Orion, Himmelstreppe und goldene Spirale?

Ich hatte also mein Lager am Kunstwerk Orion aufgeschlagen und eine der ruhigsten Nächte bisher verbracht. Die nächste Straße 20km Luftlinie entfernt und Touris mit Geländewagen erscheinen frühestens 10Uhr das erste Mal am Horizont. Man hört sie schon über die Pisten rumpeln und am Tag verteilt verirren sich vielleicht ein Dutzend hier. Meist sogar nur zum Ausflug mit Quad oder CrossMotorrad.

Der Sonnenuntergang am Abend zuvor fast schon unspektakulär da keine Wolke am Himmel die Farben einfangen konnte. Die Situation selbst aber mit den Lehmgebäuden des Orion die erst etwas rötlich erstrahlten und dann im Schatten untergingen hat meine Telefonkamera nicht aufs Bild bannen können. Dies hier aber mal ne tolle Ansicht von meiner Terrasse über dem Sonnenuntergang.

Der Tag also entspannt und ohne Zeitdruck, ich hatte Kontakt per facebook zu einem weiteren Reisenden aufgebaut der in der Nähe ist und mal vorbeikommen will. Bis dahin hol ich mal das Motorrad runter und erkunde die Umgebung.

Die Rampe übrigens wie auch alles andere immer noch fest an ihrem Ort, die Konstruktion also haltbar und ausreichend dimensioniert. Mal wieder alles richtig gemacht damit und die Aprilia sprang auch zügig an um mit mir im Sattel etwas Freiheit zu genießen. Es gibt noch zwei weitere Kunstwerke in der Umgebung. Die direkte Verbindung zwischen Orion und der Goldenen Spirale wäre ohne Allrad nicht möglich, gut dass ich es nicht probiert habe. Die Entfernungen sind hier auch nicht zu missachten. 5 Kilometer Wüste liegen locker zwischen meinem Camp und dem nächsten Sperrgebiet mit zentralem Bauwerk. Dieses hier eine in Verbindung mit mathematischen Zahlen des goldenen Schnitts und der Fibonacchi Folge immer größer werdende Bauwerk um einen Brunnen herum wurde Ende der Neunziger errichtet. Der kleine Berg von dem aus ich das Foto mache ist schon nicht ohne unerlaubte Steinübertretung zu erklimmen.

Aber der Wächter braucht ne Weile her um mich zu verscheuchen und von ebener Erde sieht man hier gar nix. Echt blöd eine so gewaltige Absperrung herum zu errichten, die eigentlich quer über den Berg führen würde, dann aber später nochmal um besagten Ganzen erweitert wurde. Also zurück aufs Moped und weiter zum dritten und ältesten Bauwerk. Dieser Weg noch weiter aber das Ziel schon am Horizont erkennbar, da in die Höhe gebaut. Die Verbindung auch ohne Allrad machbar und die Tour auf dem Zweirad macht Spaß. Vorbei an Dromedaren die hier frei herumlaufen und irgendwelchen Nomaden gehören. Sonst keine Personen auszumachen.

An der Himmelstreppe dann wieder mein Wächter von gestern am Orion. Es gibt also gegen die Langeweile eine Rotation. Das Bauwerk stammt von 1986 und ist 16m hoch. Treppenstufen führen mittig von zwei Balustraden umgeben bis zum Ende und dann ins Nichts wenn man die andere Seite runter fällt. Anscheinend gibt es Räume darin, zumindest kann man Fenster erkennen. Der Bannkreis auch hier recht weiträumig und bessere Fotos nicht mit meinem Equipment. Als Scherz stellt sich Mohammed aber an sein Revier und verscheucht mich fürs Foto wie es seine Aufgabe ist.

Ich mache mich auf den Rückweg direkt zum Orion und würde gerne diese Route hinaus nehmen. Muss aber zwischendurch ein Oued durchqueren und sehe eigentlich kein Durchkommen mit dem Truck, da es natürlich auch sandig etwas Bergauf geht. Ich fahre etwas herum und finde keine Alternative, muss mich also später entscheiden durch die Stelle von gestern zurückzufahren an der ich etwas buddeln musste um auf die Piste nach Süden zu kommen oder es einfach zu wagen.
Es ist Mittagszeit und noch hab ich keinen Besuch bekommen. hier mal ein paar bewegte Bilder als Zusammenschnitt um die Umgebung zu verstehen.

Ciudad de Orion und Umgebung

Mit der Erklärung dass ich am Sternenbild des Orion etwas südwestlich campiere konnte mein Besucher anscheinend etwas anfangen. Markus ein berühmter instagram overlander ist mit seinem Allrader zur Not auch querfeldein unterwegs und hat halt etwas mehr Reserven und Traktion. Wir verstehen uns gut und der tag schreitet schnell voran, warum also nicht nochmal hier bleiben. Sein Defender ist mit einem selbstgebauten Klappdach ausgestattet und natürlich quatscht man auch über Technik. ich werde also auch mal mein Dach lupfen, zum ersten Mal auf diesem Trip und den Abend nicht in gebückter Haltung sein müssen.

Ich lasse es auch nachts offen und hab ab und an etwas Wind um die Nase. Die Temperaturen nun angenehmer, die zweite Decke aber doch im Einsatz wie ich mich erinnere. Ein Gefühl wie draußen schlafen und am Morgen von einem interessierten Vogel begrüßt.

Weitere Geräusche in der sonstigen Stille lassen mich diesen Einbruch ins Sperrgebiet dokumentieren. Die Welt ist halt doch nicht für alle gleich.

clip Wüstencamp am Orion

Wir besprechen zusammen für ein professionelles Foto zur Himmelstreppe zu fahren und danach den Weg Richtung Erfoud zu suchen. Also muss ich durch das mir Sorgen machende Oued und hätte zur not Hilfe. Doch wieder hab ich den GeländeDüdo etwas unterschätzt denn fast schon problemlos mit clever gesuchter Route und etwas Schwung aus dem steinigen Teil des trockenen Flußbettes schaffe ich es auch über den Sand. Die Fahrt danach dann größtenteils so, bis es später raus aus der Ebene in die Berge geht.

Fahrt der WALKÜRE durch die Wüste

Die Ebene sieht man auf dem nächsten Foto als sandigen Bereich mit grünen Tupfern bedeckt… endlos. Der Weg hier oben würde steinig bis nach Erfoud führen ist aber echt holprig und bietet sonst keine Abwechslung mehr fürs Auge. Der Ausguck hier war es aber wert und die Pause mit tollem Blick genießen.

Vor der kleinen Passage zum Ausguck steht ein Militärposten der uns eine weitere Piste direkt quer durchs Oued zeigt nach Jorf zu kommen, um von dort auf Asphalt zur Stadt zu gelangen. Kürzer, weniger steinig und schöner. Aber halt mit einer „Flußdurchfahrt“ es standen nur wenige Zentimeter Wasser, auch kein Problem, nur wenn hier mal die Massen durchkommen schwemmt es überall Sand an und der bleibt meist in Haufen und unmöglichen Ecken liegen.
So kommt es, dass ich doch die Grenzen der WALKÜRE erfahre und bis dahin schon in Gedanken mehrfach stecken geblieben wäre. Aber dieser Hügel wo auch mit Schwung nix geht wurde mein Grab. Die Lenkung im Sand etwas träger und ich hatte die angepeilte Spur um wenige Zentimeter verpasst, setzte mit dem Auspuff auf den Hügel auf und tauchte vorne unten in weichen Sand ein.

Alleine ginge es jetzt nicht weiter, mit dem LandRover und nem Bergegurt aber kein Problem wieder auf fahrbaren Untergrund zu gelangen. Mein Auspuff hat es aber nicht überlebt, das rostige Hosenrohr natürlich an der schon perforierten, undichten Stelle durchgebrochen, hängt aber noch dran, der Sound nun echt Offroad. Der Rest der Strecke dann etwas gemütlicher und mit belohnendem Abschluss im Ort. Ein Teller Bohnen und auf ins nächste Abenteuer. Allein schon den normalen Verkehr vom Polizisten geleitet zu beobachten ist unterhaltsam.

Mit Markus werde ich wohl öfter mal fahren, wir haben grob die gleiche Richtung. Heute geht’s für mich aber noch zu nem anderen Ziel. Seine Fotos sind echt der Hammer und lassen meine bildlichen Eindrücke blass aussehen. Professioneller Fotograf mit entsprechendem Equipment. sehenswert! Sein Instagram account könnt ihr hier mal klicken.

The Overland Defender

Ich als Selfie Gegner komme so immerhin mal in den Genuß den eigenen Kadaver in toller Landschaft zu sehen. Grüße aus der Wüste, ich find’s geil. Danke.

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