Alltag im Afrika Modus

Der Alltag schleppt sich so dahin im Paradies. Man hat seinen Rhythmus und ich erfreue mich gerne an der milden Zeit am Morgen und Abend. 5uhr raus aus den Federn und ja nach Laune mit oder ohne Atlas am Strand joggen. Die einzige Zeit wo Bewegung dort möglich ist, für den Schwarz-weißen der einzige Ort wo dies möglich ist. Er spielt gerne mit einer Kokosnuss die wie ein Ball durch die Beine getunnelt wird. Auch ist das zerrupfen der Schale eine Wohltat für die Zahnpflege, Nachschub an Nüssen gibt es hier ja genug. Ab und an kommen sogar Erntekolonnen um die Dinger dann zu verkaufen.

Es gibt nen ganz schönen Schlag wenn solch Geschoss aus 7m Höhe auf dem Sand landet. Das Risiko von einer frei herabfallenden Bombe getroffen zu werden halte ich aber selbst bei Wind für gering, da es eine ganz schöne Arbeit ist mit einem an Bambusstange fixierten Haken die Dinger abzuziehen. Mein Kokosnusskonsum ist aber geringer als man vom Angebot her ausgehen könnte.

Wie schon mal erwähnt ist ein Sonnenaufgang am Strand unspektakulär. Im Dunst verschwommen und doch noch ein paar grad nördlicher als Togos Küstenlinie. Es wird einfach hell und das seit Ewigkeiten konstant zwischen 5:30-6Uhr. Es gibt wohl zwei Stunden Zeitverzug zu Deutschland gesehen, immer wieder erstaunlich für mich, dass in der Heimat gerade schon mehr Tageslicht zur Verfügung steht. Die Äquatornähe (alles zwischen Wendekreis des Krebses und seinem südlichen Pendant) bringt kaum Änderung der Tageslänge und so ist regelmäßig 18:30-19Uhr dunkel. Auch hier spielt sich das nördlich der Küstenlinie quasi hinter den Palmen ab.

Mit etwas mehr Panorama mal ein Einblick auf meinen Ausblick. Wellenrauschen vor und Vogelgezwitscher hinter mir. Wenige Besucher immer noch und nur die Fischer oder direkt ansässigen passieren den öffentlichen Bereich der Anlage gelegentlich, man hat seine Ruhe. Außer wenn Atlas spielt.

Der Tag somit gegen 20-21 Uhr beendet und für mein empfinden lang genug. Ab 21Uhr gilt noch bis 5 Ausgangssperre, bin aber eh nicht derjenige der auf Piste gehen muss. Lieber entspannt daheim mit Hörbuch oder Film, wie erwähnt hab seit zwei Wochen auch Gesellschaft. Sie ist also in den Truck eingezogen und die Walküre ist auch für zwei Leute bequem. Das Alkovenbett ein luftiger Traum mit Aussicht. Dank Futon Federkernmatratze und Moskitonetz keine Störungen eines gesunden Schlafs. Die Couch darunter dann auch wirklich für Lümmelzwecke genutzt und mit Kissen aufgepeppt. Der Sitzsack auf der Terrasse je nachdem wie die Sonne steht, ebenfalls zur ausruhen geeignet, mein Favorit aber die Badewanne.. Wenn ich früh Sport mache (Wozu ich sie noch nicht richtig animieren konnte) wird wie hier so üblich die Wäsche gewaschen. Und das nicht zu knapp, Afrikaner sind sehr reinlich in diesen Dingen und benutzten dafür auch Unmengen von Chemie. Dies sowie die allgemeine Verschwendung und der immer anwachsende Berg von Plastiktüten beim Einkaufen war und ist meine Mission der Umerziehung. Es sind viele kleine kulturelle Unterschiede zu beachten aber generell wollen die Frauen hier dem Manne nützlich sein und erst Recht einen Weißen bei der Stange halten. Das Angebot ist riesig und der Neid und die Eifersucht auch. Es gibt etliche hübsche und auch viel zu junge Dinger die sich selbst an die Opas hier ranschmeißen. Meine aktuelle Begleitung war eine Bekannte der Freundin vom Nachbarn und nicht vom typischen Schlag der Freudenmädchen hier. Sie hatte einen schlecht bezahlten und ausbeuterischen Job in einem einheimischen Hotel vor der Grenze, nach Übergabe von Buchführung etc. ist sie nun ganztägig hier und eine Umstellung für meine Lebensweise. Ich mag sie und habe von Anfang an erwähnt dass ich wenn wieder möglich reisen werde, den Norden des Landes und den Park in Benin erkunden, sie kommt wie so viele in Lome nicht von hier sondern aus dem Norden und war schon 10-15 Jahre nicht mehr dort, hat sonst nix gesehen und will gerne mit. Perspektiven danach, keine Ahnung aber zur Zeit ist ein Leben am Strand bei gutem Essen mit einer Freundin nebenan zum ganzen Tag schwatzen ein Aufstieg. Ich lehre sie englisch und hoffe auch meine Ansichten zu Umwelt, Politik und Gesellschaft bleiben irgendwann hängen. Themen die hier uninteressant und völlig sinnlos sind. Sie ist nicht blöd aber wie die Meisten naiv und ohne Individualitätswunsch/sinn, den Massen folgen und dem Konsum frönen, wie es per Medien gelehrt wird.

Auch kochen ist traditionell Frauensache, da aber mein Hobby fällt das für sie leider flach. Kurz und knapp, einfach ist es nicht aber ein Abenteuer das ich entschieden habe einzugehen. Nehmen wie es kommt und langweilig wird es so erst recht nicht. Kommunikation auf französisch läuft gut. Wenn dann noch ne Freundin zu Besuch kommt und auf Ewe gequatscht wird ist das eher interessant zu betrachten.

Das Leben am Strand ist einfach herrlich. Von der Terrasse runter stehe ich direkt im Sand. Der kann ab 10Uhr heiß sein dass barfuß zum Fußsohlen rösten taugt. Das Leben findet also tagsüber im Schatten unter den Sonnenschutzpaiotten statt. 30m vom Meer entfernt hoffentlich weit genug um das Salz nicht direkt der Technik zuzumuten. Mein Stellplatz windgeschützt und damit bei Sturm auch vor Gischt, Nachteil kein Luftzug in schwülen Nächten und der Ventilator nötig.

Strom wäre da, brauch ich aber nicht da das Solarpaneel für meinen Bedarf völlig ausreicht. Beleuchtung, Wasserfilter, Laptop, Unterhaltungselektronik und angesprochener Ventilator – 100w in 100aH Downsizing geglückt.
Wasserhahn und Dusche sind nicht weit. Kaltes Wasser erwischt man nur morgens, ansonsten sind die Leitungen vom Sand so aufgeheizt, dass man selbst am Abend noch ne warme Solardusche bekommt. Mit Panorama Meeresblick.

Das Klo zum Glück ein 100m Fußmarsch entfernt. Es ist zwar sauber aber man braucht es ja nicht oft solange man keine Parasiten hat…

Ist es gesellschaftlich akzeptabel solch Foto zu zeigen? Ich finde es nicht als Tabu Thema und setze noch einen drauf. Die Aussicht von der Schüssel aus der Hocke dann mal wieder sehenswert und in die Kategorie Momentaufnahme Stuhlgang abgespeichert.

Diese Kokospalmen machen diesen Ort für mich zum Paradies. Sie hängen direkt am Fenster und selbst bei Regen wirkt es durch deren Dasein nicht so trist und grau wie in der Heimat. Einmal die Woche kann man damit rechnen, alles noch im Rahmen. Und nach wenigen Stunden Sonnenschein bis auf etwas Schwüle alles wieder vergessen.

Das Chaos rund um die Walküre durch meine kleinen Baustellen erklärt, die ich ja separat thematisiere. Im Inneren hat alles seinen Platz und ist für den Alltag einsatzbereit. Die Wasseranlage läuft zum Beispiel täglich und filtert aktuell für vier Personen, auch eine Möglichkeit den Kauf von Plastikflaschen beim Nachbarn zu reduzieren.

Diese 5stufige Osmosefilteranlage aus dem Hausgebrauch hatte ich mal ausführlich beschrieben, link folgt. Mit Überbrückung des Unterdruckventils und durch Weglassen der Stromkonverter mit 12/24V direkt betreibbar. Fallhöhe vom Ofen herunter ausreichend, den Rest erledigt die Pumpe. Das Reservoir Maischefass seit Anfang an dabei und durch große Öffnung von Innen zu reinigen. Gleichzeitig Auffangbehälter für das Rücklaufsystem, was erneut in die Filtration geht um Wasser zu sparen. Meine Ausbeute 1 aus 3 Teilen und den Rest zum Abwasch. Filterkartuschen hab ich vor ein paar Wochen gewechselt, im Chinaladen hier sogar Ersatz für die zweite und dritte Stufe gefunden. Die erste, ein Baumwollfilter für Sedimente je nach Wasserqualität durch Sand und Schwebstoffe gerne mal früher auszutauschen, davon hab ich ne Kiste mit.

Link zur Osmosefilteranlage

Gas für meinen Ofen bekommt man hier auch ohne Probleme wie ich hörte, mache mir da also keinen Kopf mehr und koche was das Zeug hält. Ich fand sogar einen Bäcker der Roggenmehl auftreiben kann und deshalb ein deutsches Mischbrot zustande bringt. An den Details und der Form haben wir noch etwas gefeilt bis das mit ordentlichen Stullen klappte die auch mal für ein Bauernfrühstück herhalten können.

Kulinarisch sind wir wie gesagt eigentlich zufrieden. Wenn die Mädels kochen wird es meist scharf und aufwändig mit dem Kauen Esskultur fragwürdig. Da wird Fisch oder Fleisch gehackt und alle Knochen und Gräten landen mit in der Suppe, man hat immer was im Mund was da nicht hingehört und fummelt sich mühsam seinen Weg. Bei Afrikanern völlig normal, dass alles was nicht runter geschluckt wird einfach aus dem Mund auf den Boden fällt. Dagegen hab ich vehement Abhilfe verschaffen müssen, Atlas hätte sich sonst nirgends mehr frei bewegen können und nur noch im Sand nach Gräten gesucht die ihm dann womöglich noch im Halse stecken bleiben.

Der Kerl hat eh schon genug mit Flöhen und Mangowürmern zu tun. Ab und an noch ne Zecke, ich suche ihn täglich ab und reinige auch seinen Platz unterm Auto mit frischem Sand. Aber hier rennen noch 5-6 andere Streuner und Wachhunde rum mit denen er zwar keinen direkten Kontakt hat aber die Biester teilt. Flohkamm und Würmer drücken sind für beide keine Schöne Angelegenheit. Ich probiere es jetzt wieder mit Kokosöl, was der Kerl auch nicht mag. Ebenfalls entgegen seinem Wunsch steckte ich ihn die Tage mal in die Wanne. Immerhin blieb er stumm drin stehen und ließ den Waschgang über sich ergehen, ich glaub die dritte Wäsche in seinem Leben. Als Belohnung gabs im Anschluss ein paar Hühnerflügel und Hälse.

Im Hintergrund sieht man übrigens den Duschverschlag der quasi ein Steinwurf von meiner Badewanne entfernt ist, die Qual der Wahl.
Mein Kleiner, meist unterm Truck (er schläft nachts immer vorne auf dem Beifahrersitz) hat neben den Untermietern auch weitere Nachbarn. So ist der Boden durchlöchert mit Gängen von kleinen bis größeren Krabben die im Sand wohnen und sich immer mal zeigen. Und dieses bunte aufmerksame Kerlchen hier befreit die Gegend hoffentlich von Insekten. Die auffällige Regenbogenfärbung am Schwanz macht sie sehr ansehnlich.

Am Strand sonst immer was zu beobachten. Fischerboote die queren oder die großen Kolosse die am Horizont warten oder in den Hafen fahren. Die waren wohl vor ein paar Jahren noch nicht so zahlreich dort vor Anker. Hat die Ursache dass viele auf Begleitung eines Militärschiffes warten weil der Golf von Guinea zum Piraten Gebiet geworden ist und man gerne im Konvoi fährt. Außerdem wird Corona sicherlich auch zu Wartezeiten verhelfen.

Direkt am Strand ist neben flanieren auch verkaufen ein Hauptgrund passierender Personen. Waren in durchsichtigen Plastikbehältern auf dem Kopf präsentiert. Die Mädels wissen immer schon was da kommt, gibt wohl einen internen Erkennungscode. So haben manche Brei oder Suppe, andere TofuSpieße oder Gebäck, Erdnüsse oder anderen Knabberkram, man könnte den ganzen Tag futtern. Mir haben es diese Pasteten ähnlich Pastilla Teigtaschen (Spanien Marokko) von drei Schulmädchen hier angetan.

Die Tante macht die täglich frisch und die Füllung meist eine Überraschung aus Ei, Spaghetti oder Fischpaste, mein Favorit. Schule ist ja grad nicht also laufen sie am Strand auf und ab. 100cfa pro Stück, also keine 20ct, da begrenzt nur der Fettgehalt der frittierten Dinger meinen Appetit. Man merkt schon, wie selbst diese 12-14 Jährigen flirten wollen und immer fragen wo denn meine Frau grad ist. Ich hoffe die Schulen öffnen bald wieder und geben denen Perspektive.

Für die restlichen Einkäufe nimmt man den Gang zur Hauptstraße auf sich. In den kleinen Boutiquen gibt es alles was man in Afrika so findet (Tomatenmark, Mayonnaise, Trockenmilch, Sardinen, Spaghetti, Reis, Palmöl raffiniert, Kekse, Suppenwürfel) vieles definitiv nicht auf meinem Speiseplan und meist sogar aus China. Tomatenmark dort her würde ich nicht empfehlen, ist rosa und hat nicht nur Tomaten und Salz als Inhalt… Für ausgefalleneres aber auch weit teurere Importware ist ein libanesischer Supermarkt 2km entfernt. Meist doppelt überteuerte Niedrigqualität aus Europa. Einkaufen ist aber ebenfalls Sache der Frauen und das mit Lust und Laune. Wir bezahlen ja und so gab es auch einige Diskussionen über Budget und Luxus der nicht sein muss. Immerhin bekommen sie beim Obst holen nicht den Aufschlag den Jowos zahlen, probiert wird bei Weißen sonst immer.

Ansonsten besteht das Straßenbild aus vielen kleinen Ständen die täglich an der gleichen Stelle Kundschaft suchen. Obstfrauen, Fleischer, Stände mit süßem Weißbrot, Fisch getrocknet oder geräuchert. Reis und Bohnen getrocknet auch überall und Snacks meist frittiert oder Tütchen voll Pate oder Boui also kohlehydrathaltiger Brei oder dünnere Pampe aus Mais, Mil, Maniok oder Yams. Dazu zur Abwechslung aber mal nicht Piment also scharf sondern Zucker…

So gesehen muss man sich kulinarisch schon was einfallen lassen, wenn auch der Fufu der hier leider ohne Banane/Platane zubereitet wird mit Sauce eine ordentliche Mahlzeit für nen Euro ist. Aber meine Magenschleimhäute würden auf Dauer die Schärfe nicht aushalten. Die kleinen Schoten die wie Halapenos aussehen werden massenweise mitgekocht aber nicht zerkleinert und auch von den Einheimischen nicht gegessen, also weg geschmissen. Irgendwie Verschwendung aber nen Eigengeschmack außer scharf haben die auch nicht. Also wie üblich Risotto, Nudeln, Pfannkuchen, Eier oder Haferbrei, ab und an mal Bohnen mit Reis als Variation zur Gemüsepfanne. Tomaten sind zur Zeit sehr teuer, dafür gibt es regelmäßig Karotten und rote Beete. Und meine Ration Obst pro Tag beläuft sich auf jeweils eine Ananas, Mango und Avocado, gerne gemischt mit ein paar Pulverchen zum Obstsalat für den Vormittag.
Man merkt ich hab Hunger… ich schweife vom Thema ab.

Der Alltag hier also relativ geordnet und trotzdem vergeht die Zeit wie im Fluge, drei Wochen sind es nun schon wieder. Langeweile kommt nicht auf, es gibt immer was zu tun und jede geplante Besorgung wird zur Halbtagsaufgabe, siehe Blattfeder, Kabel oder andere Materialien mechanischer Natur. Man knüpft natürlich auch Kontakte zur Nachbarschaft und bekommt dadurch erst mit wie viele nicht Togolesen hier eigentlich wohnen, dazu aber demnächst mal ein Artikel.

Mein Truck ist wieder einsatzbereit, ich hab keine weiteren Pläne hier in Lome außer vielleicht mal das National-Museum besuchen und erneut mein Visum zu verlängern, dann kann es eigentlich endlich wie geplant auf die Route in den Norden gehen. Wir werden sehen.

2 Gedanken zu “Alltag im Afrika Modus

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