Ein Stausee in Mauretanien, etwas anders.

Ich bin wieder auf der Piste am Fluss Senegal und fahre in Richtung südlichste Spitze Mauretaniens. Irgendwie immer noch zu viel Sand in der Luft und auch die heutigen Bilder also Sahara-trüb. Ich muss einige Ortschaften und später auch Bogue und Keadi passieren. Alles nicht nennenswert oder erst Recht nicht vorzeigbar. Interessant aber, dass ich langsam auf Verwandtschaft der WALKÜRE stoße und diese natürlich am Straßenrand etwas genauer in Augenschein nehme.

Der erste Kandidat dann bei meinen Busfreaks Freunden ein wahres Freudenfeuer, ohne euch hier mit Details zu nerven. Da hat jemand die Achse vom Nachfolgemodell eingebaut, etwas breiter und das Blech angepasst… und wohl auch einige Kleinteile vergessen. Eine Bremsanlage hatte dieser Düdo an der Hinterachse nicht mehr.

Der zweite Kandidat heute sah schon eher aus wie ein Wrack am Straßenrand, aber fahrtüchtig und wie es roch mit Fisch beladen. Die Pfütze stammt von dem schmelzenden Eis im Inneren.

Der Fahrer saß sogar in der Nähe und schnell bildete sich eine Traube von Interessierten, wenn schonmal ein Sternenfahrer nen Kollegen begrüßt. Der arme Laster nur noch ein Haufen Blech und Rost, aber tut täglich seinen Dienst, auch wenn der Fahrer wohl mehr von Fisch versteht als von Technik. Er fragt mich warum sein Lenkrad so schwer dreht, quasi fast überhaupt nicht konnte man hier das Ruder rumreißen. Klarer Fall fehlendes Fett in der Vorderachse. Jedoch half auch meine Fettpresse nicht mehr viel, denn mit 5-10mm Höhenspiel (oder sogar beidseitig fehlenden Buchsen) und unten fehlenden Schmiernippeln kann man die auch nicht mehr gängig wünschen. Zumindest kennt er jetzt die Ursache und kümmert sich hoffentlich. Soviel zum Thema Nachhaltigkeit in Afrika, vergiss es, Wartung ein Fremdwort. Alles wird so lange benutzt bis es in der Ecke verschwindet, und (frühere) deutsche Technik hält selbst ohne Service nun mal am längsten.

Zweimal exakt das gleiche Auto ein kurzer, flacher 508. Der eine frisch restauriert auf Jungfernfahrt, der andere mit 300.000 auf der Uhr nur noch ein Wrack mit vielen Baustellen. War ne lustige Runde.

Und aller guten Dinge sind drei, zum Abschluss noch ein weiteres Arbeitstier, diesmal mit sogar anständiger Bereifung. 7.50er auf 16Zoll an der Vorderachse, Goodrich kann auch ordentliches Profil.

Ich klemme mir wie gesagt Fotos der Ortschaften, kein Unterschied zu überall anders, roher Beton, eingeschossig und alles wichtige vor der Tür. Müll und Sand auf den Straßen dass man die Fahrbahn nur erahnen kann. Ich muss mal wieder tanken und nutze wie üblich die Chance nach Wasser zu fragen. Klar, hinter dem Haus ist der Anschluss. Das muss aufs Bild.
Wahrscheinlich nachträglich ans Netz geschlossen, denn mitten in der Einfahrt vor nun sinnlosem Tor zwei Leitungen mit Wasseruhr und selbstgebasteltem Schloss davor. Man kann es kaum vor Dreck unterscheiden der Auslass zum Glück genau in Kanisterhöhe, hat mal einer mitgedacht.

Und die zweite Rettung des Tages steht auf dem Plan. Während ich an dieser Kreuzung warte bis meine Papiere abgeschrieben sind (weigere mich strickt Zettel vorzubereiten, die sollen ruhig mal arbeiten) sehe ich vor mir diesen Benz mit Publikum. Ladungssicherung stand auf der Agenda und das an der Heckklappe eingeklemmte Seil sollte das Gegenstück zur Befestigung vorne werden. Leider machte Das Heckblech nicht mit und ließ erst gar nicht das Schloss einrasten. Ich hätte die 5minuten vorher im Zeitraffer filmen sollen bevor ich erbarmen mit dem Autowagen hatte und mal nachschauen ging wo das Problem lag.

Der Typ hat echt immer und immer wieder mit mehr oder weniger Schwung auf den Deckel gedrückt um die Klappe einrasten zu lassen. Auf die Idee, mal nach der Flucht der Falle zu schauen kam er nicht. Das hat dann der Herr Ingenieur aus Deutschland erledigt. Bei dem rostigen Heckblech kein Wunder, ich musste es knapp 5cm ziehen damit endlich der Kofferraum zu war und damit auch die Betten oben für die Fahrt gesichert… oder wie auch immer.
Ich hab mal wieder nix bestimmtes geplant. Nach Auskunft der Kontrollposten kann man hinter Foum Gleita an den Stausee gelangen und sich das mal ansehen, ist ja nicht überall so einfach. Also 25km Umweg eine Tour in Kauf genommen und irgendwie ein recht hübsches Plätzchen für gut befunden auch die Nacht zu verbringen.

Direkt an der Staumauer quasi und irgendwie die ganze Anlage verlassen, alles steht offen, niemand schert sich um nix. Das Ablaufbecken eine braune Brühe aber bei dem Druck der durch den Damm fließt kein Wunder. Auf der anderen Seite Fischer in Booten die immer wieder mit Netzen agieren. Ich mach mich auf zur Wanderung, Atlas steht Wache.

Auf der anderen Seite des Damms hat die Brühe keine klarere Farbe und mein erhofftes Bad kann ich damit vergessen, wenn es nicht gleichzeitig ne Schlammpackung werden soll. Die Steinformation zu beider Seiten ist eine Art Falte in der Umgebung des Plateaus, welche sich hier etliche Kilometer durchs Land zieht und den Platz für den Damm entschied. Tief kann der See nicht sein, man sieht überall noch Baumwipfel herausragen. Bekommt man aber nicht aufs Bild. Denn in die andere Richtung geknipst verschwimmt der trübe Himmel mit der milchigen Brühe zu einem Aquarell wie es nur wenige malen möchten.

Ohne den Blütenprächtigen Baum im Vordergrund auch sehr uninteressant. Etwas über die Felsen am Ende des Dammes geklettert kommt man zur anderen Seite und ich kann den Vorplatz samt Truck überschauen. Bei schönerem Wetter wahrscheinlich ein toller Anblick mit den Bäumen am Ufer…

Interessanter heute aber das Treiben in der Umgebung. Fischen steht überall auf dem Plan, beidseitig des Damms. Am Ufer noch einige ungenutzte Boote samt Paddel und Netze, simpelste Ausrüstung.

Und auf der Ablaufseite mal als Video in Bewegung zu betrachten.

Die Fischer fungieren hier gleichzeitig auch als Fährmänner und irgendjemand will immer rüber. Es ist trotzdem ein ruhiger Platz und alles läuft sehr entspannt ab. Am Abend kommt die wohl tägliche größere Aktion bei der von Land aus mit einem Boot eine Schleife durch den ganzen See gefahren wird und danach das Netz zum Ufer gezogen wird. Das Ergebnis… nunja, was zu erwarten ist wenn das hier täglich passiert. Ein einziger Fisch ist groß wie ein Schuh, der Rest taugt eigentlich gar nix und müsste noch wachsen. Meinen Einwand versteht aber niemand, davon gibt es hier ja genug und viele kleine machen irgendwie auch satt.

Jedoch werden die nicht sofort zubereitet, sondern landen zum Trocknen auf dem Boden. Ein Dorngebüsch drüber zum Schutz vor Fressdieben und was übrig bleibt sind dann Fischchips? Anfassen sollte ich die stacheligen Dinger aber nicht, der große an der Flosse auf dem Rücken ist wohl gefährlich. Nette Leute aber wie überall, im Einklang mit der Natur ist anders. Auch findet man wie überall wo es um Fisch geht ausgediente Kühlschränke rumliegen. Die Beschreibung taugt aber nicht annähernd mehr was den restlichen Schrott noch mit dem Original verbindet. Durchgefault und meist ohne schließende Türen, dient zumindest die Isolierung etwas zur Lagerung…oder? Auf jeden Fall haben die Dinger hier ihren finalen Ort nach Produktion und Nutzung erreicht.

Denn wenn gar nix mehr geht holt sich der nächste Regen mit der Flut die restlichen Dämmstoffe die ja nirgends entsorgt werden könnten. Aus den Augen aus dem Sinn… weg.
Am Abend kommen doch noch ein paar 190er Benz je vollgepackt mit schick gestyltem Ausgehvolk. Junge Damen und Herren in besten Klamotten mit dem Ausflugsziel Wasser gucken. In der Wüste Mauretaniens schon ein Highlight wo es sich lohnt 100km zu fahren. Soweit ist die nächste größere Ortschaft weg. Auf dem Rückweg hab ich mal Foum Gleita abgefilmt, das namensgebende Dorf auf dem Weg hierher, naja…

Der Himmel etwas klarer aber noch nicht rein. Mein Weg zurück zur Kreuzung und weiter nach Mbout, einer Stadt etwas abseits der Hauptstraße. Der Schlenker zum Einkaufen mit dem Ziel Obst und Gemüse… sinnlos, hätte ich mir sparen können, gibt nix. Nur ein einziges Element lohnt sich abzulichten. Die Moschee, mal etwas anderes.

Danach geht es im üblichen Trott auf die relativ gute Straße weiter südlich. Die Landschaft noch immer Wüste und weit zu überblicken, trotzdem halte ich 50km/h für angemessen wie ab und an kleine Hindernisse beweisen.

Das Klima wie seit Wochen trocken und warm, in der Sonne darf man es sogar heiß nennen. Schatten um die Mittagszeit zu empfehlen. Wenn daran Mangel herrscht entsteht sowas… soll noch einer sagen “dummer Esel”

Ich erreiche das Dorf Agouinitt und finde es seltsam einladend. Das schau ich mir mal genauer an, denn nicht nur die schon von Weitem sichtbaren Moscheen stechen ins Auge. Auch die Häuser und Höfe scheinen hier längerfristig angelegt und besser gepflegt. Ähnlich im Baustil der zuletzt gezeigten Doppeltürme mit Balkon hat die hier andere kleine Details. Außerdem mal eine Freude etwas Farbe zu erblicken.

Nicht weit weg dann ein weiteres hübsch verziertes farbenfrohes Haus Allahs. Um die Moscheen ist ganz normal und relativ eng das komplette Dorf gebaut.

Dass aber doch etwas Leben auf dem Platz davor abgehen muss zeigen diese vom Boden losgelösten, schattenspendenden Lümmelecken. Mittagshitze in Ruhe und so…

Nummer drei, wenn auch nicht so farbenfroh doch ebenfalls vorzeigbar. Auch hier hätte mich sehr die Innere Ansicht interessiert…

So hat also dieses Dorf eine handvoll und damit wahrscheinlich überproportional viele Gotteshäuser die auch noch weit gepflegter sind als der Durchschnitt. Agouinitt also ziemlich interessant, mal schauen was meine erfahrenen Leser dazu berichten können. Denn auch einige Gebäudeteile und Reste sind nicht im typischen Stil.

Dieser Blick auf einen Hof mit Lehmmauer umzäunt und auch der komplette Hof mit gestampftem Lehm als Untergrund für das tägliche Leben im Freien. Der zentrale Bau mit der Veranda erstaunt mich da doch schon.
Ein Stück weiter verirre ich mich sogar in einen solchen Hof der aber anscheinend von mehreren Familien bewohnt wird, ziemlich weitläufig bis ich mitbekomme dass es kein normaler Weg durchs Dorf mehr ist.

Denn außerhalb doch wie gewohnt staubig. Hier hab ich drei Jungs beim Spielen beobachtet. Ne Art Boule wie es die Franzosen spielen mit Steinen und dicken Schrauben.

Zumindest haben sie ne Gasse erwischt die relativ sauber ist. Wenn auch die Ortschaft ziemlich gepflegt erscheint gibt es weder Müllentsorgung noch Abwasser und irgendwie muss das ja trotzdem weg…

Ich bin wieder im Sattel und halte für heute letztmalig an einem Gebäude das sich abzulichten lohnt. Moderner geradliniger Baustil aber im gleichen Kleid wie zuvor. Etwas größer und alleinstehend an der Straße mit dem Dorf dahinter. Der Anblick mit der Farm im Vordergrund erinnert irgendwie an ein Krippenspiel.

Ich hoffe wirklich dass mein Plan aufgeht und ich nicht in eine Sackgasse hinein fahre. Laut meinen Karten hören alle Routen in Selibaby auf, wenn auch der Senegal und Mali mit je 50km nicht mehr weit sind. Die Grenze zum Senegal ist aber immer noch der Fluss und die Fähre am Stern Ghwry sicherlich auch nur ein Kahn. Ich will aber nach Mali obwohl ich laut Visum ne Woche zu früh dran bin und ich die nicht hier in der Ödnis abwarten möchte. Plan B wäre dann doch den Weg über Kankossa nach Kiffa und auf die Route nach Nioro die ich zuletzt als Grenzübergang nutzte. Da käme ich doch nochmal bei den Sahara-Krokodilen vorbei, die ich sonst leider verpasse. Würde aber auch einen Umweg von 500km ausmachen. Laut Internet Recherche kann man die Grenze in Richtung Kayes hier nicht passieren, 150km quer feldein, abwarten und selbst rausfinden steht also an. Meinem Untersatz traue ich ne Menge zu und Sanddünen gibt es zum Glück keine mehr.

Selibaby dann auch nur ein weiteres sandig vermülltes größeres Dorf mit zentralem Marktplatz. Immerhin Banken, Tanke und 3G Internet. Ich werde meine letzten Datenmengen los indem ich mir die neuen Vikings Serien mit Anleitung eines Kumpel illegal auf meinen Rechner ziehen kann. Netflix oder Bezahlfernsehen gibt es hier erst Recht nicht. Sorry, schäme mich als Ersttäter. Für heute aber schon zu spät um den Sprung in die Wildnis zu starten. Eine letzte Nacht nahe Zivilisation wie sich später rausstellt. Etwas südlich vom Ort mit wahnsinnigem Panorama.

Hund glücklich, Hungergefühl nach gutem Mahl auch verschwunden und zeitig wie üblich mit etwas Kino ins Bett.

4 thoughts on “Ein Stausee in Mauretanien, etwas anders.

  1. PalmeArt.com says:

    na Du bist ja mutig, dort lauert doch hinter jedem Stein eine Schlange und er spatziert dort locker rum … wen hat denn Atlas dort angebellt war gar keiner zu sehen. Schöne Fotos

    Gute Fahrt mein Bester

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  2. Roger-T. says:

    « ..weigere mich strickt Zettel vorzubereiten… »

    Kann ich nur begrüßen! Ich lehne diesen – leider muss ich sagen – typisch teutonischen Bückling, mit dem man sich so demonstrativ in die administrative Prozedur beugt, auch ab. Entweder ist es vorauseilender Gehorsam, oder aber unverblümter Egoismus.
    Jeder der danach ohne säuberliches Formular erscheint, muss inzwischen schon mal mit Stirnrunzeln rechnen. Ausserdem kann man – eben durch längeren Schreibkontakt an oft einsamer Stelle – auch so manch interessantes Gespräch führen. Einige der Offiziellen schätzen es durchaus, vom eilenden Reisenden doch als Begegnung und nicht nur als zeitraubender Stolperstein wahrgenommen zu werden.

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