Piste von Manantali nach Bamako / Mali

Ich bin also wieder mal total geerdet, erholt und bereit für neue Abenteuer. In der Woche im Cool Camp gab es genug Zeit die blogs zu aktualisieren und mir Gedanken über die nächsten Etappen zu machen. Kurzfristig hatte ich überlegt nen Abstecher nach Senegal zu machen. Dort Einreisen ist von Mali aus unproblematisch, Visa nicht nötig und auf dem Rückweg hab ich noch eine zweite Einreise zur Sicherheit übrig im Mali Visum. Der Osten des Landes mir noch unbekannt und ein Nationalpark nur 350km entfernt. Die Bewertungen und Berichte aber nicht sehr überzeugend und es gibt weit interessantere Parks auf dem restlichen Kontinent.

Auch habe ich etwas Zeit in die Walküre gesteckt… minimal er Service, Abschmieren, Öl kontrollieren etc, sehr zufriedenstellend. Und aufgrund der nächsten Abschnitte wieder die Räder gewechselt, die dicken Schlappen hebe ich mir für die Regenzeit auf, Profil kann ich da noch gut gebrauchen. Beim Packen sah das Heck ohne Wanne und Reifen also mal ziemlich kahl aus.

So war dann der Abschied gekommen. Ich kann das Cool Camp nur jedem Reisenden empfehlen, Caspar hofft dass die Islamisten nicht die Oberhand gewinnen und bleibt hier. Toller Platz um sich zur Ruhe zu setzen. Die Jungs bekamen von mir noch jeder ein T-Shirt und verrichten weiterhin glücklich ihre abwechslungsreiche Arbeit. Ist schon ein Privileg hier ne Festanstellung zu haben und sich nicht täglich irgendwo anbieten zu müssen. Angemerkt sei noch, dass von 7-18 mit Pause von 13-15 Mo-Sa Dienst zu tun ist. Völlig normal und das Mittagessen wird vom Arbeitgeber bezahlt. Das übrigens, hat immer die Mutter vom ältesten bereitet, wir waren einmal zusammen dort zum Abholen. Die Jungs sind zwischen 16-20 Jahre alt und leben alle zuhause bis geheiratet wird. Das Gehalt bekommen also die Eltern und mit 25.000cfa für hiesige Verhältnisse ganz gut. Umgerechnet 40,-€ Monatslohn, da bleibt nicht viel zum verjubeln und die Shirts sing dankbar angenommen.
Mein Weg führt also letztmalig über die Brücke des Bafing parallel zum Staudamm und vorbei am Ort Manantali. Vorne den Berg hinauf.

Und ein letzter Blick zurück in das doch recht trockene Tal… Dabei, von der Sonne etwas geblendet, der grüne Bereich hinterm Wasser das Camp. Es geht also, und der Mensch mal wieder selbst Schuld. Als Caspar hier vor 8Jahren eintraf war der Bereich im Vordergrund, also gegenüber vom Camp noch komplett dichter Wald. Doch der Bedarf an Feuer- und Bauholz sowie die Schaffung von Ackerfläche und Erosion durch Ziegenherden haben es soweit gebracht.

Eine Straße führt den Berg hinauf, ab dort oben dann nur noch Reste des zu erahnenden Fahrbahnbelages sporadisch zu sehen. Ein Großteil der nächsten 100km sind dann rote Piste und Schlaglochstrecke.

Anfänglich eher noch mehr Belag als Dreck, später 100% Naturboden festgefahren.

Immerhin wird mal wieder ausgebessert. Die doch teilweise recht tiefen aber rundgefahrenen Löcher werden einfach aufgeschüttet und planiert. Es schaukelt sich also zumindest ohne übermäßig viele grobe Schläge mit 25km/h durch die Prärie.

Unter 4 Stunden schafft man also kaum, und dann hat man erst die Hauptstraße erreicht die über Kita nach Bamako führt. Mal schauen wie weit ich komme, und was es so zu sehen gibt. Baumwollernte wohl auch schon beendet. Die fast leeren Stängel auf den Feldern überall zu sehen.

Und in einigen Ortschaften, also kleinen Dörfern die ich passiere, auch Sammelplätze für das fluffige Zeug das die Textilindustrie reich macht und hier den Menschen gerade zum Überleben reicht.

Niantasso ist die einzig größere Ortschaft und vielleicht sieht man in einer Luftaufnahme ja die riesigen Weißen Wolken am Boden liegen. Zusammengetragen mit Eselkarren und vorbereitet für den Abtransport per LKW. Am Wegesrand der roten Piste und trotzdem strahlend weiß. Hatte schon überlegt einmal reinzuspringen.
Wenn die Gegend mal nicht mit Feldern bebaut sind, dann wird der „Wald“ anderweitig genutzt. Feuerholz dann meist auch wirklich schon trocken und angekokelt, da Brandrodung nötig ist um durchs sonst dichte Gestrüpp mit meterhohem trockenen Gras zu gelangen.

Ansonsten wie gesagt Trockenzeit, wie es hier zur Regenzeit ausschaut wage ich gar nicht abzuschätzen.

Hier mal ein Lichtblick für zukünftige Passanten, knapp 300m hatte ich frisch geschobene Piste vor mir, haben wohl gerade angefangen.

Denn auch ein paar neue Befestigungen für Flussläufe die dann mit stabilem Untergrund durchfahren werden müssen sind gerade im Bau. 4 oder fünf habe ich passiert und das mit gewaltigem Staub aus der Umleitung. So würde der Boden aussehen wen nicht zusätzlich rote Erde aufgeschüttet werden würde.

Das kann man sich jetzt so vielleicht nicht vorstellen, aber der fein zermahlene helle Staub aus Lehm klebt auch trocken überall an und liegt hier gut 10cm locker oben auf. Jede Durchfahrt, egal mit welcher Geschwindigkeit, erschafft eine gigantische Wolke die durch den Sog hinterm Fahrzeug mitgeführt wird… und natürlich auch hinein.

Vielleicht bekomme ich das irgendwann mal ins Bild, man wäre dann aber direkt der Wolke ausgeliefert… da bleibe ich lieber vei kleinen Videosequenzen die eher zur Mitfahrt einladen:

Zuletzt gesehen eine weitere Ortschaft die wohl zum Wochenmarkt taugt. Typische Stände mit Strohdach zur Isolierung gegen die Sonne.

Und dann mal ein recht hübscher und noch sauberer Fluß. Kenn ich am Niger in Bamako anders…

Nicht mehr weit bis zur Hauptstraße, die relativ gut vom Zustand und immerhin auch mit Mautstation bei Kita. 500cfa fällig. Die Stadt zuvor… naja, ich spare mir Bilder, schnell weiter. Ich will heute noch Strecke machen und in der Wildnis weit vor der Stadt übernachten.

Der Plan geht auf und mit der Dämmerung starte ich auch die letzten 50km Strecke zur Hauptstadt. Ich habe eine Mission, Visa erhalten. Meine Pläne wie gesagt durch Recherche und Gespräche mit anderen Overlandern etwas abgewandelt. Eigentlich wollte ich durch Burkina Faso um im Zentrum von Mali Sehenswertes zu besuchen. Lieber nicht, das Land dort quasi im Kriegszustand. Also Heißt Plan B über die Elfenbeinküste nach Ghana einreisen. Direkt zur ersten Botschaft und relativ zügig und freundlich sowie hilfsbereit bearbeitet. Pass, Impfausweis, Versicherungskarte, Mali-Visum … was die alles sehen wollen. Viele Kopien, die zum Glück dort gemacht werden und auch ein Passbild macht der Pförtner am Eingang und schickt es per Telefon zum Boss. Ich bin knapp zwei Stunden dort und mein Pass weitere zwei Tage… Und für diesen Service lässt man sich fürstlich belohnen. 30Tage Aufenthalt in Cote D’Ivoire kosten 60.000cfa also 92,-€. Ein Kumpel hat fürs gleiche Visum in Bissau ausgestellt 30.000 bezahlt.

Es ist mittags und der erste Teil geschafft. Ab zur Ghana Botschaft, ich hab ja nicht umsonst noch nen zweiten Pass. Die ist jedoch leider umgezogen… auch besser so denn in dem Ghetto wie vorher hätte ich kein Konsulat erwartet. Sie residieren jetzt direkt gegenüber der USamerikanischen Präsenz hier, die gigantisch und massiv gesichert ist. Parkplätze aber kein Problem.
Das Visum für Ghana war schon eine schwerere Angelegenheit. Vierfache Ausfertigung, ich solle also drei Kopien machen, dazu auch das Mali Visa, was ja im anderen Pass ist… zum Glück abfotografiert. Anderer Pass? das geht ja gar nicht, doch geht schon und mit etwas diskuttieren wurde auch der akzeptiert. Es wurde aber noch eine Einladung von jemandem aus dem Land benötigt, am besten zwei Personen, Adressen hab ich von nem anderen Reisenden bekommen und den Brief also selber geschrieben. Erstmal auf deutsch, damit das nicht so auffällt, blöde Idee, musste nochmal hin um den in englisch abzugeben. Da steht wirklich nur ohne viel Tamtam hiermit lade ich….Mr. XY den Reisenden Philipp nach Ghana ein… Aber wird so gewünscht.

Ich war mehrfach dort, die Dame am Empfang nimmt alles entgegen und mit meinem Charme ging das dann auch. Ich hatte nicht genügend Passbilder und diese dann auch mit den Kopien kopiert (farbig und teuer)… wurde dann auch akzeptiert, da es ja auch nur ein Original und drei Kopien gibt… naja, wir hatten unseren Spaß und am nächsten Tag war auch hier der Pass deponiert und in Arbeit. kostet übrigens 30.000cfa für drei Monate, Ghana also reisefreundlich.

Doch wie und wo hab ich die Nacht verbracht… nun ja, nicht wie geplant. Das Sleeping Camel war beim letzten Besuch hier eine tolle Basis direkt hinter der deutschen Botschaft. Diese Lokation jedoch musste weichen und der historische Platz in der Overlanderszene ist nun dem Erdboden gleich gemacht.

Das Bild hinten an der Wand erinnert noch an die entspannte Atmosphäre der früheren Lounge.

Den ganzen Beitrag zum früheren Besuch hier zum Nachlesen:
https://mb407.wordpress.com/2018/02/11/bamako-hauptstadt-in-mali/
Das Sleeping Camel ist zum Glück nur 300m weiter ähnlich wieder aufgebaut. Mit Bar und Restaurant… die Dinge die mich dort am wenigsten interessiert haben… aber leider kaum ncoh Platz für Reisende. Die Einfahrt am Tor knapp 230cm hoch und die Stellfläche vielleicht 10qm direkt am Eingang wo jeder vorbei muss. Nein Danke, da stehe ich doch lieber in der Sackgasse am alten Standort, was auch erst mit den Guards der Umgebung und der deutschen Botschaft abgesprochen werden musste. An sich ne ruhige Nacht, aber mit der Nähe zum Fluss die mückenreichste bisher, ein unglaubliches Gesurre und Atlas sicherlich einige Male attackiert.

Außerdem ist es unangenehm warm, aber es gibt ja meist was zu meckern…

Ich musste zeitig unters Moskitonetz und war doch recht ausgeruht am Morgen fit für neue Behördengänge. Also wieder rein ins Zentrum…

Den Rest vom Bericht vertage ich dann auf später. Ich hasse Großstädte… hoffe es zieht sich nicht so lange.

7 Gedanken zu “Piste von Manantali nach Bamako / Mali

  1. bern-alive schreibt:

    Hallo Philipp,
    Also doch nicht von Norden her über Burkina. Schade, das ist eine schöne Route. Aber über die Elfenbeinküste und Ghana sich nicht schlecht. Ich wollte dir im Norden von Benin eine Anlaufstelle schicken, alter MB-Truck Schrauberfreund. Ach egal, kann ich ja auch hier bei den Kommentaren posten, weil Resort im Double W, kann Clienten gebrauchen. Gib Bescheid, wenn es dich dorthin treibt.
    Lgb

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  2. Jens schreibt:

    Passt jetzt nicht ganz zum Thema, aber: Ich hab meinem Bruder gerade deinen Blog empfohlen, weil der momentan in Frankreich und Spanien mit dem Bus unterwegs ist. Nur leider findet man gar keinen Einstieg bei dir, weil es keine Suchfunktion gibt.
    Bitte einführen, das sind nicht viele Klicks im WP.
    Danke und weitermachen! 😀

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