von Hercules bis Hinterland

Die erste Nacht in Marokko war sehr entspannt. Keine Geräusche und auch sonst keine Störungen. Ein Hund war mal in der Nähe und Atlas bellte kurz, es war aber schon morgens und so konnte ich die Sonne aufgehen sehen. Wie schon geschrieben war genug Zeit die Hütte aus und umzuräumen und das Moped auf den Träger nach vorne zu packen. Ab jetzt interessiert das hier keine Sau mehr.

Mein Besuch in der Grotte war dann kürzer als gedacht. Kann man sich mal angucken und braucht dafür nicht nen halben Tag einrechnen. Parkmöglichkeiten an der Straße begrenzt, der nahe Campingplatz bietet gegen Gebühr sonst auch Platz. Das ganze Areal vor der Höhle ist modern auf Besuchermassen angelegt. Souvenirshops und Bars am großen Quarree mit Aussichtsterrasse.

Immerhin hübsch gemacht und abends auch beleuchtet. Ein eigenes Wappen gibt es auch.

Hab etwas anderes erwartet aber der Kommerz ist hier schnell an Orten die nach Aufmerksamkeit haschen. Der Legende nach geht es um Atlas der den Himmel kurzzeitig an Herakles abtritt um Äpfel im Garten seiner Töchter zu holen… wer mag kann sich das mal im Internet raussuchen.
Auf jeden Fall ist die schon älter und irgendwas haben auch die Phoenizier damit zu tun. Der Eingang dann wie ich mir das vorgestellt habe:

Der Boden jedoch komplett gepflastert und die Wände mit eingelassenen Lampen beleuchtet. Die Strukturen geben besonders vorstechende Muster.

Die Höhle ist weiträumig und hat einige Ecken und Winkel, alles aber ähnlich also überall mal auf den Auslöser gedrückt und die App NightEyes ausprobiert.

Das “Highlight” ist dann schwer auf Film zu bannen. Aus einer dunklen Ecke ins Licht fotografieren immer doof. Der menschgemachte Durchbruch zum Meer, wo sich Wellen am unteren Ende brechen hat wohl mit viel Fantasie aus der entsprechenden Perspektive die Form des afrikanischen Kontinents… Naja, auf jeden Fall stehen hier die meisten Besucher im Selfie-wahn davor.

Wie gesagt kurz und schmerzlos, zurück zur WALKÜRE und nen Dirham für den Wächter abdrücken. Der guckt zwar blöd aber für 10Minuten braucht der echt nicht mehr erwarten. Ich will jetzt endlich ins unzivilisierte Marokko ohne Bordsteine und Straßenlaternen… und den ganzen überflüssigen Scheiß.
Doch erstmal noch ein Stop der damals beim ersten Besuch hier der entspannteste Ort zum ankommen war und den ich immer jedem empfehle. Asilah.
Die Bundesstraße erreiche ich mit einer kleinen Abkürzung am Meer entlang. Logisch gibt es da nen Badestop mit Aussicht.

Strand hier überall vom Militär bewacht aber doch recht weitläufig, dass ich zumindest niemanden sehe. Wäre mir auch egal, ich will kurz Baden, nackt natürlich, glaub das ist hier nicht gerne gesehen. Atlas hat nebenbei seinen üblichen Spaß mit nem Stein im Sand.

Der Abstecher führt mich vorbei am Ende der Landebahn des Flughafens. Das hält Leute aber nicht davon ab in bester Lage am Meer gigantische Villen hinzusetzen, mit Bewachung natürlich, der König hat sein Domizil aber auf der Mittelmeerseite. Ein Stück weiter noch mehr Wahnsinn. Ein Feld mit gefühlt Einhundert Bauruinen für hübsch geplante kleine Villen in einem Wohnviertel. Sinnlose Verschwendung von Ressourcen und Arbeitskräften bis hierhin und dann nicht weiter… Auch das gibt’s zuhauf hier im Lande.

Das ganze Gebiet um Ibn Batuta gleicht einer zu hoch angesetzten Pokerpartie die verloren wurde. Ich nutze als einziger dreispurige Straßen und nen gigantischen Kreisverkehr der von der Natur zurück geholt wird. Brüchiger Asphalt und Löcher mit Pflanzen. Sieht aus als wäre das 10-15Jahre ungenutzt, auch die riesigen Gebäudekomplexe dazwischen, natürlich unfertig und wenn überhaupt nur mit nem Wächter bewohnt. Ich bin Sprachlos…

Nicht mehr weit bis Asilah, freu mich drauf , habe aber nicht vor lange zu bleiben. Ein Besuch im Hammam steht auf dem Plan und beim letzten Besuch hier war das Ding fast neu. Auf der Karte markiert muss ich trotzdem zweimal gucken, der Parkplatz davor ist jetzt weg, steht ein neues Rohgebäude. Aber es passt und ich bin für 13dh mit Eimer, Schwamm und Seife bewaffnet fertig für die Körperreinigung. Wie gesagt ich hatte es neu in Erinnerung, aber echt keine Ahnung wie man das so schnell verfallen lassen kann. Wird solch ein Hammam überhaupt mal geputzt? Die Kruste in den Fugen spricht dagegen. Dabei gibt es so einfache Mittelchen und gegen Kalk auch auf natürlicher Basis ohne Geruch, dass es mit dem Betrieb schnell weiter gehen kann. Naja, ist halt so und ich lasse mich nicht abschrecken. Gut besucht ist es obendrein. Ich kenne die Gepflogenheiten und entpannte trotzdem mit ein paar Dehnübungen auf den warmen Fliesen.

Danach ein kleiner Bummel durch die Medina, bei der meine Kamera/Telefon nach nur einem Bild mit leerem Akku aufgibt. Immerhin alles wie gewohnt und sehenswert. Nur die Aussichtsterrasse mit Blick aufs Meer ist mit nem Stahltor und Kette verschlossen.

Mehr Kunst vorne am Platz mit der Schule, hübsch bunt überall und eigentlich recht ruhig. Ist aber schließlich Montag Mittag und meist geht’s hier am Abend richtig los. Keine Ahnung wie viele Wohnmobile grad vorne am Hafen stehen und ob die paar Campingplätze auch noch brauchbar sind. Restaurants gibt es noch genug und angenehme Atmosphäre herrscht überall. Ich kann mich noch gut an die Hauptstraße weg von der Medina am Abend erinnern, wo alle paar Meter eine neue Leckerei geboten wurde und der Markt sich auf die Straße verlegte. Schaut vorbei wenn ihr nen Trip plant.

Für mich geht es weiter und ins Landesinnere. Das war mein Abstecher an der Atlantikküste, die weiter südlich eher langweilig wird. Larache geht noch mit dem historischen Ausgrabungsfeld Lixor. Bis Rabat und Casablanca dann nix besonderes und die beiden Großstädte sowieso ein Moloch. Erst ab El Jadida wieder angenehm entspannt. Mich führt die RN1 nach Ksar El-kebir und ich hoffe auf eine SimKarte für den Internetempfang. Hab vor Orange (Ex-Meditel) dem Führer Maroc Telecom vorzuziehen, da im Süden damit früher besserer Empfang war. Inwi gibt es noch die anscheinend aufgerüstet haben und wirklich überall zumindest optisch vertreten sind. Jedoch werde ich ohne viel Gesuche nicht fündig und fahre weiter, ist ja auch nicht elementar. So richtig weiß ich nicht wohin. Grobe Richtung westlich um den Atlas herum ist geplant. Ich steuere also erstmal auf Ouazzane am südlichen Rifrand zu… überlege es mir auf halber Strecke aber anders, da ich nix kaufen mag und ich keinen Bock auf Hügellandschaften habe. Außerdem kenne ich die RN13 nach Meknes runter und es wird bald der Abend herein brechen. Lieber abseits und durch kleine Ortschaften gondeln.

Bauern beim täglichen Werk, Viecher von A nach B treiben und wie üblich staunende Blicke als die WALKÜRE in gemächlichem Tempo vorbeizottelt. Die Straße auch mal etwas besser mit schöner aber noch mediterraner Landschaft.

Dann aber auch wieder Teilstücken komplett ohne feste Straße. Der richtige Zeitpunkt die Haltbarkeit meiner Frontverlängerung auszutesten. Falls doch zu instabil hab ich Kumpels in Khemisset wo schon so einige Dachgepäckträger für Freunde geschweißt wurden. Aber alles ok und bis auf Vibrationen wackelt da nix. Das Moped fest verzurrt bewegt sich kaum und alles ist sicher in der Umgebung.

Clip Motorrad auf Träger vorm MB608

Had Kourt steht als nächstes auf der Karte, schon wieder etwas größer und deswegen auch besser befahrbar. Da die Sonne bald unter geht und ich grad an nem hübschen kleinen Stausee vorbei bin bleib ich einfach hier.

Die Umgebung zum Tagesabschluss zu Fuß mit Hund erkunden, der arme Kerl hat nach dem entspannten Morgen den ganzen Tag blöd aus dem Fenster geschaut. Jetzt müsste man Gedanken lesen können… Schwimmen und die Insel unsicher machen oder was geht darin vor?

Ich hab was interessantes neben einem abgeernteten Feld gefunden. Ein Haufen Spelze ohne das Korn darin vor einem Loch aufgehäuft. Ameisen haben hier sortiert und sich die Energiehaltige Leckerei ins Innere der Behausung geholt. Fleißige kleine Tierchen und ne eigene Armee mit gigantischen Kiefern im Vergleich zu den Arbeitern haben die auch zu bieten.

Auf dem Hügel neben mir triebt wieder ein Hirte seine Ziegen und Schafe zusammen Richtung Heimat., wohin auch immer. Dass die alles wegfressen und jeden Spross der Natur im Keim auffuttern hab ich oft genug schon erwähnt. Hilft nur ausgrenzen und Barrieren bauen. Hier ein kostenloser marokkanischer Zaun vorm Olivenhain. Ein paar Kakteen als Grundlage, dazwischen Zwergpalmen die anscheinend nicht schmecken und obendrauf abgeschlagenes Stachelgestrüpp aus der Umgebung. Fertig und da will echt niemand freiwillig durch.

Es wird kühl am Abend und kalt in der Nacht. Das regulierende Meer ist weit entfernt und die zweite Decke im Bett nötig. Auf der Piste neben mir ist die ganze Nacht nix los und am Morgen höre ich nur den Muezzin von einer Moschee aus der Umgebung plärren. Zu früh zum Aufstehen bei den Temperaturen. Es braucht erst die Sonne hinterm Hügel bevor ich auf Betriebstemperatur komme. Zeit mal die Karte zu studieren und nen Beitrag in die Tasten zu hauen. Die Reiseroutine hält Einzug… was für ein Leben.

2 Gedanken zu “von Hercules bis Hinterland

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