Grand Bereby und Umgebung

Es ist heiß, ich schwitze… von früh bis spät. Will mich nicht beschweren aber das Meer ist keine Abkühlung und die „kalte“ Katzenwäsche am Abend ist nach drei Minuten still liegen wieder hinfällig. Willkommen in den Tropen, und trotzdem liebe ich es. Kein Wunder aber warum Afrikaner sich so langsam wie möglich bewegen und ne andere Einstellung zur „Arbeit“ haben. Meinen Respekt vor den Fischerjungs die jeden Morgen bis zum Nachmittag in der prallen Sonne paddeln, dazu aber mehr später.

Ich hab kaum noch Sport auf der Agenda, wenn überhaupt ist ein ausgiebiger Spaziergang 6:30-8Uhr möglich, danach verkriecht man sich mit seinen Aktivitäten bestmöglich in den Schatten, der zum Glück auch an meinem Stellplatz herrscht. Hat nur den Nachteil, dass relativ wenig Strom produziert wird, es aber zumindest für den Laptop und Musik sowie Hörbuch reicht.

Ich stehe also am Strand östlich Grand Bereby am Meneke Plage bei Sun und Mary mit Sohnemann Maxim vom 4×4 Nomaden Camp und fühle mich in die Familie aufgenommen. Traumhafter Platz mit allem was mein Herz begehrt. Es gibt Brunnenwasser in brauchbarer Qualität und ein Plumpsklo für den täglichen Bedarf, mehr brauche ich direkt am Meer nicht und dessen Temperaturen mit anfänglich 30grad laden zum mehrfachen Verweilen ein. Es wird später aber angenehmer mit um 25grad, da zu Beginn warmer Regen über das Meer zog.
An diesem Strandabschnitt gibt es noch zwei „Camps“ die eher kleine individuelle Hotelanlagen mit Bar unter Palmen sind, keine Besucher während meiner nun schon 8tägigen Anwesenheit. Meine Gastgeber wohnen hier halbjährlich und kehren nur zur saisonalen Arbeit in die Heimat und leben dort auch überwiegend im Bus. Der perfekte Kompromiss wie ich finde. So kommt es also dass sie hier seit 8Jahren wohnen und die Gepflogenheiten kennen. Ich werde relativ bald beim Dorfchef mit Zeremonie vorgestellt, damit auch alle wissen, dass sich ein weiteres Bleichgesicht hier rumtreibt.
Die Ortschaft Grand Bereby mit 9Kilometern Piste entfernt eine gute Ecke für Besorgungen aller Art, am Strand kommen aber auch ab und zu Frauen mit Obstkörben auf dem Kopf vorbei und Fisch gibt es im Nachbardorf Daouha, welches ich in knapp nem Kilometer (kein Schatten) erreichen kann.

Mit diesen Einbäumen, genannt Pirogen schippern die Jungs täglich raus aufs Meer, mit Netz, Haken oder auch Harpunen. Gefährlicher Job anscheinend, immer treibt einer ab oder verschwindet auch mal meist mit drei Leuten besetzt. Navigation nach Sonnenstand und Küstenlinie. Der Traumstrand ein Stück weiter weg geknipst.

Kokospalmen sind echt überall und theoretisch müsste ich keine kaufen. Die die aber runterfallen sind reif und haben viel Fleisch, ich mag aber auch die jungen mit mehr Wasser und den Rest zum löffeln, die gibt es nur geerntet und für 100cfa auf dem Markt. Täglich jeweils eine mein aktueller Schnitt und damit kann man noch viel mehr anstellen. Raspeln und Flocken machen, parallel die Milch fürs Müsli nutzen.

Aber alles der Reihe nach. Die ersten beiden Tage hab ich Hausarbeit machen müssen, in der Summe 500km Piste haben einiges an Staub in allen Ecken hinterlassen. Einmal Grundreinigung und Schubfächer sortieren.

Meine Hütte übrigens dauerhaft offen und auch nachts dadurch nicht viel Abkühlung. Hier in einem geschlossenen Bus könnte ich mir mit dem Hubdach der Walküre gar nicht mehr vorstellen, die Luft steht. Die Aussicht kurz vorm Strand immer grandios und das Dschungelkonzert in der Nacht nun auch nicht mehr wegzudenken. Man freut sich über jede leichte Briese die durch mein Panorama zieht. Und ja, ich schlafe quasi draußen aber unterm Moskitonetz.

Die Bilder vom letzten Blog zeigen leichte Wolken am Himmel, nocht weit weg von der Regenzeit doch eines Tages mit nem kleinen Schauer der nur noch schwülere Luft zurück ließ. Das sieht dann so aus:

Im LandCruiser meiner Gastgeber kamen wir grad genau richtig von nem Ausflug zurück. Hätte mich glaub ich aber unterwegs auch nicht gestört. Nochmal 10km weiter im Dschungel ein weiteres Dorf was schon immer mal besucht werden sollte, ich hatte also das Glück dabei zu sein. Der Ablauf dann wie zuvor und hier mal im Detail. Ein Mitarbeiter der Familie begleitet uns der familiäre Verbindung in dieses Dorf hat. Man wird bsim Chef vorstellig und sitzt dann unterm Pavillon zur Begrüßung bei CocaNuss mit Chillipulver, dazu Bier und Schnaps, Gastgeschenke die man mitbringt, sehr trinkfreudiges Volk hier. Man spricht zuerst nicht direkt mit dem Ältesten, das Protokoll besagt dass der Verbindungsmann Dank und Grund des Besuches erklärt. So wird jeder Vorgestellt und offiziell willkommen geheißen. In unserem Falle nicht nur Hallo sagen, sondern auch um Erlaubnis fragen im nahen Dschungel einen Ausflug auf dem Lac Sacree machen zu dürfen. Dazu werden natürlich Führer und Bootspiloten gestellt.

Der Chef mit Handtuch und Jogger, sein Bruder knieend, Cyril mit der Weste unser Verbindungsmann und als weiterer Begleiter sein Bruder Fabrice ganz links im Bild. Die anderen drei unsere Guides und der Rest die Kinder vom Dorf die solchen Besuch natürlich selten bis nie sehen sich aber strikt an Ruhe während der Zeremonie halten.

Da unser Auto voll ist fahren die drei auf dem Mofa vor und natürlich bekommen sie ihr Spritgeld vorab. Der Dschungel hier nur selten befahren und dann meist nur mit dem Moped, mein Truck wäre da nicht hin gekommen. Der See ist auf keiner meiner Karten verzeichnet, nach einer kurze Wanderung aber direkt vor unseren Füßen, ebenso die schwimmenden Untersätze, mit denen wir auf eine unberührte Insel übersetzen.

Braucht schon etwas Phantasie damit trockenen Hauptes Wasser zu überqueren, zuerst mal ausschöpfen und mit Rafia Palmenhölzern Sitzgelegenheiten zwischen die Flanken zimmern.

Das linke und stabilste für uns zwei Kerle mit Fahrer und das kürzere für Mutter mit Kind. Seitenwände dann unterwegs ja nach Lage 5-10cm über der Wasseroberfläche, der Chauffeur steht und stakt per Palmwedel.

Man sieht es auf dem letzten Foto schon, ein Idyll aus Seerosen soweit das Auge reicht. Vögel stozieren über die Blätter und keine Geräusche ausser die der Natur zu vernehmen. Hier mal live.

Die Insel dann per Rundgang mit der Machete ein wahrer Dschungel mit Lianen und Mangroven. Nur mal zwei Bilder zum Eindruck.

Wilde Tiere sind uns nicht begegnet und auch sonst hat alles geklappt aber irgendwann ein Ende. Ich hatte erst überlegt es auch mal am Stock zu probieren aber während unserer Abwesenheit ist einer der Jungs zum Gelächter aller mit dem dritten Boot raus und wegen einem Ast im Wasser in selbiges gefallen. Aussicht vorne genießen reicht also als Abenteuer.

Man trifft nochmal zum Palaver und Umtrunk beim Dorfchef ein und auch ich nehme ein Glas Bier zur Feier des besonderen Tages. Man ist sehr interessiert an meiner Reise und ich erlange die Ehre einer Namensgebung, da die anderen schon seit Jahren ihre Kru Namen tragen. Der Volksstamm der hier ansässigen Ivoren. Man nennt mich zukünftig SARI was soviel wie Weltenbummler ohne Verpflichtungen, frei und single bedeutet. Wie ich öfter schon mitbekommen habe fast unverständlich bei dem primären Wunsch aller anderen nach Haus, Frau und Kind. Es wird ein lockeres Schwätzchen und auch die Kids trauen sich nun vor allem an den kleinen blonden Maxim ran, vier Jahre alt versteht er nur wenig französisch, unter Kindern geht das aber schnell, nächstes Jahr soll er auch in die Schule. Ich entdecke in der Ecke ein Spielzeug erster Klasse. Holzauto ohne jeden Nagel oder ein Stück was nicht in der Natur wächst, alle Verbindungen kleine Dübel und die eine fehlende Achse schmälert weder meine noch juniors Interesse. Man verspricht uns am kommenden Wochenende einen Gegenbesuch mit einem frischen Exemplar für den Kleinen.

Nur eine Ecke weiter wird traditionell heiß geräuchert. Teile eines Schafes was ich am Stück so nicht erkennen kann. Das ehemalige Fass oben wie unten offen, Gitterrost drüber und das Fleisch mit Bananenblättern abgedeckt. Brennholz wird unten nachgeführt.

Das dauert aber noch etwas und wir wollen langsam Heim, Atlas wartet auch. Und da kam der Regen. War aber nicht so schlimm oder direkt von oben, kein Tropfen in der zu allen Seiten 50cm offenen Walküre nur ne nasse Terrasse, gute Konstruktion. Mein Traumhaus am Paradiesstrand, Wolken verzogen, ab in die Wellen.
Das Motorrad kommt natürlich auch zum Einsatz, hat nun immerhin auch schon 750km seit Start in Deutschland auf dem Kilometerzähler, ebenfalls sehr zufrieden mit der kleinen Aprilia. Hier mal die Nach Hause Route ab der Hauptpiste zum Grundstück.

Es gibt immer nen Grund „in die Stadt zu fahren“. Sei es nur mittags Futu mit Sauce Grain und Fisch zu essen. Futu dabei ein Kloß aus Bananenteig und Maniok. Die Sauce aus den Samen der Rafia Palme und der Fisch nur 150m weiter aus dem Hafen. Oder am Abend zu gegrilltem Fisch, die Auswahl dann vielseitig.

Das Ergebnis lecker.
HolzkohleGrill und nen Rost drüber dazu etwas Zwiebeln, und scharfe Paste wie zu allem, fertig. Dann aber mit 2000cfa schon recht teuer wenn man das täglich machen würde. (3,-) Also hab auch am Hafen dann mal meinen eigenen Fisch für den Grill besorgt. Wenn schon denn schon und für 1000cfa einen kleinen Thunfisch. Das Gewissen schimpft, aber Nachfrage ist hier nicht ausschlaggebend, gefangen wird was zu kriegen ist… von Dorade über Hai und Langusten… nur die Meeresschildkröten werden (hoffentlich überall) in Ruhe gelassen.

Der Hafen von Grand Bereby hatte wie alles hier unten mal bessere Zeiten gesehen. War wohl in den 70ern ein Paradies zum Geld ausgeben für reiche Franzosen. Damals anscheinend auch noch mit einer Pier zum Anlegen.

Heute wie dann vor hunderten Jahren fahren die Fischer mit ihren Pirogen auf den Strand und verkaufen den Fang direkt im Sand davor… manchmal ist einfacher auch langlebiger…

Mein Thun kommt noch am späten Nachmittag für ne Stunde auf den Grill. etwas zivilisierter in mein Gitter gezwängt, dafür perfekt in der Erscheinung. Ausnehmen muss man den Fisch selber und den Thun braucht man zumindest nicht zu schuppen. Atlas bekommt die Innereien, alle glücklich.

Es ist also ein herrlicher Ort und ich habe sowas wie Urlaub vom Reisen. Nach der anfänglichen Entspannung tritt auch mein Erkundungsgeist wieder auf und ich mache Ausflüge mit dem Motorrad. Dies aber dann ein folgender Blog aus dem Paradies.

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