Essaouira – mal wieder.

Vom Nachtlagerplatz am Plage Bhibah ging es also auf nach Essaouira zum Tierarzt um den kleinen Neuling im blauen Bus grundlegend durchzuchecken. Ich werde während dessen schon mal schauen, was sich so verändert hat in der wohl angenehmsten Stadt am Atlantik. Definitiv sehen das auch Unmengen von Touristen so und die Medina ist voll mit Europäern und Nordamerikanern. Strategisch günstig zwischen Agadir und Marrakesch gelegen immer einen Ausflug wert, wer hier im Land nur kurz Zeit und mit dem Flieger eintrudelt. Vom zentralen Parkplatz aus kann ich die Medina zu Fuß erreichen, will aber weiter und nehme deshalb mal die Schwalbe runter. Erregt echt aufsehen die deutsche Vespa, nur wenige können mit „Samson“ was anfangen.

Am Hafen wird immer noch kräftig gebaut. Das berühmte Fischlokal mit Blick auf die Boote und alles drum herum ist platt, zum Glück hatten wir vor zwei Jahren mal das Vergnügen. Die ganze Promenade eine Baustelle und wenn fertig sicherlich hübsch anzusehen.

Auch interessant auf dem Entwurf, hier sollen später DeLoreans wie bei Zurück in die Zukunft herumfahren wenn man den Stadtentwicklern glaubt. (wer findet ihn auf dem Bild?) Fototechnisch ist diesmal also nicht sehr viel von mir zu erwarten, interessant höchstens, da sich gleich weitere Gebäude in Restauration befinden, hier die Arbeitsbedingungen: Putz mit bloßem Hammer abschlagen. Keine Schutzbrille, keine Gurte, keine Netze für die Passanten, keine Ahnung wie die da hingekommen sind.

In der Medina dann die üblichen Teppichhändler und Ramschläden, alles was man so braucht oder auch nicht. Versteckte kleine Fischmärkte und Bereiche wo die Einheimischen einkaufen, muss man in der Summe erlebt haben. Etliche Katzen, die gemütlich in der Sonne chillen, alles schon in früheren Besuchen dokumentiert und auf der Seite zu finden. Sowas hier aber noch nicht. ein altes BMX Rad mit neuem Nutzwert in täglichem Gebrauch. Da lacht das Radsportler Herz.

Die Nacht endete zeitig, der Platz ist nix für Langschläfer, einige „Penner“ würde man bei uns sagen tümmeln sich in der Umgebung und zerstören die Ruhe. Dann kann ich auch gleich mal gucken was am Hafen so los ist. Rauf auf die Schwalbe und losgeknattert. Bin zu früh dort und erst wenige Fischer sind mit ihrem Fang zurück.

Die Stadt erwacht und ich hab Bock mal alles zu inspizieren. Das Viertel nördlich ist dann sowas wie Ghetto. Nicht hübsch, quadratisch modern und vermüllt, hier wie überall in den unteren Etagen der Wohnhäuser Läden des Einzelhandels. Viel interessanter aber noch die Recycling-Ecke über mehrere Straßenzüge, hier wird alles kunterbunt gehandelt und wiederverwendet. Möbel, Baumaterialien, undefinierbares und Reifen, bin ja immer noch auf der Suche nach nem Ersatz. Fündig werde ich nur bei Holzlatten für den Dachgarten von Lucas, muss er selber später mal schauen.
Der letzte Ausflug führt dann ans südliche Ende zum bekannten Parkplatz am Strand. weniger los als die Jahre zuvor, auch der Preis wurde von 50,- aus 30dH gesenkt, wir werden später also umziehen, falls wir noch ne Nacht bleiben wollen. Neben der üblichen Weißware dort auch mal was interessantes fahrbares entdeckt.

Die Jungs waren gestern Abend noch alleine unterwegs und wollen erneut jemanden besuchen der sie gestern zu ner Tagine eingeladen hat. Zweizimmerwohnung mitten in der Medina mit offener Terrasse zum Hinterhof und ohne Türen oder Fenster. Wenig Inventar mit Tisch, Bett und Schemel, die Küche ein Chaos… Marokko. Netter Kerl aber und erklärt uns auch den Weg zu einem Hamam wo man nicht mit Touristenpreisen abgezockt wird. Ok, probiert hat man es schon, aber etwas diskutieren hat doch funktioniert und wir wieder glücklich.

Der Umzug zum Strand hat funktioniert und wir haben gleich zwei Franzosen im Bremer mitgenommen, Typen wie wir und sie verstehen sogar mal englisch (nicht gängig bei Franzmännern) könnte Zuwachs in der Reisegruppe bedeuten.

Am nächsten Morgen gleich mal die Gegebenheiten Asphaltparkplatz für ne kleine Wartung genutzt. Auch der Bremer wird mal gecheckt dabei stellt sich heraus, dass seit Jahren nix an der Bremse gemacht wurde, schwarze Brühe zeugt davon und wird prompt gewechselt. Ins Detail gehen wir später mal haben wir beschlossen. Ich Mache zunächst einen Ausflug in die unbewohnte Richtung. Der Strand ist beliebtes Wandergebiet für alle Städter, also nehme ich mit Atlas den Weg durch die Dünen Richtung Diabat. Dabei treffen wir immer wieder auf abgeparkte Allradvehikel.

Der Geruch immer noch besonders und anscheinend respekteinflößend für den schwarz-weißen. Immer wieder interessant was Tiere von anderen Tieren denken müssen. War mal mit Atlas im Zoo, das Löwenhaus und die großen Raubvögel kann er wohl instinktiv nicht ab. Hier aber gemischt mit Neugier.

Diabat sagt sicherlich nur ganz wenigen etwas. Ein kleines unscheinbares Dorf 2km vom Parkplatz der Camper entfernt hinterm Oued über eine Brücke zu erreichen. Jimi Hendrix hat hier ne Weile 1969 gelebt und Inspiration erfahren, wahrscheinlich auch anhand der Rauchwaren die überall angeboten werden. Oder als SpaceCookie, smile – hahaha (insider) verkauft werden. Auf jeden Fall gibt’s zum Gedenken an diese Zeit ein Cafe mit massig Bildern an der Wand.

Musik immer schon Thema in Essaouira und Gnaoua/Gnawa Musik ne große Nummer hier. Hab im letzten Jahr ja ne Gimbri erstanden und komme beim Üben nicht weiter. Mit dem altertümlichen Instrument mache ich mich frisch inspiriert nochmal auf zum Erbauer, der gestern Abend schon sehr erfreut war und einige Stücke in seinem Laden zum Besten gegeben hat. Er stimmt mir das Ding nochmal und gibt nen Haufen Tips. Foto aus dem Archiv: schaut ihr euch am besten im früheren Beitrag an:

letzter Besuch hier im März – Blogeintrag

Mit dem Ding unterm Arm wirst du in den Gassen natürlich noch mehr von allen angequatscht. Das sonst übliche „hey my friend“, oder die hinterhergepfiffene Frage woher man stammt eine plumpe Anmache… so immerhin ruft mir jeder den Namen des Instruments hinterher, als wenn ich nicht wüsste was ich da unterm Arm habe. Man stelle sich das bei uns vor und falls man irgendwie darauf eingeht, wenn auch nur mit einem Lächeln wird dir sofort Haschisch angeboten… die Musiker… oder Touristen hier.

Diabat ist da totale Entspannung und wir wollen am Abend mal in die „Bar“ einkehren, noch ne Nacht Bezahlparkplatz ist nicht drin und ein Platz findet sich schon. Aprospos Finden… Grünzeug gibt’s hier hinter den Dünen nicht all zu viel. Auch die Arganbäume in der Region sind nach dem Sommer ziemlich grau und kahl. Den Ziegen bleibt nix anderes übrig als ähnliches organisches Material zu mümmeln.

Unser geplanter Barbesuch am Abend dann ein Reinfall, geschlossen. Gibt halt doch nur Tee… tagsüber. Wir bleiben aber direkt daneben stehen und haben unsere Ruhe. Am Morgen noch ein Spaziergang durch die alte Festung in den Dünen, zu großen Teilen vom Sand verdeckt und idealer Spielplatz für die angrenzenden Quad-Vermietungen. Mit 4×4 gibt es auch einige ruhige Stellplätze in der weitläufigen Ebene hinterm Oued und trotzdem in Sichtweite von Essaouira. Diese Etappe nun auch abgehakt und es geht … naaa… wohin wohl, nach SÜDEN.

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