250km Piste zur Grenze Mali / Elfenbeinküste…

Da bin ich also aus der Stadt getürmt und über eine der wenigen Hauptstraßen in Mali dann auch recht schnell wieder in der Wildnis mit roter Piste. Es ist immerhin die kürzeste Route nach dem nächsten Etappenziel Elfenbeinküste. Ein Vorgeschmack der Strecke die mir bevor stand ja im Video des letzten blog zu sehen. Heute nun etwas detaillierter.

Ich wusste was bevor steht und hab nochmal im letzten Städtchen Atlas‘ Belohnung eingesackt. Undefinierbares mit Fliegen, Für Afrikaner aber ganz normales Fleisch vom Metzger. Der Geruch, nunja, ich bin es von Pansen gewohnt. Den kleinen Kerl hat es nicht gestört, hier schon die Nase dran als ich noch am Knipsen war.

Die Menschen verdienen sich also mit der Herstellung von Lebensmitteln den Unterhalt, auch Baumwolle scheint immer noch ein Thema zu sein, ansonsten wie beschrieben Holz und Holzkohle was alles in Richtung Hauptstadt geschafft wird. Dieser Peugeot hier fast schon kunstvoll und bis zur Belastungsgrenze bepackt.

Die Meisten anderen Transportfahrzeuge in die Gegenrichtung aber sind leer. Als Gegenleistung hat die Stadt nix zu bieten. Höchstens Salat aus den gezeigten Urban Gardening Projekten.

Der Gelbe im Bild mal wieder ein „Leidensgenosse“. Als Mittellanger 508 mit Hochdach gerade die beliebteste Variante in der Heimat. Vanlife lässt grüßen, vom Zustand her hab ich schon schlimmere gesehen, restaurieren will ich den aber nicht mehr. Immerhin ist er von einem üblichen Phänomen verschont, quer fahren auch ohne Drift. Bei den meisten Umbauten an Blattfedern oder Achsen finden die Räder dann selten wieder eine Flucht und das sieht komisch aus wenn dir solche „Querfahrer“ entgegen kommen. Bei dem hier nur etwas überstehende Räder.

Ein weiterer Kontrollstop, von dem es doch einige uf der Strecke gibt und dann biegt auch direkt schon die Piste ab die zunächst in bewegten Bildern gezeigt noch eine breite Schneise ist auf der man auch mal 60km/h fahren kann.

Das Problem ist immer das Vertrauen keine der immer unangekündigten Schlaglöcher oder Bodenwellen zu übersehen. Auf Schotter bremst sich’s Scheiße und bei nem Abflug ist schnell mal was kaputt. Mich hetzt ja auch nix und ich hab bald wieder mein Lieblingstempo 5.Gang Standgas eingelegt. Nach den nächsten zwei größeren Dörfern ist auch schnell Schluss mit viel Gegenverkehr. Lastwagen im Grenzverkehr nutzen die Übergänge weiter östlich. Die Piste hier wird dann kleiner.

Irgendwie doch schon ein idyllischeres Fahren, wenn auch der Zustand schlechter ist. Aber mit weniger Verkehr auch weniger Staub und mehr Natur am Wegesrand zu beobachten. Ich will ja nicht schnell vorankommen sondern was sehen. Viel ist es allerdings auch nicht, Cashew Plantagen und zur Zeit echt trockene Einöde.

Das kommt anscheinend auch davon, dass die frühere Hauptroute anscheinend kaum noch frequentiert ist und ich an der letzten Abzweigung wohl doch nicht auf meine Karten hätte hören sollen. Die schlimmsten Abschnitte aus dem folgenden Video befanden sich dann in diesem Bereich.

bekomm ich grad nicht eingebettet, also klick…

So kam ich an einem ziemlich abgelegenen Dorf vorbei, und wurde noch auffälliger angestarrt als sonst üblich. Ich glaube vor zwei Wochen ist hier schon jemand aus dem Wüstenschiff Forum durch, das wären dann zwei Weiße und das Gesprächsthema der nächsten Monate. Im Dorf gegenüber der sonstigen Dürre schöne grüne, schattenspendende Mangos mit schon kleinen Früchten und noch einigen Blüten…

Es zieht sich heute also alles etwas länger hin. Hatte auf den ersten paar Kilometern der Piste zwar übernachtet und bin direkt am frühen Morgen weiter, aber wie gesagt mehr als 50kilometer in zwei Stunden schaffen ist nicht drin. Mittagszeit steht an und in den kleinen Dörfern natürlich nix zu bekommen, Ich selbst hab keinen Bock mit dem ganzen Staub im Haus meine Küche anzuschmeissen. Die Hoffnung stirbt zuletzt und wie der Zufall so will komme ich beim letzten Militärposten des Landes genau pünktlich zum Essen. Mit einer Einladung haben die Jungs hier ihr Ansehen der Kameraden vom Wasserfallvorfall wieder einigermaßen wett gemacht. Hab diesbezüglich übrigens keine Nachwirkungen in Absprache mit der Botschaft angegangen, hätte nix gebracht. Da sitze ich also unter nem schattigen Baum und die WALKÜRE mit Atlas steht auch im Schatten. Mit meinem Löffel lasse ich mir den Reis und Fleisch mit drei Uniformierten schmecken. Ordentliche Portion und ich kann mich satt schaufeln. Immerhin Essen die hier alle im Gegensatz zur sonstigen Bevölkerung auch mit Löffeln. Ob das Zwang ist wenn man Uniform trägt?

Der Rest der Routine ist nach dem Mahl mit vielen Gesprächsthemen unkompliziert. Meine Daten werden in ein Buch übernommen, sonst nix. Ich bekomme nix, keinen Stempel oder Zettel, soll weiter zum Zoll. Der befindet sich ein Stück weiter auf dem zentralen Platz von Manakoro, wieder mit Schattenparkplatz. Der Zettel mit den Fahrzeugdaten wird säuberlich von der Quittung getrennt welche ich behalten darf, das war dann hier die Abfertigung. Und wie geahnt hat sich keine Sau für das Motorrad interessiert außer ob es käuflich zu erwerben wäre…

Kommt noch die Polizeistation mit Stempel für den Pass. Doch irgendwie ist mit nach Mittagspause und der Schatten tut gut. Ich schmeiße also den Rechner an und nutze die letzten Megabyte der nun wieder auslaufenden Telefonkarte. Alles neu hinter der Grenze, wie üblich.

Die Polizisten ertappe ich dann später trotzdem in der etwas längeren Pause, hier kommt sonst eh keine Sau vorbei. Alle liegen sehr entspannt in selbstgebastelten Liegen vor dem Häuschen unter einem Mangobaum. Ich bekomme meinen Stempel zum Verlassen des Landes unter den Eingangsstempel im Pass und bin nun offiziell nicht mehr in Mali. Falls das drüben nicht klappen sollte kann ich mit meinem Visum zumindest hier nochmal einreisen, hab „2entrees“ bezahlt.

Aber irgendwie kommt erstmal keine Grenze zur Cote d’Ivoire. Eine anscheinend groß und neu geplante Strecke führt ins Nichts. Eine Abzweigung die mich dann immernoch in Mali halten würde, kein Schild ich folge trotzdem meinem Instinkt schnur nach Süden.

Es sind einige Kilometer bis zum ersten Posten der aus einem Militärzelt vorgelagert einer ummauerte Anlage besteht. Seil über die Straße gespannt und alle Beteiligten im Schatten sitzend. Die große Mauer mit Toren wird wohl mal die Grenze, jetzt sitz hier nur der Zoll. Zuerst aber wollen die Militärjungs ihre Langeweile mit meiner Anwesenheit bekämpfen. Aber für Grenzen nehme ich mir ja immer einen Tag Zeit. Zwei wollen also mal Innen gucken und das sogar ziemlich gründlich wenn auch alles grad voll staubig ist und sie ihre Schuhe ausziehen mussten, ich hab wie üblich erst gar keine an. Ich hätte ja Waffen oder Drogen schmuggeln können, dass ihn aber mein Kulturbeutel und diverse andere Kleinigkeiten interessiert erklärt sich dann beim Verabschieden, er hat selbst nach einem Geschenk gesucht. Und mich rotzfrech nach meiner Maglite gefragt die am Eingang liegt. Nach Taschenlampe betteln, nix da, Abfahrt.

Die Zöllner waren drei lustige Kerle in Zivil. Einer wollte mein Moped kaufen, der Andere wurde grad beim Autowaschen unterbrochen und der Dicke hat wohl geschlafen. Das einzige was sie Wissen wie damit umzugehen, kann ich nicht bieten; ein Carnet de Passage. Also helfe ich den Profis aus und beschreibe Hörensagen, dass ich in der nächsten Stadt Odienne eine Vignette Touristique bekommen werde. Hier trägt man mich also in ein Buch ein und nach etwas Palaver hab ich auch diese Station also schon die Fünfte seit Mittag absolviert. Der Zoll also die Douane hat übrigens nicht in mein Haus gucken wollen, Info mit Küche und Bett hat denen gereicht.

Dafür aber ein Stück weiter und immer noch eigentlich nur von Wald umgeben zur Abwechslung die Gendarmerie erneut zur Wohnungsbegehung. Oberflächlich und von unten, da ihm der Sprung auf die Terrasse wohl zu wagemutig erschien. Sonst ein Blick in den Pass und weiter darf ich. Es folgen einige Kilometer nix und ich frage mich wann und ob mal jemand meinen Pass stempelt. Es gibt wieder etwas Verkehr mir begegnen Laster und Leute auf Mofas oder zu Fuß, alle freundlich und staunend am Winken. Oder weil ich sie dazu mit meiner fuchtelnden Hand animiere. Ich lege mitten auf der Straße eine Pause ein, Snack zwischendurch und Sonne tanken bevor der Tag auch bald schon um ist. Hätte mir auch fast schon einen Platz gesucht aber wollte doch noch etwas sehr staubige Piste hinter mir lassen. Der Belag immer noch weit weg von geplantem Asphalt, zwar breiter und besser, dafür dieser verhasste graue schwere Staub der jede Ritze findet.

Ich schlucke auf jeden Fall die nächsten Kilometer öfter mal ne Menge Staub, wie lange das nach einem Laster in der Luft steht mal hier zu sehen.

Im nächsten Abschnitt, und das wahrscheinlich schon 10-15Kilometer hinter dem Posten der wiederum 10km hinter der in meiner Karte gezeichneten Grenze liegt dann eine kleine Hütte am Wegesrand, vielleicht 10qm mit offener Veranda und Matratze darin. Der Polizeiposten „Frontier“ also für die Grenze zuständig. Quasi mitten im Walde bekomme ich dann meinen Einreisestempel für die Elfenbeinküste. Eigentlich ein ganz entspanntes Gespräch und auch der Kollege sehr nett, doch der erste Kerl wird mir dann zu gewissenhaft. Er sucht anscheinend nach etwas, da ich ihm die Geschichte mit dem Zoll und der Vignette erzählen musste da er eine Karte sehen wollte die ich nicht habe. Na dann muss er nochmal das Innere Untersuchen, Klappe wieder auf, immer noch alles staubig.
Ok, alles wieder zu. Danach will er meinen Impfausweis sehen… hätte auch ein paar Minuten früher sein können, der ist hinten drin, also klettere ich durch den Durchgang. Er studiert den mehrfach als wenn er Experte ist und lässt mich einfach nicht weiter. Telefoniert anscheinend wegen der Zollkarte noch ein paarmal und will dann auch noch die Moped Papiere sehen. Während dessen unterhalte ich mich aber ganz locker über alles mögliche mit dem Anderen der wohl grad Frei oder Bereitschaft hat. Irgendwie überredet der den dann anscheinend mich fahren zu lassen, da ich auch langsam dränge weil die Dämmerung nahe ist. Haber Tag mal wieder für eine Grenze die immerhin auf 25km Piste verteilt ist.
Herzlich Willkommen in dem Land genannt Elfenbeinküste, Ivory Coast oder Cote d’Ivoire. Zum ersten Mal hier und damit Nummer 37 auf meiner Liste dieser Welt. Nur eines davon per Flugzeug besucht und das war eine Insel von Griechenland kurz nach der Wende. Fast ein Dutzend weitere zur Zeit bei der Marine darunter erneut Griechenland (Türkei, Ukraine, Dschibouti, Ägypten, Mittelmeerraum) und den Rest dann auf eigener Achse (Europa-Westafrika), und drei bisher nur mit dem Motorrad (Schweden, Finnland, UK) weil jeweils die Fähre zu teuer für vier Räder war. Aber eigentlich waren das geile Motorradreisen mit Kumpels und Zelt als ich noch keinen Hund zu betreuen hatte. Die Welt hat trotzdem noch so viel zu bieten:

Was „CI“ abgekürzt dann nach dieser Piste zurück in der Zivilisation so zu bieten hat, demnächst zu verfolgen …

Ein Gedanke zu “250km Piste zur Grenze Mali / Elfenbeinküste…

  1. thorsten schreibt:

    Ich stell mir gerad vor, wie einen Zöllner an der deutsch-schweizerischen Grenze zum Essen einladen und in Liegestühlen in der Sonne dösen….

    Berichte bloss weiter, es macht meinen Sonntag schöner!

    Der Schrauber aus dem verrregneten Sibbesse

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