GPI, das Ghana Permaculture Institute.

Ich fahre schon einen halben Tag durch Ghana und fühle mich wohl. Steuere auf einen Affenwald zu der als Monkey Sanctuary bekannt ist und habe immer wieder recht schlechte Straßen vor mir die das Vorankommen verlangsamen. Am Morgen hab ich Wäsche eingeweicht und muss die heute auch noch spülen, Pflichten unterwegs. Ich finde zufällig eine GPL also Autogastankstelle an der ich meine Gasflasche zum Kochen füllen kann und auch Wasser zum Wäsche waschen finde, wieder ne Stunde rum…

Wie sich später rausstellt ist LPG/GPL Gas hier in Ghana an fast jeder Ecke zu bekommen, die Leute kommen auch größtenteils mit ihren Gasflaschen vorbei, aber auch einige Autos hab ich damit tanken sehen. Preise wie bei uns 60% vom normalen Sprit. Mein Weg also weiter und fast in den letzten Zügen da ich schon die „Schnellstraße“ auf eine Piste verlassen habe.
Da erblicke ich eine interessante Tafel am Wegesrand und schaue mir das mal näher an. GPI, das Ghana Permaculture Institute. Eines meiner Fachgebiete und hier im Busch echt interessant, Die Dämmerung setzt schon ein und ich finde eine nette Truppe vor, beschließe auf jeden Fall eine Nacht zu bleiben und Morgen mal Infos über dieses Projekt einzuholen.

Wie sich heraus stellt sind noch drei weitere Europäer hier, die einen sozialen Monat in einer Schule absolviert haben und nun eigenen Interessen nachgehen. Auch die Mitarbeiter hier sehr nett und ich beschließe länger zu bleiben. Einen geeigneten Stellplatz hab ich im Schatten unter Bäumen gefunden.

Wir starten mit einer Führung über das sehr umfangreiche Gelände. Es gibt einiges zu sehen und in der Regenzeit wenn Pflanzen wachsen wird auch ne Menge hergestellt und produziert. So zum Beispiel gibt es eine Ölpresse für Zitronengras, eine weitere für Nussfrüchte um damit Moringa und Neems Wunderstoffe flüssig zu extrahieren. Moringa wird nebenbei in großem Maßstab angebaut und auch die Blätter über vorhandene Trocken-Solar-Öfen und Mühlen zu Pulver verarbeitet. Endlich, genau was ich suche. Moringa ist neben Artemisia und Neem eine der natürlichen Heilmittel und zur Vorbeugung von Malaria nützlich. Hier die Moringa Plantage die sich den Platz mit der Yamswurzel teilt.

Es wird Obst angebaut und Yams man sieht neben den üblichen Verdächtigen wie Cashew auch den Noni Baum mit seinen lustigen Früchten und weitere Unikate.

Man hat Teiche angelegt und Ebenen mit Gras und Hecken um Erosion zu verhindern, Recycling ist ebenfalls Thema wie ein Schuppen aus Plastikflaschen aufzeigen kann. Aber auch ein ganzes zweistöckiges Haus aus Bambus welcher dafür in Halbrohre geschnitten und verschachtelt aufgestellt wurde.
Weitere Gebäude haben z.B. Mauern aus alten Autoreifen, in dem hier befindet sich unter anderem die Bäckerei in der ich eines Tages mein Wissen mit einbringen kann.

Brote wandern mit meinem Zutun aber leider weit entfernt von deutschem Teig in den Ofen, der eine Blechkonstruktion mit mehreren Etagen und einem gigantischen direkten Gas-Brenner am Boden ist. Simpel und effektiv, wenn auch für die 15Brote die gemacht wurden die Kapazität nur zu 1/10tel genutzt wurde.

In der Kantine hingegen hat man die Herde auf Biogas umgestellt. Gärbehälter mit Kuhscheiße und Pflanzenresten samt Wasser liegen vor dem Fenster und führen Schläuche in die Küche. Doch während meiner Anwesenheit wurde nur mit Holz vor der Tür gekocht. Es gibt hier einige Unterkünfte und im Normalbetrieb finden ganze Unterrichtsklassen Unterschlupf und Futter. Diese Führungen für Farmer und Schüler teilen Wissen welches damit weiter gegeben wird. Wie wir als Gruppe später vom Gespräch mit dem Boss erfahren haben, startete alles mit einiger Zusammenarbeit von deutschen ähnlichen Projekten. Das Potential ist groß und meiner Meinung nach noch lange nicht ausgeschöpft, aber wir sind hier in Afrika…

Als zwei weitere Faktoren hier im GIP sind noch die Pilzfarm und die Baumschule zu nennen. Die Anzucht von Akazie und Mahagonibäumchen, die zur Aufforstung an Bauern und Dörfer für wenige Cent verkauft oder auch verschenkt werden. Die soll nach Brandrodung oder sonstigen von Erosion bedrohten Gebieten wieder Halt in den Boden schaffen und heimische Pflanzen ansiedeln.

Leider, wie aber wohl nicht anders im Land zu bekommen, wird die Anzuchterde mit etwas Kompostanteil, für mich immer noch eine sehr sandige Angelegenheit, in schwarze Plastiktüten verpackt und gewässert sowie zur Keimung mit schwarzen Bahnen wie im Hintergrund zu sehen abgedeckt. In der Regenzeit braucht dann nicht mehr gewässert werden und nach wenigen Monaten schon gibt es kleine Bäumchen die in die große Welt dürfen. Eine ganze Reihe mit tausenden Bäumchen wurde auch von mir in praller Sonne gesteckt und mit eigenem Schweiß angegossen.
Da war etwas Arbeit bei den Pilzen schon eine Abwechslung wo mit Wasser ein gigantischer Berg von Sägemehl und getrockneten Moringa Blattresten eine feuchte Masse zum Start des Vorrottungsprozesses eingeleitet wurde. Dieses Sägemehl wird später in Beutel gepackt und in einem holzbefeuerten Wasserdampfofen in alten Ölfässern desinfiziert.

Die dann keimlosen Beutel werden mit Pilzsporen infiziert welche in Glasflaschen vorgezüchtet werden.

Diese geimpften Säcke kommen dann bis zur Pilzbildung in einen recht dunklen Lagerraum.

Und erst wenn sie austreiben und nun bis zu drei Monate lang „Früchte“ tragen kommen werden sie verkauft oder kommen in den Ernteraum zu den anderen echten Pilzen.

Dort gibt es einige Quadratmeter solcher Gestelle in denen täglich durch zupfen und säubern eine nicht unwesentliche Menge an essbaren Pilzen für eine gesunde Ernährung gesammelt und auf dem nahem Markt verkauft wird. Der ganze Korb voll sind fast 5Kilo und
gebraten mit Zwiebeln oder zu Sauce echt lecker.

Es gibt so viel zu berichten und entdecken und ich war drei Nächte dort. Auch Cashew wächst zum Glück nicht in Plantagen sondern immer mal verstreut und ist schon erntefähig. Für die, die es noch nicht gesehen haben, so sehen am Baum reife Cashew aus. Rote oder Gelbe Früchte mit einem besonders saftigem Fleisch welches nicht sehr lagerfähig ist und gerne zu Marmelade verarbeitet wird.

Die in Europa begehrte Nuss befindet sich dann in der Kapsel am unteren Ende und muss mühsam geschält und geröstet werden. Roh wohl wegen zu viel Säure ungenießbar. Viel Aufwand also, und dafür reisen die dann noch weit um die Welt meist mit Zwischenstop Indien weil dort die Fabriken der Monopolisten stehen. Bleibt lieber bei Walnüssen aus Omas Garten, auch gesund!

Das Gelände also eine Pracht und Spaziergänge mit Atlas eine Freude. Man kann sich Bilder vor der Permakultur ansehen, fast gerodete Fläche ohne natürliche Reize, mit einigem Aufwand umgewandelt. Dabei sogar das Bleiberecht einer alten Frau in uriger Hütte auf dem Areal berücksichtigt. Sie lebt hier wie immer und hat Hühner und Hunde um sich herum, kann man sogar auf dem Bild finden.

Als letztes und wichtigstes wären noch die Bienen anzumerken. In eigens konstruierten Holzboxen simpelster Art, weil die Natur den Rest erledigt werden passende Grundbedürfnisse geschaffen. Den Rest baut sich die Biene in einer wilden Wabe an die Stöckchen der Kastenoberseite unterm Schutzdach. Die Problematik der Bienen in Europa haben wir auch besprochen, hier gibt es zwei Sorten, ähnlich wie unseren welche mit Stachel und eine Sorte ganz kleiner, die nicht einmal die Hälfte der Größe haben und komplett schwarz sind, fleißige Helfer.

Mein rollendes Heim war bei allen Anwesenden immer wieder interessiert besucht, sodass ich zum Abschluss meines Besuches eine Dia-Film Vorführung mit Details des Aufbaus und einigen Clips der bisherigen Reise organisierte. Im Anschluss noch ein paar generelle Tipps zur gesunden Ernährung und zum Thema Nachhaltigkeit eine Erklärung der anderen anwesenden Europäer was Eco-brics sind und wie man diese Plastikziegel aus alten Flaschen und darin verdichteten Tütenmaterial herstellen und verwenden kann.

Ich hoffe und nach dem feedback doch gezeigt eine lehrreiche Veranstaltung und damit kleiner Dank der entgegengebrachten Gastfreundschaft. Außerdem kaufte ich noch nen halben Liter Neem Öl und eine kleine Flasche Zitronengras Essence gegen Mücken und Co. Ein halbes Kilo Moringa Pulver und eine Seife mit selbem Hauptbestandteil, bin gespannt, gut und gesund versorgt.

Wie letztens schonmal angesprochen ist die Heilkraft der Tropen ein großes Feld und hier der Link zum Experten dazu, auch hier im Camp hat man schon davon gehört und Infos angefordert.

https://anamed.org/de/

Ich hatte eine sehr geile Zeit hier und spiele mit dem Gedanken zur Regenzeit wieder zu kommen, wenn ich noch im Land bin. Ich konnte aktiv anpacken und mich mit anderen Themen einbringen, bekam auch viel Input zurück.
Eine grobe Übersicht der von touristisch interessanten Zielen in Ghana lässt mich aber erstmal weiter ziehen. Es gibt noch so viel zu sehen…

Etwas sprunghaft im Thema hab ich noch ein Foto geschickt bekommen, wie der von mir in Mali zum mobilen Verkaufsvan umgestaltete Transporter nun regelmäßig in kleinen Dörfern im Einsatz ist, neben Baumaterialien und Zement, allem Sperrigen halt kommt das Kleinzeug in die Kisten im Heck. Für den Inhalt ist der Betreiber leider selbst verantwortlich, mir definitiv zu viel Scheiß verpackt in Plastik… aber bei dem Thema stoße ich meist auf taube Ohren.

2 Gedanken zu “GPI, das Ghana Permaculture Institute.

  1. Roger-T. schreibt:

    Sehe gerade zum ersten Mal Deine fahrbare Holzhütte – ein echtes Vielzweckmobil – in gänzlich geöffneter Pracht. Eine geniale Konstruktion, die uneingeschränkte Hochachtung verdient!

    Gefällt mir

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