als erstes Natur und so biege ich auf eine mal wieder staubige Piste direkt parallel zum Fluss nach Süden. Nur wenige Hütten von Bauern auf dieser Seite, schon recht urige Natur mit einigen erodierten trockenen Wasserläufen dazwischen. Zur Regenzeit wäre das hier für mich unfahrbar. Aber der Exkurs lohnt sich, ich finde eine paradiesische Stelle direkt am Wasser und beschließe spontan zu bleiben. Keine Zwänge, genug Zeit. Es ist noch nicht einmal Mittag. Aber bei der Aussicht.

Wer genau hinschaut kann den Höhepunkt meines Tages schon in Vorbereitung sehen. Das Wasser im Fluss mit geschätzt 25grad zwar angenehm, aber das Ufer wie gewohnt schlammig und wer weiß was sich alles darin versteckt. Auch sah ich etwas schnurgerade im Schilf verschwinden, was ordentlich Wellen schlug und unter Wasser sprintete wie es sich anhörte. Kann ein kleines Kroko gewesen sein, sonst fällt mir nix derartiges ein. Ein Wels legt sich nicht zum Sonnen an Land, die Spuren waren uneindeutig und nicht ganz erreichbar. Also lieber einmal Badewanne mit Ausblick.

Ich hab es etwas stehen lassen mit nun schätzungsweise knapp unter 30grad, bei etwas wärmerer Außentemperatur und zusätzlich brütender Sonne. Kann man genießen und mit dem Fernglas das andere Ufer und die Vögel in den umliegenden bäumen beobachtet. Bis zum nächsten Morgen hatte ich auch etwas Besuch an der einzigen Wasserstelle in der Umgebung. Ein junger Mann kam zum Baden, leider später nur noch ältere Frauen in Kombination mit Wäsche. Ein paar Kinder zum gucken mit dem Eselkarren als Ausflugsvehikel und am nächsten Morgen ein Fischer dessen Boot im Schilf lag. Hatte schon überlegt damit mal ne Runde zu drehen… Ein sehr entspannter Platz also.

Am nächsten Tag aber will ich in Manantali ankommen, Internet mal wieder nötig und hier gibt’ s nix. Die Natur wacht zeitig auf und ich bin zum Sonnenaufgang frisch und ausgeruht wie üblich. Es zieht sich die Piste noch etwas bis zum Anfang der Straße bei Mahina. Hier gäbe es ne zweite Variante den Fluss zu passieren, wenn ich gestern doch die Fähre bis Bafoulabe genommen hätte. (Dann aber den Platz verpasst) Man kann hier über eine alte Eisenbahnbrücke mit mehr oder weniger Wagemut auch mit Fahrzeugen passieren.

Ich bin also zweimal drüber und hab am anderen Ufer nur mal geschaut was da so los ist. Diesel bei 620 fast ein Euro und damit 10ct teurer als zuletzt, kommt wahrscheinlich auch mit der Fähre… nein danke, hab noch genug. Ansonsten nur Shops an der Straße, was sonst…

also wieder zurück der Sonne entgegen die wie üblich am Morgen noch etwas verschleiert ist.

Das letzte kurze Stück fährt sich dann auf sehr guter Straße flüssig und ohne weitere Ablenkung. Ab und an mal ein Dorf dazwischen, sonst echt urige Gegend. Auch die Behausungen typisch und nachhaltig aus Materialien der Umgebung.

Nach den unfotogenen Quadern die mauretanische Dörfer, garniert mit viel Müll sonst ausmachen fühle ich mich hier weit wohler. Den Maghreb hinter mit gelassen, nach dem Sahel die Tropen voraus. Das echte Afrika und auch die Tier und Pflanzenwelt mit Varianten und vielseitigen Geräuschen. Die Menschen hier respektieren die Natur anscheinend etwas mehr. Wenn auch überall Zeug in Plastik verpackt verkauft wird und auch immer mal Müll zu sehen ist, bei weitem nicht so viel wie in Mauretanien. Der Schnappschuss hier aus dem Fenster beweist es, fast schon durchgefegtes Dorf.

Meine heutige kurze Etappe neigt sich gegen Mittag schon wieder dem Ende. Ich erreiche Manantali und finde eine kleine Stadt oder ein größeres gemütliches Dorf vor. Sympathisch und mit allem was man braucht. Auf der anderen Seite vom Fluss Bafing, der hier am Staudamm seinen Ursprung hat, liegt das Cool Camp Mali und ist über eine Brücke zu erreichen. Wenn alles klappt bleibe ich hier ein wenig, und wie es scheint stehen alle Zeichen auf Grün. Aber davon berichte ich später gesondert.
Ich bin also bei Casper angekommen, ein sich zur Ruhe gesetzter Reisender mit Ursprung in Holland. 8Jahre ist er nun schon hier und hat eine hübsche Anlage mit Bananenplantage und Tomatenzucht angelegt. Viele Sachen wo man helfen kann aber ich verrate schon zu viel und vertage auf später.

2 thoughts on “Mali – Wie kommt man über den Fluss

  1. Przemek says:

    Hello. I have been tracking your travel and blog for a month. Great trip. Good luck on the road. I imagined you in Your Bath with binoculars on the edge of river … I envy you. pl

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