Selbstversorgung, ein moderner Traum

Der Traum der Selbstversorgung

Schon 2013, seit ich mir die ersten Höfe auf dem Land weit entfernt von größeren Städten, meist in Brandenburg oder Thüringen angeschaut habe wuchs in mir eine Saat. Das urigste aller menschlichen Bedürfnisse ist Essen und sich selbst darum kümmern zu können. Dabei rede ich nicht nur von der Zubereitung plastikverpackter oder tiefgekühlter Lebensmittel, sondern vom befriedigenden Anbau von der Aussaat bis zur Ernte. Mehrere bürokratische Faktoren hinderten mich aber an der Ausführung dieser Vorhaben auf für soweit schon gut befundenen Stückchen deutscher Erde. Und immer im Kopf die Jahreszeiten mit den Wintern der Untätigkeit. In der Wachstumsperiode muss dafür um so mehr gearbeitet werden um Vorräte anzulegen, einzumachen und anderweitig zu konservieren. Ne Menge Energie nötig und dazu noch Holz zum heizen und der nötige Keller viel Platz und ein festes Dach, isolierende Wände… eine Burg. Und die war meist in marodem Zustand und über meinen Möglichkeiten schnellen Reparatur.

Dann aber hab ich mich doch lieber fürs Reisen entschieden und mit dem kleinen Garten in Berlin meinen Trieb soweit befriedigt und klein gehalten. Doch dann erreichte ich die Tropen, sah die Einfachheit des Lebens hier und wie entspannt die Bewohner sind. Niemand hat viel doch jeder hat genug zum Überleben. Wer Hunger hat geht in die Natur und isst. So viele Pflanzen und Bäume deren Blätter, Früchte, Wurzeln oder Rinde man roh oder zubereitet verzehren kann… das ganze Jahr über. Fruchtbäume erlauben meist zwei ernten, anderes bietet dreifache oder unendliche Erträge. Und niemand braucht Energie um sich warm zu halten…
Erst die moderne konsumorientierte Gesellschaft hat Elektroschrott eingeführt und überschwemmt den Globus damit. Entwicklungsländer sind Absatzmärkte für den Schrott den bei uns keiner mehr kauft… Klar ist zum Beispiel ne Taschenlampe nützlich, aber wenn nicht gerade Neumond ist oder jemand dich anleuchtet sind jedermanns Augen auch in gefühlter Dunkelheit anpassungsfähig. Und der Afrikaner lebt traditionell mit der Sonne von 5-20Uhr… Gekocht wird auf Holz oder Kohle, konserviert wird höchstens Fisch von der entfernten Küste und dies mit Salz, Trocknung oder Rauch. Alles andere ist dauerhaft und frisch vorhanden mit gewissen Einschränkungen in der Quantität zur Trockenzeit. Niemand braucht wirklich Kühlschränke in denen in der Heimat zu 90% ungesundes Essen (Zucker, Salz, Fett) drin wartet und teils vergammelt. Oder Mikrowellen… in denen zu 100% ungesundes Essen zubereitet wird. Der Bewohner der Tropen ernährt sich grün, frisch, gesund und nachhaltig. Nur leider hat die Nahrungsmittelindustrie davon nix und kämpft mit Propaganda. Der Mythos dass der Afrikaner Hunger leidet und wir bitte für sie diesen Dreck kaufen und spenden, Mist wie Trockenmilch oder Mayonnaise, giftige Suppenwürfel und anderes Zeug mit Glutamat verseucht… und zu aller oberst Zucker in allen Variationen, Formen und Farben um schon die Kinder abhängig zu machen. Nix anderes findet man in den kleinen Geschäften in denen sich einige versuchen ihre Mark oder was auch immer an Geldwert in diesem perversen System zu verdienen um damit anderen unsinnigen Schund zu kaufen der die Umwelt irgendwann zerstört. Auf dem klassischen Wochenmarkt nebenan gibt es noch selbstgemachte Werkzeuge, Löffel, Schüsseln, Schuhe etc. und alles was die Nahrungspalette so hergibt: regionale, saisonale Naturprodukte und wirklich alles was man braucht. (Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Milch, Käse, Kräuter und Würzmittel, Naturheilmittel…)

Ich merke nochmal an, dass ich ein Diplom in Ernährung und Gesundheit habe und nicht nur so daher rede. Es mangelt an nix, komplexe Kohlehydrate, gesunde Fette, ausgewogene Proteine, Ballaststoffe, Vitamine und Spurenelemente und man staunt trotz den Bemühungen des zweiten übels dieser Welt der Pharmaindustrie noch Naturheilmittel aus Rinden, Wurzeln, Blättern, Pasten und Extrakten… Leider alles mit der nächsten Generation langsam in Vergessenheit geraten.
Jetzt gibt es böse Aufschreie meiner vom System korrumpierten Leser die den Medien Glauben schenken. Hungernde Kinder und sterbende Alte… stimmt schon und auch kein Wunder auf dieser überbevölkerten Welt wo die Natur sich nicht alles gefallen lassen kann und auf rigerose Misshandlung mit Dürre oder drastischen Änderungen antwortet oder aus Platzmangel in einigen Regionen Menschen sich freiwillig in Wüsten ansiedeln… lebensfeindlichster Raum nach den Polkappen… also kein Lebensraum, selbst Schuld würde ich behaupten. Und bei anderen Rassen würde man das Ergebnis natürliche Selektion nennen, aber wenn es um die Herrenrasse Mensch geht gelten andere Massstäbe. Aber 90% aller Lebensräume der Tierwelt ausbeuten und das Aussterben tausender Arten seit Generationen wissentlich in Kauf nehmen… uninteressant. Denn Tiere kaufen nix.

Ich schweife etwas ab, aber der Punkt ist klar gesetzt, hier in den Tropen kann man relativ unkompliziert im Einklang mit der Natur leben und dadurch mit Respekt und Verantwortung für die Zukunft und nicht auf deren Kosten LEBEN.

Als weiterer Faktor warum ich mich wie auch eine stetig wachsende Gemeinschaft mit dem Thema Selbstversorgung befasse ist die Absicherung vor Ausfällen des oben beschriebenen Systems auf das sich leider zu viele blind verlassen. Wie eine Katze die vorm Wasserhahn sitzt bis jemand mit Macht den auf oder wieder zu dreht… (bei nem Freund gesehen) aber anschauliches Beispiel der (unnötigen) Abhängigkeit eines Großteils der Weltbevölkerung. Ich schreibe heute im Gegensatz zu sonstigen ähnlichen Themen mal nicht EUCH… um mich als Einzelnen rauszuheben der den Durchblick hat und Dinge anpackt. Es gibt viele Gleichgesinnte aus allen Ecken der Welt die sich biodynamisch und nachhaltig mit Lebensmitteln beschäftigen die ohne zutun von chemischen Düngern oder Pestiziden auch längerfristig funktionieren sollen… macht ja sonst keinen Sinn sich damit in Abhängigkeit zu begeben. Klar gehört dazu auch nachhaltige Unterkünfte und bezahlbarer Wohnraum ohne die üblichen Schadstoffe Asbest, Gips, Beton wieder im Einklang der Natur und da rede ich nicht vom boom der „Tiny Häuser“ die chic aber Blödsinn sind. Opas Farm mit Garten oder ein homestead in den USA bietet auch ein gewisses Maß an Schutz und Wehrfähigkeit vor entarteter Natur, zum Beispiel bauen sich Leute sogar Bunker oder lagern Waffen… Urinstinkte und von der Obrigkeit dann gerne als Spinner, Verschwörungstheoretiker und Hillbillys angeprangert. Denkt mal drüber nach, ein Mensch der einfach seine Familie beschützen will ist bei weitem natürlicher als jemand der seine Machtposition und den damit erzeugten leeren Wohlstand verteidigen muss (denn ohne dieses System wäre dieser Wohlstand zu nix nutze… Geld schmeckt scheiße und hat weder Kalorien noch Nährwert.)

Aber selbst die, die aktuell in den kleineren Krisen die auf unserem Planeten seit Jahren aufkommen, Hamsterkäufe tätigen, sind im Kopf an einer Grenze angelangt. Sie wissen dass ohne den Supermarkt in wenigen Tagen Hunger herrscht. Sind sich ihrer Abhängigkeit bewusst und können das Ergebnis höchstens etwas hinauszögern, anderes gesagt ihr Leiden verlängern. Immer wieder gerne vom System durch Endzeit-Movies angeheizt… Derjenige der was auch immer überlebt findet Konservendosen in verlassenen Supermärkten und frisst den Schund roh und gierig, verteidigt es bis aufs Blut… derjenige aber der auf seiner weit abgelegenen Farm Gemüse anbaut (solange kein radioaktiver Fallout den Boden verseucht / Dann haben wir echt alle verspielt und verdienen nicht auf diesem Planeten zu sein) ist gerettet.
Unruhen, Wirtschaftskrisen, Seuchen wer mag glaubt auch gerne an Zombies oder feindliche Außerirdische, Fakt ist aber wir leben auf Messers Schneide und in westlichen Großstädten schon seit Jahren in gesteuerter Unsicherheit. Ich lasse immer gerne mal das Gedankenspiel Stromausfall fallen. Keine Alarmanlagen, Überwachungskameras, Notrufe…und all die wertvollen Güter sind Vogelfrei für Verbrecherbanden und Gauner von denen es nachweislich mehr als genug gibt. Wie würde Berlin nach 12Stunden ohne Strom aussehen, Bürgerkrieg würde ich behaupten. Oder all die Tiefkühlnahrung in den Lagern und Märkten reif für die Halde wenn keine Elektrizität aus der Dose… denn auch Generatoren brauchen irgendwann Treibstoff.

Was also wirklich zum Überleben zählt und mir auf meinen Reisen auch ohne Geld immer wieder weiter hilft sind Fertigkeiten und Fähigkeit. Kein Computergenie der nicht weiss wie ein Stück Holz zu zersägen ist, überlebt das Deasaster. Etwas Handwerk (Metall, Holz, Stein) Konstruktion (Unterkunft, Zäune, Feuerstellen) Garten oder Landwirtschaft (Bodenbearbeitung, Aussaat, Pflege, Ernte, Verarbeitung) Küche (kochen, verarbeiten, schlachten) jagen, fischen, Fallen bauen… ja auch das gehört dazu. Die letzte Tötung hatte mein Hund übernommen, ich hab nur verarbeitet, das aber auch schon schwer. 5Kilo Zicklein, lecker.

Oder die versehentlich erschlagene Schlange die in der Pfanne knusprig wurde.

Eigentlich sollte jeder mal nen Buch von Rüdiger Nehberg gelesen haben oder selbst survival als Kurs belegen oder wie früher bei den Pfadfindern mal Grundlagen wenn schon nicht erlernt zumindest erlebt haben. Die aktuelle Generation kennt nur jede App (vielleicht kann man da ja zumindest digital lernen)
Wer Veganer/Vegetarier ist weiß selbst worauf es ankommt, für alle anderen ist das Thema Fleisch ein (Tabu)thema. Der Mensch züchtet oder jagt, muss aber irgendwann töten, denn Aasfresser sind wir nicht. In Gemeinschaften gibt es hoffentlich immer jemanden der diesen Part übernimmt aber das heißt wieder Abhängigkeit… also ran an den Speck. Und auch um den Respekt vorm Tier nicht zu verlieren sollte man als Konsument mal zumindest dabei gewesen sein. Mich würde echt eine Umfrage interessieren wie viele Fleischesser ehrlich wissen was mit ihrer Nahrung vorher abgeht… Schlachthaus Rundgang…

Es war das Arbeiter Fest 1.Mai und meine Jungs wollten ne Fete. Fleisch essen wir selten oder nie, einmal die Woche vielleicht Fisch sonst Tofu oder Hülsenfrüchte. Es sollte also gegrillt werden, Huhn zu ordinär und Ziege ist die zweite Variante die die meisten zuhause haben. Schaf oder Truthahn war im Gespräch auch ordentliche Steaks vom Metzger aus dem Dorf dessen Tiere wiederum aus den Herden der Umgebung stammen. Entschieden haben wir uns aber für ein Schwein, eher ein Ferkel denn was wollen wir mit einer Zentner schweren Sau? Beim Nachbarn in Freiheit aufgewachsen, Kräuter aus der Umgebung und Maniok und Mais zugefüttert.

Herzzerreissend und bemitleidenswert, aber da muss man durch. Dann lieber schnell bevor das Leiden unnötig verlängert wird. Schlag auf den Kopf hilft bei Schweinen meist nicht, bin kein Freund von schächten, aber wenn es an anderen Hilfsmitteln mangelt geht nun mal das Messer durch die Kehle.

Ich hab es dann eine Minute lang mit Tränen in den Augen (selbst jetzt beim Schreiben noch) und aufgelegter Hand begleitet. Das Zucken und röcheln die immer langsamer werdenden Bewegungen und ein selbst verursachtes Schuldgefühl, Verantwortung übernommen. Dann war es ein gutes Stück 20Kilo rohes Fleisch. Wurde abgeflammt und mit Kohleasche und Sand abgerieben und anschließend gewaschen.

Ausgenommen ohne etwas zu verschwenden, Innereien gewaschen, den Inhalt auf den Kompost. Die Därme geflochten und mit anderen Innereien als Suppe verkocht. Herz Nieren, Lungen und Leber hab ich mit Zwiebeln in der Pfanne gebraten und der Rest wurde zum Spanferkel. Mit ein paar Schellen, Gewindestangen und nem Kupferrohr auf Bambus Dreibeinen eine Vorrichtung zum Drehen gebaut, Feuer drunter … fertig.

Fünf Stunden am Stück locker flockig gewendet und immer mal mit der Marinade aus Ingwer, Zwiebeln, Chili, Knoblauch, Öl und Wasser mit nem Pinsel eingerieben. Nebenbei die Festlichkeit vorbereitet. Es wurde herrlich und ich hatte alle Mitarbeiter, Helfer und Freunde aus der Permakulturszene eingeladen, natürlich gab es auch Sodaby, also selbstgebrannten Palmenschnaps… vom gleichen Bauern die das Schwein als Zugabe zur Preisverhandlung. 25.000cfa hab ich ihm dafür gegeben, fast ein durchschnittliches Monatsgehalt und bei knapp 20Kilo Ferkel rund 1,50€/kg für Bio Qualität plus 2Liter Schnaps… fair wie ich finde, könnte man aber anderswo auch schon für 15.000 bekommen. Klar war es fettig, ist halt Schwein aber knusprig und mit guten Senf dazu, so haben meine Jungs noch nie gegessen. Wie Grillhaxe, hab ich mal als deutsche Spezialität ausgewiesen.

Dazu wurde Fufu geklopft also dieser Teigball/brei gereicht und im ersten Gang mit der Innereiensuppe vernascht. Gelungene Veranstaltung zum Beginn von PermaTogo.
Wurde nun doch etwas ausführlicher als geplant berichtet aber zum Thema Obst und Gemüse war ich ja mehrfach schon aktiv… Ich hoffe also mal wieder nen runden Einblick in mein Leben gegeben zu haben. Angestrebte Selbstversorgung in 3-5 Jahren. Dann fangen die gepflanzten Obstbäume an Ertrag zu bringen. Zwischendurch kann ich dann meine anderen Projekte verwirklichen und das ein oder andere Mal auch auf Reisen gehen, so der Plan. Togo ne gute Basis und Ausgangsposition in alle Richtungen.

7 Gedanken zu “Selbstversorgung, ein moderner Traum

  1. siempre schreibt:

    Ahh ja, verstehe, „die Jungs wollten ne Fete“ und dafür gab es dann anstatt Tofu und Gemüse ein Ferkel,
    daß sein Leben lassen musste, weil die Jungs ne Fete wollten.

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    • mb407 schreibt:

      Höre ich da abwertende Äußerungen. Ja, auch Afrikaner essen Fleisch und man glaubt es kaum echt viel weniger und dafür mit anständiger Herkunft und in Freiheit lebenden Tieren ohne „Vitamin“Spritzen und co…

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  2. Mario schreibt:

    Moin,
    das sind mal ganz tolle Nachrichten.
    Das bedeutet ja, dass wir alle Migranten aus Afrika getrost nach Afrika zurück verfrachten können. dort geht es Ihnen viel besser als in Europa – gefällt mir.
    Ja, Selbstversorgung ist eine feine Sache. Allerdings ja nur möglich, wenn man sein bisheriges Leben aufgibt und sich in afrikanischen, kanadischen oder sonstwie Urwald begibt.
    Bleib‘ gesund und achte drauf, dir nicht eingebildete Krankheiten einzuhandeln.
    Mit Respekt für deinen Mut
    Mario

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    • mb407 schreibt:

      Ja, erkläre ich allen die „mit mir heim“ wollen auch immer wieder. Vergleiche zum Wetter bei uns mit Kühlschränken und auch dass es keine Arbeitsgesuche für Feldarbeiter mit der Machete und Handklamottenwäscher gibt. Dazu unmengen von ausgaben bevor man überhaupt Leben darf… ich bekehre…

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