Atlantik um Safi

Der Atlantik hat mich nach 8 Monaten Abwesenheit wieder. Unser Trip durch das Rif-Gebirge im Norden und das Niemandsland südlich des Machtzentrums Casa-Rabat in Marokko führt nun endlich ans Meer. Die letzten Kilometer durch Sidi Bennour und Bouguera sind nicht der Rede wert. Schlechte Straßen, brache Landwirtschaft, erst kurz vor Safi wird es wieder interessant. Auch war ich noch nie in dieser Hafenstadt, die immerhin als zweit wichtigste an der Küste nach Casablanca gilt. Wir erreichen sie Sonntag Nachmittag und parken strategisch günstig an der Kaimauer, die gleichzeitig die laute Bahnstrecke zwischen Hafen und Bahnhof verblendet. Neben uns die Medina.

Idealer Ausgangspunkt für einen Rundgang in der Altstadt, die hauptsächlich für Töpferwaren bekannt ist. Bunt und formenreich, überall angeboten.

Ansonsten eher eine mittelprächtige Medina im Stile von Larache und Assilah, jedoch ungepflegt. Portugiesische Wurzeln eben.

Der Rundgang am Abend kann in puncto Snacks und Leckereien auch nicht mit anderen Orten mithalten, also eher was für den kurzen Besuch wenn überhaupt. Wir parken nochmal um denn die Straße ist sehr betriebsam und finden mit etwas Mühen auf einem ruhigen Parkplatz Unterschlupf für die Nacht. Morgen soll es regnen und wir suchen immer noch nen kompetenten Reifenservice. Mein Tag startet früh, ich habe von einem großen Fischmarkt am Hafen gelesen. Der Bus steht sicher, ich nehme Atlas mit.

Tausende Möwen weisen mir den Weg und vor dem Gebäude der Fischergewerkschaft findet sich auch der Grund. Die Ware wird frisch und direkt auf dem „Parkplatz“ feil geboten. Oben sieht man links die Kutter, und rechts die Kunden. Im Detail sieht das dann so aus.

Die Beiden im Vordergrund verarbeiten den Fang noch direkt vor Ort für die Endkunden mit Restaurants etc.. Reste des Massakers werden einfach liegen gelassen und von den Möwen aufgelesen. Oder Atlas in dem Falle. Etliche zertretene Sardinen und undefinierbares weckt sein geruchliches Interesse und kosten muss sein.

Bei den zahlreichen Händlern oder Fischern direkt sieht es geordneter aus, trotzdem alles auf dem Boden, der heute zum Glück durch etwas Regen in der Nacht sauber ist. Möchte hier nicht zu Sommerzeiten einkaufen. Die Ausbeute des Atlantik anscheinend üppig und artenreich. Sardinen, Doraden, Rochen und Aale.

Genug Fisch gesehen. Hund ins Auto und nochmal ne Runde durch die Töpferviertel am Montag, müsste doch was los sein hier. Doch bei dem Wetter öffnen nur vereinzelte Werkstätten und die Öfen bleiben auch gleich aus.

Könnte interessant sein, wie in den Dingern Tagine und Co gebrannt werden. Der Weg hier rüber hat aber doch gelohnt. Tolle Aussicht auf die portugiesische Festung, hier am Horizont mit Marabut und Friedhof im Vordergrund.

Der Weg dorthin stand gestern schon auf der Agenda, ohne Besuch weil Kultur alleine doch nicht mein Ding ist, vielleicht will Christie ja auf dem Rückweg nochmal her und rein. Interessantes Konstrukt hab ich aber entdeckt, musste abgelichtet werden, was das wohl mal war…

Wir verlassen das Zentrum und finden am Stadtrand eine der üblichen kleinen Buden mit Reifenreparaturen. Für meinen Ersatz ist auch nix passendes aufzutreiben und Lukas lässt erneut zwei platte Schläuche flicken. Das ganze unter härtesten Bedingungen, als es später wirklich zu regnen anfängt.

Unser Weg nun also durchs Industrieviertel nach Süden und hoffentlich in besseres Wetter, angenehme Temperaturen haben wir schonmal, aber solche Aussichten brauch ich hier nicht.

Einher gehend natürlich Überschwemmungen und wasserführende Oueds vorausgesagt. Manche Orte Land unter. Kam ganz schön was runter. Kein Grund anzuhalten, wird schon passen und heute wird gefahren.

Auf dem Weg Richtung Essaouira legt sich dann das Unwetter und wir können mal die Sehenswürdigkeiten auf der Route abchecken. Eine verfallene Kasbah, die mal 150m lang wie breit war beherbergt nun Landwirtschaft und Bienenzucht im Inneren. Nur noch die Mauer ist übrig und bei Nieselregen watscheln wir durch den Schlamm… naja.

Für die Natur kann das aber mal ganz gut sein hier. Ersoffen wird der Kandidat hier nicht sein, eher vor einiger Zeit verdurstet oder verhungert. Zu wenig dran um was draus zu machen, also einfach liegen gelassen? Keiner weiß es.

Es bessert sich immer weiter und auch die Vorhersage hatte nur einen Tag Regen angesagt. Wir wollen heute aber noch nicht bis Essaouira und suchen was gemütliches Am Strand zuvor. Bei Bhibah gibt es eine kleine Fischeransiedlung und damit einen befahrbaren Weg zur sonst recht unerreichbaren Küste von der höher führenden Hauptstraße. Bingo. Nix los hier und der Platz zwischen den Booten echt mal was fürs Auge.

Das Foto natürlich am nächsten Morgen bei wieder bestem Wetter. Hatten am Abend natürlich noch Besuch von den üblich uniformierten, die uns verscheuchen wollten. Unsere Sicherheit natürlich vorgeschoben und der Campingplatz in 15km empfohlen. Ich fahr heute kein Stück mehr und diskutiere lieber freundlich. Marokko ist schön, Danke für Warnung aber für uns nie unsicher. Das unschlagbare Argument war dann der Schein einer Taschenlampe und meine Frage wer da oben wohnt… Im Haus hinter uns mit der Funkantenne natürlich die Armee oder Küstenwache, sicherer geht es also gar nicht und die Herren zogen ab und wünschten uns eine ruhige Nacht.
Immerhin ziemlich ruhig aber nicht Mucks Mäuschen still, das übliche Hundegebell mal wieder und schon am Abend hab ich die sehr hungrige Meute gefüttert. Hier ist sonst niemand und so können die nicht überleben. Der ganze Ort scheint verlassen und auch am Morgen lassen sich nur eine handvoll träger Fischer sehen die aber auch nicht raus fahren. Dafür haben wir nun ein Rudel Bewacher. Und mein Gassi mit Atlas zieht sich in die Weite der umliegenden Strände. Im Zentrum dieses recht harmonischen Rudels dann einer von drei Welpen in der Umgebung.

Ziemlich schwach aber fit im Kopf und gesund. Eingeweichte Futterbrocken mit Olivenöl zur Stärkung und echt anhänglich. Spielte im Bus rum und Lukas hatte nach einer Weile Bedenkzeit beschlossen die Kleine mitzunehmen. Hier gäbe es kaum Überlebenschancen.

Wir entfernten einen Haufen Flöhe die sich an Ohren und zwischen den Zehen verbissen hatten, ansonsten alles dran und alles ok. Knapp 10Wochen alt würde ich schätzen. Bereit für die große Welt. Der erste Gang also nach Essaouira zum Tierarzt. So kam es auch, dass wir noch am Nachmittag in dieser, einer der schönsten Städte des Landes einkehrten und auf dem Parkplatz am Bab (Tor) Marrakech Platz bezogen. Hier können wir auch übernachten und bis spät abends die Medina erkunden. Gebühr dafür auf 30dH gedrückt und mehr Infos zur Stadt im nächsten Beitrag.

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