Botanischer Garten Bingerville – einfach ein Park

Ich erreichte den Botanischen Garten von Bingerville östlich der Hauptstadt Abidjan im Speckgürtel eine halbe Stunde vor Schließung… so wie der Plan war. Ich hatte darauf spekuliert auf dem Parkplatz oder in der Nähe eine ruhige Stelle für die Nacht zu finden um früh morgens meinen Rundgang zu absolvieren. Leider ließ der Wachmann nicht mit sich reden und ich durfte auch nicht im Bereich der Einfahrt stehen. Alternativ gäbe es eine Station der Gendarmerie und Polizei, aber meine Abneigung gegen Uniformierte und ein Platz völlig ohne Schatten ließen mich flüchten.

Zum Glück und unverhofft kam ich beim Umrunden des Parks an eine Art Maschinenhof mit Grasgrund und Büschen, dort im Schatten großer Bäume standen haufenweise Trecker für wen auch immer und die drei Wachjungs freuten sich über meinen Besuch. Ich erklärte also ich sei 7Uhr wieder weg und wir quatschten noch ne Stunde bevor meine Abendroutine einsetzte.

Pünktlich also vor dem Tor des „Botanischen Garten“ der meine Erwartungen aber nicht mal im Keim erreichte und eine reine Enttäuschung war. Immerhin war es ein weitläufiger Park mit vielen morgendlich düsteren Ansichten.

Wie alles andere vor ein paar Jahren wohl mal was vorzeigbares gewesen, Ruinen findet man ab und an.

Ansonsten stelle ich mir den Unterschied von Park und botanischen Garten mit haufenweise Erklärungen und sinnvollen Anpflanzungen vor… hier der „Blumenbereich“

Und die „Palmerai“ sieht aus wie jede ordinäre Plantage Ölpalmen…

Da kann man schon fast den Bambus einen Hingucker nennen…

So richtig große Bäume gab es wenige drei würde ich behaupten, immerhin nicht auf ein Foto zu bekommen. hier mit Atlas.

Der Himmel über der Stadt noch so eine dicke Suppe, dass man die deutlich über den Köpfen anfliegenden Jumbos zum Flughafen nicht ein Stück sehen kann. Es ist feucht und tropft von den Blättern. Für Atlas mal ein richtiger Morgenspaziergang und ich barfuss im Park, wenn auch doch recht viel Müll dafür rumliegt.
Prioritäten anscheinend doch anders hier, Hauptsache man baut riesige Schaukelgerüste und dann wie üblich mitten drin Ende, denn ohne Schaukel macht das keinen Sinn.

Im Bereich um den Eingang ist der Park noch ansehnlich, kommt man weiter in die entfernten Regionen ist nix mehr gepflegt und wir haben Trockenzeit, möchte nicht wissen wie das hier im restlichen Jahr wuchert. Der „Medizinische Garten“ im letzten Jahr erst erstellt hat dann weder Neem, Moringa oder Artemisia zu bieten und wird auch bald in Vergessenheit geraten sein.

Wie gesagt, etwas enttäuscht und trotzdem glücklich über diesen entspannten Spaziergang während die Walküre sicher direkt vorm Tickethäuschen parkt. Der Himmel klart langsam auf und sofort schwüle Hitze.

Die letzten Meter zum Ausgang mit mentaler Vorbereitung auf eine letzte Etappe durch die Hauptstadt in Richtung Norden. Der Park vor 10uhr also für einen ungestörten Rundgang zu empfehlen. Danach mit Horden von schreienden Schulkindern bevölkert, mal wieder alles richtig gemacht.

Ok, für 200cfa also 30ct Eintritt kann man jetzt keine Berliner Verhältnisse erwarten, aber zumindest Müll sammeln und ein zwei Tafeln oder Wegweiser wären schon drin. Immerhin gibt es ne Art Hausordnung die es zum Ticket gab. Schlafen auf den Bänken mit Strafe bedroht und die Bilder ohne Autorisation habt ihr jetzt nicht gesehen…

Der Berufsverkehr mal wieder ganztägig und meine Route die kürzeste auf den Highway in Richtung Yamoussoukro, der offiziellen Hauptstadt des Landes 250km nordwestlich.

Bei jedem möglichen Verkehrsaufkommen vor Ampeln, Kreisverkehren oder mitten drin gibt es auch immer freie „Händler“ die mit allem möglichen Zeug versorgen wollen. Neben vielleicht noch sinnvollen Ideen wie Getränkebeuteln oder Snacks ah ich Allerlei Autozubehör bis hin zu Fußmatten. Klar kauft man sowas schnell an der Ampel. Kurios wurde es erst als ich Leute Teppiche und Badschränke hochhalten sehen habe, Zahnbürsten und Kochtöpfe, nur Farbfernseher hab ich irgendwie verpasst… vielleicht nicht mit den Garantiebedingungen vereinbar.

Es gibt eine Mautstelle wie man sie sich auch bei uns vorstellt, knapp 8 Schalter in jede Richtung über eine der großen Brücken der Stadt die dahinter in den Highway mündet. Man fühlt sich wie auf einer Autobahn aber irgendwie doch nicht. Da stehen an jeder Einmündung weitere Händler meist dann mit Obst oder Brot auf dem Seitenstreifen und auch die Taxis halten an diesen Knotenpunkten wenn sie Platz zwischen den Reisebussen finden. Zusätzlich immer noch Polizisten die den Verkehr weiter erlahmen und es zwangsläufig Staus gibt. Und sollte es zu einem Unfall kommen ist das Chaos vorprogrammiert. Noch nie habe ich schlimmere Gaffer als die Afrikaner gesehen. Passt also auch super rein mal zu erwähnen, dass ich mich ständig wie im Zoo fühle. Jeder glotzt total durchdringend dem komischen Weißen beim Überholen hinterher. Das geht soweit dass Motorradfahrer vor mir fahrend nach hinten gucken oder Autofahrer die Köpfe aus dem Fenster stecken… da hat mein Verständnis ein Ende. Von vorausschauendem Fahren oder gegenseitige Rücksichtnahme kann man nur Träumen und ich halte mich an meine defensive Divise meinen Weg mit lockeren 50km/h unter die Räder zu nehmen. Bin nicht der langsamste aber wohl konstanteste auf der Autobahn. Macht also 5Stunden Fahrt, wenn, ja wenn da nicht noch die etlichen Polizeiposten wären. Wie gesagt, falls ich da irgendwas nicht ganz verstehe klärt mich auf. Logisch dient es meiner Sicherheit mich an jedem Posten nach Papieren zu fragen… in 50% der Fälle geht man sogar ohne Vorgeplänkel auf die Frage nach Geld über, welches Geschenk habe ich für die Polizei oder es werden Beträge vorgeschlagen, sogar nach Essen und Wasser gefragt. Das ist dann der Punkt wo ich mich verabschiede und starte.

Mein Akku am Allzwecktelefon war leer und es gab noch andere nennenswerte Momente. So kamen mir plötzlich und ohne Vorwarnung etliche Fahrzeuge auf der Überholspur meiner Seite entgegen. Einige wechselten aber auch über den breiten mittleren Grünstreifen wieder zurück. Das ging für 5km so, bis der Anfang entdeckt wurde, wegen einem Unfall hatte die Polizei abgesperrt und die Geisterfahrer umgeleitet, aber auf der anderen Seite wohl vergessen Bescheid zu geben.

Auch traf ich Autos und Mopeds an die mir von einem Dorf ins nächste auf meinem Seitenstreifen entgegen kamen. Gab dort anscheinend keine Auffahrten und Straße ist Straße. Auch Schubkarren und Fahrräder bewegt man hier, Eselkarren hab ich im ganzen Land aber noch nicht gesehen, sonst sicherlich auch hier.
Am schlimmsten werden mir in Höhe eines Naturschutzgebietes die Angebote am Straßenrand in Erinnerung bleiben. Da standen von kleinen Jungen an etliche Verkäufer von Frischfleisch in Form von gefangenem Wild bis hin zur Gazelle… aufgespießt und fertig zur Mitnahme gegen Bezahlung. Und keiner stört sich dran, ich spare mir weitere Worte.

Die Krönung an der ganzen Route dann die zwei Mautstellen mit europäischen Preisen. Ab Start in Abidjan musste ich gesamt 6500cfa also immerhin 10,-€ für die 250km berappen. Die Preise nicht verhandelbar, da vom System angezeigt, der Kassierer führt nur seine Sammeltätigkeit gegen Ticketübergabe aus. Hoffentlich lohnt sich der Exkurs.

Ich treffe in der Bilderbuchgroßstadt ein die wie beschrieben aus weiträumig angelegten Boulevards besteht. Die Straßenränder dann aber landestypisch mit allem was die Dienstleistung so bietet. Ich habe ein Ziel und fahre auf direktem Wege zur größten Basilika der Welt. Ja, wirklich diese Kirche hier vom früheren Herrscher erbaut ist größer als der Petersdom im Vatikan… muss man mal gesehen haben, dachte ich…
Klar kostet das Eintritt die Baukosten müssen ja irgendwann mal wieder rein… aber ich bin kein Unterstützer solcher Überheblichkeiten und hab mit der Kirche nix am Hut. Auch genügend schon von Innen gesehen, inklusive dem Original im Vatikan. Aber ein Foto von draußen muss mal.

Ich fahre am Zaun einmal drum herum und werde mir dann überlegen wohin als nächstes. Auf der Südseite geht das weiträumig mit Mauer umgebene Gelände in Niemandsland über. Vielleicht hatte der Erbauer geträumt seine geplante Millionenstadt siedelt sich noch ringsum an. Zur Zeit gibt es wohl 300.000 Einwohner im Geburtsort des Initiators dieses Wahnsinns. Ich bin auf jeden Fall den Spuren nach der einzige der eine Umrundung der Kirche angestrebt und durchgeführt hat.

Das Wetter noch immer oder wie üblich sehr diesig und verhangen. Ich finde eine ebene weite Fläche vor mir die regelrecht danach schreit hier in Blickweite des Gigantismus mein Lager aufzuschlagen. Perfekter Platz und im iOverlander eingetragen, die einzigen Passanten waren einige Herden Vierbeiner die vom Tränken am Teich neben dem Gelände zurück geführt werden.

Ansonsten Totenstille hier, kein Glockenläuten oder Autoverkehr zu vernehmen. Die einzigen Geräusche der Tierwelt die aus einem riesigen Schwarm oder einfach Tausenden Einzeltieren am Himmel bestanden. Es waren unzählige Fledermäuse die lustigerweise aus Richtung der Kuppel des Gotteshauses kamen. Würde fast behaupten jeder dunkle Pixel im folgenden Foto war eine, in Wirklichkeit ein erstaunliches Schauspiel und die Grenze meiner Aufnahmetechnik.

Sonst die üblichen Grillen und Vögel im Gebüsch hinter mir. Es hat sich dank fehlender Sonne am Abend mal soweit abgekühlt dass Sport möglich war. Das anschließend übliche Bad in der Schüssel als dauerhafter Beweis auch mit 3Litern Wasser eine Ganzkörperwäsche hin zu bekommen. Segmentweise und von oben nach unten versteht sich.

Einen Film zum Abend, etwas Internet und die Festigung meiner Pläne für die nächsten Etappen, eigentlich hab ich die Elfenbeinküste jetzt schon für mich abgehakt. letzte Etappe im nächsten Blog.

2 Gedanken zu “Botanischer Garten Bingerville – einfach ein Park

  1. Michael schreibt:

    Lese gerne bei dir mit, weiter so ! Freue mich über jeden neuen Blogeintrag,damit das so bleibt hab ich dir etwas zukommen lassen- ich hoffe das kommt an. Wünsche dir weiterhin eine pannenfreie Fahrt und Gesundheit.

    Gefällt mir

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