ab durch die Mitte, rüber nach Ghana

Ich hatte eine sehr ruhige Nacht hinter der gigantischen Basilika. Es war Sonntag und immer noch kein Läuten oder sonstig sakrales aus der Kuppel. Mein Plan mich in die Sonntagsmesse als Gläubiger einzuschleichen scheiterte also an Fehlender Messe. Das riesige Ding steht hier einfach nur zum protzen. Ich mach mich vom Acker. Vorher aber noch einmal über den komplett leeren Vorplatz.

Die Walküre noch locker einige hundert Meter weg vom Gebäude, dies wiederum von einer mehrere Kilometer langen Mauer mit Zaun umgeben. Das Internet hilft falls weitere Recherche nötig wäre. Letztes Bild, versprochen.

Die geplante Hauptstadt bietet noch weitere Prunkvolle Regierungsgebäude und sinnlose Paläste, ich lass das einfach mal so stehen mit einem letzten Foto eines Teiches der statt Zierfischen Krokodile hält… Auch hier etwas größer.

Außerdem gibt es LTE im Mobiltelefon und ich hab beschlossen als nächstes nach Ghana zu fahren, kann also meine letzten Gigabyte, die hier sehr günstig waren, in Abendunterhaltung umwandeln. Drüben brauch ich wieder ne neue SIM. Außerdem noch einen Reifendienst da heute Morgen einer mit dicken Backen mich schief im Bett aufwachen ließ. Keinen Nagel oder ne Schraube hab ich mit eingefahren, neun ein Spezialteil, einen Seitenständerbolzen und das mittig im Profil, keine Ahnung wie das passieren konnte. Reparatur war der Dicke wegen etwas komplizierter und der erste Versuch hier auf dem Bild wie zu erwarten gescheitert. Der Gummi musste runter und nach ner Stunde war ich wieder fahrbereit.

Direkt an der breiten Hauptstraße mit dafür relativ wenig Verkehr die kleine Werkstatt gelegen und in der Umgebung alles was man an Besorgungen und Einkäufen für die Verpflegung so nötig hat. War das ein effektiver Zwischenstop! Weiter geht’s über ein Stück Autobahn bis zu einigen kleinen Ortschaften und Städten im Bezirk Lacs (also Seen wovon ich keine gesehen habe) quer nach Osten zu einem kleinen Grenzübergang wie ich sie bevorzugt gerne nutze.
Für die knapp 300km nach Niable und damit am westlichsten Zipfel von Ghana habe ich natürlich einen ganzen Fahrtag benötigt. Immer wieder Schlaglöcher oder gar komplett staubige Pisten abgewechselt mit gemütlichem Gleiten bei Wunschtempo. Ein letzter Übernachtstopp an einem ruhig gelegenen Plateau ohne Sicht zur Straße mit keinerlei Fußgängerverkehr ist immer gut. Ehemals Abraumhalde oder Abbaugebiet für Pistenverfestigungsmaterial von der Wildnis zurück geholt. So wünscht man sich das und wurde prompt in die iOverlander App gestellt.

Einen Tag je Grenze so meine Planung und deshalb auch früh zeitig auf die letzten Kilometer nach Nieble zum Auschecken aus der Elfenbeinküste. Im Dorf ist man schnell am Schlagbaum und wird dort freundlich zur Polizeistation zurück begleitet die dir den Stempel in den Pass geben. Danach geht es zum Zoll, der bei mir recht wenig, nämlich gar nix außer Hände schütteln und Fahrzeug bewundern zu tun hatte. Normalerweise ist es schwierig ohne Carnet dP. ins Land zu kommen, da mir aber auch beim Zoll in Man keine Vignette Touristique ausgestellt wurde mit der Begründung dass dies nur für CEDEAO Angehörige Landsmänner möglich wäre, ließ ich mir das schriftlich geben und nie hatte jemand danach gefragt. Ok, ab und an schon, aber neben den ganzen anderen Dokumenten die ich erfolgreich vorweisen konnte ging das meist unter. Inspektion des Innenraums nach kurzem Blick in mein Chaos hatte sich auch erledigt, CI (Cote d’Ivore oder Ivory Coast) also ein abgeschlossener Meilenstein meiner Afrikareise.
Knapp 2500km im Land unterwegs gewesen. Drei meiner vier Visa Wochen genutzt die bisher die teuersten waren und mit umgerechnet fast 5,- pro Tag zuschlugen. Jedoch dank günstigem Obst und Fisch ausgeglichen wurden und mit krönend einem Super Urlaub am Strand Meneke der über die vielen kleinen Scherereien mit der Ordnungsmacht hinwegsehen lässt. Die Region um Man als natürliches Highlight gesehen und vom Sahel in die richtigen Tropen eingereist. Der gestrichene 1000km weite Exkurs zum Comoe Nationalpark der seinen UNESCO Status aberkannt bekommen hat macht mich jetzt nicht traurig mit dem Gefühl was verpasst zu haben, vollständig kann ich sowieso keines der Länder auf meiner Route abgrasen.

Mit Ghana erwartet mich das gleiche Klima im östlich gelegenen Nachbarland und die Einreise entgegen der Erwartungen durch die Straßenbezeichnung „Route International“ an einem winzigen Grenzposten nach Piste und Besucheraufkommen gerechnet. Ich habe kein Foto von dem Komplex, der aber zumindest in der optischen Erscheinung sehr Fortschrittlich wirkt. Ein hübsches Gebäude mit vielen Ecken Kanten und Terrassen, jeder Bereich hat was für sich. Ich kann die WALKÜRE zur Mittagshitze im Schatten parken und brauche mich nicht um Atlas sorgen.

Schritt eins, die medizinische Abteilung, ja sowas gibt es hier. Fragebogen und Impfausweiskontrolle, dann eine optische Musterung ohne die Hosen runter lassen gemusst zu haben. Weiter geht es zum eigentlichen Immigration Officer der über die Aufenthaltsdauer des von der Botschaft erteilten 90Tage Visum komplett selbst entscheiden kann. Ich muss mich erklären und auch meine Reise bisher erläutern. Ich gebe an nach Togo weiter zu reisen und kein Ende geplant zu haben. Bisher sind fast 6Monate verstrichen und ich lasse mir gerne Zeit, will Land und Leute kennen lernen etc. Ich zeige ein paar Fotos und Videos und muss mehrere Nachfragen über mein Reisemobil beantworten. Aus echtem Interesse wie es scheint und später findet sich irgendwie eine ganze Truppe am Truck zusammen die meine Eigenbaukabine mit deutscher Ingenieurskunst vergleicht. Es war lustig. Die Entscheidung aber wurde vertagt, ich solle erstmal die Zollpapiere beantragen. Eine dickliche nette junge Beamtin, nichts leichter als das… und flirten hilft immer. Der Schein handschriftlich mit wirklich hübschen Buchstaben zweifarbig und später gesiegelt. Das höchste machbar mit 30Tagen und unproblematisch um weitere 30 zu erweitern. Gesiegelt und fast bezahlt. ich hab noch keine Cedis, Ghana Währung und cfa Franc wollen sie nicht so richtig. Kein Problem, ein Beamter belgeitet mich auf dem Moped bis zum Dorf, wo ich wechseln kann. So sitze ich also hinter einem netten jungen uniformierten auf dem China Roller und bekomme eine Rundfahrt. Der Zigarettenhändler am Taxiplatz ist gleichzeitig der Schwarzmarkt Geldwechsler mit akkuratem Kurs…

In Euro gerechnet macht es nun zwei Nullen weniger zum Franc bei ungefähr 6ghs die 1,-€ wert sind. Auf dem Rückweg halten wir noch beim Chef des Grenzposten. Es ist Sonntag und heute hat er eigentlich frei. Touristen sieht man hier sehr selten und so sitze ich erstmal fast ne halbe Stunde im echt luxuriösen Anwesen immer noch im Bau befindlich und spreche recht locker über Reise und erlebtes, Empfehlungen fürs Land etc. während mein Chauffeur nochmal ein Formular und Stempel holen soll. Der Chef also bestätigt mir meine 60Tage Visum auf die wir uns geeinigt haben damit ich ohne Zeitdruck Ghana bereisen kann, herzlichen Dank. Stempel, Untershrift, schönes Wochenende gewünscht.
Damit dann auch alle Papiere zusammen und das Zolldokument mit 75cdi also unter 15,- bezahlt.

Eine Quittung über 35 eine über 40… ein kleines Auto wäre etwas billiger, alles im Rahmen wie ich finde. Ein erfolgreicher Tag der nun auch schon wieder Nachmittag ist. Keinen Stress gehabt, wäre sonst wohl auch nicht so gelassen gewesen, alles zusammen 5Stunden Grenzübergang. Im Dorf war es zu spät zum Mittag und ich hatte auch noch was, fahre also gleich weiter, was ne gute Entscheidung war. Die Route international wurde dann nämlich wieder mal staubig.

Bis zur ersten durchgängigen Asphaltstraße erneut 80km schaukeln im Sand. hier mal Sequenzen zum mitfühlen.

Die Landschaft dafür abwechslungsreich, hügelig und mit schönen Kurven wenn denn mal irgendwann die immerhin geplante Straße fertig ist. Ich traf unterwegs zwei Spanier die mit nem Haufen Dunkler selbst am Sonntag Dienst schoben um den Straßenbau voran zu treiben. Arbeitseinsatz in Afrika, Wissensaustausch und Urlaub für die beiden die mich zum Feierabendbier überreden wollten. Ich hatte überlegt aber doch keinen „Durst“ und bin nicht nach Ghana gefahren um mit spanischen Bauarbeitern an einer staubigen Piste Bier zu trinken. Eher schon hatte ich überlegt an der nächsten Polizeikontrolle den Einladungen der beiden Uniformierten Mädels zu folgen wobei mir die Eine sogar ziemlich gefallen hat. Ghana weit freundlicher als alles andere in Westafrika und weit fortschrittlicher obendrein. Doch noch ist mein Misstrauen in Uniformen nicht verschwunden und auch die Dutzenden männlichen wartenden am Posten hätten sich nicht über den Blondie gefreut der die Mädels weiter abhält sie passieren zu lassen, oder waren die nur wegen denen dort? Egal on the road again…
Neben der nun echten Straße wird geschältes Holz zum trocknen ausgelegt, Sperrholz Vorbereitung?

Meine ersten Eindrücke vom Land sehr positiv, überall spielt Musik, man ist sehr hilfsbereit und freundlich bis lustig und dem Englischen bin ich näher als der französischen Sprache, wenn auch der Akzent hier interessant ist. Ich bin bald mit mobilem Internet ausgestattet kann mir entspannt nen Schlafplatz suchen. Dabei fällt mir am Straßenrand auf dass der Fortschritt hier vor allem große prunkvolle Häuser im Vergleich zum Nachbarland in die Landschaft zaubert.

Ich würde einige davon Villen nennen und auch sonst echt erstaunlich dass nicht mehr mit Bambus, Palme und Lehm konstruiert wird, sogar mehrstöckig mit richtigem Dach aus Ziegeln.

Der Wohlstand oder auch Reichtum also sichtbar, die Autos sind
moderner und hier fahren Dinger rum die hab ich noch nie gesehen. Riesige Toyota PickUp mit V8 und auch diverse Ami-Schlitten. Ghana auch in allen Dingen etwas teurer und der Diesel mit umgerechnet 95ct auch kein Schnäppchen. Tankstellen gibt es an jeder Ecke, würde behaupten ein doppelt so dichtes Netz wie in Deutschland, da verdienen sich einige ihre Villen.

Bei mir hat es dank einiger Zuwendungen von treuen Lesern auch in der Spendenkasse geklingelt. Vielen Dank dafür an alle Unterstützer. So sind zumindest ein Großteil der Visakosten bisher wieder in die Reisekasse geflossen. Es geht also weiter und ich berichte wie gewohnt. Meine Übersichten zeigen mir um die 150Sichtungen der implantierten Videos und noch etwas mehr Sichtungen der Beiträge. Da ich nicht mit Adds oder sonstigen Instrumenten zur Verbreitung arbeite könnt ihr gerne meine Beiträge teilen oder verlinken. Falls sonst jemand noch ne Idee hat wie mehr Leute von meinem Abenteuer erfahren gerne her damit wenn unkompliziert und sich für mich im Schreibstil nix ändern muss.

Aprospos Änderung, in Sachen Küche gibt es wenig neues in Ghana, wenn auch FastFood überall beworben wird. Traditionell gibt’s mittags noch Fufu mit Sauce. Hier ne Portion für den großen Hunger.

Es soll Ziegenfleisch gewesen sein, sehr zäh auf jeden Fall und die Schwarte hab ich auch nicht runter bekommen, abgelutscht um die Schärfe raus zu bekommen hat sich Atlas aber sehr über die gnatschigen Dinger gefreut. Das Restaurant dann ein gepflegter Raum mit Plastikgestühl, gekocht wird trotzdem draußen und auf Holz.

Ich war mit 13Uhr etwas spät dran und es wurde schon für den Abend vorbereitet. Kassava also Maniok und Platanen gekocht, später gestampft und weiter erhitzt bis es klebrig wird. Dazu gibt es heute Abend dann … Marder?

Eigentlich ganz niedliche Kerlchen mit hübschem dichten Fell, viel Fleisch ist nicht dran. Aber ich sag dazu nix mehr.
Primär suche ich immer Schatten oder Fahrtwind, einfach irgendwo stehen bleiben ist nicht gut. Temperaturen wie folgt.

Der Vergleich zur Heimat wo immerhin kein Frost herrscht dann mit ungerechter Verteilung von Niederschlag der hier auch nötig wäre. Bedenke immer das ist von letzter Woche und ich hoffe es hat mal wieder aufgeklart.

Dementsprechend versuche ich auch abends kochen zu vermeiden. Das Dach ist jede Nacht zumindest ein Stück auf um für Durchzug zu sorgen. Ebenso die Fenster vorne und meistes auch die Türen zur Terrasse. Schwitzen beim Schlafen ist nicht angenehm, und auch Atlas hechelt noch mitten in der Nacht wenn es durch die Feuchte besonders schwül zu werden scheint.
Mein Trick dagegen hat sich durch probieren bewährt. Ich schlafe statt in Baumwolle nun in Sport-Funktionsunterwäsche, das leitet zumindest gut ab und ich hab nicht nen klitschnassen Fetzen am Leib.

Und die fehlende Klimaanlage im Auto wird mit dem altmodischen aber wirksamen System „nasses Handtuch auf Schultern“ kompensiert. Afrika im 40Jahre alten Düdo, alles andere wäre doch zu viel Luxus. Man denke da an vollklimatisierte, hermetisch abgeriegelte also staubfreie Extremreisemobile… ok, manchmal träume ich auch davon. Aber in der Realität ist die WALKÜRE unschlagbar.

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