Nicht immer nur Sonnenschein

Mangels Neuentdeckungen oder besonderer Erlebnisse in meinem „lock down“ wie es ja jeder nennt kann ich euch liebe Leser leider nicht mit den üblichen interessanten Abenteuern und Geschichten versorgen und schreibe einfach mal drauf los. Heute mal etwas von der Seele gequatscht. Zeit vergeht unglaublich schnell bei einer zufriedenstellenden Tagesroutine und sichtbaren Erfolgen auf der Farm. Das Ganze hat sich aber binnen drei Tagen ins komplette Gegenteil gewandelt und der sporadische Blick auf die Uhr bringt eher Entsetzung, was erst 20Minuten vergangen. Angefangen hat mal wieder alles wie vor zwei Wochen mit Gliederschmerzen und etwas Kopfweh. Kein Wunder bei der körperlichen Arbeit und der ständigen Sonnenbestrahlung. Doch es kam plötzlich, direkt nach dem Essen und den Rest des Tages verbrachte ich im Bett. Letztes Mal hat’s geholfen und war am nächsten Morgen weg, nun aber wurde alles ne Stufe höher gestellt. Schwitzattacken mit Schüttelfrost gepaart, das kann nur Malaria sein. Kann zwar kein Fieber feststellen, soll aber nicht obligatorisch sein. Nach immerhin zusammen 9Monaten in Westafrika ohne vorbeugende Drogen darf das aber mal sein. Mit den üblichen natürlichen Mitteln wie Moringa, Artemisia und Neem und ganz wichtig immer unterm Moskitonetz schlafen minimiert man halt das Risiko, schließt eine Infektion aber nicht aus. Ich hab aber mein 3-Tabletten Hilfe Kit. Dicke Dinger und in Mali gekauft. Gibt es hier aber in unzähligen Varianten und eigentlich in jeder Apotheke für um die 5,-€.

Das nächste Krankenhaus ist 30km weg, größtenteils Piste, wenn es in drei Tagen nicht besser wird ist das der nächste Gang, für den ich Hilfe benötige. Ich hab mich noch nie im Leben so energiearm, und antriebslos gefühlt, es ist zum verzweifeln, da man auch nicht richtig schlafen kann. Jede Bewegung und jeder Kontakt zu einer Unterlage schmerzt, hab aus Verzweiflung schon Paracetamol an einem und Ibuprofen an nem anderen Tag probiert, lindert etwas, will aber die Dosis nicht übersteigen. Man könnte meinen es ist zum Heulen, hab aus Erzählungen mir meinen Teil gedacht aber erst durch die eigene Erfahrung alles verifiziert, echt schlimm. Sorry, falls der Bericht mal aus der Reihe tanzt, mein Kopf ist echt wirr von den Medikamenten.

Die Malaria Dropse helfen anscheinend, der Zweite ist drin und es gibt Licht am Ende des Tunnels. Entweder man gewöhnt sich an alles oder kann gewisse Schmerzen wegdenken um wenigstens liegen zu können. Die Nächte sind trotzdem der Horror, ungelogen alle 15-20 Minuten bei Bewusstsein, mal nassgeschwitzt mal zu kühl. Die blöde Kröte im nahen Teich generiert Hass, da ist der aufkommende Regen eine Wohltat der andere Geräusche verschluckt. sorge um mein Heim hab ich nicht. Wenn kein Sturm dabei ist muss ich nicht einmal die Seitenwände schließen.

Um mal etwas vom Jammern runter zu kommen, vielen Dank auch für die ganzen FB Genesungswünsche, ich werd es überleben. Ich mache hier jetzt mit ein paar kleinen Geschichten weiter.

Beim letzten Ausflug hat der Rost nach 20Jahren den Krümmer zerfressen und es wurde laut. Die Reparatur dann beim nächsten Besuch in der Stadt.

Afrikanische Schweißkunst mit Blech auf der Schiene zurecht gedengelt. Es klingt wieder gut, wird aber bald an anderer Stelle neu auftauchen, so ist das Leben. Reparatur 5,-

Ich hab mit nem Kollegen hier einen Radausflug ins nächste Dorf zum Markttag gemacht. Immer wieder unglaublich wo die alle herkommen, 6 Tage die Woche ist hier totale Ruhe und Dienstags Party in Kati.

Leider ohne viel Erfolg, kaum Gemüse oder Obst, nix Gesundes. Die Meisten der hundert Händler haben das Gleiche zum selben Preis… Afrika. Plastikzeug und Chemie aus China, Dünger und Pestizide, Trockenfisch von der Küste, Yams und Maniok aus der Umgebung, Es war echt heiß und auch ich darf mal sündigen, da kam wirklich ein fahrender Händler mit ner Kühlbox auf nem Fahrrad, voll Eis um die „FanMilk“ und den Frozen Yoghurt ähnlich wie gefroren zu halten. Eine echte Abkühlung und alleine dafür schon den Genuss wert. Aber ein Blick nach oben und das tiefe Grummeln ist schlechtes Vorzeichen. Markt endet heute früher.

In alle Himmelsrichtungen schwärmen die Besucher aus, auf dem Kopf dann die nicht verkaufte Ware für den nächsten Markt.

Der Blick zum Mount Agou, in dessen Richtung ja unser Camp liegt zeigt doch ein hübsches Wolkenbild. Regen erkennbar und auch hören kann man ihn schon. Wir haben 38grad, etwas Abkühlung kann nicht schaden.

Und wirklich es kühlt herunter und kratzt an der 30er Marke, ein Traum.

Das Ganze dann wie gewohnt zum Miterleben. Der Pfad von Fußgängern und Mopeds frequentiert wird mit mehr Wasser nicht besser, Augen zu und durch.

Wir mussten den Fluss erneut duchqueren und man glaubt es kaum das Wasser was uns sonst leicht abkühlt ist nun echt wärmer als die Außentemperatur. Also knapp 30grad im Zio. Da kann man auch mal ne Weile liegen bleiben und die Tropfen um sich fallen sehen. Nass ist nun eh alles. Zurück im Camp ist das dann der Moment wo man mal ne Runde Schach spielen kann, hier ne tolle Partie ab jetzt wurde es spannend.

Ansonsten war Ostern, wie ich aus der Heimat hörte, hier nennt man es Paques, keine Ahnung ob auch bei den Franzosen. Ich hab zur Feier des Tages (ich glaub das war der gleiche Tag mit dem Auspuff) mit nem Kumpel in Kpalime ein Festessen gehabt. Edles Restaurant mit echtem Teakholztisch und der Beste Fisch den wir zum softesten Fufu serviert bekommen haben.

Echt lecker wenn auch teurer als auf der Straße, gibt halt doch Unterschiede. Und da Ostern ist hab ich mir sogar noch ein Hühnchen für meinen Ofen zum Abend mitgebracht.

Ja, etwas kulinarische Abwechslung brauch ich schon, hier im Camp gibt’s ja meist was mit Reis oder Maisgrütze, selten Bohnen und auch sonst eher nicht sehr nahrhaftes aus dem Alutopf.

Und das ist auch schon wieder ne Woche her. Wie gesagt, Zeit ist dehnbar.
So auch dieser Bericht. Angefangen im schlimmsten Malaria Delirium mit wirrem Kopf und den übelsten Gefühlen überhaupt. Jetzt zur Fertigstellung knapp einen Tag später nach der letzten Chemiekeule sieht die Welt wieder normal aus. Alles noch etwas schwach und auch der Appetit muss zurück kommen aber ich bin auf dem Weg der Besserung.

Etwas kürzer als gewohnt aber ich gelobe Besserung, hab noch einige Exkursionen vor und warte nur darauf wieder fit zu sein. Meine erste Tour wird wohl ins Krankenhaus führen mal nen Bluttest machen um zu sehen was ich hatte und was geblieben ist. Sah zumindest von außen professionell aus, wird trotzdem ein Abenteuer, ne selbstgenähte Maske hab ich schon, glaube grad ein Verkaufsschlager auf der ganzen kranken Welt. bleibt gesund.
Zum Abschluss und zur Aufmunterung mal wieder ein Hallo von ATLAS…

11 Gedanken zu “Nicht immer nur Sonnenschein

  1. Roger-T. schreibt:

    « Afrikanische Schweißkunst mit Blech auf der Schiene zurecht gedengelt. Es klingt wieder gut, wird aber bald an anderer Stelle neu auftauchen, so ist das Leben. »

    Wir sehen beim Betrachten dieser sehr speziellen Schweissversuche und dem philosophischen Resümee, dass Dich die Leiden der Malaria milder gestimmt haben.
    Ich habe allerdings mal der echten Kunst eines Schweissers in Agadez beigewohnt, der meine Lenkung unter schwierigen Umständen so schweisste, wie man sich die Naht eines hochqualifizierten Chirurgen bei einer Schönheitsoperation wünscht!

    Gute Besserung

    Roger-T.

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  2. Michael Hausmann schreibt:

    Gute Besserung Philipp! Ich glaube, dass Du noch ’ne Zeitlang weiter behandeln musst, oder sind die Tableten mittlerweile so effektiv?

    Hier in D ist mittlerweile die absolute Paranoia.
    Dei Meinstream-Experten würden uns am liebsten bis Anfang kommenden Jahres wegsperren,
    die (leider zu wenigen)anderen scheiben, dass der Lockdown völlig unnötig war, da die Infektionskurve bereits stark im Abklingen war und sich durch den Lockdown nicht verändert hat.
    Hoffentlich bleibt Dir das in Togo erspart!

    Passe weiter auf Dich auf!

    Gefällt 1 Person

    • Roger-T. schreibt:

      « Hier in D ist mittlerweile die absolute Paranoia…
      die (leider zu wenigen)anderen scheiben, dass der Lockdown völlig unnötig war, da die Infektionskurve bereits stark im Abklingen war und sich durch den Lockdown nicht verändert hat. »

      Wer « Paranoia » diagnostiziert ist nicht selten in Gefahr ebenfalls paranoid zu regieren.

      Deine Behauptung ist ein schönes Beispiel für fake-news, denn nichts war « stark im Abklingen »! Der Lockdown war zwar absolut keine souveräne Massnahme aus der Fülle von Möglichkeiten, sondern nur hilfloses Zeichen von Not, hat aber hier zumindest temporär eindeutig gebremst.
      Hätte man sofort genug Material – und weniger widersprüchliche Statements – gehabt (besonders Masken und Tests), so wäre er nur eine von mehreren, sich ergänzenden, Reaktionen geblieben.

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      • Michael Hausmann schreibt:

        Von Paranoia bin ich selbst sehr weit entfernt, da kannst Du sicher sein.
        Ich wäre vorsichtig zu behaupten, was Fake-News sind und was nicht.
        Absolut genau wissen wir das alles erst hinterher.
        Und eine Woche nach meinem letzten Statement bin ich persönlich mir in meiner Aussage noch sicherer als am 22.04.

        Liebe Grüße an Dich Philipp und passe weiter auf Dich auf.

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  3. Alex schreibt:

    Es sind gefälschte 3 Tabletten Notfallkits im Umlauf, speziell für aus Mali. Ich empfehle die kleinen 12 Tablettenpackung Artesunate von Gullin. Ein Hologramm etschwert die Fälschung. Zwinge Dich zum ausreichend Wasser trinken und mach kein Scheiß, wir wollen hier weiterlesen !

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