Apsonic Yorobo 150 Chopper Umbau

Ich lebe in Togo und um mich herum fahren die Einheimischen nur Mopeds von der Stange. Meine Art der Entwicklungshilfe heißt diesmal etwas Individualität in die Gesellschaft zu bringen. Die Geschichte zu dieser Entscheidung hatte ich schon zu digitalem Papier gebracht, hier erneut zum Nachlesen.

https://mb407.wordpress.com/2021/01/12/die-fixe-idee-eines-china-choppers/

Wer sich immer noch nichts unter einem Chopper vorstellen kann und zu faul ist google, bing und co. zu benutzen bekommt mal eine grobe Vorstellung als Foto aus dem Internet geklaut.

Wenn ich auch auf viel Chrom, polierten Lack und Sonderteile wie
Springer Gabeln verzichten muss ist zumindest die Sitzposition und das Fahrgefühl mein angestrebtes Ziel.

Eine Evolution zum Original wie man sieht…

Nun steht der Hobel also in meiner Werkstatt auf dem Hügel in Danyi und ist auch direkt schon am nächsten Tag zerlegt worden… 152km auf dem Tacho. Sattel und Plastikverkleidungen ab, Schwinge
raus und Hauptständer entfernen, freier Blick auf den Rahmen.

Echtes entsetzen wenn auch vorhersehbar bei nem Moped aus China. Die Verarbeitung und das Material des Rahmens echt eine grenzwertige Leichtigkeit wenn man bedenkt was damit hier alles transportiert wird. Kein Wunder dass beim Nachbarn erst letztens unterwegs das Heck abgebrochen ist und zum Glück durch den Gummi auf der Felge gebremst wurde. Also kann es nur besser werden, egal was ich anstelle.

Schwupp, war meine kleine Bikerwerkstatt direkt zwischen Unimog und Werkbank installiert, der Arbeitsplatz mit Schweißgerät und Winkelschleifer samt Werkzeugkiste vollständig. Die obere Rahmenstrebe am Heckdreieck fiel den ersten Schnitten zum Opfer… 30mm Rohr Wandstärke unter 2mm und damit fast stabilstes Material am ganzen Moped. Recycling steht mir wie immer zu Oberst auf der Agenda und so wurde geschaut was noch verwertbar ist. Heckfußrasten immerhin auch verschweißt brachten weitere kurze Rohrstücken. Sieht so aus als hätte in der Apsonic Produktion nur drei Rohrdimensionen zum Rahmenbau ausgereicht.

Denn selbst die Schwinge bestand aus selbem Metall wie das herausgetrennte Rahmenstück… klarer Fall von Vorgabe durch das Universum. Die Schwingenverlängerung also mit diesen Stücken zu tätigen. Als Rahmenlehre dient mir ein Holzklotz in den Ausmaßen der Hinterachse, der Rest wird optisch gerichtet und mit dem Zollstock symmetrisch gehalten.

Die Aufnahmen der Federbeine wollte ich erstmal nicht versetzen. Die Verlängerung von knapp 15Zentimeter bedurfte nur einer leichten Kaltverformung des Heckausläufers (eingeleitet durch V-Schnitt in Rohr) um weitere Zentimeter nach hinten zu gewinnen und mehr Tiefgang zu ermöglichen. Im Winkel verstrebt und mit neuer Basis für den Sattel aus Material des Hauptständers kann sich die erste Stufe meiner Transformation schonmal sehen lassen.

Das Rad rollt final 13cm weiter hinten und der Sitz ist mit später geringerem Polster locker 25cm weiter unten positioniert… maximaler Erfolg mit geringstmöglichem Aufwand.

Da ich dem Baumaterial so schon nicht vertraue und meinen Schweißkünsten nur bedingt, kann ich an der Schwinge zumindest mit einem Unterzug aus einem Meter dazugekauftem Rohr mehr Stabilität erschaffen. Alle bearbeiteten Stellen nun also schon grundiert.

Später zog noch eine Strebe zwischen die Federbeine ein um das Zusammenbiegen beim einfedern hinten zu vermeiden. Nun geht es also an die Details und die beginnen unterm Hintern. Ein Sitz muss her und klassisch aus nem Stück Blech mit Polster versehen. Spender für ne 2mm Platte waren die alten Seitenwände der UNIMOG-Pritsche. War ja sowieso schon angeschnitten aus Mangel an Fußboden Fahrerkabine und Knotenbleche des Heckaufbaus.

Etwas kompliziertes knicken, dengeln und biegen und irgendwann folgte die Form dem Rahmen und auch meinem Hinterteil. Ein altes Stück Schaumstoff konnte mein Kumpel im nächsten Dorf noch auftreiben, mit dem Küchenmesser in Form gesäbelt und eingepasst…

Man sieht es fügt sich und der Rahmen auch schon frisch schwarz lackiert. Die gelben Bleche vorne werden später mal Fußrasten… vorne ist das Moped zur Zeit noch unangetastet, will erst einmal an einer Baustelle fertig werden und Probefahren. Dazu muss natürlich der Auspuff wieder ran. Der Schalldämpfer hat schon 50% seiner Größe eingebüßt. Dadurch ist eine weitere Kammer zur Geräuschdämmung weggefallen. Wie sich aber später herausstellt trotzdem noch viel zu leise und mit weiteren Löchern unter der Abschlussblende versehen. Ab hier fehlen mir aktuelle Fotos und werden im nächsten Teil eingefügt.

Der Ganze Endtopf konnte natürlich auch nicht wie auf dem Bild oben auf halbem Wege unterm Heck enden. Ganz oder gar nicht hieß es und die neue Befestigung an der Fußraste ließen mich weitere 25cm Rohr entfernen. Ganz interessant bei den kleinen 125ern oder in meinem Falle ne 150er… Der Auspuff besteht aus einem Stück ab Krümmer und besteht aus zwei ineinander geschobenen Rohren die dann zusammen gebogen werden. Theoretisch sollte beim Viertakter kein Volumen am Auspuff nötig sein wie sie zweitakter für einen optimalen Lauf benötigen.

So folgte also nach dieser Etappe eine weitere mit dem zurechtbiegen und schweißen der Schalt-und Bremshebel. Die Hinterradbremse wurde schon am Anker verlängert und der Fußhebel muss nur um die Tüte herum geführt werden. Beim Schlathebel will ich die hintere Wippe demnächst als Handschaltung nach oben legen. Mir fehlt nur noch die passende Idee zum Griffstück, vielleicht ne Machete?

Und auch das Nummernschild fand relativ einfach seinen neuen Platz. Ein Reststück vom Rahmenheck mit zwei Schaubfassungen war ideal und fand mit nur einer Schraube direkt an sinnlos vorhandenem Loch in der Schwinge seinen Platz. Ich bin mal wieder Rebell und interpretiere auch hier meine Freiheit und schraube Schild wie Buchstaben senkrecht an den Hobel, die Probefahrt kann kommen. Ich glaub auch das kann sich jeder bildlich vorstellen.
Sie springt an und klingt immer noch wie ein kleines Moped, zaubern kann ich also doch nicht. Nur die Gasannahme ist etwas bescheiden geworden, verschluckt sich bei hastiger Betätigung und ist hoffentlich nicht der halbe Auspuff. Ich hab auch den Luftfilterkasten wegrationalisiert und nur den Trichter davon genommen, mit nem Stück Stoff verblendet. Schätze mal sie bekommt einfach zu viel Luft, ergo zu wenig Sprit… was ich wieder als Chance sehe. Bei nem Verbrauch von 2l auf 100km und nem Spritpreis von 70ct sehe ich da im Vergleich zum Fahrspaß nach oben keine Grenzen. Werde wohl also noch etwas am Vergaser bohren um mehr Leistung aus dem Chinakracher zu kitzeln… Heute mal zur Probe auf die Piste mir dem Ding, nicht der ideale Start aber nötig um im Tal auf Asphalt zu gelangen der dann in die nächste Stadt führt… ich berichte.

Und parallel hab ich meinen Chef animiert seine BMW 1150 etwas abzuspecken

9 Gedanken zu “Apsonic Yorobo 150 Chopper Umbau

  1. Fuchs schreibt:

    Cooles Projekt
    Vom Prinzip her hast Du schon Recht, dass der 4-Takter keinen Gegendruck braucht wie der Zweitakter, trotzdem muss die Abgasführung ziemlich genau auf den Motor abgestimmt werden. Ich denke also, der Auspuff ist die Hauptursache für die schlechte Gassnnahme.
    Viel Spaß trotzdem auf der Probefahrt.

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  2. Tom schreibt:

    Dir muss ja extrem langweilig sein.
    Ein sinnloseres Projekt kann ich mir kaum vorstellen.
    Auf den dortigen Strassen in der „Affe-auf-Schleifstein“-Position zu fahren macht sicher MEGA Spaß.
    Und dass die Einheimischen auf ein Weißbrot gewartet haben, das ihnen die „Segnungen“ der amerikanischen Zivilisation nahebringt, wage ich auch zu bezweifeln…

    Ein praxistauglicher Umbau in Richtung auf mehr Stabilität, Geländegängigkeit und Zuladungsmöglichkeit – DAS wäre m.E. afrikatauglich.

    So ist es einfach nur die Spinnerei eines Weißen, der dort den Unsinn des „Westens“ verbreiten möchte.

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  3. Julle schreibt:

    Also ich teile überhaupt nicht die meinung von TOM. Das ergibt doch gar keinen Sinn ein Motorrad zu verstärken, was doch so oder so für den gewollten Zweck entfremdet wird. Warum sollte jemand dafür extra bezahlen? Totales Volkswagen-Denken.
    Viel eher lebt die Idee durch ihre Exklusivität und der Verkörperung eines Lifestyles – und dem klassischem: „Ich hab was, was du nicht hast“.
    Also, tolle Sache, weitermachen! Ich bin sehr gespannt wie sich das entwickelt.

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