durch den Anti Atlas nach Tafraoute

Ich sitze also in dem Restaurant bei meinem Teller Bohnen und überlege mir wohin ich als nächstes will. Richtung Tafraoute ist klar aber welchen Weg. Ich dachte über ein paar Pisten von Süden durch das Ait Mansour Valley zu kommen, hab aber irgendwie doch keine Lust heute auf Staub. Vielleicht weil ich gerade mal innen geputzt habe. Mein Haus ist alles andere als dicht und ich hege gar nicht erst den sinnlosen Gedanken es zu versuchen. Bleibt also nur die Asphaltstraße was zeitlich auch günstiger scheint, da schon der Nachmittag eingeläutet ist. Wie üblich aber Eile mit Weile oder wie war das?

Ich befindet mich schon im Anti-Atlas die Gebirgskette hier im Süden Marokkos. Die Berge sehen anders aus, haben viel mehr Bewuchs als in der Region zuvor. Mandelbäume und Terrassen an den Hängen beherrschen den Blick. Spätestens ab dem letzten Pass wird es grüner, wenn man die beiden Bilder vergleicht.

Ich entdecke eine Quelle direkt neben der Straße und nach nem Schnelltest befinde ich das Wasser als perfekt. Dreimal sauberer als deutsches Leitungswasser, Bunker vollmachen ist angesagt.

Eine angenehme Ruhe hier und niemand weit und breit. Im Bild sieht man zwar am linken Rand eine Moschee aber sowas hat hier jedes noch so kleine Dorf. Und das vor mir an den Hügel geschmiegt ist anscheinend kaum bewohnt.

Die Aussicht idyllisch und mit gutem Wasser in der Nähe ein Ort zum Leben genießen. Man erkennt auch super die angelegten Terrassen um den Hängen Ackerfläche abzuringen und eventuelles Regenwasser auf den ebenen zu halten, damit es nicht gleich ins Tal verschwindet. Diese angelegten Terrassen durch Geröll und Erdbewegung über Jahrhunderte per Hand sind wie gesagt traditionell in der Region hier zu finden.
Die Straße ist gut in Schuss, Igherm-Tafraoute hab ich noch nicht unter die Räder genommen. Die letzte Abfahrt war eine wahre Freude wenn ich nur auf einem Zweirad sitzen könnte… Aber einfach nur des Fahrgefühl wegens will ich nicht nochmal das Moped abladen.

Ich kann schon in das Tal der Ammeln sehen und freue mich auf diese sehr vertraute Umgebung. Bin gespannt was sich in den letzten 18Monaten so verändert hat.

Zumindest ist der Fahrbahnbelag immer noch für nur ein Fahrzeug ausgelegt, Gegenverkehr heißt beiderseitige Randbefahrung und seit der letzten Gabelung nach Agadir gibt es davon mehr als genug. Im Bild rechts das Massiv Jebel Kest was super zum Klettern taugt.

Ich muss einmal durch den Ort und hab aber heute keine Lust mehr auf Menschen, brauche auch nix weiter und will auf den nächsten Souk warten. Ein ruhiges Plätzchen ist angedacht und entgegen aller Erwartungen finde ich ihn hinter den Campingplätzen auf der Freifläche.

Unglaublich, da dieses idyllische Terrain sonst im Winter von hunderten Wohnmobilen zugestellt ist. Ich muss mal im Archiv kramen und das bild mit dem herausstechenden grünen Bus suchen.

Archiv`?

Idyllisch…? fragt man sich jetzt bestimmt? Nun ja, beste Aussicht auf die Ortschaft, Nur die Moschee in Hörweite, abgelegen genug und ein paar fotogene Steinformationen in der Umgebung. Das alles wirkt erst bei Sonnenuntergang. Die Abendröte spielt mit den Farben der Berge und wenn dazu noch der Mond am Horizont aufgeht.

Mit einer richtigen Kamera hätte jetzt jeder Profi den WOW-Effekt auch festhalten können. Ich genieße die Realität für mich selbst und lichte statt dessen mal meinen Kumpel direkt ab. Komische perspektive, scheint mir, seine Nase ist sonst gar nicht so lang.

Die ideale Umgebung und nach einer ruhigen Nacht auch der perfekte Platz um ungestört Frühsport zu treiben. Ein bisschen um die Felsen klettern und auf die stacheligen Dinger aufpassen.

Diese rundlichen Formationen sind es was mir an der Region so gefällt. Die Besonderheit im Zusammenspiel mit den Arganbäumen und Kakteen. Das hat hier niemand so hingesetzt, Natur pur. Jeder Landschaftsdesigner wäre Stolz auf dieses Ergebnis.

Ich gönne mir einen Tag Pause, Souk ist erst Morgen. Das Hubdach ausfahren und aus den letzten Frischwaren was anständiges Kochen. Nochmal aufräumen und ausmisten ansonsten den Tag im Schatten verbringen. 30grad heute mal wieder und das Gefühl von Urlaub kommt auf. Ich hab nicht ein Foto vom „Camp“ gemacht, die besten Erinnerungen behält man für sich selbst. Der Abend dann ähnlich, der Mond wieder dick und rund und gegen 6 Uhr morgens wechseln sich die Muezzin in den Türmchen mit ihren Weckrufen ab.
Ich verlasse meinen Platz sauber und ordentlich, nur ein Haufen Grünabfall liegt für die Ziegenherde die täglich vorbeikommt bereit. Biomüllentsorgung auf marokkanisch. Leider gibt es auch hier aufgrund des Baubooms die üblichen Probleme. Reste von Lehmhäusern konnte man in die Gegend kippen und es fügte sich in die Natur zurück. Reste von Zement jedoch nicht und trotzdem wird damit gehandhabt wie früher… Bauschutt wird mehr und mehr zum Problem in Marokko und wenn den Einheimischen das in solch schöner Umgebung nicht ein Dorn im Auge ist kann ich auch nicht helfen.

Mein Rückweg in die Stadt führt direkt dran vorbei, Hauptsache einfach und schnell weg mit allem was nicht mehr braucht wird. Und fängt einer damit an ist es schnell geschehen, Reifen und Müll dazwischen, ihr könnt es euch vorstellen. Im Ort selbst ist es so sauber wie selten im Land, ich hoffe dass die Zuständigen auch dieses Problem entdecken bevor es zu spät ist.

Wochenmarkt startet gegen 9 und ich hab vor meine zwei Kisten Geraffel vor den Truck zu stellen und mal sehen wer Werkzeug und Mitbringsel aus Westafrika interessant findet. Immerhin auch einige Touristen im gepflegten Ort mit vielen Herbergen. Leider ist der Souk wieder ans Oued umgezogen und nicht mehr auf der großen Fläche gegenüber der Gendarmerie, da häte ich nen Platz gefunden. Im Zentrum nicht, also kein Flohmarkt für mich… aber ich fahre mal die paar bekannten Werkstätten an und mache mich dann an die Einkäufe… ich berichte.

4 Gedanken zu “durch den Anti Atlas nach Tafraoute

  1. Jan schreibt:

    Hey Ultra,

    seit ein paar Tagen bin ich bei Dir dabei und verfolge Deine Reise durch Deine Berichte…

    Vorfreude pur, denn vielleicht schon am 09.12., eigentlich erst am 16.12. gehen wir auch wieder auf Tour.
    Natürlich überland und auf mautfreien Strecken bis Algerciras, auch wenn die vielen Kreisverkehre und Speedbreaker in Frankreich manchmal nerven…
    Abwechselungsreich ist die von uns gefahrene Strecke aber allemal!

    Mal sehen, wo in Marokko uns die Reise in diesem Jahr hinführt. Wir überwintern nur, müssen Ende Februar, spätestens Mitte März wieder zu Hause sein…
    Wegen unseres Fahrzeuges, einem Peugeot Boxer (Ducato) Kastenbus, dessen Alter, Zustand und dem dann erhöhten Verschleiss kommen „richtige“ Pisten für uns leider nicht infrage.
    Mal ein Stück abseits vom Asphalt geht, aber mehr nicht.
    Oder kennst Du vielleicht schöne, ruhige Plätze und Ansiedlungen, die abgelegen, aber dennoch leicht zu erreichen sind?
    Je nach Einschränkungen können wir 5 – 7 Tage unabhängig frei stehen…

    Für Dich, Atlas und Walküre weiterhin alles Gute!
    Viele Grüsse
    Jan

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