und sonst so in Lome…

Das Strandleben fühlt sich schon wie Urlaub an, wenn auch der hart sein kann. Es gibt viele Kleinigkeiten zu erledigen, und das Wetter macht zu schaffen. Zum Glück geht am Wasser immer etwas Wind, man muss dafür aber auch passend stehen. So gehört schwitzen also zum Alltag und die 20m entfernte Dusche und meine Wanne sind mehrfach täglich im Einsatz.

Auch hab ich zwei Lüfter im Truck installiert. einen kleinen für die Couch der mit knapp 10Watt zufrieden ist und einen Kühlerlüfter mit 5A der im hinteren Eck für Durchzug in Richtung Küche sorgt.

Wenn man also etwas „arbeiten“ möchte, dann muss man sich die Tageszeit gut wählen. Frühmorgens ist eigentlich ab 7:30 alles schon zu spät. Sport geht am ehesten zwischen 5-6Uhr zur Dämmerung. Eher nach dem Sonnenstand muss man sich richten, diesen hab ich morgens auf der Beifahrerseite und ab Mittag quasi überall. Ein paar Baustellen gibt es ja noch zu absolvieren. Ich fahre seit zwei Besuchen in der Region Kpalime, zusammen auch immerhin 600km mit einer gebrochenen hinteren Blattfeder rum. Immerhin hab ich das Reststück gefunden und zwischen den Lagen fixiert damit zumindest keine scharfe Abrisskante die andere Federlage gefährdet.

Jetzt sollte man denken, kein Problem, Mercedes gibt’s ja wie Sand am Meer, hier leider schon weniger und die dann auch vollkommen durch. Was auf dem Schrott landet ist es also auch. Mir wurden mehrfach gebogene und verschweißte Lagen angeboten, kann man nur den Kopf schütteln. Und dazu noch das übliche afrikanische Chaos, keiner weiß wer mal was wann auseinander genommen hat und wo es jetzt hin ist. Fremde fragen hilft aus Erfahrung auch nix, der Afrikaner sagt ungern nein keine Ahnung, lieber schickt er dich sinnlos durch die Gegend. Die Mission also noch offen.
Schlimmer hat es aber noch meinen Kumpel Michi getroffen, bei ihm hat (zum zweiten Mal) eine Windung am UnimoG aufgegeben, wie sich herausstellte war die auch dünner als die „Gute“. Unimogs sind gar nicht bekannt und Grenzen alle zu. Schicken aus Deutschland kostet 800,- Versand für eine 400,- Feder plus 100% Steuer, gerne auch Summe mit Versand… plus ne Menge Zeit aktuell. Basteln ist also angesagt, und NEIN, schweißen kann man sowas nicht.

Immerhin ist ein Punkt auf der Agenda so gut wie erledigt, Ich hab passende Reifen gefunden die mir von Zustand und Preis zusagen um einen kurz vor dem Platzen Gummi zu tauschen. Da Reifen immer schwer zu finden sind und ich diese Dimension bevorzuge nehme ich gleich zwei. Muss nur irgendwie die Felgen her bekommen, bewegen tu ich die Walküre dafür nicht.

Problem nur, es kam mal wieder die Gesundheit dazwischen. Ich schätze durch meine Immunschwäche durch die vorherige Malaria hab ich mir Darmparasiten eingefangen, tagsüber ist alles ok, Energie fehlt durch schlechten Schlaf und Nahrungsverwertung, nachts Blähmagen und Darmrumoren, WC-Unterbrechungen bis leer. Ich lasse die Details mal aus. in der aktuelle Situation geht man aber so wenig wie möglich ins Krankenhaus.

Da durfte ein Bekannter wegen letztens Atlas hin, der Kerl hat unnötiger Weise meinen Einkauf beschützen wollen und ist an dessen Hand gesprungen. 80Jahre und dünne Haut, selbst ein runder Zahn kann da schnell ne Wunde aufreißen. Reinigung, Betäubung, Nähen, Medikamente in Privatklinik und noch nen Einkauf in der Apotheke… hat mich dann 20.000cfa gekostet. Das sind für hier exorbitante 30,- für nen Kratzer, kann ich aber schlecht verweigern. Vielleicht schau ich die Tage mal in der Klinik vorbei, alles andere inklusive Medikamente für Parasiten und Heilmittel wie Papayakerne, Knoblauch, Verzicht auf Kohlehydrate und viel Tee haben bisher Linderung geschaffen die Giardien aber wie ich vermute nicht verschwinden lassen.

Falls meinem Scheißer mal was zustoßen sollte gibt es hier um die Ecke übrigens auch nen Veterinär, kaum zu glauben. Immerhin hat der Kerl letzte Woche sein Jubiläum an meiner Seite gefeiert. Seit 01.Mai 2008 also immerhin schon zwölf Jahre treuer Begleiter.

Auch Gassi also temperaturbedingt frühmorgens oder kurz vor der Dunkelheit. Hier mal Foto von 8:30 an einem bedeckten Tag…geht so.

Der Strand besser geeignet als jede Straße, auf der die Nase immer am Boden ist. Hier wird halt alles ausgespuckt oder vor die Tür gekippt, da ist selbst ein zum Festtag vollgestopfter Hund noch sehr interessiert und nicht zu bändigen. Strand ist auch nicht schlecht, kann man Kokosnüsse durch die Gegend schubsen und nach Krabben buddeln… warum aber genau hier?

Was hat sich noch so getan? Ich hab endlich mein seit über nem Monat abgelaufenes Visa verlängert. Entgegen der Berichte von anderen relativ unkompliziert. Ich hörte von Ausnutzung der aktuellen Lage und Bestechungsgebühren. Mein Charme muss dann wohl gefruchtet haben (obwohl männlicher Bearbeiter) da ich nicht mal rückwirkend oder nen Aufschlag zahlen musste. Ein weiterer Monat Togo also für 10.000cfa. Die Behörde immerhin wie leergefegt, kaum Wartezeit außer der obligatorische Tag zur Abholung weil halt doch nix organisiert läuft.
Fast hätte mich die Fahrt zur Behörde noch teuer zu stehen kommen müssen. Etwas im Stadtzentrum am Grand Marche verfranst wo eine gerade Straße plötzlich zur Einbahnstraße wird, leider in die falsche Richtung und ich hab das Schild nun wirklich nicht gesehen, wie auch bei hunderten Mopeds dazwischen.

Der Hammer dann 20Meter weiter, ein 1,90m Kerl mit Pfeife und bösem Blick, Kalaschnikov vor der Brust und in Bruchteilen am Moped und mit meinem Zündschlüssel davon. ich solle es zu den anderen schieben. Ok, er will Geld. Was kann hier ein Ticket kosten, hab schließlich wenn auch unübersichtlich nen Fehler gemacht. 10.000cfa… uff, das sind 18,- und der Gegenwert zu 20Restaurantbesuchen, ne hiesige Monatsmiete oder 100Kokosnüssen. Auftreten aggressiv und damit vollends vorbei mit meiner Akzeptanz für sowas. Sein Boss, der am Verschlag sitzt ist nicht zu bequatschen, ich biete ihm zwei Mittagessen an da er doch den harten Job hier in der Sonne macht und ich als dummer Tourist mich nicht auskannte, sorry. Nö, man reduziert auf 5000,- aus die Maus jetzt bin ich gefrustet. Es wird laut. Ich will zum Kommissariat, er der junge wilde anscheinend auch um weiter andere die hier ständig durch fahren schnappen zu können um sich ne Mark zu verdienen. Das Problem nur er hat meine Maschine beschlagnahmt und besteht darauf damit zur Station zu fahren, ich solle mir ein Taxi nehmen was auch sofort bereit steht, abgecharterte Sache hier, alle profitieren nur der Ruf des Landes…

Nach kurzem mehrmaligen Handgemenge in dem ich ihm den Schlüssel entwende und meine das geht nicht wir fahren zusammen muss ich nachgeben. Ja, jetzt wird es wieder Stimmen geben die meinen wie kannst du nur, aber so bin ich halt, gerecht und impulsiv, lasse mir selbst von bewaffneten Arschlochbullen auf offener Straße mit hunderten Zeugen 500m von der deutschen Botschaft entfernt doch nix gefallen. Er bekommt es natürlich ne Weile nicht an, ich genieße und warte auf dem Taxi immerhin hat er die Waffe abgelegt. Irgendwann klappt’s und das Kommissariat ist nicht weit. Dort wird salutiert und der Verbrecher übergeben. Mist nur ich hab weder Papiere, Pass oder irgendwas dabei. Aber gegen ne ordentliche Quittung bin ich bereit zu büßen.

Außerdem lernt man auch durch solche Erfahrungen und ich hab mich bisher noch überall rausgeredet. Ich verlange also zuerst einmal Wasser, zeige meine gespielt zittrige Hand und beschwere mich über die Brutalität des Idioten der eine Uniform tragen darf und damit den Ruf aller Polizisten in den Dreck zieht. Wasser kommt im Beutel den ich echt nötig habe und wie Afrikaner in 3 Zügen leere. Vielen Dank, hier fühle ich mich sicher. Man kommt ins Gespräch, ich erkläre die Lage, verstehe mein Vergehen, dass durch die Umstände der Falschparker erst entstehen konnte, bin immerhin Tourist und mag die Stadt. Respektiere die Arbeit der Polizei in solch schweren Zeiten wo man sicherlich besseres zu tun hat als sich mit solchen Lapalien wie meiner zu beschäftigen blabla. Das Ticket würde 5000,- kosten, damit bin ich einverstanden und frage nur warum dann der Kollege 10 ohne Ticket haben wollte. Ich dachte Korruption sei vorbei und Togo ein sicheres und Touristen freundliches Land. Nach 60Jahren Unabhängigkeit (Glückwunsch angeheftet) Und ich hoffe man kommt diesem Übel bald entgegen, damit die nun fehlenden Touristen durch solche Geschichten wie meiner nicht noch mehr abgeschreckt werden… ist doch aber wahr. Es ist nicht seine Entscheidung, ich darf dem Kommandanten die Hand schütteln und ohne Sanktion vom Hof rollen. Mal wieder Karmapunkte eingetauscht und hoffentlich auf der anderen Seite auch zu einem Umdenken bewogen.

Pass abgeholt, wie erwähnt aber einen Rückschlag in der nächsten Botschaft erhalten. Meine Ideen haben sich etwas geändert und da mein Weg sowieso in den Norden Togos führen soll um bei Koutammakou nach Benin zu wechseln um dort den Pendjari Nationalpark zu besuchen ist auch der Niger nicht mehr weit. Nigeria hab ich glaub ich schon erwähnt, ist sicherlich noch monatelang ein Problem, Niamey da hoffentlich einfacher aber ohne Auskunft doof.

Immerhin eine email und damit ein Grashalm. Man sieht also, für Ausflüge im Stadtgebiet hält dich niemand auf wenn man alles richtig macht. Doch immer zu bedenken die Straßen sind alle in praller Sonne, da hilft zwar der Fahrtwind gegen schwitzen aber Sonnenstich gibt es trotzdem. Zumindest war ich nahe dran nach 3-4 Stunden und der Aktion an diesem Tage.
Auf dem Rückweg fand ich mich noch beim klimatisierten, von Libanesen geführten Supermarkt Champion ein. Teures Etablissement aber mal nen Blick wert. Das Ergebnis, Appetit auf Spinat gibt’s halt hier sonst nicht. Billigste Franzosen Qualität roh aber direkt gefroren umgerechnet 2,-, im Rahmen. Spaghetti mit Rahmspinat für die Meute.

Um hier rein zu kommen muss man Maske tragen, sich die Hände desinfizieren und an der Tür Temperatur per Laser messen lassen… auf der Stirn, wie blöd. Taschen abgeben und – Bammm – kommt der Schock mit 10-15 Grad Abkühlung, hier bleib ich ne Weile, draußen wieder über 35grad und pralle sonnig. Es gibt noch nen reduzierten Ketchup und Kekse für den Kollegen, paar Kleinigkeiten, glücklich und bald wieder daheim.
Dort heißt’s den Rest des Tages Beschäftigung mit Schreiben, Lesen, Hörbuch, Kochen oder halt ruhen und auskurieren. Um mal ein fast schon antikes Hilfsmittel zu zeigen, hier mein Anzünder für den Gasherd, kennt das noch jemand?

Für Kleinigkeiten ist gegen die Langeweile immer was zu optimieren. So haben es endlich einige bunte Palmen, das Markenzeichen eines befreundeten Künstlers auf die WALKÜRE geschafft. Macht es irgendwie farbenfroher.

Atlas hat auf seiner Seite natürlich auch das obligatorische Markenzeichen aller Overlander und trotzdem werde ich bei vielen Stops nach dem Namen gefragt. Immerhin leichter zu verstehen, wenn man es lesen kann.

Es hat mal ein Gewitter gegeben, das Heim ist dicht und anschließend gab es ein paar Tage nette Wellen. Dies jedoch die Zeit meiner Energielosigkeit und deshalb konnte ich mich nicht auf dem GfK Brett verletzen. Hier mal ein Eindruck. Und ich hab keine Ahnung wie ich dieses technische Geräusch übern Movie Maker weg bekomme, selbst bei besseren Qualitäten.

4 Gedanken zu “und sonst so in Lome…

  1. Wir Machen Blau schreibt:

    Haha Philipp. Danke dafür. Weißt Du dass Du neben uns der einzige Overlander Blogschreiber bist, der einfach ehrlich erzählt, wie es so ist in Westafrika? Alle, ausnahmslos alle Geschichten aus diesem Beitrag durften wir so oder so ähnlich auch erleben. Inklusive Darmparasiten und Kommissariatsbesuch. Und das Gelenkkreuz übrigens aus Deutschland dafür haben wir dann tatsächlich 40% Einfuhrsteuer auf den Gesamtpreis inklusive Versandkosten und Bearbeitungsgebühr bezahlen müssen. Von wegen Mercedes und weltweiter Ersatzteilservice.

    Naja. Humor ist wenn man trotzdem immer was zu lachen hat. Herzliche Grüße Eva und Robert von http://www.wirmachenblau.com aus dem Lockdown in Marokko!

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  2. wanderer pupinbusch schreibt:

    Hauptsache die Weißen, die sich ne schöne Zeit machen, jammern darüber, dass sie keine Sonderbehandlung bekommen. Ein Glück dass die deutsche Botschaft nicht weit weg ist und man immer die Drohung zur Hand hat, den Ruf des Landes schlecht zu machen. Ist schon schwer so ein Leben, in dem man sich keine existentiellen Sorgen machen muss. Ein Leben in dem man das Privileg hat, aus dem 0815 Leben zu Hause auszusteigen und wenn es mal unangenehm wird, immer stolz mit dem Pass zu wedeln, als würde man zu Mutti rennen. Das sind die richtigen Aussteiger, denen man für den guten Ruf, den die Touristen im Ausland genießen, danken muss. Alle Achtung. Da muss man einfach stolz sein.

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    • mb407 schreibt:

      Kann man aus verbitterter deutscher Sicht auch so sehen, aber bisher ist Gastfreundlichkeit eher angebracht als Drohungen den letzten Touristen gegenüber für Lappalien… aber wenn’s dir Spaß macht zeter weiter, hier darf noch jeder schreiben was er denkt.

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