zwei Übernachtungen in Bamako reichen…

Da habe ich also eine sehr mückenverseuchte erste Nacht in Bamako verbracht und eigentlich schon keinen Bock mehr auf Stadt. Aber die Visa-Geschichte muss halt hier passieren. Ich habe also einen Pass am Konsulat der Elfenbeinküste und nach etwas Anlaufschwierigkeiten auch den Zweiten in Ghana. Für letzteren Antrag musste ich einige Kopien ausfüllen… fast schon irrwitzig.

Die meisten Botschaften auf der anderen Seite vom Niger und über den führen in der Millionenstadt ganze zwei Brücken. Eine davon einspurig, und zu den Stoßzeiten wird nur Verkehr in eine Richtung durchgelassen. Vormittags rein ins Zentrum, abends wieder raus. Gegen den Strom schwimmen geht nicht, ist auch mit einigen Hauptstraßen so. Lustig, ohne Ankündigungen und meist noch die nächsten paar Kreuzungen mit Gegenverkehr auf deiner Spur. Ab und an regelt mal ein Polizist per Hand, der Rest ist afrikanisch, geordnetes Chaos.

An den großen Kreuzungen im Rückstau versuchen gleichzeitig immer Dutzende fliegende Händler essentielles wie Scheibenwischer oder Gummifußmatten an den Autofahrer zu bringen, für Obst oder Snacks muss man aber am Straßenrand halten.

Hätte ich einen gemütlichen Stellplatz wäre ich mit dem Motorrad unterwegs, war letztes mal ein Spaß sogut wie ohne Regeln. Doch diesmal muss die WALKÜRE Präsenz zeigen und trumpft mit martialischem Aussehen doch ganz gut. Mir wird Platz gemacht. Hat so den Vorteil, dass auch Atlas mit kann und wir zum Ausgleich einen kompletten Vormittag im Parc National de Bamako verbringen. Einem richtigen Park, den ich schon einmal besucht habe. Direkt zwischen Zoo und Museum immerhin eine schattige grüne Oase und verdiente Pause für meinen kleinen Wachmann.

Der Eintritt von 700cfa, also knapp 1€ war die Pause wert, vor Allem konnte ich dabei die Sehenswürdigkeiten besuchen, die mir aufgrund der geänderten Strecke durch politische Auswirkung vorenthalten blieb. Da wären zum Beispiel die Große Moschee von Djenne, das größte Lehmgebäude der Welt.

Oder auch etwas historisches aus Timbouctou.

Und Bandiagara stand eigentlich auch auf meiner Wunschliste.

Als Zugabe noch der rote Markt hier in Bamako, ganz ohne Ware, Händler, Verkehr und alles drum herum das den Markt verdeckt.

Wie alles im Park sehr in Mitleidenschaft gezogen und dringend restaurationsbedürftig. Bei manchen Sachen frage ich mich sogar ob die nur konzipiert aber nie in Betrieb genommen wurden. Hier zum Beispiel „Vorsicht Krokodile“ aber weit und breit kein Wasser, erst recht keine Echse.

Immerhin wird gewässert, wenn auch total bekloppt und anscheinend doch auch mal was gepflanzt, wenn auch die Beschreibung auf den Tafeln meist nicht stimmen…

Alles heimische an einem Ort versammelt, gigantischer Bambus wurde von mir aber noch nicht in freier Wildbahn entdeckt.

So konnte ich mich sogar einige Zeit an diese Palme lehnend auf der „Wiese“ ausruhen und selbst Atlas kam in der größten Hitze zum Dösen.

Vorher haben wir eine große Runde gedreht, Bewegung wurde die letzten Tage etwas vernachlässigt. Hinauf den Berg bis zum Übergang zum Zoo. Blick zurück, mit viel Vorstellungskraft kann man in der Ferne durch den Smog hinweg die Stadt erkennen. Einige Gebäude immerhin markant und hoch.

Aber kein Schatten mehr, also hatte es Atlas runterzu auch wieder eilig. Vorbei an den doch erstaunlichen Büschen und endlich mal halbwüchsigen Baobabs. Falls ich es noch nicht erwähnt habe, tagsüber 35grad, nachts mit Glück 20, eher etwas drüber.

Eines muss man zu Bamako aber noch erwähnen und auch die Kinder werden hier im Park schon darauf ausgerichtet. Feldarbeit als Urban Gardening wie es in den hippen Großstädten Europas heißt. Hier der „Kindergarten“

Im Stadtgebiet aber an jeder erdenklichen Stelle wo was wachsen könnte auch so gehandhabt. Da wäre zum Beispiel direkt neben der Botschaft Ghanas, die wie erwähnt frisch umgezogen ist hier im Bild diese Fläche.

Zwiebeln und Salat also gegenüber von der USAmerikansichen Vertretung. Ein ummauertes Anwesen sogar gleich mit schmucken, essbaren Grünflächen. Salat statt englischer Rasen. Sollte man bei uns auch einführen.

Auch Papaya und Karotten, Kohl und anderes simples Gemüse hab ich überall entdeckt.

Das Geheimnis liegt dabei an der Verfügbarkeit von Wasser. Hier im Bild zwei Kerle (einer im Hintergrund) am Schöpfen aus wohl selbstgebuddeltem Brunnen. Gieskanne und Wasser Marsch.

Idyllische Stadtansicht mit Minarett, Rohbau und Farmland.

Aber hier läuft vieles anders. Möbel kauft man zum Beispiel am Straßenrand. Kleinstmanufakturen fertigen meist auch direkt daneben und können so an Miete sparen. Echt, keine Ausnahme und fast an jeder Ecke zu finden.

Wohlgemerkt „Ecke“, die meisten Kreisverkehre bleiben verschont, keine Parkmöglichkeit, obwohl das eigentlich niemanden schert und jeder hält wo er mag. Dies hier immerhin sowas wie ein Wahrzeichen Bamakos.

Ich hab den Rest meiner „Freizeit“ dann in einer weiteren Botrschaft verbracht… mehrfach versuchte ich für Nigeria ein Visum zu beantragen. Zumindest vorzubereiten, denn das alleine ist schon schwierig. Nur Online und mit Einladung, die Verantwortung übernehmen soll und Passkopie schicken muss, ausserdem eigentlich nur aus der Heimatbotschaft oder mit Erklärung von dort, weil die Gültigkeit ja nur 6Monate ist und ich dann länger unterwegs bin und das Visum verfallen würde. Ich hatte also einige lustige Gespräche mit Nigerianern in der Botschaft deren Freund ich sein wollte… Die Meisten Dort hatten aber selbst Probleme bezüglich Abschiebung und deshalb keine Adresse die ich auf meinen Formularen angeben konnte. Witzige Geschichten hab ich da gehört, von einem der ne Aufenthaltsgenehmigung für Italien hat, dort schon 12Jahre lebte, zu Besuch in der Heimat war und auf dem Rückweg über Flughafen NKC aus Mauretanien nach Mali abgeschoben wurde… nun keine Möglichkeit an Geld für den direkten Flug zu gelangen und wer weiß was davon alles stimmt. Nigeria Visum hat auf jeden Fall hier nicht geklappt. Eigentlich wieder schicksalshaft ganz gut so, denn nachdem ich beide Pässe mit Visa abgeholt hatte konnte ich direkt los, raus aus der Stadt.

Die letzte Nacht hatte ich vor einer anderen netten Herberge abseits vom Fluss mit weniger Mücken verbracht. Dafür mit Kindern die locker bis 23Uhr auf den Straßen rumtoben. Aber die Auberge Djamilja sonst mit nem netten jungen einheimischen Pärchen geführt echt empfehlenswert. War ein lustiger Abend vor der dann irgendwann doch ruhigen Nacht.

iOverlander oder Park4Night geben in Bamako keine weiteren Tipps her, einer nur der mir in einer ganz ungewöhnlichen Ecke der Stadt schon suspekt vorkam wurde aus Verzweiflung und Ausweichplatz für die evtl. kommende Nacht trotzdem aufgesucht. Egal ob hier was wäre oder nicht, erreichbar zur Zeit auf keinen Fall und auch zu Fuß nix entdeckt.

Die Nachbarschaft zumindest ruhig und authentisch, günstige Küche an jeder Ecke, ebenso viele Spielende Kinder, Handwerksbetriebe und Dreck im Abfluss.

Ich hatte mal wieder Glück und war obwohl viel zu zeitig zum Termin der Visum Ausgabe erschienen, doch erfolgreich. Hat bei beiden Botschaften funktioniert und so konnte ich noch am selben Tag nach nur zwei Nächten in Bamako die Stadt wieder verlassen… Glücklich.

Immerhin 150,-€ ärmer, da die Elfenbeinküste für 30 Tage das Doppelte an Gebühren nimmt wie Ghana für 90…soll einer verstehen. Wer also Mitleid mit mir hat und eine Unterstützung schicken mag, ich hab die Hoffnung mit meinem Paypal account aufgegeben. Da rührt sich nix und die eingegangenen Spenden sind wieder zu euch retour gegangen. Bleibt also nur die gute altmodisch neu verpackte Kontonummer in ellenlanger Ausführung mit IBAN Code… steht dann ab jetzt auch auf der HP.

Und weil wir schon bei Finanzen sind, Bamako ein relativ teures Pflaster wer sich nicht an heimische Produkte halten mag. Die ganzen Botschaftsangehörige etc. finanzieren dann liebend gerne einen der zwei Supermärkte hier die bei uns gerade ein Kosum sein würden. Tütensuppen für 3,-€ und Erbsen in Dosen für 2… nein Danke. Irgendwie ein komisches Gefühl an Regalen vorbei zu marschieren.

Immerhin hab ich Cocosöl gefunden… oder besser hätte. Doppelt so teuer wie in Europa obwohl die Herkunft aus dem Nachbarland… da kann was nicht stimmen und die paar Tage kann ich auch noch warten, Cote d’Ivoire ich komme.

OK, nicht nur Verzicht auf meiner Liste, ich hab mir was gegönnt. Ein Brokkoli, klingt komisch, ist aber echt selten und mit Nudeln in Tomatensauce hab ich da mal Bock drauf, ebenfalls 2Euro für das Ding, Herkunft hat mich lieber mal nicht interessiert.

Schnell weg hier, raus aus Bamako, südlich vorbei am Flughafen schnurstracks in Richtung Grenze, hab fertig mit Mali. Locker 30Kilometer bis zum ersten Mal keine Siedlungen, Industrie oder andere Bauten neben der Straße stehen und Atlas frei laufen kann. Verkehr bis dahin mörderisch im wahrsten Sinne des Wortes. Ich hab mitten auf der Straße ein Moped unterm Laster gesehen… und lieber nicht genauer hingeschaut. Immer wachsam am Steuer und konsequent auftreten aber nicht kopflos durch die Gegend fahren.
Da freut man sich fast schon über den Rest der Strecke auf immer wieder Schlagloch durchzogenem Asphalt mit verwandtem Gegenverkehr.

Vollbeladen bis.. naja übers Dach halt… und meist Holzkohle und Brennholz für die Stadt in der es kein Gas gibt. Im ganzen Land keine Fabrik für Propan/Butan und auch mit Lieferungen aus dem Senegal zur Zeit nix los also völlig ohne… Meine Flasche war leer und die Info kam zum Glück rechtzeitig im Cool Camp und ich konnte Reste von Caspar nutzen. Wieder mal sagt mir das Schicksal, Junge es wird Zeit, wir ziehen Weiter. Ich hab ja die „zivile Bereifung aufgezogen“ und nun mal wieder über 1000km vor mir bis sich was an der Landschaft ändert.

Abgesehen von den gerodeten Flächen weit um die Hauptstadt herum führt mich meine Route später ab Bougouni auf direktem Wege über eine Piste in die Elfenbeinküste („an die Küste“ ja noch Lange nicht, das Meer ist weit)
Die ersten Etappen dann als Vorgeschmack zum nächsten Blog hier zu verfolgen, gute Fahrt.

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