Baumpatenschaften in den Tropen


Ich hab in meinen Blogbeiträgen schon immer einen speziellen Blick auf die Natur und vor allem wie die Menschheit sie gerne zerstört. Mit Beispielen wie Ziegenherden in Mauretanien die die letzten Pflänzchen wegfressen und keine Chance auf neues Wachstum geben oder halt offensichtlichstes Thema, die Abholzung im Regenwald. Gründe hierfür sind das Holz selbst als Baumaterial oder Exportware oder völlig konträr zum Foodforest basierende Agrarwirtschaften von jährlichen Kulturpflanzen die in großem Stil auf ebenen Flächen mit viel Aufwand und riesigen Maschinen beackert werden. Aber auch wenn diese Maschinen wie hier in Togo fehlen wird der Kahlschlag gerne vor der Aussaat vorgenommen um dem Wachstum aller anderen natürlichen Rivalen zuvorzukommen, oder was auch immer Ausrede ist. Eine Methode bei der erst chemische Mittel und dann Feuer nicht nur Pflanzen sondern leider auch wichtige im Boden lebende Organismen töten. Diese über tausende von Jahren entstandenen Erdschichten sind reich an allem was die Flora benötigt aber verschwinden ohne Rückhalt durch Wurzeln und Schutz vor der Sonne unwiederbringlich. Dem Wind und Regen ausgesetzt zählt Erosion zur stärksten negativen Auswirkung dieser Methode. Übrig bleiben nach wenigen Jahren ausgelaugte, sandige Böden auf denen kaum Ernten zu erbringen sind, deshalb werden weitere Flächen freigelegt um diesen Teufelskreis zu starten. Desertifikation als Folge, denn ohne Vegetation ist alles nur Wüste. Die Gegenden der Regenwälder gelten ohne Wald als die ärmsten Böden dieser Erde.


Das auf der Welt natürlichste Ergebnis freier Entfaltung ist nun aber mal der Wald. Völlig sich selbst überlassen wächst auf brachen Flächen immer irgendwas. Von Gräsern angefangen geben die Überreste dieser meist saisonalen Pflanzen dem Boden Stück für Stück etwas Humus zurück bis sich die ersten Büsche ansiedeln. Samen werden von Vögeln und anderen Tieren eingetragen, so lassen auf einer immer weiter wachsenden Schicht abgestorbener Pflanzenreste der Vorgänger mithilfe von Pilzen und Bakterien Qualitätsböden erzeugen auf denen Bäume wieder Fuß fassen können. Diese schließen dann irgendwann den Kreislauf der Natur mit fallenden Blättern und ihrer eigenen Biomasse nach Ende ihrer Lebensspanne die meist mehrere hundert Jahre dauern kann, dieser Kreislauf dauert also weit länger als unser persönlicher Aufenthalt in diesem System. Doch wenn der Mensch clever genug ist kann er nicht nur zerstören sondern auch erschaffen und seine Fehler (oder die der anderen) wieder ausgleichen. Forstwirtschaft gibt es in Europa, ob nun zur reinen ertragsorientierten Holzgewinnung oder aber zur Rückgewinnung von „Urwaldbereichen“ zum generellen Naturschutz sei dahingestellt. Hier in Westafrika und anderen Teilen der Welt wo niemand fürs Bäume pflanzen bezahlt wird und deshalb keiner dieser wichtigen Aufgabe nachgeht sieht die Zukunft karg aus. Klar gibt es Plantagen von Teakholz zum Beispiel, was aber nix anderes als Monokulturen sind die zur reinen profitbringenden Holzgewinnung auf unnatürliche Weise angepflanzt werden. Eng und in Reihen damit die Stämme auch schön gerade dem Licht entgegen wachsen und keinen Platz für andere Pflanzen oder der Tierwelt bieten. Mit viel Chemie und Dünger wird nachgeholfen und diese bleiben nicht immer direkt an diesem Ort sondern sammeln sich durch Wasser an anderen Orten um dort Unheil anzurichten. Man könnte über solche und ähnliche Themen noch stundenlang weiter berichten, Fakt ist der Wald stirbt und keiner tut was dagegen… Wirklich keiner?


Ich bin ja nun selbst mit einem grünen Daumen geboren, hab meine Weltreise den aktuellen globalen Umständen angepasst und mich erstmal in Togo häuslich eingerichtet. Einem Land das an der Südküste Westafrikas in den Tropen liegt. Die Winter sind heiß und trocken und die Sommer warm und feucht. Es gibt zwei große Regenzeiten und damit auch irgendwie vier Jahreszeiten die aber alle Wachstum bedeuten können. Neben meinem Garten und dem Permakultur Projekt Waldgarten (FoodForest) habe ich eine weitere Beschäftigung gefunden… Baume pflanzen, denn wo vormals etliche Riesen standen sind nicht mehr viele davon übrig.


Kaum zu glauben, dass solch ein Baum vom Besitzer für umgerechnet knapp 50,-€ verkauft wird um mit viel Verlust und Verschnitt dank der nur vorhandenen Kettensägen allenfalls einige Bretter draus zu gewinnen. Logisch dass sich das bei kleineren Bäumen kaum lohnen würde und die Auswahl zuerst auf die großen fällt, die Nachfrage größer als das Wachstum… übrig bliebt schwindender Wald.


Schlimm auch der Faktor, dass ein Riese nun mal beim Fallen viel Zerstörung anrichtet. Auch aus diesem Grunde werden einige lieber vorab gefällt bevor jemand dort zum Beispiel ne Kaffeeplantage erschafft um früher oder später diese gegen den Baum zu beschützen, verrückte Welt.

Letztes Foto täuscht vielleicht von der Perspektive her, aber solch ein Gigant steht eigentlich auf stabiler Basis die selbst ein Wunder der Natur ist und den Mensch mal wieder klein aussehen lässt.

Der Abfall und Verschnitt von Astgabeln und geschwungenen Armen bleibt dann ungenutzt im restlichen Wald liegen, immerhin zusammen mit den Tonnen an Sägespähnen eine natürliche Düngung der Umgebung.

Abtransportiert wird wenn überhaupt möglich ebenfalls mit viel Chaos… der LKW muss ja erst einmal dahin gelangen. Fotos aus Ghana und Cote d’Ivoire. In Togo hab ich das so noch nicht erlebt, nur halt die per Hand geschnittenen und auf dem Kopf transportierten Bretter.

In der Elfenbeinküste hab ich dann auch irgendwann dieses sehr aussagekräftige Foto geschossen, wie ich finde. Glück gehabt auf dem Gelände einer Kaserne einen Gönner gefunden zu haben? Wie lange noch?

Der ganze Bericht zu dieser Region dann hier nachzulesen.
https://mb407.wordpress.com/2020/02/07/der-westen-der-elfenbeinkuste-zum-park-du-tai/
Also brauchen wir tatakräftige Unterstützung um im Amazonas und den Tropen Afrikas sowie Asiens wieder Natur nachwachsen zu lassen um doch final irgendwie das Weltklima zu retten. Die komplexen Zusammenhänge überschauen die wenigsten, doch zumindest merkt auch jeder Trottel, dass direkt unter Bäumen die Temperaturen sinken, und im Wald sich zusätzlich noch Feuchtigkeit sammelt die dann morgens von den Blättern tropfen kann und kleine Bäche bildet… Wasserknappheit ist zumindest temporär hier auch schon ein Thema!
Ich lege also los und quatsche nicht nur. Habe eine Aktion Baumpatenschaften in den Tropen ins Leben gerufen um regional auf den 200ha meiner beiden Chefs den Franzosen mit der Aufforstung zu beginnen. Dank Facebook und der schnellen Verbreitung haben sich etliche Freunde bereit erklärt dies zu unterstützen und mit einer Spende den Kauf von Bäumchen und Bambuskörben als Schutz vor den Ziegen darum zu ermöglichen. Weiterhin hab ich aktuell zwischen 5-8 Einheimische eingestellt die mit mir graben und pflanzen, den Zusammenhang von biodynamischer Landwirtschaft als Alternative zum Ackerbau-Wahnsinn lernen und die Folgen von Chemie also Pestiziden und Herbiziden im System verstehen. Permakultur Ausbildungszentrum 🙂


Die umliegenden Baumschulen welche meist auch nur kleine private Betriebe sind die in alte Trinkwassertüten ein paar Samen stecken und hauptsächlich Kaffee, Ölpalmen und ein paar Obstbäume züchten wissen nun auch Bescheid was ich so wünsche und reagieren hoffentlich zeitnah. Zusätzlich hab ich selbst angefangen eine Pepinerie wie es heißt aufzubauen. All zu viele Samen sind auf meinem Kompost gekeimt und sollen nicht verschwendet werden, Coresol, Papaya und Mango wie Avocado sprießen.



Wenn also die Regenzeit voll einsetzt sind wir bereit neben dem ersten Schwung von knapp 60 Bäumen die schon weiter unten in der schattigen Schlucht in die Erde wanderten, auch hier oben hunderte Bäume zu pflanzen ohne die gleich an die Trockenheit zu verlieren. Ab und an schicke ich mal jemanden los per Eimer aus dem Staubecken Wasser an die Frischlinge zu schütten. Das kann ich aber keinem den Berg hinauf zumuten.
Für die Patenschaften gibt es auch eine Möglichkeit sich direkt daneben in einem Teakholz Schild zu verewigen. So zum Beispiel das perfekte Geburtstagsgeschenk fürs gute Gewissen. Dieser Kapokier Urwaldriese von Sara aus Sachsen hat es an einen passenden Platz geschafft und kann nun von mir behütet und beschütz groß werden.

Die Blätter werden gerne zur Sauce verkocht und sind auch bei Tieren beliebt, deshalb bildet er recht schnell Dornen am Stamm was aber kaum Gegen Macheten hilft. Doch mit Korb und Schild ist das Maximum an Deutlichkeit erreicht und so kann er weit über 50m werden, wenn auch nur knapp 100Jahre alt, da das Holz sehr weich ist, zum Glück nicht für Bretter geeignet. Trotzdem für mich der Auffälligste Baum in den Tropen.


Weitere schon gepflanzte sind Mahagoni und Sangera, Melina und auch gesundes wie Neem und Moringa. Meine befreundeten Farmen von Zion Gaia und Ecoferme Kekeli sowie la ferme Gavisa haben mir auch schon Bäume aus ihren Schulen vermacht. Dafür unterstütze ich diese Projekte mit Spenden und hab das Wort kaufen vermieden. Es sind also schon einige Touren mit dem „G“ samt Anhänger unternommen worden.


Wer also mitmachen will, nun im Frühjahr (Regenzeit steht vor der Tür) ist die ideale Zeit zum starten. Über die FB Seite „Baumpatenschaften in en Tropen“ Kontakt zu mir aufnehmen, Dann hab ich gleich alles auf einem Blick und kann, wenn verbuddelt, mit Bild und Standort das Herz des Gönners erwärmen.
Reiseenthusiasten die ich in Mauretanien traf haben zum Beispiel einen etwas größeren Wald fürs Projekt vorgesehen und gleichzeitig profitiert mein Kumpel Josias unweit seiner Bleibe in naher Zukunft. Ein paar ertragbringende Fruchtbäume und Jackfruit sowie nen Brotbaum, als Anreiz auch ein Auge auf die anderen wie Akaju und Iroko zu werfen. Hoffe nur, dass der karge Boden bei ihm auf dem Hügel auch gut genug ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt und Hauptsache es fängt mal einer an.

Es gibt oder gab irgendwann zumindest mal ne Aktion „planter ton arbre“ wovon einige verblichene Werbeschilder berichten, aber Ergebnisse? Zum Glück gibt es auch Projekte wie das Grüne Band in Burkina Faso oder die gigantische Grüne Mauer in China die die Wüsten des Nordens zurückhalten und erneut begrünen sollen. Komische Maßnahmen werden da mit reinem Sand unternommen, aber als Ergebnis wächst immerhin wieder was.
Und so ganz nebenbei senibilisiere ich die Einheimischen und den Nachwuchs im Nachhaltigeren Umgang mit ihrer Heimat… Hab auf der Page schon das ein oder andere Porträt zu Mitarbeitern geschrieben, ein paar Frauen wollen sich auch anschließen und die nächsten Tage mitmachen, wird sich zeigen.

Soviel heute zum Bäume Pflanzen, und ganz ohne „Saufen für den Regenwald“ wie es noch in meiner Jugend hieß. War das Krombacher? Wie sind denn die Ergebnisse dieser … Orgie? gibt es jetzt ein Krombacherland… da ja ein Quadratmeter pro verkauftem Kasten versprochen wurde?
Ich bin dann also mal wieder mit dreckigen Füßen und staubigen bis schlammigen Armen im Busch unterwegs. Damit es bald öfters wieder so aussehen kann.

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