Die Walküre is einsatzbereit, letzter Service.

Die WALKÜRE ist einsatzbereit und ich bin eingezogen. Die Küche ist eingeräumt, alle Klamotten haben im Schrank Platz gefunden. Na gut, das eher selten genutzte wie Motorradschutzkleidung, Bettwäsche, Bademantel und Neoprenanzug wandert unter die Couch. Zu meinem Erstaunen passen dort 8 Bananenkisten und vier weitere etwas flachere Boxen mit Werkzeug und in naher Zukunft benötigten Materialien hinein. Dann hab ich immernoch 20-30cm davor in Höhe ab Fußboden mit Platz für Grill, Kohle und Hundefutter. Und das frei benötigte Mittelstück über dem Hauptrahmen der durch meinen Keller führt, da wo ich den Hebel fürs Dach ansetzen muss, bekommt noch ne Reisetasche dazwischen… (Das Bild etwas veraltet, hab nochmal umgepackt)

Wie im letzten Blog beschrieben bin ich grad unterwegs zum letzten Service vor der Abfahrt. Service beim 608 nötig? Da ist doch alles erst neu. Ja, stimmt, ich habe Rahmen, Fahrwerk, Bremse und Karosse im Frühling restauriert aber mir den Motor bis zum Schluss aufgespart. Ich besuche dazu einen Kumpel im Hinterland der Algarve, Alentejo genannt. Diese Region hier am Santa Clara Stausee hab ich im letzten Frühjahr schon einen Beitrag gewidmet. Echt tolle Gegend. Das Wetter wird herbstlich und heute Morgen hatte es geregnet. Keine gute Zeit über matschige Pisten in die Wildnis zu fahren?… Doch genau richtig, ist ja immer noch ne Erprobungsfahrt.

Video zum Ausritt ins Campo

Da es aber nun wieder sonnig ist auch schnell abgetrocknet und harmlos. Ich erreiche also mein Ziel und find eine gut ausgestattete Werkstatt mit Grube vor. Ölwechsel, Ventile einstellen und ne Undichtigkeit an einer Einspritzleitung beheben steht an. Das bequeme arbeiten ist schon Luxus genug, die Aussicht dazu aber ein Bonus.

Bei kürzeren Aufenthalten lasse ich das Dach geschlossen und muss mich innen bücken, einsatzbereit ist es trotzdem und ich komme an alles ran. Ebenso unterm Auto mit dem Eingang am Abhang. Perfekt um mal nach dem Schnapsglasfilter zu sehen… festgegammelt. Bin froh es hier probiert zu haben, ist nun wieder gangbar und gewechselt. War dolle zugesetzt und wunderte mich überhaupt noch Diesel durchgelassen zu haben. Darum auch den Hauptfilter gewechselt, was eine Ladung Sand und Rostpartikel am Boden hervorbrachte. Der Tank innen aber sauber, Erklärung kam dann vom Hausherren persönlich, die Pritsche war ja von seiner Nachbarin. Keine Tankstelle weit und breit und all die Jahre in Nutzung hier wurde nur aus Kanistern getankt…

So schraube ich also einen ganzen Tag gemütlich bei bestem Wetter in völliger Ruhe und Abgeschiedenheit, wow. Andere würden diesen Ort fern ab der Straße mit Solarstrom und Wasser aus Kanistern, Ofenheizung und Spatenklo als hinterwäldlerisch bezeichnen. Für mich ist es das Paradies.

Wie auf dem Bild zu sehen bin ich auch sonst mit meinen Basteleien fertig geworden. Der Mopedträger, bei facebook schon wild diskutiert, ist montiert. Zusammenfassung: 40x60mm U-Profile mit 5mm Wandung als 50cm Verlängerung des Rahmens vorne doppelt verschraubt und mit einem weiteren Bolzen abgestützt.

Das ganze dann mittels stabiler Platte an Abschleppöse mit Streben verschweißt deren Dimensionen mit 20x20x1,5mm für ausreichend befunden sind. Rostschutzversiegelt und schwarz lackiert mit Originaler alter Metalstoßstange vorne dann so einsatzbereit.

Meine beiden früheren Sandbleche aus 5mm Alu waren wahrscheinlich mal Auffahrrampen und sind dann nun wieder dem ursprünglichen Zweck zugeführt. die hochkant stehende ist seitlich herauszunehmen und vorne anzusetzen um das Zweirad in die oben verschraubte zweite Rampe zu rollen.

Macht sich so ohne Moped drauf auch super gut als Parkbank mit ggf. etwas Sitzpolster für den Hintern. Fest verzurrt hat meine kleine Aprilia auch schon ein paar Kilometer Testfahrt hinter sich. Gabel zu einem Rahmenteil, das Heck zum anderen verzurrt, der Rahmen am Grill abgestützt und das ganze nochmal am Lenker zum Frontblech mit den Lüftungsschlitzen fixiert… bombenfest.

Kann man so machen. Und ja, das bike muss etwas in die Knie um den Schwerpunkt niedrig zu halten, die Federung auszuschalten und die Sicht nach vorne vollkommen frei zu lassen. Der Beifahrer hätte etwas die Kanzel vor der Latichte… dafür ist aber seine Perspektive etwas anders wie im nächsten Bild zu sehen. (ohne bike)

Weiter vor kann er aber auch nicht, da seine Nase öfter mal die Scheibe berührt und mein Armaturenbrett wie üblich Sammelstelle der Erinnerungen ist. Alles fein säuberlich aus dem Wüstenschiff übernommen. Jahrelange Andenken also dabei.

Fast bis zum Schluss fehlten noch zwei, drei Punkte auf meiner Liste. Terrassenfenster… check.

Musste ich mir anfertigen lassen. Sicherheitsglas (getempert) auf die Schnelle nicht möglich, also zweilagig je 4mm und verklebt nun auch stabil. Der Rahmen dazu mit kleinen Leisten an den dicken Holzrahmen geschraubt und etwas Platz um bei eventuellen Bewegungen des Aufbaus nicht zu verkanten. Hält.

Ebenso die Badewanne die eine untere Strebe am Terrassenboden zur Auflage bekam und oben zwei Hebelchen durch Schwerkraft mit Gummizugunterstützung als Schließer hat… Konzept durchdacht und anscheinend richtig gemacht… ist immer noch hinten dran.

Als letztes wichtiges Element hab ich mir was beim Stahlbauer nahe Lagos anfertigen lassen. 8mm Platte mit aufgeschweißtem Rohr und Deckel zur Fixierung meiner Seilwinde an der Abschleppstange.

Das hat den Vorteil, dass ich diese Stange hinten wie vorne nutzen kann und die Winde nicht anderweitig befestigen muss. Außerdem kann der Zugwinkel egal sein und ich hab kein Rollenfenster nötig. Und die Winde kann demontiert dann sauber und sicher im Inneren mitreisen bis die Zeit zum Einsatz gekommen ist. Um ehrlich zu sein muss ich noch die Kabel dafür vorbereiten. 24V und 7m lang. wird eine Durchführung an der Kabinenwand geben und ab dort zum anschrauben je ein dreiadriges flexibles Stromkabel mit je1,5er Querschnitt für Plus und Minus, sollte reichen. Die Winde hat ne Fernbedienung und kann dann vom Fahrersitz aus unter Zugabe von Antriebsenergie des Motors genutzt werden. Probelauf demnächst in Marokko.
Das ist dann auch das Stichwort, Service beendet, Karre läuft und hört sich gut an.

clip zur Walküre mit Aussicht

Bei 92tkm auch nicht anders zu erwarten, Ventile alle im Maß, nur zwei mit 0.05 verstellt, die hab ich sogar gelassen… Jetzt ist alles für ein paar Jahre sicher. Ich packe trotzdem eine zweite Garnitur von allem Wichtigen ein, Dichtsatz für die großen RBZ, einen Satz 100er Bremsbeläge samt Nieten und Bremskleinteilen, Dichtsätze für Kupplungshydraulig und HBZ, Bremsschläuche und weitere Schnapsglasfilter. Radlagersätze, Radbolzen und Muttern und das übliche an Schrauben, Schläuchen und Elektrikzubehör. Eine neue Glasscheinwerferblende ist so ziemlich das einzige gebrauchte Ersatzteil.

Aus Erfahrung rate ich sonst noch zu einem Mittellager, der kurze Düdo hat aber keines. Alles andere kann man unterwegs improvisieren und muss nicht mitgeschleppt werden. Man denkt da an abgerissenen Auspuff, Reifenventilbruch, gesplitterte Fenster (da hab ich aber noch was vorbereitet) Probleme mit den Kreuzgelenken der Kardanwelle, kaputter Kühler (ne Flasche Kühlerdicht schadet nicht), und mit Blechschäden zum Spengler, wenn es soweit ist muss ich mir sowieso helfen lassen. PS, das sind alles Punkte aus eigener Erfahrung, hab ich was vergessen? Schickt mir gerne Anregungen.

Ein Schluck Öl muss auch immer dabei sein, noch keine genaue Peilung wieviel der OM314 verbraucht, mein angefangenes Fass macht sich aber unterm Auto echt gut. Hier hing früher die Gasflasche für den Herd, musste aber doch umziehen, da nicht liegend zu betreiben… Ölfass wird dann irgendwann zum Dieselkanister umgewandelt. Auf der anderen Seite flog ja der Ersatztank raus um den Luftkessel zu installieren.

Dann kann es ja endlich los gehen. Mein Kumpel Jo erbt wie auch schon Eicke in Deutschland einen ganzen Haufen Ersatz und Neuteile für Düdos, hatte ja noch etwas auf Lager und wusste nicht ob ich noch Zeit finde die anderweitig zu verbauen… Wer also Hilfe am Düdo in Portugal benötigt fragt hier nach Johannes oder bekommt Kontakt von mir. Von Radbremszylindern über jegliche Filter zu Kupplungen vom 407 sind weitere 5Kisten Zeug in sein Lager gewandert. Vielen Dank nochmal für die Unterstützung. Ich hatte viel Spaß, erst Recht bei der Rallye-Rundfahrtfahrt mit dem Corsa durchs Campo zur Dämmerung. Die Gegend immer wieder erstaunlich unzivilisiert, mit Pisten die wirklich mal von der Rallye WM genutzt wurden. Nützlich war die Runde obendrein, meine Wohnraumbatterie hat rechtzeitig noch den Geist aufgegeben und so kam ich nicht nur an Ersatz sondern auch gleich noch ans bisher fehlende Solarpaneel. Man hilft sich hier und weiß wer für was zu fragen ist. Kann mir gut vorstellen hier mal sesshaft zu werden… in ferner Zukunft.
Wir sehen uns wieder… irgendwann.

Doch jetzt folgt Abenteuer.

7 thoughts on “Die Walküre is einsatzbereit, letzter Service.

  1. Claus says:

    ich lesen gerne bei dir , aber ein Frage habe ich doch, wie machst du das mit der Zulassung ? oder ist das in dem Land nicht nötig , gibt’s Versicherungsschutz oder ?
    gruss claus

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    • mb407 says:

      Das Thema kam schon öfter. Wozu sollte ich für ein Weltreisefahrzeug in einem Land steuern zahlen? (Oder TÜV) Für ne Versicherung muss man sich in jedem Land neu kümmern.

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    • mb407 says:

      Nur meine Interpretation und Erfahrungen. Kenne aber nur wenig wirklich angemeldete Weltreisefahrzeuge… und Hauptsache du hast irgend ein Papier und passendes Stück Blech dazu

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  2. Christian says:

    Wenn du die Winde wirklich benutzen willst, brauchst du wesentlich dickere Kabel, je nach Leistung der Winde 10, 16 oder 25 mm². Die 1,5er sind gradmal für gute 200 Watt ausreichend. Wäre allerdings auch praktisch, dass die Kabel abrauchen bevor die Winde aus Ihrer Halterung reißt.
    Du baust alles mit technischem Sachverstand, da verstehe ich solche Ausreißer umso weniger…

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