Essaouira, Perle der Atlantikküste; Tag 138

Bis auf ein Rudel bellender Hunde ist der Stellplatz am Strand ruhig und zu empfehlen, der Tag startet mal wieder entspannt. Spaziergang am Wasser zu einer Zeit wo noch keine Kamele Atlas’ Aufmerksamkeit anziehen. Er kann langsam mit den großen komischen Kühen und schnüffelt nur noch interessiert. Einige der Höckerträger übernachten direkt in den Dünen. Der Strand bis zur Stadt ansonsten zum planschen und Surfen genutzt, auch ein paar improvisierte Fußballfelder sind zu erkennen. Vorgelagert beruhig eine Insel mit Festungsruine die See. Hier waren früher mal Purpurschnecken Sammler ansässig, bis die teuren Tierchen wegen des Farbstoffs gesammelt ausgestorben sind.

Es findet sich wieder ne Mitfahrgelegenheit in die Stadt aber die Suche nach einer Werkstatt für den geplanten Dachgepäckträger bleibt erfolglos. Wir gehen lieber shoppen und schlendern durch die Gassen. Ganze Schulklassen kommen uns aus Hostels entgegen. Touristen sind hier in der Überzahl. Morgens aber wie üblich die beste Zeit zum verhandeln und die shops noch leer oder grad im Aufbau.

So auch beim Musikus, der von Trommeln aus Kürbis und Ziegenleder bis allerhand geigenähnliches auch Gimbris im Angebot hat. Dieses sehr spezielle Instrument das der Gnaoua Musik den Klang verleiht ist ein Holzhohlkörper mit Ziegenleder bespannt und Schafdarm als Saiten bestückt, kann neben zupfen auch Trommellaute per Finger hervorbringen und interessiert mich schon ne Weile. Ein tolles, grad fertig gewordenes Exponat hab ich vom Erbauer gestern schon erspäht, nach einiger Zeit im Shop jedoch meinen Favouriten in der Ecke versteckt gefunden. Schon knapp 10Jahre alt von nem Musiker benutzt und bei Geldsorgen hier verkauft, optisch prächtig bestückt und mit dem besten Sound von allen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gimbri

Mittlere Größe und gut in Schuss auch eines der teureren Stücke. Aber nach Verhandlungen und ner Stiege Bier als Zugabe einigen wir uns auf großzügigen Rabatt. Solche Instrumente hab ich in Ait Benhaddou schon für 1500dH angeboten bekommen. Hier knapp die Hälfte bezahlt und hoffe dass es nicht nur als Dekostück endet. Youtube sei Dank wird schon geübt.
Calle wird auch mit ner Art Xylophon fündig, natürlich aus Naturstoffen wie Holz, Strick und Kürbisresonanzkörpern. Musik handgemacht. Den Rest der Shoppingtour also überglücklich mit nur noch kleineren Errungenschaften. Die Gassen füllen sich und wir entdecken sogar mal einen sehr sehenswerten Fleischmarkt. Alles sauber und der Fisch auf Eis, mal ein Kontrast zu zeigen.

Die Stadtmauer von Essaouira war Seeseitig auch in Games of Thrones zu sehen. Echt hübsch und gut gepflegt kann sich auch die Ansicht auf der anderen Seite sehen lassen.

Wir ziehen weiter, heute steht noch Großes an. Marrakesch ruft und Olli hat Morgen früh nen Termin beim Tattowierer. Wir haben vor den Abend über den Jamal el Fna zu schlendern, die Fahrt dauert 3 Stunden Nationalstraße, langweilig aber effektiv. Ein kurzer Zwischenstop in der “Ferraille” der Schrottplatzregion vor den Toren der Metropole muss noch sein. Bin immer noch am Überlegen ein Getriebe mitzunehmen. Und einen schon halbfertigen Dachträger könnte man auch schneller für den Capucchinobus umbauen lassen. Aber leider oder zum Glück war es nur ein sehr interessanter Exkurs, ähnlich wie in Ait Melloul, nur hier total ungeordnet und mit vielen Seitengassen zum Verlaufen.

Wir schaffen es also erst zur Dämmerung ins Zentrum und bekommen die volle Dröhnung Stadtverkehr mit. Zum Glück fuhr die Feuerwehr vor und ich muss nur auf zwei Verfolger achten. Der Weg ganz hinein ins Zentrum zum Parkplatz an der Koutoubia Moschee steht an. Der Verkehr hier schlimm aber machbar, für mich nach Neapel, Palermo, Rom und Paris nur an Platz 5 der Abenteuerfahrten. Das Straßenbild ungewohnt, mal wieder ein Schock Leuchtreklamen von Burgerbuden zu sehen.

Aber es läuft erstaunlich gut, die Rollerfahrer nerven, sind in Italien aber häufiger Kamikaze. Wir erreichen den Parkplatz und können an den 80dH für die Übernachtung nichts drehen oder mit Bier handeln. Im Gegenteil, dieses Jahr muss ich sogar noch für den Anhänger bezahlen. Schweinebande, aber Bequemlichkeit siegt. Es stehen massenhaft Weißware hinter der Ecke aber anscheinend ruhige Nachbarn. Alsbald geht es dann auf zur Entdeckungstour. Auf dem Jamal ist die Hölle los, der Platz durch Bauarbeiten etwas kleiner geworden. Die üblichen Orangensaftkutschen und Schneckenstände flankieren die Fressmeile, auf der dieses Jahr immerhin nicht am Arm gezerrt wird. “I dont touch you, but wait” heißt es dieses Jahr und es stellen sich gleich mehrere in den Weg. Wir nehmen es mit Humor und passieren den Trubel, sind über das reichhaltige fleischhaltige Angebot überrascht. Und Morgen früh ist hier wieder alles verschwunden.

Auf dem restlichen Platz dann die Folklore mit Wasserträgern, Schlangenbeschwörern, Geschichtenerzählern und Musikgruppen die jeweils eine gewaltige Schar von Zuschauern um sich binden. Weiter südlich gibt’s dann von schwarzen fliegenden Händlern RolexUhren und iPhone 7 oder 8 im Angebot, wir schlagen lieber den Weg nach Norden ein um uns in die Altstadt treiben zu lassen. Die Hauptroute durch die Medina dann mit massenhaft Futterquellen genau das was wir heute noch brauchen. Eigentlich wollte ich mich ja zurückhalten, auch mit Fotos, aber das hier bedarf einer Meldung. Normalerweise nicht unsere Preisklasse gehen wir heute mal eine Patisserie besuchen. Es gab schon einiges auf die Hand, doch was bei Al Jawda angeboten wird ist einfach der Hammer.

Die Pastilla mit Zucker und Zimt und Nüssen obenauf knuspert beim anbeissen und die Honig-Hühnchen Füllung ist ebenfalls mit Nüssen versetzte. Der Wahnsinn für 1,20€

Da gönne ich mir heute doch mal einen Avocadoshake der alles bisherige in den Schatten stellt. Christie muss sowas von neidisch sein, der dicke Mus ebenfalls mit Nüssen und Rosinen versetzt ist nicht nur verziert, sondern regelrecht mit Erdbeeren und Mango gesättigt. Da sind die ganze Shoko Sauce und die Schokosplitter noch ein weiterer Bonus. 20dH waren es allemale wert. Meine Wohlfühlgeräusche haben dann auch die anderen animiert und so verweilen wir dort einen weiteren Moment in ruhiger Abgeschiedenheit.

Dafür halten wir uns am Abend mit Souvenirs, die ja eigentlich Investitionen sind zurück und vergleichen höchstens mal Preise. Die Stände in den Gassen kreuz und quer denken noch lange nicht ans Einpacken und das Angebot ist gigantisch. Aber dazu mehr Morgen früh. Zurück zum Nachtlager, genug Action für einen Tag der in Essaouira startete.

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