Strandurlaub…

Das neue Jahr ist auch schon wieder zwei Wochen alt und ich bin wohl etwas schreibfaul geworden. Einfach zu viele Projekte die mich den ganzen Tag über auf Trab halten. Aber der Kerl lässt sich trotzdem nicht stressen und genießt sein Leben. Zur Abwechslung heute mal einen Beitrag mit Erholungscharakter.
Begonnen mit der Silvesterparty bei Freunden in Kpalime. Eine Gruppe älterer Franzosen mit ihren Mädels, ein junger Schweizer unser Koch und ich. Wollte eigentlich mal sehen was so in der Stadt zum Jahreswechsel ab geht aber irgend jemand hat sich einfallen lassen zwei Tage lang Couvre Feu also Ausgangssperre zu spielen, völliger Blödsinn aber schon oft genug thematisiert. Also Plan B und der hieß Champagner und Foie Gras im Hakuna Matata.

Ist schon ein komisches Silvester in kurzen Klamotten bei 30grad open air unterm Palmendach der Paiotte mit Blick auf den Pool und dunklen Dschungel dahinter. Jedes Jahr was Neues, letztes Silvester verbrachte ich alleine in der Wüste Mauretaniens. Das Jahr davor mit hunderten Hippies bei der PizzaParty an der Algarve und davor also 2018 mit ein paar Freunden an einer heißen Quelle im südlichen Marokko.

Wir hatten exquisit gespeist und ich ein gutes deutsches Brot zur Stopfleber kredenzt. Hab mit unserem Koch zusammen erst ein paar Stunden zuvor den nötigen Einkauf in der Stadt gemacht, wie üblich ein Abenteuer für sich. Alles wurde gut und der Abend ging bis 2Uhr nachts. Ein paar Gäste in der Herberge (Chef ist einer der Kumpels) hatten sogar Feuerwerk und afrikanisch mehr oder weniger pünktlich den Himmel erleuchtet.

Ich war dann zur Abfahrt der nüchternste und fuhr den Prado durch die Ausgangssperre. In jedem Dorf zwischen Kpalime und Danyi steppte der Bär auf den Straßen und alle Anwohner waren in und vor den Bars am feiern. Doch ab und an gab es wirklich Polizeisperren die final mit etwas Überredungskunst doch von der Sinnlosigkeit ihres Vorhabens überzeugt werden konnten und unsere Heimfahrt nicht weiter störten. Feten zum Jahreswechsel dauern in Togo übrigens bis zu 5 Tage, dieses Jahr mit dem Wochenende besonders schlimm und damit die erste Woche des Jahres viele mit Kater gezeichnet.
Der im letzten Moped-Schrauberblog beschriebene Exkurs nach Lome dann ein weiteres Kapitel zum Thema Urlaub. Ich begleitete den Chef in die Hauptstadt um dort mein Moped zu kaufen, welches es im Umkreis hier nicht zu bekommen gab.
Die Heimfahrt war dann mit dem Zweirad Huckepack im neuen Firmenwagen geplant gewesen, etwas anständiges mit Stern sollte es sein und nicht so ein Plasitk verblendetes Spielzeug mit vielen Knöpfen und Klimaanlage, selbst nen Kühlschrank hat der Prado in der Mittelkonsole versteckt. Nein, ich bekomme einen Mercedes G aus den 80ern mit alt bekanntem OM617 5Zylinder Motor. Ein Traum und das als Langversion PickUp mit Getriebeuntersetzung, perfekt für den Busch und die Pisten meiner Nachbarschaft.

Das Problem war nur der stand mit Ölüberdruck in der Werkstatt. Ich hatte meinen Werkzeugkasten dabei und hoffte das Problem wie aus Erfahrung mit dem Überdruckventil an der Ölpumpe zu enttarnen. Leider war dem nicht so und trotz Motorrestauration vor weniger als 10tkm hat es wohl einige Kolbenringe zerblasen, Qualität der Ersatzteile oder fachmännische Arbeit … ungewiss. Auf jeden Fall war meine Entscheidung nach mehreren Probefahrten mit Systemreiniger dann gegen meine Gefühle und eher mit Verstand doch nicht die 250km in den Busch auf mich zu nehmen. Es drückte Öl aus dem Ventildeckel und auch aus dem Ölpeilstabröhrchen… und wird von alleine nicht besser. Ergebnis also die Explantation des Triebwerks und die Jungs überholen das Aggregat erneut komplett.

Kann mir kein Alternativfahrzeug vorstellen was ich sonst wirklich gerne chauffieren würde, nur am Tage auf der Zulassungsstelle sah ich diesen 6×6 Berliet der frisch restauriert seinen Weg aus Frankreich her gefunden hat…

nur etwas klobig und dekadent um ein Motorrad zu transportieren. Also warten bis der G fahrbereit ist.
So blieb mir also nur am geplanten Tag der Abreise mit Sack und Pack sowie Hund wieder Quartier am Strand zu beziehen. Problem nur der war 8km entfernt wenn auch nur die Hauptstraße immer gerade aus. Und ich hatte nur das frisch erworbene Moped zur Verfügung. Aber wer erst einmal ne Weile hier lebt und sieht was alles so auf zwei Rädern transportiert werden kann. Neben bis zu fünf Personen waren die kuriosesten Sichtungen bisher: Einen Esstisch 1x2m auf dem Kopf des Sozius mit den vier Beinen in den Himmel. Einen fast ebenso großen Spiegel zwischen Fahrer und Sozius aufrecht stehend. 5Säcke Zement a 50kg, oder vier große Säcke Avocados mit gleichem Gewicht aber dreifachen Dimensionen, dass der Fahrer auf den Tank wandern musste. So ähnlich wie bei meinem Transport vom Unimog Reifen wobei noch eine Hand fürs Telefon frei war.

Aber das bisher schokierendste war ein MotoTaxi mit Fahrgast und vier lebendigen Ziegen, echt wahr. Der broße Bock verschnürt auf dem Tank und die drei anderen meckernden Ziegen handlich verpackt zwischen den beiden Humanoiden… und alles natürlich auf chinesischen 125ern…

Also kann eigentlich keiner von nem Hund auf dem Tank erstaunt sein. Doch der wohl einzige Weiße auf nem Moped der in Lome der auf dem Schoß einen aufrecht sitzenden Hund mit flatternden Lefzen im lauwarmen Wind hat… war dann doch ein Hingucker. Muss ich aus dem letzten blog nochmal zeigen

So kam es also zu dieser Geschichte und ich kam heile am Strand an wo sich Atlas im Sand austoben konnte. Normalerweise stehe ich hier mit meinem Truck unter den Cocospalmen, diesmal hab ich bei Antoine eine Hütte gemietet und dafür Strom für Laptop und Lüfter samt WLAN bekommen. Das hieß also mehrere Tage online und Serien runterziehen die die Abendgestaltung der nächsten Monate sichern wird…

Etwas unscharf aber die Hütte mit der blauen Plane war dann meine. Atlas pinkelt gerade an die erste Palme nach der Brandung und Meeresrauschen begleitete mich vier ganze Nächte lang. Kaum weitere Gäste hier, mein Kumpel Michi ist auch grad in der Heimat zum arbeiten und der Tourismus wie überall auf der Welt lahm gelegt. Ab und an ein paar Gäste zum Essen, sonst liegt das Geschäft hier auch brach.

Erholsamer kann man es sich eigentlich kaum wünschen, der Sonnenaufgang aus meiner Tür hinaus geknipst. Die kleine Paiotte mit dem Stuhl mein Frühstückstisch. Kompfort braucht man bei solchen Aussichten echt nicht. In der Hütte ein Bett, Ventilator
und Tisch die Dusche direkt nebenan unter freiem Himmel.

Auf der Decke vorm Bett hatte Atlas seinen schattigen Platz mit Luftzug durch beide Türen… passt.

Ich verbrachte aber nie einen ganzen Tag am Strand und hatte immer Kleinigkeiten zu erledigen, essen ausserhalb ebenso an der Tagesordnung. Doch zum Sonnenuntergang mit dieser Aussicht etwas weiter rechts.

Es gibt auch noch idyllischere Unterkünfte in der Stadt, das Robinson Plage zum Beispiel mit etwas weniger Palmen, dafür aber generell mehr grün. Jedoch teurer und nicht so ruhig… die Hütten dann etwas hübscher.

Das Restaurant sehr ansehnlich wenn auch ebenso dünn besucht wie alles andere zur Zeit.

Und 20m weiter am Strand ein paar wenige Palmen zur Ansicht.

Hier wurde übrigens ein wenig idyllisches Areal für Meeresschildkröten eingerichtet. Den Schutz der Tiere schreibt man sich gerne auf die Fahnen, lässt sie dann aber auf 10qm mit ner Schüssel Salat in der Sonne sitzen. Lieber kein Bild von dem Elend, aber der locker 60cm Brocken Panzertier war schon gewaltig im Gegensatz zu meinen Schützlingen. Hier ist der einjährige Nachwuchs grad in deren Größe gekommen. Die Form des Panzers unterscheidet sich doch augenscheinlich.

Doch leider auch keine Freiheit für die nächste Generation… am Eingangstresen fürs Publikum dargeboten…

Ich war am Tag der Abreise mal mit’m Chef hier, hatte den Strand hier zuvor noch nicht gesehen. Wir sind also auch wieder zusammen in die Berge gefahren. Das Moped auf dem Anhänger und Atlas im Kofferraum. Doch ein weiteres Highlight meines Urlaubs in der Hauptstadt fand zwei Abende zuvor statt. Mit weiteren Freunden gingen wir im Alt München essen. Ja, der Name ist Erklärung genug und eines der ältesten Restaurants hier ebenfalls. Das Ambiente soweit als deutsch erkennbar, wenn auch für mich zu viel französischer Geschmack auf die Speisekarte gewandert ist. Doch nix konnte mich davon abhalten das Eisbein zu bestellen… ich war mehr als gespannt.

Und wurde nicht enttäuscht saftig, zart und ne ordentliche Portion, Salzkartoffeln dazu und natürlich ein halbes Glas Senf. Wow, meine Geschmacksnerven wurden mal sehr defitig heimisch umspült, leider fehlte deutsches Bier auf der Karte. Meine Gefühle kann man sich vielleicht nur vorstellen wenn längerfristig in einem anderen Kulturkreis mit einem Stück kulinarischer Heimat konfrontiert. Eisbein oder Schweinshaxe gibt es nicht überall auf der Welt, definitiv aber ein hervorragendes in Togo. Eine neue Tradition hat soeben begonnen, der nächste Besuch in Lome endet dann erneut im Alt München, ich wurde vorab vor die Wahl gestellt meine Haxe gegrillt oder gekocht zu wollen, nächstes Mal also knusprig…

Das war es dann auch schon mit meinem Exkurs in die laute und geschäftige Hauptstadt am Meer. Immerhin nirgends offensichtliche Anzeichen von Coronaeinschränkungen oder Masken, mich hat all die Tage niemand gefragt warum ich keine trage und war damit nur einer unter 90% der Bevölkerung die ihr Leben normal leben. Der Strand ist zur Abwechslung aus Sicht eines Bergbewohners mal echt ne Wohltat. Der Sprung in die Fluten bei 38grad Aussentemperatur aber nur ne kleine Abkühlung denn die Skala vom Atlantik hier erreicht auch fast die 30grad Marke. Meckern auf hohem Niveau, ich hab Bilder aus der Heimat bekommen, frostig…nein danke, ich schicke
mal eines aus der Freiheit zurück: Anbaden 2022 erfolgreich.

Abschied vom Strand, raus aus Lome und ab in die Berge.

8 Gedanken zu “Strandurlaub…

  1. Tom schreibt:

    Die fehlenden Coronaprobleme könnten mit den erwähnten 38 Grad und dem überwiegenden Aufenthalt draußen (UV) zu tun haben. Bei uns war’s im Sommer auch harmloser…

    Übrigens-dass du diese unsägliche Gänsestopfleber, diesen tierquälerischen Dreck, frisst, lässt dich in meiner Achtung erheblich sinken .

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  2. detlef / busfreaks.de schreibt:

    Zitat: Atlantik hier erreicht auch fast die 30grad Marke. Meckern auf hohem Niveau, ich hab Bilder aus der Heimat bekommen, frostig…nein danke, ich schicke
    mal eines aus der Freiheit zurück: Anbaden 2022 erfolgreich.

    He Phillip. Da war doch was falsch oder —- Ich lache mich schlapp, so weit bist Du schon ??
    Gesunde Grüße.

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  3. Christian schreibt:

    Hab mich schon gewundert, dass Sylvester 2018 bei dir schon 3 Jahre her zu sein scheint.
    Anyway.
    Wenn´s geschmeckt hat, legt man als Signal fürs Personal Messer und Gabel nebeneinander nach rechts. Oder ist das in Afrika anders?

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    • Roger-T. schreibt:

      «Wenn´s geschmeckt hat, legt man als Signal fürs Personal Messer und Gabel nebeneinander nach rechts. »

      Da er es nicht getan hat, vermute ich, dass er sich nun den Knochen vornimmt, um ans Mark zu kommen.
      Überhaupt klinkt sich unser Expat immer stärker in gutbürgerliche Net-Gewohnheiten ein: nach einer internationalen Studie zeigen die dort meistverschickten Fotos immer volle oder leere Teller, um zu zeigen, wie aufregend der Alltag gegliedert ist.

      Insgesamt glaube ich aber, dass der Hotelchef sich glücklich schätzen kann, dass der Zufall ihm nun einen handwerklich so engagierten Hausmeister (ehemals heimatlos unruhigen Weltreisenden) aufs Gelände gespült hat.

      Das ist im Resümee ungefähr so, als hätte sich Magellan dazu entschlossen, statt ungewisser Weltumsegelung nun auf Grand Canaria geruhsam Schildkröten zu füttern und Gemüse zu wässern. Warum auch nicht, denn « die Zukunft liegt in Finsternis » – wie manche früher sangen – und wird unter Palmen dann vielleicht doch ein wenig lichter!

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