Ab durch die Wildnis zur Grenze Melge

Mein Nachtlager mit dem Videoclip im letzten blog also echt hübsch und ne Abwechslung zur sonstig vorherrschenden Wüste. Das Land nicht mehr komplett flach und mit Steinhügeln aufgelockert, dazwischen auch wieder ein paar Bäume, herrlich. Ich hab genug von der Wüste und hoffe sie nun hinter mir zu lassen.

Auf den letzten Kilometern gestern hab ich dann auch endlich wieder den ersten Baobab auf dieser Tour gesehen. Der typische Baum für den Sahel der meine Erinnerungen an Mali und den Senegal geprägt hat.

Diese knorpelig verkrüppelten, dicken Dinger sind sehr vielseitig nutzbar. Meist gestutzt und deshalb so verformt. Die Triebe dienen als Viehfutter und die Früchte kann man auch in der Küche verarbeiten. Jetzt im Winter aber meist kahl.

Schon recht imposante Erscheinungen, wenn auch nicht größer als Bäume in Europa, nur halt massiver in der Erscheinung. hier mal wieder ein paar bewegte Aufnahmen.

Soviel also zum Baobab der mich in meiner heutigen Etappe noch häufiger tangieren wird. Aber ich muss letztmalig durch den Ort Selibaby und vorsichtshalber tanke ich nochmal auf und fasse Wasser, da ich mich in ein ungewisses Abenteuer begebe.

Vom quirligen Marktplatz aus auf dem man immerhin Melonen kaufen kann geht eine echt miese, kleine, vermüllte Piste als einziger Weg nach Osten. Ich versichere mich durch Nachfrage bei einem Uniformierten und bekomme die Bestätigung dass das der Weg zur Grenze ist.

Für diejenigen die es später mal nachmachen wollen noch weitere Bilder….

Irgendwann ist man am Ende von Selibaby und wie gewohnt führen etliche Pisten in jede Richtung ab, kein Schild keine Hilfe. Ich bin mir unsicher und mache noch ne Ehrenrunde, dabei kann man sich aber ganz leicht noch mehr verfransen.

Also Augen zu und durch. Ich folge den hoffentlich häufigsten Spuren meiner Einschätzung nach und passiere den Friedhof der hier mal ein recht organisierter Platz zu sein scheint. Gräber mit einer Art Beschriftung und aufgelockert durch einige Wege dazwischen.

Die ersten Meter sind die schwierigsten, weil rund um Ansiedlungen der Mensch seine Spuren hinterlässt. Viele verschwinden mit ihren Ziegen zum Weiden oder holen Holz von immer weiter weg weil es gar keine Chance hat nachzuwachsen. Wenn dieser Gürtel “Nichts” dann passiert ist hat man es geschafft.

Die verfolgten Spuren bündeln sich und ich habe ein gutes Gefühl, die Richtung stimmt und der Zustand der Piste ist annehmbar.

Es gibt die eine oder andere leicht sandige Passage oder ein etwas tieferes Wadi aber alles ohne Allrad mit etwas Bodenfreiheit zu meistern.

Die Vegetation nimmt zu wie man auch im folgenden Zusammenschnitt einiger Passagen erkennen kann. Die Fahrt hier raus ins Niemandsland macht auf jeden Fall ordentlich Spaß und aufgrund der gut erkennbaren Spuren die schon recht geradlinig in die richtige Richtung führen bin ich entspannt und zuversichtlich.

Karge Ebene zwischendurch kennzeichnet dann eine nahe Ansiedlung mit ihren Konsequenzen für die Natur. Bis zur Grenze sind es wie gesagt Luftlinie 50km mit drei-vier Dörfern dazwischen.

Wen es interessiert und da ich gehört habe, dass einige Leser gerne mit google maps und co. folgen hier mal ein paar Eckdaten zu passierten Landmarken. Dorf bei N15°05’42.33 W12°07’40.19 und ein weiteres bei N 15°02’03.86 W 12°04’58.11

Bei einer Geschwindigkeit bis zu 35km/h, das aber eher die Seltenheit und einem groben Durchschnitt von 15-20 Kilometern pro Stunde hetzt mich ja auch nix und ich genieße die Umgebung. Ich würde also binnen der nächsten 60-90 Minuten die Grenze erreichen und falls der Übergang wirklich klappen sollte damit eine Rückkehr in diese hübsche Gegend vereiteln. Ich plane also mein Nachtlager und finde einen interessanten Platz mal wieder neben einem Baobab.

Was ich mich schon immer gefragt habe, warum haben die Dinger grob alle die gleiche Höhe, man sieht so gut wie nie kleine heranwachsende Exemplare… wie lange braucht so ein Kerl für diese Größe überhaupt? Ist die Ursache dafür mal wieder der Mensch mit seinen Herden die Jünglinge direkt auffressen? Ich glaube mal einen kleinen gefunden zu haben. schwer zu sagen da kahl und an eine Akazie geschmiegt. Sehr biegsam und weich auf jeden Fall, aus Sicht eines Pflanzenfressers weit attraktiver als die dürren Gräser oder stacheligen Akazien in der Umgebung. Letzte auch gerne von anderen Individuen angeknabbert.

Die Termite ist schon ein Baumeister der gerne seine Nahrung umschließt. Die meisten bisher gesichteten Hügel ohne erkennbare Bewegung, fast schon verlassen. Keine Ahnung welche Zeiten die Dinger sich als Saison und welche zum tief drinnen verkriechen wählen. Hier auf jeden Fall erst kürzlich Bautätigkeit nachzuweisen.

So habe ich also den ganzen Nachmittag Zeit die Gegend zu erkunden. Es passieren mich ganze zwei PKW also PickUps mit üblicher Ladung und irgendwie doch sehr beruhigend wenn auch erstaunlich auch ein alter Mercedes LKW der scheppernd weil unbeladen sich seinen Weg durch die Wildnis bahnt. Beruhigend, weil ich dann doch richtig sein muss und zweitens Morgen immer wieder markante Spuren vor mir habe, die eine Orientierung erleichtern. Zwillingsreifen fallen halt mehr auf.
Die Nacht war ruhig kann ich nicht vollkommen bestätigen. Zumindest alles was üblicher Lärm ist den man zu vermeiden sucht erreichte mich hier nicht. Aber es waren Geräusche der Wildnis die mich sogar aufwachen ließen. Ein Grummeln fast schon brunftiges Knurren. Aber nicht annähernd so dumpf wie man es von Löwen kennt. Und dann ein sehr markantes Geräusch, dass nicht viele Tiere fabrizieren, ein Kichern… na was könnte das sein? Nicht direkt nebenan aber auch nicht all zu weit weg. Atlas schläft, zumindest also keine direkte Bedrohung. Auf der Terrasse hab ich auch nix Essbares vergessen, also Zeit für ne Pinkelpause mit Taschenlampe.
Schon ein echt erhebendes Gefühl (Wortspiel) wenn man über einen Meter vom Boden weg ist und sich trotzdem im Freien befindet. Die Terrasse mal wieder eine der besten Ideen bei der Umsetzung meines Konzeptes. Ich kann aber nix erkennen die Lampe eher hinderlich da der Mond auch ohne künstliche Lichtquelle gut beleuchtet. Aber durch Büsche sehen geht halt nicht. Na dann zurück ins Bett.
Mich lässt der Gedanke nicht los, dass ich vielleicht eine Hyäne gehört habe? Hier im Sahel? Möglich wäre es. Aber am nächsten Tag bei der Weiterfahrt kommt mir eine andere Idee. Eine Horde Affen mit langen Schwänzen schlägt sich durch die Prärie. Zu weit entfernt fürs Foto aber gut mit dem Fernglas zu beobachten. 20-30 Tiere in einer sehr breit gefächerten Horde also nicht alle auf einem Haufen. Kichern können die auch, aber die typischen Affengeräusche hatte ich letzte Nacht nicht vernommen. Auf jeden Fall tolle Momente die mir wirklich und endlich zeigen, dass ich in Afrika bin. Die Sahara hinter mir gelassen, es geht weiter vorwärts.

Melge heißt der Ort der die Grenze markiert. Ich erreiche ihn wie eingeschätzt also am nächsten Vormittag. Als Zusammenfassung der Strecke bis hier her… in der Trockenzeit mit jedem Fahrzeug zu bewältigen. Ok, vollbeladene, tiefergelegte lange Kombis schließen sich selbstredend aus. Bodenfreiheit spielte mir nur einmal übel mit.

Beide Achsen steckten auf dem festen Mittelsteg zwischen tiefen sandigen Spuren fest. Es gab aber überal Alternativen und ich hatte schlichtweg nicht aufgepasst oder das Risiko unterschätzt. Sandbleche runter und rückwärts wieder raus, kein Problem.

Auch ist es egal ob man die richtige Piste trifft oder nicht, es gehen immer wieder Wege ab die später dazustoßen, spätestens bei den Flußquerungen läuft alles auf eine Furt hin. Ansonsten wie gesagt fast schon eine gerade Linie in der Navigation in Richtung Melge.

Eingezäunt erreicht man dann das Dorf noch auf mauretanischer Seite und hat in den Hütten links vor sich den Zoll für das abstempeln des Passavants und weiter vorne rechts die Polizei für den Pass. Nette Beamte, nicht viel zu tun anscheinend. Touristen kommen hier 2-5 die Woche vorbei wie ich erfahre. Ich hoffe ich muss nicht wieder zurück, da mein Visa für Mali erst in einer Woche und an einer anderen Grenze notiert ist…
Auf der Mali Seite soll ich mich links halten, soweit hab ich den weiteren Streckenverlauf verstanden, die Piste nach Kayes in die Stadt wird sich dann von der aus Selibaby hierher nicht unterscheiden. Ich folge also der Dorfstraße und dem Winken und deuten der Anwohner auf meine Frage nach Mali.

Echt wahr und diesen Weg nutzen die ganzen Einheimischen zum Passieren der Grenze. Klar, die meisten mit Eselkarre oder Roller. Dann erreicht man den trockenen Fluss und hier ist mir klar, dass es kein Zurück gibt. Eine sandige Abfahrt mit 10m Höhenunterschied, andere Seite sieht aber gut aus, Mali ich komme.

Wer weiß wie lange die Abfertigung dort dauert, also wie gewohnt zwischen den Grenzen mal ne Pause eingelegt. Ich hatte gestern genug Zeit für heute mit vorzukochen. Atlas hat auch Freiheit, hält gleichzeitig ein paar Kinder davon ab zu nahe zu kommen. Besucher hab ich später trotzdem einige und wie üblich ist mein Nomadenhaus auf Rädern das Thema.

Ein kleines bisschen Wasser steht an einigen Stellen noch im Flussbett. Also wird natürlich auch Landwirtschaft betrieben und die Malische Seite ist voll mit Feldern. Da muss ich jetzt durch… und verstehe was der Kerl vorher mit links halten meinte. Es muss also noch nen anderen Weg geben und wir haben uns nur falsch verstanden… ich dachte an den Weg nach der Grenze und nicht daran dass es zwei Übergänge hier im Dorf geben könnte. Laster passen hier definitiv nicht durch. Die Außenmaße der WALKÜRE das Maximum was anscheinend jemals hier durch ist.

Sieht noch harmlos aus, hat aber später ne 90grad Kurve mit Palme im Weg und dann war noch irgendwo Waschtag mit sauberer Wäsche auf den Zäunen.

Mir kam immerhin schon der Grenzer aus Mali mit dem Moped entgegen und meinte ich sei richtig es ist nicht mehr weit. Spätestens bei dem Problem hier hätte ich sonst panisch verzweifelt. Im Zaun verhakt.

Durchs Fenster über den Zaun also ausgestiegen und dabei die morsche Erscheinung des selbigen als Lösung des Problems erkannt. Rechts im Bild ist nun also etwas mehr Platz und ich hab den mal etwas versetzt, sorry.

Aber ich sag ja immer, jede Grenze in Afrika ein Abenteuer und dafür einen ganzen Tag einplanen, hat sich mal wieder bestätigt und den Rest der Geschichte dann im nächsten Blog zu lesen.
Zaun.

2 thoughts on “Ab durch die Wildnis zur Grenze Melge

  1. Gideon says:

    Ahh a most welcome distraction at work. Love the laundry day issue. It’s these odd and weird situations that give colour to any adventure – as long as you’re willing to find and see them. Keep them coming, these awesome stories.

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