so endlich richtig an der ElfenbeinKÜSTE

Die letzte Etappe zum Meer dann immer noch auf der roten Piste wie seit drei Tagen nahe der Grenze zu Liberia entlang. Den Nationalpark Tai hab ich schon hinter mir gelassen, ab und an ein Dorf auf der Strecke dazwischen dichte Vegetation wie im Video zu begleiten.

Es wird irgendwie feuchter in der Umgebung was auch eine noch schwülere letzte Nacht bewiesen hat. Auch sehe ich nun häufiger Flüsse oder stehende Tümpel am Wegesrand.

In der Regenzeit wäre die Verkehrslage hier aussichtslos und nciht ohne anständigen 4×4 zu meistern. Lehmig schwerer Boden dann noch klebend im Reifenprofil und Schlaglöcher voll bis oben hin. Mag hier und heute noch gehen.

Doch spätestens bei so einer Meter tiefen Mulde würde ich meine Bedenken haben.

Wie so etwas zustande kommt ist ganz klar. Wasser bleibt stehen, weicht die harte Piste auf und Verkehr verdrängt beides bis das Loch immer größer wird. Braucht dann dementsprechend aber auch Verursacher in diesen Dimensionen, hier im Video die Auflösung.

Immerhin gibt es kaum Furten in denen Flüsse die Seite wechseln und übertreten könnten, nur einmal eine wacklige Brücke die aber auch 40Tonnen aushält.

Bei solchen Passagen frage ich mich immer was der Rest vom groß geplanten Ausbau davon hat wenn doch ein Nadelör bleibt. Wie mit der Kette und dem schwächsten Glied. Was nützen 99% passierbare Strecke wenn mitten drin erst eine richtige Brücke her muss bevor man queren kann? Also einige Abschnitte mal wieder frisch und breit.

Dabei werden dann wohl noch so einige Leichen zum Vorschein kommen. Dieses eingewachsene Wrack am Straßenrand reiht sich wohl bald zu Leidensgenossen auf einem der üblichen Endlager für mittelmoderne Fahrzeuge. Altes läuft sowieso und kann repariert werden, Neues läuft und pfeift gerade so noch auf dem letzten Loch und wenn dann defekt ist es schwer an bezahlbare Ersatzteile des Verschleißzeitalters zu kommen.

Ein Kumpel steht zum Beispiel grad mit exakt dem selben Modell in Ghana seit drei Wochen still. Probleme an den Injektoren und kein Ersatz in der Nähe, neu aus Europa einfliegen lassen bei einem Auto was ihn in Europa keine 1000 gekostet hat… Er überlegt schon weiter zu trampen und den Haufen Schrott einfach stehen zu lassen. Und wieder mal bin ich Stolz auf meine WALKÜRE, ein alter Mercedes die beste Wahl und selbst wenn mal was kaputt gehen sollte überall zu ersetzen. Danke Mercedes.

Wenn wir schon bei Fahrzeugen sind, hier noch die landestypische Auflistung im Verkehr. Toyote Corallo bis Anfang 2000er wie erwähnt, gefolgt von Kia und Hyundai KleinstLKW aus den 80ern für alles was mit Transport zu tun hat. Die Vorgänger vom H1 Bus also mit Ladefläche statt komplettem Chassis, Bilder folgen demnächst mal. Noch größer dann alles quer Beet LKW von DAF bis VOLVO und neueres samt Omnibussen alle aus China.

Je näher ich der Hauptstraße komme die parallel zur Küste führt um so häufiger sind Plantagen am Wegesrand zu entdecken. Logisch Palmöl und der Tod des Regenwaldes an etlichen Stellen. Ausbeute dann diese Ballen mit roten Früchten die in einer Fabrik an besagter Kreuzung zum Grundstoff etlicher weltweiter Waren wird.

Monokulturen statt Biodiversität, wir Europäer haben es ja „effektiv“ vorgemacht. Und nicht nur Ölpalmen, sondern auch meine tägliche Kokosnuss muss ja irgendwo herkommen wenn nicht idyllisch am Strand gewachsen.

Die Nachfrage auch hier wegen einem boom an Cocosöl für Kosmetik und Cocos-Wasser für die Gesundheitsbewussten weltweit kräftig steigend. Im nächsten Ort kann ich Trinknüsse mit noch weichem Fleisch für unglaubliche 50cfa kaufen… das sind 8ct. Meine Diät in nächster Zeit steht also fest… Als Anmerkung noch wie abhängig die Bevölkerung dann von Weltmarktpreisen ist und wie schnell das in die Hose gehen kann am Beispiel Kautschuk. Es gibt mehr als genug Plantagen und das damalige Wachstum dieser stark nachgefragten Ressource wurde hier mit noch mehr Plantagen beantwortet. Die Preise sind dadurch nun im Keller und kaum noch jemand kann mit der Ernte der klebrigen, stinkenden halbkugeln (getrocknetes Harz im becher) seinen Lebensunterhalt verdienen. Der Schaden an der Natur bleibt und die noch existierenden Fabriken freuen sich über günstige Rohstoffe, so wird Afrika ausgebeutet. Jammerschade also wie sowas zu sowas wird…

Ich bin sehr früh zur letzten Etappe gestartet, es ist jetzt 8Uhr und wird wieder warm. Letzte Chance körperlich aktiv zu werden, ich hab es nicht geplant aber die Möglichkeit genutzt. Eine Waschgelegenheit tat sich mit einem idyllischen Wasserfall am klaren Fluß auf… na dann afrikanisch.
Mit Schüssel und Dreckwäsche bewaffnet, etwas Kernseife und Atlas im Schlepp war ich wohl die unerwartete Überraschung für die Ansässigen. Dabei muss man erwähnen dass nur Frauen waschen und ein paar Jungs zum zugucken dabei waren. Dass also der weiße Kerl seine Wäsche wie alle im Fluss auch noch selber wäscht sicherlich noch ewig Gesprächsthema. Naja, wie alle Anderen… nur mit weit weniger Waschmittel welches hier meist aus Tüten und China kommt. Ich brauche es auch nicht strahlend sauber, hätte eh keinen Sinn.

So wurde mir warm und auch das Shirt was ich an hatte wusch sich erst durch Schweiß und bekam final eine Klarspülung mit anschließender Trocknung auf dem Körper, welch ein dezent kühlendes Wohlgefühl. Mal wieder über 35grad und das schon direkt am Morgen. Das bissel Wasser schöpfen und rubbeln, walken und auswringen war dann wohl meine Anstrengung des Tages, total durchgeschwitzt. Zum Abschiedsfoto wollten sich die Jungs dann unbedingt in die Mitte zu den Frauen und Kindern stellen…
Und dann hatte ich es endlich mal wieder geschafft. Seit Nouakchott habe ich die Küste verlassen und mal schnell 2500 Kilometer abgespult um am selben Ozean nur im Süden Westafrikas anzugelangen. Tabou heißt der Ort und liegt schon malerisch an einer Lagune. Der Eingang dazu zwischen mir und dem Leuchtturm

Ruhiges Wasser dort immer leichter für Fischer und ihre Boote. Hier bei der täglichen Arbeit Netze flicken.

Der Rest der Lagune dort im Hintergrund mit nem kleinen Hafen. Hier vorne aber quasi am Ende der Hauptstraße durch den Ort der Fischmarkt neben dem Fußballplatz an dessen Rand ich schnell abgeparkt habe als ich bemerkte wo die kleine Piste dorthin endete. Wollte auch nur mal schnell gucken und konnte gesehen werden natürlich nicht ausschließen.

Ich hab zuvor im Ort besagte Kokos gekauft und mein Obst wieder aufgestockt, gab doch recht wenig in den staubigen Dörfern entlang der Piste. Für heute muss ich noch 70km auf der Hauptstraße weiter, die aber nach wenigen Kilometern eine derartig löchrige Piste wird, dass meine Reisegeschwindigkeit weit weg der anvisierten 50km/h liegt. Auch das ist Afrika und ich muss nur den Kof schütteln wenn ich wie im Camp Manantali Leute treffe die in drei Monaten ans Kap wollen… Grand Bereby und etwas weiter abseits noch der Strand Meneke ist mein Etappenziel.
Und es stellt sich als wahres Paradies heraus. Durch das Busfreaks Forum und Facebook verbunden gelange ich zum 4×4 NomadenCamp einer Teilzeitausgewanderten deutschen Familie. Sie haben sich hier ihren Traum verwirklicht und lassen mich nur 10m vom Strand entfernt mein Lager aufschlagen. Toller „Garten“ mit natürlicher Vegetation in Bahnen gelenkt. Schattiger Platz zwischen Bäumen und Palmen und genug Freiraum für alle Beteiligten, Atlas freuts.

Die kleine Sitzgelegenheit rechts im Bild dann mit herrlichem Panorama. Ich könnte ins schwärmen geraten, aber seht selbst.

Der Strand wie man sich die Tropen vorstellt… leichte Wellen, Wasser knapp 30grad, Kokosnüsse überall. In beide Richtungen schier endlos aber nicht langweilig da in leichtem Bogen. An einem Ende ein kleines Kap mit Felsen und … ich berichte einfach im nächsten Blog ausführlicher und lasse Bilder sprechen.

Ja, hier kann man es sich gut gehen lassen… und ich darf verraten dass ich jetzt schon eine Woche hier bin als diese Zeilen entstehen, hatte gut aufzuarbeiten und trotzdem so einiges nebenbei erlebt… Urlaub im Paradies.

4 Gedanken zu “so endlich richtig an der ElfenbeinKÜSTE

  1. Alex schreibt:

    Beim Peugeot-Partner-Autowrack musste ich schmunzeln. Wir haben uns den Zwilling angeschafft, d.h. den Citroën Berlingo. Billiger Einkauf, Reparaturen gehen meist noch selbst und Ersatzteile sind günstig. Gilt natürlich nur für Europa (Und Mittel-/Südamerika). Aber da ich/wir wohl nur hier[EU] unterwegs sein werden, ists ein schöner Begleiter für Alltag, Transport, Reise, Camping, Festivals und wird grad entsprechend modifiziert (wenn du Lust hast, es gibt einen Thread im FF).
    Gute Reise noch, wenns denn wieder weiter geht. Ich bin zwar zwei Monate hinterher, aber las, dass du dich wohl erstmal wo niederlässt, bis sich die aktuelle Situation ein wenig beruhigt. Immerhin bist du „wo“. Hier geht grad, verständlicherweise, gar nichts mehr, was das herumkommen angeht.

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