endlose Steilküste nach Süden

Es gibt seit Wochen nur eine Richtung, Süden! Falls sich jemand fragt wie weit der Kerl noch will, ich weiß es selber nicht aber es läuft gut. Reiseführer für Mauretanien in der Tasche und Olli in Begleitung lassen wir mal alles auf uns zukommen und treiben einfach. Wie im letzten Blog beschrieben haben wir die Kanaren schon überholt und die heutige Etappe führt uns an Laayoune vorbei. Laut Wetterbericht damit die letzte Ecke, wo sich das hereinkommende Schlechtwetter verziehen könnte. Für die nächsten Tage sind Temperaturstürze und Schmuddelwetter in ganz Marokko angesagt.

Tiznit liegt südlich Agadir und ist die Region wo auch das wundervolle Tafraoute dazu zählt. Dieses befindet sich leider auf weiteren 1000 Höhenmeter in den Bergen und hat sicherlich noch schlechtere Aussichten. Wenn also hier schon Schnee angesagt wird sind mir das zu europäische Verhältnisse. Unsere kleine Küstenstraße zieht sich bis El Marsa und umgeht damit die Großstadt Laayoune welche knapp 15km im Landesinneren liegt und von der Hauptroute weg führen würde. Wir stoppen kurz im wenig interessanten Hafenörtchen und tanken erneut den subventionierten Westsahara Diesel für ca.8dH. Die Sonne knallt und wir wollen Strecke machen bevor uns der Wärmespender frontal auf die Frontscheibe drückt. Zur Straße fehlen mir einfach die Worte… Hut ab vor der Leistung hier Asphalt hinzusetzen. Das immer wieder gelesene „Nichts“ in der Region hier unten muss man mal erlebt haben.

Kein Baum, kein Strauch, keine Hügel die Ablenkung schaffen könnten. Nur niedere Büsche und Kakteen, vereinzelte Kamele und ein sehr einsamer Anhalter, der aber in die andere Richtung will. Immerhin ist diese Straße nicht annähernd so verlassen wie das Gebiet zeigt. Dakhla liegt am anderen Ende in knapp 400km und ist damit die letzte Stadt vor Mauretanien, alles was dort benötigt wird kommt über diese Straße. Und die LKW sind manchmal echt nicht ohne. Eindösen sollte man nicht, Hörbücher helfen mir die Langeweile zu vertreiben.

Man muss auch echt ne Weile suchen um nen Platz zum Halten zu finden. Der hier im Nirgendwo dann auch echt überdimensioniert wie ich finde. Beine vertreten… Atlas schaut sich einmal um und mich blöd an nach dem Motto: „das ist nicht dein Ernst, was soll ich hier?“

In den folgenden Stunden immer das gleiche Bild. Ich versuche mal das Gefühl zu vermitteln. nääääääääääääääääääääääääääää Und ein Straßenschild, welches Obacht vor der herannahenden Kurve bedeutet. Kurve ist echt übertrieben, ich muss das Lenkrad nur einige Zentimeter bewegen, kann echt von Glück reden einen DüDo zu fahren, der nen beschissenen Geradeauslauf hat und immer mal nachjustiert werden muss , sonst wäre man am liebsten noch mit Tempomat echt ohne Job beim Fahren.

Ich weiß nicht, ob das verkehrspsychologisch notwendig ist, oder einfach weg musste weil es bezahlt war, aber einige solcher Schilder sieht man tatsächlich. Genau so überflüssig wie das Achtung Kamele Schild. Es gibt nix weit und breit was diese Tiere die sich aufgrund der Höhe deutlich von der Umgebung absetzten verdecken könnte. Man sieht alles hunderte Meter weit voraus. Und wegen dem leichten Knick da vorne gibt’s hier zur Abwechslung wohl mal Überholverbot.

Wir haben es irgendwann geschafft. Wir erreichen Boujdour und damit die einzige Zwischenstation, wenn man das so nennen kann. Halt machen wir schon, bleiben würde ich hier aber nicht. Man hat wohl Großes vor und sieht viele Baustellen, die Hauptstraße ist dreispurig und mit Laternen gesäumt… Wir stoppen im Zentrum und lassen uns nen Fisch schmecken. War heute irgendwie keine Zeit zum Kochen.

Unser Nachtlager wollen wir aber irgendwo einsam an der Küste aufschlagen. Knapp 20km südlich führt eine der wenigen Pfade die Steilküste herunter. Die Ebene dort unten eignet sich zum frei stehen. Oben an der Abzweigung mal wieder ein Posten der in der einbrechenden Dämmerung grünes Licht zum Übernachten gibt. Es ist schon recht dunkel und man sieht das Ende der Schotterstraße nicht. Es wird sandig und wir bleiben lieber auf einer angedeuteten Parkplatzfläche stehen. Gute Entscheidung wie sich am nächsten Tag heraus stellt.

Umgeben sind wir nur von vereinzelten Fischerzelten, unbewohnt aber regelmäßig besucht. Nachts keine Geräusche außer die 500m entfernte Brandung. Verkehr hört man auch nicht, man kann beim Sterne gucken nur einen ganz leichten Lichtschein oben an der Klippe vernehmen. Ansonsten super Gegebenheiten hier und mit dem Fernglas echt noch erstaunlicher.
Uns zieht nix vorwärts, wir verbringen hier wirklich drei ganze Tage. Die Gegend erkunden und Kleinigkeiten am Bus basteln und sortieren. Olli brachte Vorhangstangen an und hat genügend Werkzeug dabei, wir verkabelten seine Solaranlage und Feuer frei mit 220V. DA mein Konverter ja hinüber ist. Seine Stichsäge ließ mich spontan die Waschbecken Idee im Bus umsetzen, Schüssel, Schablone – fertig. Und endlich einen Platz fürs dreckige Geschirr.

Mit dem Ausschnitt dann den Deckel gebastelt und Christie wird nie bemerken, dass ich den Schreibtisch zersägt habe.

Wenn schonmal ein Waschbecken greifbar, kümmere ich mich gleich mal um Neubestückung meiner Filteranlage. Alle halbe Jahre empfohlen und optisch ist auch die erste Stufe im durchsichtigen Gehäuse fällig. Also das ganze ding auseinanderbauen und parallel heiß reinigen. Ergebnis.

Der Entdeckerdrang siegt und ich schau mal nach, was sich im Inneren der Kartuschen verbirgt. Die erste Stufe, also der Vorfilter ein faseriges Fließ das feinste Partikel bis zu 5mikrometer rausfischt. Der zweite dann Fließ und grobe Kohle gefolgt von einer dritten Vorstufe mit feiner Kohle. Dann folgt in der Anlage die Osmosemembran, die drei Jahre aushält und im Sommer gewechselt wurde. Als letztes eine Stufe zur Revitalisierung des Wassers durch Keramik und verkohlte Kokosnuss oder -schalen Stückchen (links im Bild)

In der Summe echt effektiv und autark, kostengünstiger als man denkt und der Filterwechsel bei knapp 30,- mit dafür mehreren Tausend Litern Trinkwasser möglich wenn nötig. Mehr dazu auf der homepage.

Wasseraufbereitung mit Umkehrosmose

Die Fischer stören sich nicht an uns, so richtig angeln tun die auch nicht. keine Boote hier und die Küste sehr seicht. Dafür wird Seetang gesammelt, wie ich herausfinde. Am Strand getrocknet und später in Tüten verpackt geht das Zeug in den Export und wird wahrscheinlich in Asien zu Textilien verarbeitet. Genau weiß er nicht wo, aber in Marokko nutzt man das definitiv nicht.

Der Untergrund am Strand bei Ebbe gleicht festen Haufen aus Meerespflanzen und Korallenresten sowie Anemonen. Ein Haufen Schnecken und anderes Getier dazwischen.

Der Kumpel hier ist sehr langsam trotz Schuhgröße 45 und somit wohl aus seinem Häuschen rausgewachsen und nun als Tramper unterwegs. Auf dem Rücken zwei Klappen mit Kiemenartigen Büscheln darunter, ne Seegurke ist das nicht, sonst jemand ne Ahnung dazu?

Zwei richtig verrostete Wracks in der Größe von Fischtrawlern liegen unweit der Ufer. Bei Ebbe kann man sogar direkt ran, aber auf dem Haufen Eisenoxid will ich nicht drauf rumklettern.

Das Wetter hält und zeigt wohl die letzten Ausläufer der angesprochenen Kapriolen im Norden. Ich hab Geschichten von Regen und Schlamm gehört, der Atlas wie im Erzgebirge, und einige Pässe gesperrt. Ein Kumpel musste seinen Motorradtrip grundlegend ändern um pünktlich zum Flughafen zu kommen. In der Wüste in Algerien hat es geschneit und ich sah Fotos mit schneebedeckten Dünen. Auch an den sonst so milden Küsten um Agadir war es kalt und feucht, wieder mal haben wir alle richtig gemacht… Nur eines lief nicht optimal.

Robin hatte im letzten Ort kleines fettiges Gebäck gekauft und in sich rein gestopft und nun einen Tag ungewollte Darmreinigung. Am nächsten Tag war wieder alles ok und ich konnte mir das von nem Keks aus Mehl, Fett und Zucker gar nicht vorstellen. Ein Einzelstück hatte bei mir aber genügt um den kommenden Tage auch alles raus zu lassen. Naja, wenn schonmal leer, kann man auch über Fasten nachdenken, mit Anlauf quasi und so gönnte ich meinem Verdauungstrakt mal ein paar Tage Ruhe.

3 Gedanken zu “endlose Steilküste nach Süden

  1. Otman schreibt:

    Die strecke nach Dakhla über Laayoun ist sehr sehr langweilig.. Und deshalb auch eine der gefährlichten Strassen Marokkos, viele Unfälle bzw auch Totte. Mit Langen Fahrtzeiten, müdigkeit . Zudem lauft die Strasse fast immer geradeaus, was zu hohen geschwindigkeiten führt. Die Schilder, Parkbuchten, überhol verbot.. sind Massnahmen die vor einigen Jahren genommen wurden um die Verkehsicherheit zu erhöhen.
    Eine wunderschöne weiterfahrt wunsch ich ihnen

    Gefällt 1 Person

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