Letzter Akt auf der Farm, Hausbau

Die Malaria ist überstanden und ich hab wieder gut mit angepackt, den blog dafür ruhen lassen. Hiermit hole ich nun das Kapitel Hausbau nach.

Es braucht nicht viel zum Bau einer festen Unterkunft im Busch. Die Natur bietet alles was nötig ist, den Rest erledigen fleißige Hände und die Zeit. Wie schon grob angekündigt wurde eine Rundlehmhütte von Grund auf errichtet. Um die langlebiger zu konstruieren sogar ein Betonfundament gesetzt um die Wände von der Erde abzuschotten, zur Regenzeit kriecht die Feuchtigkeit sonst überall hin. Nebenan wurde Eine kleine Grube geschachtet und die dunkle feste Erde die überall zur Verfügung steht mit etwas Stroh und Wasser zu einer Masse vermischt.

Diese Arbeit ist in der Summe die schweißtreibendste und kostet am meisten Kraft. Mit solch archaischen Hacken nicht gerade rückengerecht in der Beuge am schuften. Und obendrein alles benötigte Wasser vom 400m entfernten Fluss rangeschafft.

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Die ersten Handgriffe sind dann vom Abbauort handliche Ballen zur Baustelle zu transportieren. Dort gibt es einen Spezialisten der mit einer Wurf- und Schmiertechnik eine ordentliche Mauer entstehen lässt. Abschnitt eins knapp 50cm hoch, die Masse würde sonst beim Trocknen in sich zusammen sacken. Die Mauer ist rund 25-30cm dick und dementsprechend ne Menge Erde.

Das Allzweckarbeitsgerät Machete hier im französischen der Funktion nach coupcoup genannt (schneidschneid) ist zum finalen glätten nicht besser als jede Maurerkelle.

Der erste Ring hatte dann eine Trocknungszeit von 4-5Tagen bevor Etappe zwei wieder von vorne begann. Diesmal immerhin schon mit eingeplanter Öffnung für die Tür.

Natürlich mit der Machete geschnitten und später mit dem Türrahmen verstärkt. Um diesen mit dem Mauerwerk zu verbinden wurden einfach Nägel seitlich eingeschlagen und krumm gehauen, oder das war Zufall.

Die kleine Lage Stroh zwischen den neuen Schichten hat meiner Einschätzung nach keine bindende Funktion, kleine Risse tun sich natürlich überall auf und können beim nächsten Arbeitsgang erneut verschmiert werden. So gab es also nach weiterer Wartezeit Runde Nummer drei und nun mit Fensterrahmen.

Die Rahmen sind schon was hochmodernes und besonderes, wurden nach Wunsch angefertigt und ersetzen gleichzeitig den Fenstersturz, der sonst ein Stück Holz oder Palme wäre.

Messtechnik kam nicht zum Einsatz, es wurden frei Schnauze dann eine vierte und Tage später die fünfte Schicht aufgebaut. Der Lehm eine echt feste und vorher klebrige Angelegenheit. Schwer und irgendwann stabil genug was das Baugerüst ersetzt.

Als besonderes Highlight bekommt diese Hütte eine halbe Zwischendecke auf dem der Schlafboden errichtet werden soll. Der Balken dazu knapp 150m weiter geschlagen, entborkt und mit Pestizid und Benzin versiegelt.

Ebenso die Iroko Planken die grob mit der Kettensäge im Nachbardorf hergestellt werden, abschleifen wenn fertig… oder überhaupt.
Das alles in die letzte Schicht Erdwand eingelassen und mit ein paar Regalbrettern verziert eine Deluxe Version der klassischen Rundhütte.

Dank der nun im Camp funktionierenden Solaranlage gab es auch ne Möglichkeit für detailliertere Holzarbeiten an den Planken des Zwischenbodens. ohne Kreissäge hätte hier auch grob die Machete herhalten müssen. Es gibt sonst noch ein weiteres aber selten genutztes Eigenbaugerät zum entborken, hier also die nötigen Arbeitsmaterialien.

Der Zwischenboden dann auch der letzte aktuelle Stand, kann man sich schon gut vorstellen.

Das Dach ist in Vorbereitung, hierzu wurden ebenfalls geeignete Hölzer aus der Umgebung gewählt und vorbereitet.

Zum verdeutlichen dokumentierte ich eine Dachkonstuktion die Tage zuvor an einer anderen Hütte aus Lehmziegeln mit Beton verstärkt. Die Ausgangsmaterialien waren die gleichen, in der Natur gewachsen und individuell wie nicht anders zu erwarten.

Dazu ne handvoll Nägel und das Grundgerüst steht binnen kurzer Zeit.

Vier Ecken und ein Mittelsteg, anständiges Satteldach. Hier aus anderer Perspektive.

Die Spanten dazwischen dann nach Geschick, Erfahrung und Gefühl ebenfalls direkt vernagelt.

Als nächster Arbeitsschritt wurden Palmwedel der Ölpalme rangeschafft, von den Blättern befreit da nur die Stiele teils halbiert zur Fixierung der Konstruktion verwendet wuden. Verknüpft dann doch mit haltbarer Polyester Schnur vom letzten Einkauf. Dazu die abgelängten Dachholme und schon wirkt das komplett.

Von Innen sieht man dass es nicht freitragend ist aber immerhin genug Kopffreiheit bietet, Chance für Regale oder Lagerboden.

Zeit fürs Richtfest, diese Hütte ist für den Hauptmitarbeiter im Zion Gaia der seit Monaten im Zelt wohnt. Ein großer Schritt der mit allen Helfern und Kumpels und einigen Flaschen Sodaby (Palmweinschnaps) begossen wird. Und nicht nur in die Kehlen, mit allerlei Wortgewalt auf Haus und Wände, den Boden Innen wie außen, eine Schnapshöhle…

Wenn schonmal alle zusammen sind wird auch angepackt, man glaubt es kaum, aber nur zwei Stunden später war die Hütte fertig. Stroh aufschichten als letzter Arbeitsschritt. Es wurde schon gesammelt und getrocknet, musste nur noch handlich verpackt und aufgeschichtet werden.

Ein weiterer halber Palmenstiel zur Fixierung und dann von unten nach oben aufeinander geworfen und ab und an verschnürt. Soll so wohl jedem Sturm trotzen…

Fertig ist die regendichte Deckschicht und der Rest legt sich dann von selbst. Obenauf ein Balken zum Abschluss, fertig.

Und nur ein paar Tage später schon mit angedeutetem Vorgarten und
aufgeräumter Baustelle, sonst nicht selbstverständlich.

Von Innen dann der Blick ins Gebälk.

Und sogar ein Feldbett steht schon drin, viel mehr Einrichtung gibt es in den wenigsten Hütten, aber dazu erkläre ich demnächst mal mehr. Ich hoffe ein interessanter Einblick in typische Unterkünfte, ob aus Steinen oder Lehm, rund oder eckig. Die noch einfachere Variante wäre eine vorherige Konstruktion aus Holz und Palmwedeln die in den Zwischenräumen nur noch mit Lehm verkleidet wird. viel dünner und dämmt dann auch nicht gut, Lücken überall und Haltbarkeit in der Regenzeit sehr begrenzt. diese beiden Exemplare hier im Zion Gaia also die bestmögliche Ausführung. besser als jedes Zelt.

Und dies war dann auch der letzte stationäre Beitrag von der Farm auf der ich 6 Wochen verbracht habe. Mich zieht es weiter und die Umstände erlauben es, die Walküre das perfekte Heim für alle Gelegenheiten will nun auch wieder mal einen Tapetenwechsel. Der nächste Blog braucht diesmal keine Woche, versprochen.

8 Gedanken zu “Letzter Akt auf der Farm, Hausbau

  1. detlef / busfreaks.de schreibt:

    Schöne Erklärung. Da sieht man mal, was man alles aus Dingen bauen kann, wenn man es in der Natur hat.Aber hier, sind die Menschen doch alle zu verwöhnt. So eine Hütte mit ein wenig Möbeln reichen meist schon aus um Glücklich zu sein. Und wie bequem man es hat, liegt an jedem selber, wenn man es will. Dort zumindest.

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  2. Roger-T. schreibt:

    Salut,

    sehr schön, dass die Kraft wieder da ist!

    Du schreibst jetzt: »Die Malaria ist überstanden und ich hab wieder gut mit angepackt.. »

    Kurz nach den ersten Symptomen hattest Du vorher aber geschrieben: « Bluttest auf Malaria negativ, also alles wieder gut und zwei Tage später voller Energie. »

    War es nun überhaupt Malaria?

    Gute Weiterreise!

    Roger-T.

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  3. bern-alive schreibt:

    Gruß und Glückwunsch zur Genesung!
    Von Malaria kann man dort immer ausgehen. Dengue dauert länger. Welche(s) Mittel hast du genommen?
    Frag dort mal nach Tisane Palu (Spricht man Palü, von Paludisme), den habe ich täglich gegen die Palu genommen und ist m.M. die beste Prophylaxe. Wird aus Baumrindenden-Pulver aufgebrüht, schmeckt bitter.
    So long! Bernhard

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    • Roger-T. schreibt:

      « Frag dort mal nach Tisane Palu (Spricht man Palü, von Paludisme), den habe ich täglich gegen die Palu genommen und ist m.M. die beste Prophylaxe. Wird aus Baumrindenden-Pulver aufgebrüht, schmeckt bitter. »

      Es ging hier aber nicht um Prophylaxe, sondern – wenn man der Schilderung folgt – um eine deklarierte Malaria.

      Und „Tisane Palu“ ist kein spezifischer Tee. Unter « Tisane Palu » wird französisch ganz allgemein eine Gruppe verschiedener Kräutertees gegen Palu zusammengefasst. Unter ihnen auch Artemisia-Tee.

      Tropenmediziner empfehlen allerdings, sich nicht auf diesen Tee allein zu verlassen, sondern das extrahierte, aktive Prinzip dieser Pflanze – in Kombination mit zwei anderen Substanzen (eines mit beschleunigter Aktion und das zweite mit Langzeitwirkung) als Medikament zu nehmen. Nur allein mit Artemisia-Tee riskiere man bei Malaria erhebliche Rückfälle, wie die französische Académie de Médecine 2018 warnte.
      (Vor fünf Jahren bekam eine Chinesin für die Forschung auf dem Gebiet den Nobelpreis!)

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