Reifensuche in Afrika – welche Räder am DüDo

Heute mal wieder was zum Truck. Auch unter Palmen im Camp am Strand gibt es wie schon beschrieben genügend kleine Aufgaben am Reisemobil zu erledigen. So hab ich zwar immer schon halbherzig die Augen nach nem Ersatzreifen aufgehalten, war mir aber über Angebot und Nachfrage der begehrten Gummis hier in Afrika im Klaren und deshalb dauert die Suche nach guten Reifen. Ursache übrigens eine fatale Beschädigung, eine Wölbung an einer reparierten Stelle. Diesen Schaden hab ich mir in der Elfenbeinküste eingefahren und bei der Reparatur mit den Würsten wurde anscheinend die Karkasse zerstört die dann irgendwann ihre Stabilität verliert und sich löst, den Reifen unrund werden lässt. Nächste Stufe bei ignorieren, wäre Platzen… aus Erfahrung, deshalb Wechsel angesagt.

Nun Fahre ich die vielen Kilometer hauptsächlich auf den LKW Dimensionen 17,5 Zoll und habe die beiden 16Zoll Düdo-Räder mit dem fetten Profil (265/75 R16) für sandige und Offroadstrecken unterm Heck dabei. Meine Reifen sind sonst Michelin XDE1 und auch schon 20 Jahre alt, Profil war gut und abfahren werde ich die im Leben nicht mehr. Dimension 205/75 R17.5 und damit nix außergewöhnliches und nur nen Tick größer als der Standard 6.5R16. Ich habe ja so einige Variationen über die Jahre bei verschiedenen Bussen ausprobiert, werde immer wieder gefragt was der richtige Reifen ist. Hier mal ein Rückblick.

die Offroad AT Reifen 205R16 LINK

alternative Reifenwahl für den DüDo LINK

Leider ist keine Pauschalaussage oder Empfehlung möglich, die alten Zolldimensionen werden rar und im metrischen System findet man sich kaum zurecht. Für mich sind es 205R16 (205/80R16) als Zwillinge beim 407 da Auswahl und dadurch auch Preise auf dem Boden bleiben. Es gibt diese in Offroadausführung für etwas mehr Profil und Optik. Die etwas dickeren Dinger als Alternative 195/75R16 passt gerade so mit recht wenig Abstand zueinander auf die normalen 4,5Zoll Felgen. Alternative Sprengringe der Feuerwehr oder T2B Felgen vom 508 mit je 6Zoll hab ich auch schon angesprochen. Viel größere Radumfänge würde ich bei einem 407 selbst wie zum Schluss bei mir mit einem 88PS 3L Motor nicht gehen. Kraft und Weg physikalisch in festem Verhältnis fehlt das Drehmoment am Berg was sich bei den 265/75R16 echt bemerkbar machte. 10% mehr Umfang am Gummi bedeutet 10%weniger Leistung!

Für die 508er Düdo zählt das kaum, der 3,7L Motor hat die Kraft also genügend Newtonmeter und man kann oben raus sogar mit größeren Rädern drehzahlärmer fahren und damit Geräusche eindämmen und Sprit sparen. Deswegen hab ich die Dinger hier auch behalten und auf die WALKÜRE übernommen, den Bus (Wüstenschiff) mit Standard an seine neue Besitzerin übergeben. Besagtes Drehmoment ist es auch, was mich beim Steckenbleiben im Sand auch rettet. Wenn die Luft aus den fetten Schlappen ist, sich die Seitenwände ablegen und die Auflagefläche die einer Tischplatte entspricht kann man im 508 ohne Drehzahlorgien und die Kupplung zu riskieren locker und sanft anfahren und hoffen dem Sand zu entkommen.

Zurück zum Thema, ich brauch also mindestens einen neuen Reifen… und damit gehen schon wieder die Fantasien los. nimmt man einfach vorhandenes und ist zufrieden? Kann man die Chance nutzen aufzuwerten? Ich hatte anhand der üblich niedrigen Qualität von Reifen in Afrika fast schon resigniert und die hier gekauft. Durch Zufall am Straßenrand stehen sehen… Kleinanzeigen gibt es ja nicht.

Exakt das gleiche Modell, sogar neuer und in fast ungebrauchtem Zustand dazu noch bezahlbar. Hätte zwei genommen und dafür 100,-bezahlt, ein Schnäppchen doch das Schicksal wollte es anders. Ich bekam die Malaria, die Reifen waren danach weg. Kein Wunder, gelten 10Jahre alte Reifen mit optisch gutem Profil hier als Neu und sowas kostet beim Reifenhändler (Libanesen) gut und gerne das zigfache. Ich habe Angebote über 180.000 cfa für einen Goodyear bekommen, das sind fast 300,-…

Also hab ich mich schon geärgert aber wie üblich das positive im Rückschlag gesehen, doch ne Nummer größer? Wir waren schon beim Kumpel im Auto unterwegs mit den Rädern im Gepäck, er lebt hier und kannte noch ne andere Ecke wo wir einen letzten Versuch wagten. Ein Abenteuer. Vorbei an den üblichen Waren die man hier so findet, Möbel, PCs, Mofateile und irgendwann auch Ersatzteile, Reifen und Räder.

Die zwei Weißbrote hinterm Automarkt in Lome. Klar war der Andrang sofort groß als wir anhielten und ausstiegen. Machen lassen heißt hier die Devise. Ich nutze meine Chance vielleicht auf größere Räder umzusatteln und gebe die Dimension zwei Nummern größer also 225/75 R17.5 als Suchauftrag in die Menge. Die Jungs verteilen sich um nur Minuten später aus allen Himmelsrichtungen mit etlichen Pneus anzukommen. Darunter viel echter Schrott und nur wenig brauchbares, wenn dann leider nicht im Doppelpack möglich. Diese Beiden hier waren fast schon meine letzte Aussicht.

Einer wohl mal ein Ersatzrad und deshalb ungenutzt der andere zwar älter von anderer Marke aber in vergeichbarem Zustand vom Profil her. Das einzige was hier zählt. Wir wollten schon fast aufgeben und den Auftrag nach zwei guten, gleichen Reifen auf Morgen abgeben als doch noch ein Kerl mit brauchbarem Material ankam. 10Jahre alte Michelin XDE2 und damit das Nachfolgemodell von denen die mich 15.000km zufriedenstellend her fuhren. Der Preis jedoch 100,- pro Stück für leicht porröse gebrauchte Gummis, so läuft’s in Afrika. Bei uns wird für’s entsorgen bezahlt, hier nimmt man händeringend alles was noch rollt.

Aber ich hatte einen Trumpf im Ärmel, nicht mein Verhandlungsgeschick, sondern mein Verkaufstalent erbrachten für beide Seiten zufriedenstellende Ergebnisse. Ich fahre seit Portugal einen 275/65 R16 spazieren der neuwertig ungebraucht mit meinem Sitzsack zusammen die Couch auf der Terrasse ergibt, und als Ersatz für meine Sandreifen dienen sollte… Ersatz für die zweite Besetzung – Schwachsinn also kann der in gefragter Dimension für LandCruiser und Hilux hier in die Waagschale geworfen werden. Und oben drauf als Geschenk den für mich wertlosen 205er mit der Beule aber gutem Profil, der hier noch bis zum entgültigen Ende nachhaltig genutzt wird und danach vielleicht sogar durch Upcycling zu Schuhsohlen etc. verarbeitet wird. In der Summe hat der Verkäufer immer noch zwei Reifen im Programm und 50.000cfa mehr in der Tasche, knapp 80,- und ich meine neuen größeren Gummis auf den Felgen.

Ja, die sind groß und im Vergleich zur Vorderachse knapp 5cm im Durchmesser also 2-3cm im Radius sprich mehr Freiheit unterm Differenzial. Weniger Drehzahl beim Kilometer schrubben und mehr Auflagefläche falls ich hier mal die Luft ablassen muss.

Und ich habe den einzelnen guten Gummi als Ersatz für vorne behalten… der wandert nun in die Badewanne und danach schön glänzend unters Sofa, ein fairer und guter Tausch wie ich finde. Ich bin glücklich und eine Odyssee ist beendet.

Als Vervollständigung meiner vorherigen Ausführungen sei noch erwähnt dass es online Reifenrechner gibt die Umfänge und Alternativen berechnen. Schätze mal der 225/75R17.5 ist mit dem 8.5R17.5 vergleichbar. Beim 613 Breitmaul zum Beispiel ist der Standard und passt selbst auf die Zwillinge. Wie das aber auf normaler Achse mit Abstand zum Anschlagpuffer hinten, Spurstange vorne und in den Radhäusern aussehen würde kann ich nicht sagen, bei mir unter der Pritsche als Single macht das nix aus. Ich wollte sowieso die Schutzbleche noch etwas umsetzen und Spritzlappen montieren, eine weitere Kleinigkeit die sich am Strand basteln lässt.

Zum Abschluss des Themas Reifen sei noch erwähnt dass die TÜVonkel nicht alles gut heißen, weil Vorschriften sie bremsen. Tachoangleichungen und vor allem Traglasten müssen neben den Dimensionen beachtet werden. So gibt es Indexe für Felgen und Gummis die der Hersteller angibt. So ist es rechnerisch möglich einen 3,5Tonner mit Gummis um die 120er Traglast als Single auf die 6Tonner Felgen zu fahren, beim 508/608 schon eher nicht mehr… die 225er haben nun eine 129/127er Traglast was im Einzelbetrieb 1850kg als Doppel je 1750 Kilo bedeutet. Viel Spaß beim rechnen.

Während meine Gummis nach Handschlag umgezogen wurden machten wir ne Runde und fanden einen Spiralfederspezialisten. Leider war nichts annähernd groß und dick genug um dem UnimoG mit seinem Problem auszuhelfen. Lösung heißt dort nun mit Adapterplatten die fehlenden Zentimeter des Bruchstücks ausgleichen.

Auch dafür hat ein langjährig Ansässiger Schweizer in meinem Alter (wir verstehen uns super) den perfekten Mann an der Hand. Eine Metaller Bude die mit gutem alten Gerät in gepflegtem Zustand noch richtig was leisten kann.

Diverse Drehbänke, Schweißgeräte, Hydraulikpressen und das alles auf knapp 100m². Dafür ein Gewusel von 15Mitarbeitern, hier ist Afrika richtig produktiv. Nur einer schläft und zwei quatschen, drei spielen am Telefon währen das Werkstück rotiert…immerhin.

Ich musste ebenfalls noch einen Auftrag bearbeiten lassen. Wie bei meinem Testlauf der Seilwinde zu bemerken war dreht sich meine Konstruktion auf der Öse ein Stück und würde so das Seil einseitig aufrollen, Abhilfe dafür schafft eine stabile Führung. Hier mal der Link.

Blogbeitrag zur Seilwinde

Ich bohrte also weitere Löcher in die Grundplatte, schweißen war eine Alternative, doch dann gibt’s kein Zurück. Eine weitere Platte verschraubt und abgewinkelt, mit 3-4mm Materialstärke lässt sich hier leichter bearbeiten. Eingeritzt, fetter Schraubstock und Vorschlaghammer, ne Abkantbank haben die hier leider nicht. Die Naht dann verschweißt und Löcher auf der Standbohrmaschine gebohrt, mir eine große Hilfe gewesen.

Das Ergebnis dann abgerundet, geschliffen und lackiert… Obendrein hab ich hier gleich noch einen kompletten Satz Bohrer anschleifen lassen, auch dafür sind es Experten wie sich herausstellte als ich mir den 14er Bohrer für mein Loch an der Grundplatte auslieh. 10er auf die Hand für den Service und die Platte auch vertretbar.

Installiert tut es genau seinen Job, wieder ein Punkt auf der Liste abzustreichen. Seilwinde final einsatzbereit. Nun gehen mir fast die Aufgaben gegen die Langeweile aus. Man kann ja nicht nur am Strand in der Badewanne sitzen und im Netz surfen, oder sich von einer Mahlzeit zur Nächsten zu schlemmen.

Aber ich hab ja Geschichten zu erzählen, die nächste dann wohl mal wieder mit kulinarischem Hintergrund.

2 Gedanken zu “Reifensuche in Afrika – welche Räder am DüDo

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