Tafraoute und die blauen Steine

Der Souk in Tafraoute also wieder im Stadtzentrum am Oued. Hat den Vorteil, dass dort die Markthalle und die kleinen Geschäfte der ständigen Händler in der Nähe sind. So zum Beispiel auch der Schlosser, der mit mal wieder einem extravaganten selbstgebauten Ofen aufwarten kann.

Das rote Ding links mit Kurbel ist wirklich die Turbo Belüftung und wie alles andere mit einem Vorleben gesegnet bis es einen zweiten Sinn im Recycling Ofen fand. Ansonsten bietet auch dieser Markt die üblichen Gemüsehändler und Angebotspaletten. Sehenswert hier noch die Baumaterialabteilung die wie auch in heimischen Märkten Garten und Kleintierbedarf abdeckt.

So kann man hier in Tafraoute auf einen Mittwoch also alles bekommen was gewünscht ist, ich hab mir mal was gegönnt und mit Honig und Mandeln meine Kombüse aufgewertet.

Am Tag des Souk natürlich die Ortschaft voll mit Menschen. Aus den umliegenden Dörfern und Gemeinden kommen nicht nur Händler und so sind alle Cafes voll mit Besuchern. Der Rest flaniert dann die Straßen und den Markt auf und ab.

Selbst vorne an den wenigen freien Plätzen der Hauptstraße tummeln sich Lieferwagen mit Direktverkauf. Logistisch wäre das auch blöd jede Stiege einzeln zu nem Stand zu schleppen und alles nicht verkaufte dann wieder Ladungssicherungsgerecht in das KFZ zu verstauen.

Wie erwähnt wollte ich auch Flohmarkt machen, aber fand nicht den richtigen Platz dafür. Also hab ich meine Kiste Werkzeug mal bei Momo ausgepackt und fand einen Abnehmer für ein paar Kleinigkeiten.

Dabei ist mal wieder aufgefallen, das ein Reifen Luft verliert. Ich hätte das überall reparieren lassen können, weiß aber aus Erfahrung, dass hier einer der Besten in Marokko seinen Shop hat. Also noch nebenbei zum Geschehen direkt am Kreisverkehr einen Parkplatz ergattert.

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Ali spricht nicht nur fließend französisch sondern ist auch besser ausgestattet als der Durchschnitt. Er besitzt eine richtige Reifenmaschine die elektrisch dreht und er nicht per Hand und Hebel abziehen muss. Auch sein Kompressor ist anständig aber führend macht ihn die Vulkanisierpresse die den Gummiflicken dann mit entsprechender Temperatur einbäckt. Und für mich zur Vereinfachung ein fetter hydraulischer Wagenheber der auch funktioniert.

Es war dann auch die schon reparierte Stelle, die doch eine winzige Undichtigkeit hatte, der Flicken klebte nicht ganz und hatte etwas Sand drunter, kein Wunder. Das Einbacken dauert eine halbe Stunde bei 135grad und wir hatten Zeit über die Entwicklungen im Land und in der Region zu quatschen. Meine Erfahrungen aus dem Norden und den dortigen Reichtum kann er nur bestätigen, immer mehr wohlhabende Marokkaner bauen sich hier ihren Alterswohnsitz… und wir schauen einem weißen Porsche-SUV mit Fatima am Steuer hinterher. Netter Kerl, fast schon zu clever für einen Mechaniker, wer also in der Gegend ist kann Ali am Kreisverkehr unterstützen und nicht verfehlen.

Ich hab alles was ich besorgen musste und will wieder raus in die Einsamkeit. Das Wetter soll noch ein paar Tage herrlich bleiben und ich fahre zu den blauen Steinen. Roches peintes oder painted rocks genannt ist die freie Fläche mit den Kunstwerken des Belgiers…

http://www.jeanverame.com

Er hat noch weitere Orte wie diesen in Szene gesetzt.

Schon 19.. färbte er hier mit Hilfe der Feuerwehr und einigen Tonnen Farbe einen Teil der Steine ein um die Lichtspiel Wirkung der Sonnenuntergänge noch zu verstärken. Gelungen und immer wieder schön zu sehen. Aktuell in frischem Teint kann sich zwar nicht jeder damit begeistern, aber ich finde es besser als halb verblasst, abbröckelnd und mit Graffitti besprüht wie zuletzt. aprospos früher, hab mal meinen Laptop aufgeräumt und noch ein Video vom letzten Besuch gefunden

Im Vergleich dazu heute:

Echt kräftig geworden und nun auch am Tag ein Hingucker. Hier wurde sogar fast die Farbe vom Himmel getroffen. Ich bin erstaunlicher Weise fast alleine und es kommen nur ein paar Besucher zum Abend mit dem Taxi aus der Stadt.

Mein Camp also Mitten drin und ich gönne mir und Atlas die wohl verdiente Freiheit. Wenn die Sonne weg ist wird es aber auch schon kühl hier und das Thermometer fällt unter 20grad. Nachts bleibt das Dach also zu. Meist zieht auch etwas Wind am Abend auf der bei Dunkelheit dann verschwindet.
Am Nächsten Tag bekomme ich Besuch von Roland und Verena im Defender die schon in der Wüste bei meinem Geburtstag dabei waren. Zufälle mit Absprache im Detail, man trifft in Marokko immer wieder auf bekannte Gesichter. Ein kleines Feuerchen gegen die Kälte nach der Dämmerung und Geschichten zur Abendgestaltung. Sehr ruhige Nächte hier, fast schon ohne Geräusche. Ich verbringe ein paar Tage und spaziere morgens durch die Gegend. Atlas dabei und auch ohne mich viel unterwegs. Ich kann eines Tages vier Onyx Gazellen beobachten wie sie auf der anderen Seite den Hang hoch klettern. Hab zum Glück das Fernglas dabei, aber kein Foto davon. Rehartige filigrane Hornträger mit schwarzen und weißen Highlights auf dem braunen Fellkleid. Toller Anblick, schönes Gefühl.

Ich glaub das war am selben Morgen und Tag meiner Abreise als ich auf der anderen Seite des Hügels ein weiteres Camp ausmachte und zwei alte Reisemotorräder stehen sehe. Ja, die Schweizer und anscheinend mit ihrer Truppe Freunden unterwegs wie angekündigt. Aber vor meiner Abreise war ich noch fleißig. Vielleicht durch die frische Farbkur inspiriert, auf jeden Fall hatte meine Holzhütte es nötig.

Ich hab die Außenwände entstaubt und gereinigt und dann alles ordentlich mit Leinöl eingepinselt. Der Unterschied im Bild ja immerhin schon staubfrei und trotzdem gewaltig, glänzt ein paar Tage wieder richtig und ist gut fürs trockene Holz. Die Qualität der feuchten Pinie aus Portugal war ja nicht die beste und ich hab es kommen sehen. Deshalb keine Spalten gelassen und nun nach dem Schrumpfen tun sich überall Lücken auf. Rückwirkend mal wieder schlauer geworden, Holz ein paar Monate liegen lassen dann aber wäre es ungleichmäßig und vielleicht verzogen, man kann es nicht perfekt hinbekommen, ist halt ein Naturprodukt.

Die Reaktionen einiger Besucher auf mein persönliches Kunstwerk jedoch durchweg positiv und mehr als pflegen und lieben kann ich es nun sowieso nicht mehr. Sieht schon komisch aus so mit runtergelassenen Sandblechen.

Der Teufel liegt wie überall im Detail. Wenn man sich die Farbarbeiten an den Steinen anschaut sieht man auch überall Pfusch und unsaubere Arbeit.

Abdecken oder abkleben war also nicht zur Vorbereitung gedacht und anscheinend wurde vieles gesprüht. Anders kann ich mir die etlichen blauen Kakteen und Pflanzen dazwischen auch nicht erklären.

Auch Innen gab es eine Kur für meine Möbel und auch sonst wurde mir nie langweilig. Bin niemand der tagelang rumsitzen kann, also bekam auch das Fahrrad endlich die benötigte Aufmerksamkeit. Neue Schläuche (unplattbar mit Schutz gegen die Stacheln hier – werde berichten) und die neue Kette auch endlich aufgezogen. Das hab ich im Ort machen lassen, hab zwar vergebens nach einer Werkstatt mit Kettennieter Ausschau gehalten, aber die marokkanische Variante tut es auch irgendwie. Echt noch ruhig hier in Tafraoute im November ohne die ganzen Camper. Ich fühle mich wohl, will aber trotzdem weiter.

Mit dem Fahrrad querfeldein und durch die Felder bei Aguerd Oudad. Alles wie auch schon die letzten Jahre zuvor ungenutzt und selbst die recht frisch angepflanzten Oliven am vertrocknen. Keine Ahnung wie der Stand ums Wasser aktuell ist, aber an der Plantage gibt es noch welches. Der Brunnen hier scheint aber eher ein Relikt aus alten Zeiten zu sein. Leicht erhöht um als Startpunkt für das Aquädukt zu dienen, aber wofür die lange Rampe ist kann ich nur mit tierischer Unterstützung erklären. Anlauffläche für den Esel der den Bottich zieht?

Pünktlich am Tag der Abreise ändert sich das Wetter, oder anders gesagt der Grund meiner Abreise. Temperatursturz zweistellig und ohne Sonne einfach nur kalt. Ich hab mich entspannt und hatte eine gute Zeit, die Schweizer machten schon morgens ein Feuer zum warm werden und ich bekam im Tausch für eine benötigte Luftpumpe ein echtes Stück Käse, das demnächst einen Auflauf ziert. Today is a good day, wie immer und Sonne gibt es später auch noch. Das ist aber eine andere Geschichte.

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