Aussicht und Rückblick, Togo live

Eine Geschichte hab ich noch aus dem Dschungel nachzulegen. Meine Zeit im Zion Gaia verbrachte ich ja zur Hälfte mit Einheimischen aus dem nächsten Dorf Koviekope. Ca 40Hütten, das Leben spielte aber bei jedem vor der Türe und so war es ein geordnetes Durcheinander, was man sich vielleicht mal von oben aus der Satellitenperspektive ansehen kann.

https://www.bing.com/maps?osid=74189956-998d-47f4-8a9b-9f39607ed416&cp=6.914799~0.815382&lvl=17&style=h&v=2&sV=2&form=S00027

Viel interessanter jedoch fand ich das Anwesen von Aschbe einem der Älteren im Team, trotzdem noch jünger als meiner selbst. Er ist Anfang 30 und hat vor 10Jahren durch Kontakte seines Vaters aus nem Dorf nahe dem Mount Agou hier nebenan ein Stück Land bekommen, was früher dort dazu gehörte. Grundstücksverhältnisse versteht man hier anders. Nicht selten besitzen die Dörfler Felder die mehrere Kilometer weg sind, egal. Ich hab also mal Aschbes Heim besucht und dokumentiert.

Der Eingang hier durch eine kleine Allee von Ölpalmen hat noch nie ein Auto gesehen, ab und an kommt mal jemand mit dem Moped auf den Hof, das wars. Rechts im Bild das Haupthaus, gerade zu der Neubau für seine Söhne, die nun auch schon 10,8,5 und 1 sind. Die drei größeren helfen täglich bei den anstehenden Aufgaben mit. Ne Frau gibt es natürlich auch, Mama Afrika.

Hier quasi der Hauptplatz vor der Hütte neben dem Küchengebäude. Auf diesem schattigen Platz findet ein Großteil des Lebens statt. Im Hintergrund die Hauptbeschäftigung seiner Familie, Palmöl Herstellung. Große Kochstelle und Behälter und Kanister, von ihr im Bild verdeckt, die kleine Feuerstelle vorne fürs tägliche draußen kochen. Wenn das Wetter mal nicht mitspielt hat er sich eine ähnliche und geräumige Küche in eine relativ fest gezimmerte Hütte gebaut.

Hier mal der Überblick aus 90grad und etwas Abstand. Der Untergrund besteht aus dem Boden der hier vorherrscht, mit der Zeit platt getreten und frei von Pflanzen.

Der Hof liegt ebenso wie unser Camp nicht direkt am Zio Fluss und der Weg zum Wasser sind hier 100m die mit Kanistern für den täglichen Bedarf überbrückt werden. Dafür hat sein Abschnitt am Wasser eine noch tollere Atmosphäre.

Wie bei jedem Afrikaner gehören Ziegen und Hühner zum richtigen Hof dazu, auch hier wie ich finde mit gepflegter Unterkunft und sehr passend ins Gesamtbild. Die Hühner rennen frei rum und wissen wo zuhause ist. Keine Gefahren wie eine Straße im Umkreis von etlichen Kilometern. Der Pfad der mich zum Camp führte ist auch 300m weg, dazwischen Felder.

Er führt hier mit seiner Familie ein gutes Leben, hat alles was er braucht und ringsum Platz die Grundnahrungsmittel anzubauen. Der Rest wird getauscht oder gekauft, seine Frau sitzt mit dem Palmöl und über Bekannte aus Ghana gekauftem Fisch am Markt. Wer aber etwas braucht kann täglich hier vorbei kommen. Das Palmöl ist eine aufwändige und mehrstufige Arbeit. Das rote Öl wird aus den Früchten mit Schale gekocht und gepresst. Die Kerne sammelt er zum Verkauf für die Ölpressen die das industrielle Öl daraus herstellen. Die getrockneten Reste der Schalen gehen als Zunderhilfe in alle Küchen der Umgebung, mit den Ölresten darin ein echter Anzünder. Die Jungs sind schmächtig und haben ihre Aufgaben zu erledigen, immerhin arbeitet der Vater halbtags bei uns auf der Farm, verdient dafür 1500cfa täglich plus zwei Mahlzeiten mit uns. Für hiesige Verhältnisse ein guter Lohn für Arbeit von 7-14Uhr mit wie gesagt zwei Pausen und Mahlzeiten dazwischen. Das sind umgerechnet 2,50 und damit kommt eine Familie schon gut aus.

Aschbe lädt seine Kumpels öfter mal abends zum Essen auf seine Farm und auch nen Schnaps gibt es hier immer. Der Sodaby übrigens das Destillat vom Palmwein und in jeder Boutique kann man sich einen Shot also ein Glas für 50cfa kaufen, ne ganze Flasche kostet 1000 und damit Vollrausch für mehrere Personen für unter 2,- möglich.
Ich hätte noch hunderte Fotos machen können, wollte aber auch nicht zu aufdringlich sein, er hat es hier wie ich finde echt gut und ist einer der offenherzigsten und auch lustigsten Menschen die ich kenne. Teilweise ne Spur zu laut und immer mitten drin. Seine Welt ist die eines typischen Selbstversorgers in Afrika der aus seinem Dorf nie raus muss. Der wöchentliche Gang zum Markt nach Kati einmal über den Fluss und drei Kilometer weiter ist ausreichend für soziale Kontakte zur Außenwelt. Über diesen Markt im sonst verschlafenen Kati habe ich ja schonmal berichtet.

Wenn man sich sonst hier um Konta und Koviekope die Gegend ansieht ist leider auch der Niedergang der tollen Landschaft sichtbar. Große Bäume haben es wie überall schwer und Kettensägen hört man all zu oft. Holzkohle ist das Geschäft wenn man Geld braucht, die Nachfrage in den Städten ständig wachsend. Ein Sack mit dem Volumen einer Person bringt schonmal 5-7000 und damit Reichtum. In Koviekope zum Beispiel steht demnächst die Einführungszeremonie des neuen Dorfchefs an, dazu gibt es ein Fest mit allen Dorfchefs der Umgebung und das muss bezahlt werden, also werden Bäume geschlagen. Neuerdings ist auch eine Palmöl Plantage entstanden, noch im Wachstum und wer weiß wie sich das entwickelt aber Der Platz für kleine Farmen wie von Aschbe wird rarer und sein heimisches Palmöl Geschäft immer mehr bedroht.
Bei einem Motorradausflug südlich der N9 zur Farm eines anderen Bekannten muss ich einige Teak Plantagen passieren.

Hier haben deutsche vor Jahren mal ne große landwirtschaftliche Anlage hingesetzt. Im Zentrum mehrere Verwaltungs-, Wartungs- und Wohngebäude, alles aber irgendwie ungenutzt. Viehzucht, Holzproduktion und Agrarflächen um Makou-mavo.

Wasserturm, Carports mit nem Wrack drunter und halb vom Dschungel zurückeroberte Hallen mit teilweise Agrarmaschinen in der Nähe, komische Gegend. Aber es gibt immer mal Nutzer und auch eine neumodische Videoüberwachungsanlage hab ich entdeckt. Die Frage ist nur ob man seine Reste sichert oder hier wieder groß was aufzieht und Arbeitsplätze schafft.

Die Stallungen mit richtigen Rohrabtrennungen wie man sie aus europäischer Viehindustrie kennt erstrecken sich ebenfalls über weite Flächen. Die Bewohner dazu habe ich vielleicht ein paar Kilometer später in viel idyllischerer Umgebung entdecken können. Oder das war die Herde eines Einheimischen.

Auf jeden Fall ist das Land fruchtbar und die Möglichkeiten vielseitig. Ich wünsche der Region eine ungestörte Entwicklung zu ökologischer Landwirtschaft als Wohnraum für viele Familien wie Aschbe sich seinen Traum erfüllt hat. Weniger Eingriff durch große Plantagen und natürlich viel mehr Bäume die aus der Baumschule im Zion Gaia gerne in der Umgebung verschenkt werden. Ich bin gespannt und werde irgendwann im Leben definitiv nochmal zurück kehren.

Doch wie erwähnt bin ich wieder an die Küste gezogen, habe mein Camp unter Kokospalmen aufgeschlagen und erhole mich von 6Wochen Arbeit. Immerhin hab ich in dieser Zeit so gut wie kein Stück meiner Reisekasse angetastet und kann mir jetzt auch mal die Camping Gebühr von 2000cfa am Tag leisten.

Antoine der Besitzer hat selbst grad jeden Cent nötig, die ausbleibenden Gäste und die dank Corona geschlossene Bar generieren kaum Einkünfte. Ausgaben gibt es aber mehr als genug und das Leben in der Stadt wenn auch hier im ruhigen Vorort ist teurer. Meine Einkaufstour auf der Rückfahrt hat mich erstmal mit genügend Obst eindecken lassen. Das war auf der abgelegenen Farm doch immer irgendwie Mangelware. Endlich wieder Obstsalat satt.

Und vor allem muss man den nicht mit interessanten Insekten teilen.

Putziges Tierchen das sich in Wellen bewegt und der dreieckige Kopf immer wie außerirdisch anmutet. Insekten gibt es durch den ständigen Wind am Strand eher weniger, Mücken und die Gefahr von Malaria in Nähe der Großstadt eher mehr, Moskitonetz ist wie immer Pflicht. Mein Ausguck aber hier am Strand wie überall genial. Die Badewanne hab ich am Tag draus betriebsbereit versetzt.

Auf den Platz zu kommen war ohne Luft ablassen mit Schwung schon ein Akt, die letzte Feinjustierung dann mit Hilfe des UnimoGs meines Kumpels, der perfekte Stellplatz wie ich finde. Und im Gegensatz zu meinem letzten Besuch selbst am Wochenende Ruhe da Strandgäste fehlen.

Ich weiß noch wie ich einen Tag vor dem Holy Festival hier abgereist bin und keine Ahnung hatte ob ich wieder komme. Die Deko hat es bisher überstanden und ich fühle mich heimisch. WC, Dusche mit Meerblick, Wasserhahn direkt in der Nähe und nötigen Falls sogar Stromanschluss. Internet soll es auch bald wieder geben (Bürokratie) und nette Gesellschaft und Nachbarn zum quatschen und Basteln.
Man kann es herauslesen, ich bleibe ne Weile, will auch ein paar Dinge am Truck fertig stellen und mich zur Probe und aus eigener Kraft mit der Seilwinde hier wieder raus ziehen, die ja endlich mal zum Einsatz zu kommen muss.

Wer also in der Nähe ist kann mich gerne besuchen. Togo – Lome/Avepozo Coco Beach chez Antoine

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