Buschbrände, ein jährliches Übel

Es ist Trockenzeit und dazu kommt noch der Harmattan, der heiße trockene und staubige Wind aus der Sahara. Binnen zwei Wochen nach abklingen des letzten Regens haben sich große Landstriche im tropischen Westen Togos in gelbes Buschland verwandelt. Was nicht unmittelbar an einem Bach liegt oder bewässert wird geht eine Art warmen Winterschlaf ein und lässt wie in nördlicheren Gefilden Blätter von den Bäumen rieseln. Diese ergeben zusammen mit den trockenen bis zu 2m hohen Gräsern ein zunderhaftes Gestrüpp am Boden. Selbstentzündung durch Glasscherben etc. ist trotzdem nicht die Ursache für einen Großteil der Feuer in wilder Natur.

Der Mensch legt sie und greift damit nicht positiv ins Weltgeschehen ein. Einerseits werden damit Felder von Unkraut befreit, manchmal wird es sogar strategisch zum jagen benutzt um Tiere aus Gebieten zu scheuchen, meist jedoch sind es die Viehhirten die nicht mal auf ihrem eigenen Grund und Boden Gestrüpp weg haben wollen und den Gräsern für ihre Rinder damit neues Wachstum ermöglicht. Die Volksgruppe der Peul, die als teilweise Nomaden leben und sich hauptsächlich mit Viehzucht und Milchprodukten ihren Lebensunterhalt verdienen sind damit nicht beliebt bei den heimischen Togolesen. Generell ist Brandrodung und Feuer legen verboten, wird aber viel zu lasch verfolgt und kann auch nur schwer bewiesen werden. Trockene Dunghaufen werden zur Glut gebracht und umgedreht auf den trockenen Boden gelegt, wenn sich das rote bis an die Oberfläche durchgefressen hat und dann mit Wind und Nahrung versorgt wird sind die Urheber schon weit weg. Am Rande von Wegen und Pisten findet es dann schnell und unkontrolliert seinen Weg.

Ich hab online mal eine kumullierte Satelitenaufnahme von dieser Periode und der Welt gesehen. Darauf brennt ganz Afrika lichterloh… und das kann man sich wirklich erst vorstellen wenn man wie ich einen guten Überblick über Zeit und Raum hat. Seit Dezember brennt es jede Nacht mehrfach auf allen umliegenden Bergen und Ebenen die ich überblicken kann. Dagegen ist man machtlos, wenn schon selbst auf dem eigenen Boden (200ha) kaum Einhalt zu gebieten ist.

Links oben auf dem Hügel ist das Hotel zu sehen, Feuer sind unvermeidlich, also hieß es in den ersten Wochen der Trockenzeit alles Brennmaterial im Umkreis zu entfernen. Büsche mit der Machete stutzen und trockenes Gestrüpp selbst anzünden hieß es vor meinem Eingreifen hier. Ich konnte zumindest dies verhindern und mit dem Material einen riesigen Kompost starten, der aber in der Trockenzeit echt gut bewässert werden muss um zu funktionieren. Der Geruch nach Brand und Asche liegt immer in der Luft und jede Fahrt runter vom Berg auch mit dem Gedanken im Hinterkopf was passieren kann wenn ich nicht da bin.

Ich hab locker 10m nichts als trockenen Boden um mich herum der bis auf wenige Zentimeter Höhe von allem brennbarem befreit wurde, doch das knistern und Knacken jede Nacht mit dem Wiederschein der rötlichgelben Flammen lässt einen nicht ruhig schlafen. Allein von meiner Terrasse kann ich etliche Herde sehen.

Wenige Hundert Meter weiter brennt bald der Nachbarhügel und binnen einer Nacht ist es unterhalb unseres Gipfels angekommen. Das Schicksal war gnädig und schickte Wind der das Feuer zwar
anfachte aber Diagonal direkt an mir vorbei lenkte.

Die WALKÜRE ist immer einsatzbereit und selbst mit aufgeschobenem Dach beweglich, ich hätte nur die Terrasse hochklappen müssen, den Motor starten und weiter auf die Ebene fahren müssen, also ne Sache von 30-60Sekunden. Dadurch beruhigt konnte ich Maßnahmen steuern gegen die Flammen anzugehen. Altmodisch mit helfenden Händen und Eimern.

Wenn zwei Meter hohes Gras brennt hat man keine Chance, aber
Blätter auf dem Boden sind schnell gelöscht… auch wenn es mehrere Hundert Meter Front sind.

Wenigstens hier im Griff, wenn auch Eimer den Hügel runterschleppen echt anstrengend ist.

Das traurige nur an der Geschichte, es bleibt nicht viel übrig wenn das Feuer durch ist. Kleintiere und Mikroorganismen im Boden sterben. Schildkröten und so sind die langsamen Opfer, alles was schneller flüchtet wird von Schwärmen von Greifvögeln abgefangen die jedes Feuer begleiten. Wer sich mit Permakultur befasst versteht dass dieser schutzlose Boden ohne Humusschicht einfach nur Sand und Staub ist der vom Winde verweht oder vom ersten Regen weggeschwämmt wird. Asche ist fruchtbar heißt es, diese bleibst aber auch nicht an Ort und Stelle… und das schlimmste, jeder kleinere Baum der sich bisher wacker gegen all die schnell wachsenden Unkräuter durchgesetzt hat bekommt nun die Keule die
sein Leben aushaucht. Afrika zerstört sich mal wieder selbst.

Um etwas mehr einzutauchen mal wieder ein Filmchen mit Ton…

Für mich ist es glimpflich ausgegangen und nur ein Kompost in meiner Gegend hat es nicht überlebt. Als Ergebnis aber werde ich in der nächsten Saison weitere Maßnahmen ergreifen um präventiv dagegen zu steuern. Als aller erstes werden wir auch aufgrund von Wasserverschmutzung unseres kleinen Bächleins den Viehhirten konsequent verbieten auf dem Gelände rumzuwandern. Es wird weiterhin eine Offroadstrecke um das betroffene und befahrbare Gebiet geben was einerseits sowieso als Attraktion geplant ist und damit gleichzeitig eine Patroullie ermöglicht. Zwei Meter Raum ohne Dickicht verhindert ebenfalls das Flammen weiterziehen können. Mein Freund der Bienenzüchter der seine Holzkisten auch auf unser Land stellt ist dafür und arbeitet auf seinem Gebiet bisher hart mit Gegenfeuern…

Wenn eine Schneise schonmal abgebrannt ist findet kaum wildes Feuer seinen Weg auf sein Terrain und schützt damit die Bienen. Links im Bild sieht man den Junior mit Palmenwedeln bewaffnet im Qualm stehen um das Feuer in Bahnen zu lenken. Kein angenehmer Job. Da kann ich mir gut vorstellen täglich ne Runde im 4×4 oder auf dem Quad die Schneise abzufahren und ordentlich den Boden umzugraben…

3 Gedanken zu “Buschbrände, ein jährliches Übel

  1. Reinhard schreibt:

    (Als aller erstes werden wir auch aufgrund von Wasserverschmutzung unseres kleinen Bächleins den Viehhirten konsequent verbieten, auf dem Gelände rum zuwandern).

    – Na dann mal viel Glück. Wenn alles Löschen nichts nützt, Golden Eye zünden, und ab zum Sirius. Vielleicht kannst Du dann das Rätsel der Dogon lösen, und, Wallküre nicht vergessen.

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  2. detlef / busfreaks.de schreibt:

    Zitat:
    Als aller erstes werden wir auch aufgrund von Wasserverschmutzung unseres kleinen Bächleins den Viehhirten konsequent verbieten auf dem Gelände rumzuwandern.
    ————————
    Mal ganz ehrlich, meinst Du das der sich das gefallen lässt???
    Wenn so in den Tag leben, ohne in die Zukunft zu sehen, dann wird denen das wohl egal sein.
    Genau so deine Patrouille, was meinst Du wird die bewirken, wenn sie Zb. Bäume umlegen wollen??
    Na dann viel Erfolg.

    Lg. an euch beide.

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