Westsahara – schroffe Küste

Wir haben keine Eile, aber ab Guelmim gibt es auch keine Ablenkung fürs Auge es geht also recht flott voran. Der Asphalt ist gut und meist gerade aus. Geduldsprobe im Wüstenschiff

Langweilig könnte man sagen und wir sind gespannt was am anderen Ende auf uns wartet. Erstmal das Städtchen TanTan. Hübsches Kameldenkmal am Kreisel zum Eingang der Provinzhauptstadt.

Wir halten kurz und machen ein paar Besorgungen, hier gibt es Banken und allerlei Läden und viel Sonne. Kein Luftzug einige Kilometer vom Meer in einer leichten Senke gelegen, kein Ort in dem ich gerne im Sommer wäre. Es hält uns auch nix und wir ziehen weiter Richtung Hafen. Dieser in der 15km entfernten Stadt El Ouatia, die etwas mehr Charme versprüht. Aufstrebendes Örtchen mit hübsch neuer Promenade. Doch interessanter ist das wahre Leben ein paar Straßenzüge weiter am Parkplatz der Taxis. Meist Kleinsttransporter von Suzuki und Daihatsu… und der Füllmenge wegen gleich ohne Heckklappen ausgestattet. Bessere Belüftung und leichteres Einsteigen.

Wie üblich tobt hier das Leben, etliche Fischbratereien scharen sich um den Platz und wir sind schließlich wegen Fisch hier. Das mit den meisten Einheimischen ist unsere Wahl und wir wollen erstmal probieren, ich ordere eine gemischte Portion von allem für 30dH und wir bekommen automatisch zwei Gedecke, Salate und Brote. Der Berg von frischem und simpel frittiertem Fisch echt schmackhaft und das Ambiente schlicht. Was uns auffällt, hier sitzt der Fischer und Mechaniker in Arbeitskleidung neben Anzugträgern und normalen Besuchern. Gute Wahl und wenn ich genau schaue auch bei allen anderen rings um sicherlich keine schlechtere Qualität. Foto gibt’s davon leider nicht… lecker war’s und wirklich nur 30dH für zwei satte Männer. Wow!

Wir müssen erstmal nen Verdauungsspaziergang machen und entdecken zahlreiche Neubauten und Baustellen, hier entstehen kleinere Hotels und schicke Häuser… lustig fand ich diese Beschriftung einer unscheinbaren Häuserecke… Tags sind also auch hier angekommen.

Es ist Nachmittag und wir haben ausreichend Strecke gemacht. Suchen uns heute zeitig nen Nachtplatz und werden in der Lagune des Oued Chbika fündig. Die vorbereiteten „Fiche“ Formulare mit persönlichen Daten werden erneut am Polizeiposten abgefragt und die Erlaubnis dort drüben an der Klippe zu übernachten haben wir auch. Noch zwei Stunden Tageslicht, also Wanderung am Strand.

Ganz links im Bild die drei Kästen sind die Busse, der vierte etwas abseits ein Militärposten, die hier alle Kilometer die komplette Küste abdecken… was das alleine an Personal verschlingt, unglaublich. Auch der Uniformierte kommt nochmal zum Plausch vorbei und ist recht locker drauf. Westsahara bis jetzt ein sehr lockeres Fleckchen Land.

Die Lagune umschlingt dann eine weitläufige Dünenlandschaft, Buddelkasten für Atlas. Seeseitig flache Brandung und damit unübersehbares Problem unserer Weltmeere. Soweit ab von jeglicher Zivilisation ist das nur ein Bruchteil des angeschwemmten Plastik und Co, was im Wasser treibt.

Ich versuche gar nicht einzusammeln, hier wäre täglich ein Traktor mit Anhänger nötig um die Massen wegzuschaffen. Ich schaue mal was hier alles so rumliegt. Nummer eins sind Plastikflaschen! und ich bin mal wieder froh über meine Osmoseanlage und kein Teil dieser Sünde zu sein. gefolgt von größeren Kanistern und Plastikfässern meist zweckentfremdet oder mehrfach auch in der Fischerei genutzt. Viel Müll auch aus alten Netzen und Schwimmkörpern, Kleidung und Tüten. Dabei sind die wohl meist schon so zerkleinert, dass die Partikel nicht zu sehen sind. Zwischen all dem Müll auch immer wieder Kadaver, hier wohl ein Delfin.

Kurios auch ein Fisch mit gigantischem Kopf im Vergleich zum Körper, dazu ordentliche Stachel…

und auch zwei Schildkröten ca. 60cm groß und beide mit Schäden am Panzer, wahrscheinlich vom Schiffsverkehr.

Der Mensch ist grausam gegen die Natur und doch sieht es von oben aus wie ein Paradies. Wenn nur jeder mehr die Möglichkeit hätte die Auswirkungen seines Handelns direkt und hautnah zu sehen. Auch deshalb immer wieder „unschöne“ aber reelle Bilder und nicht nur hübsche Panoramen und Sonnenuntergänge.

Wir können also nur berichten und animieren, aufrütteln und mit gutem Beispiel voran gehen. Die Nacht war ruhig und der kommende Tag soll der letzte Gute aus wettertechnischer Sicht werden. Auf die komplette marokkanische Küste soll eine große Tieffront zustürmen. Temperaturstürze und viel Regen voraus gesagt.

Heute noch den letzten Sonnenschein geniessen, interessante kleine Quelle in der Lagune.

Bis Laayoune haben wir noch 200km, also Abfahrt im von den Vorboten gebeuteltem Nebel am nächsten Morgen.

Die Fahrt damit noch öder und optisch wie mental keine Ende in Sicht. Hörbücher lenken gut ab bei solcher Eintönigkeit. Zum Wetter noch übrigens: Christie hat die Feiertage ja bei ihrer Familie in New York verbracht, aktuell -12grad und Schnee seit Tagen. Auch hier ein Orkan oder Blizzard und der geplante Flug nach Texas zu ihrer Schwester wurde auf unbestimmt ausgesetzt… Wenigstens die Temperaturen stimmen bei uns.

Die nächste Tanke dann nicht weit von der Steilküste entfernt, die man heute nur ab und an hören kann. Sieht schon ziemlich abgefuckt aus, aber nach Erkundigungen beim Tankwart, der mir für 70ct/l einschenkt, steht die auch erst seit 8Jahren. Der Zahn der Zeit nagt hier dank Sand, Wind, Sonne und Salz doch gewaltig schnell am schlechten Eisen. Weiter im Nebel…

Etliche Kilometer weiter auf der sonst recht gut besuchten N1 und damit einzige Route in den Süden, an der Steilküste rechts eine „Attraktion“ die zum Zwischenstopp einlädt. Trou du Diable und damit ein Loch von der Brandung in den Fels gespült. Ähnlich wie Legzira nahe Sidi Ifni kann man das Ding mit den Bussen befahren, Vorkehrungen sind nur für Fußgänger um den Schlund direkt getroffen worden. Knapp 30m geht es in die Tiefe.

Die Naturgewalt bei noch ruhigem Wetter heute vor dem Sturm mal wieder ein Zeichen unserer Unbedeutsamkeit. Wahnsinn!

Ähhhm, lieber nicht…

Der Eingang zum Loch dann rechts im Bild… und der schwarze Punkt an der hinteren Klippe ein Fischer auf halber Höhe. Petri Heil du Verrückter.

Nach dieser Pause geht es bei Akhfennir etwas mehr auf Meereshöhe ohne Steilküste und plötzlich auch ohne Nebel weiter. Wir machen eine verspätete Mittagspause am Parkplatz des „Parc National de Khenifiss“ mit Blick auf die Lagune und tausende Pelikane und andere Seevögel. Man kann hier bewacht gegen kleine Gebühr auch super übernachten und wir sehen zum ersten Mal seit längerem auch einige andere Camper (Weißware) hier stehen. Foto hab ich wieder nicht, wir genossen lieber den Ausblick mit dem Fernglas über die Lagune und umliegendes Schwemmland. Die Flut trat ein und weitläufig wurden die Feuchtwiesen überspült, toller Anblick.
Unser nächster Stopp, wenn auch wieder recht ernüchternd, Tarfaya ein kleines Fischerörtchen, dass nicht weiter von Belang ist. Das gigantische Hafenareal hingegen zeugt von großem Vorhaben…

… was jedoch unweit an der Küste, wie auch immer, gescheitert weil gestrandet ist. Hier sollte nämlich eine Fährverbindung zu den Kanaren etabliert werden. Wir befinden uns schon südlicher als Teneriffa auf Höhe von Gran Canaria. Genanntes Wrack ist dann auch unsere nächste und für heute letzte Anlaufstelle.

Fünf Kilometer vom Örtchen entfernt auf einer kleinen Küstenstraße, die ebenfalls und hier mal als Alternative zur N1 ca. 100km nach Süden führt. Die Hauptroute parallel davon nun etwas durchs Hinterland. Der Platz direkt neben dem Wrack, welches wir uns aber größer vorgestellt haben, scheint ideal zum nächtigen. Doch direkt als ich zum Foto-Shooting um den Sonnenuntergang starte kommt der Wachposten vom Militär. Junger netter Kerl der sich eigentlich freut mit uns zu reden, von ihm aus können wir bleiben, er muss nur seinen Chef am Telefon überzeugen.

Die Verhandlungen mit dem Vorgesetzten über sein privates Smartphone bekommen wir mit, er wird einige Male zurückgerufen und schafft es aber irgendwie, dass wir bleiben dürfen. Und auch sein Kumpel und Wachkamerad aus dem kleinen quadratischen Häuschen in Sichtweite, der gerade in Zivil weil nicht im Dienst ist, kommt auf nen netten Plausch vorbei. Sie sind wohl immer zwei Wochen hier und dort stationiert und haben dann eine Woche frei und sind zuhause.

Mal wieder ein Tag der Farbenfroh zu Ende geht.

2 Gedanken zu “Westsahara – schroffe Küste

  1. timonspumba schreibt:

    hach ja – erschreckend all dieser Müll. vor Zwei tagen eine Doku über die Wegwerf gesellschaft geschaut – wie das ja alles gewollt und geplant ist – um die Wirtschaft zu pushen!

    bei dem Strand, will man garnichts ins wasser – haben Delfine soo lange Schnauzen? Gut zu sehen – der hat auch viel plastik gefressen.

    Tolle Bilder – die Nackte Wahrheit! Danke für das Teilen

    LG Timon

    Gefällt 1 Person

  2. Milli Bloom schreibt:

    Hey ihr lieben,
    vielen Dank für den tollen Artikel und den irre tollen Blog ❤ Euer Bus, einfach ein Traum! Die Strecke möchte ich nächstes Jahr im September auch mit meiner Hilde fahren und somit ist dieser Artikel absolutes Sehnsuchtsfutter. In Berlin lebe ich ums Eck vom Mauerparkflohmarkt, somit ist dieser ebenso vermehrt Ziel vom Sonntagsbummel. Falls ihr auch mal in andere Blogs reinlest, ich hab letztes Jahr auch einen zum Thema Vanlife in meinem T3 Hilde und Pflanzenanzucht etc. gestartet: http://www.millibloom.com

    Ich freue sehr über weitere Artikel von euch! Lg aus dem grauen Berlinchen von Cami

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s