Das Expeditionsmobil MB608 Ex-Pritsche

Der Aufbau der Pritsche wurde bis zum Etappenziel rechtzeitig vor der Heimreise zum Sommer beendet und mit erfolgreichen Probefahrten deren Tauglichkeit bestätigt. Die letzten drei Monate waren fast täglicher Arbeitseinsatz zur Realisierung meiner Ideen und Wünsche nötig, doch das Ergebnis überzeugt. Kompakt und vor Kraft strotzend steht sie da, natürliche Farben und weiche Formen wirken trotzdem sehr harmonisch. Einen Namen hab ich nun auch endlich erkoren. Eine echte:

Walküre

Ich bin stolz und glücklich, die erste Fahrt führt natürlich an den Strand.

Dieses „Expeditionsmobil“ ist ja für unwegsames Gelände gedacht. Sand und Schlamm auch ohne 4×4 also Allrad zu bewältigen ist immer eine Herausforderung. Nahe Lagos hab ich eine grobe Furche entdeckt, in der mal jemand stecken geblieben ist und erst mit ner Menge Arbeit wieder entfliehen konnte.

Mein Parkplatz also für einen kurzen Sprung ins Wasser. Zurück am Truck sammelten sich schon potentielle Helfer von den umliegenden Wohnmobilen die gar nicht glauben konnten dass ich da vorsätzlich rein gefahren bin. Erst Recht nicht, dass ich ohne Hilfe versuchen wollte raus zu manövrieren. Erster Versuch Rückwärts gab nur eine größere Mulde durch buddelnde Reifen. Versuch zwei dann mit dem Allheilmittel Luft aus den Reifen lassen. Etwas zurück setzen, Sandkeil wegbuddeln und mit Schwung vorwärts raus aus dem Schlammassel wo schon fast die Vorderachse auflag. Hätte ich mir auch nicht so einfach vorgestellt, doch das Drehmoment des 608 mit dem OM 314 Herz echt unglaublich kräftig. Versuch drei die Sandbleche zum Einsatz zu bringen war also gar nicht nötig. Dafür als nächste Anlaufstelle die Tankstelle zum Aufpumpen.

Meine nächste Etappe endete oberhalb des Hügels mit Blick auf den Hippiestrand Barranco.
Der Weg dorthin wendig mit viel Gestrüpp. Störrische Büsche schaben ohne Beschädigungen zu verursachen an den Sandblechen vorbei. Lustiger Weise traf ich im Gelände einen weiteren Offroader mit Hubdach. Die steinigen und hoppeligen Pisten meistert die Pritsche unproblematisch.
Später gesellte sich noch ein echter Klassiker hinzu und auch dieser wie der Zufall so wollte mit ausfahrbarem Dach und somit massig Gesprächsstoff für unsere kleine elitäre Versammlung.

Sehr hübscher und funktionaler LandCruiser mit tollem Zeltstoff am Hubdach. Ideen hab ich mir geholt, mal schauen ob es sowas für meine Zwischenfreifläche wird. Weitere Parallele unschwer zu erkennen, die Schnorchel die natürlich kein hochgelegter Auspuff sondern die Luftansaugung für den Verbrennungsmotor sind. Der Gedanke der dahinter steckt ist sauberere Luft weiter oben (staubfreier als unterm Auto) und ggf. die Möglichkeit zur Wasserdurchfahrt ohne H²O anzusaugen.

Das weiße 4×4 Ungetüm ein Bremach mit Iveco Technik der überall hin könnte und ebenfalls containerfähig ist. Dessen Hubdach hydraulisch und wie einem Schuhkarton ähnlich mit stabilen Seitenwänden. Die Tür dann teilbar und im Fahrzustand nur eine Klappe um reinzukriechen.

Ein tolles Panorama hier oben und eigentlich wollte ein Kumpel mit der Drohne ein paar Runden drehen, war leider zu windig dafür. Foto gibt es trotzdem und echt die perfekte Farbwahl für die umliegende Flora.

Ein weiterer Geländetest war die steile Abfahrt zum Parkplatz an der sich ab und an immer mal wieder Leute mit dem Navi verirren. Lenkrad fest und Daumen fern halten, Motorbremse, erster Gang und langsam laufen lassen. Unproblematisch.

Am Hippiestrand dann viele bekannte Gesichter die das Ergebnis meiner Arbeit sehen wollten. Die Terrasse hat sich auch als geniale Lösung heraus gestellt. Ein Stück privates Areal noch vor dem Eingang zum kleinen Heim. Hier in der Version ohne hochgelupftes Dach natürlich keine optimale Stehhöhe für meine 188cm. Untendrunter ein toller Schattenplatz für die schwarz-weiße Alarmanlage. Er mag die Karre auch und ist sowieso Reiseprofi, hat nun sogar eine Doppelsitzbank direkt neben mir.

Im Innenraum kann man zur Zeit zwar noch nicht viel Reisetauglichkeit erkennen, doch die Raumaufteilung ist vorbereitet und der aktuelle Zustand eher die Notlösung für einige Tage Urlaub im Südwesten Portugals. Immerhin hab ich im letzten halben Jahr kaum was von der Ecke gesehen und nutze die Probefahrt zum Nachholen dieses Versäumnisses.

Matratze, Kocher und Zeug in Kisten, für Andere völlig ausreichend. Mir schwebt ein multifunktionales Sofa unter dem Durchgang vor. Desweiteren eine großzügige Küchenzeile rechts und links ein Sekretär mit klappbarem Schreibtisch und Regal in einem. Ohne viel Schnickschnack, doch mehr als jetzt. Ich genieße die Fahrt und mache mich auf ins Hinterland. Die frühere Besitzerin der Pritsche in ihrer Lebensphase als Nutzfahrzeug, will nun einen Blick darauf werfen. Immerhin seit 17Jahren gehegt und gepflegt bin ich dankbar von ihr solch eine Basis bekommen zu haben. Dass ich fast einen Neuwagen daraus gemacht habe hätte aber keiner gedacht. Auch die aufwändigen Holzvertäfelungen sind wie üblich Gesprächsthema. Alles nationale Baustoffe, vom heimischen Stahlhändler über die portugiesische Pinie und die Korkdämmung von der Algarve.

Das Alentejo ist dünn besiedelt und vielerorts gibt es noch echte Pisten zum austoben. Auch hier schlägt sich mein Fahrzeug recht gut. Nur die Vorderachse ist mir noch etwas zu hart im Vergleich zu meinem MB407 der solche kurzen Erschütterungen weicher weg steckt. Bin ich wohl doch noch zu leicht für das stabile 6Tonnen Fahrwerk? Werde ich erst sehen wenn alles verstaut und ausgebaut ist, ne Federlage weg nehmen geht dann immer noch.

3500kg wiegt die Geländepritsche aktuell mit diesem Setup. Schätze reisefertig dann knapp 4Tonnen und damit sehr in Ordnung. Der große Motor ist viel stärker von unten heraus, dazu sind 5Gänge nun einer mehr. Schneller als 80-90 bin ich aber nicht gefahren. Obenrum schätze ich meinen 3Liter Umbau im Van (Om617) aber agiler ein. Reisen, nicht rasen ist das Ziel und ich habe ein sehr gutes Gefühl bei diesem Projekt womit im Herbst ein neuer Abschnitt meines Lebens beginnen wird.

Zwei gelungene Fotos noch zum Abschied auf Zeit und zum Abschluss der ersten Bauphase dieses großartigen Fahrzeuges.

Danksagungen gehören irgendwie auch mal hier hinein.

Primär natürlich Lutzi, die Zauberkünstlerin mit Blech wie Stahl und ihrem WIG Schweißgerät. Der Rahmen hält sicherlich nochmal 40Jahre.
Dank auch an die Werkstatt Crew mit Inti dessen Projekt parallel Gestalt annahm (wie angekündigt bald mal im Detail zum blog) sowie Simon&Beth mit ihrem 508 hier einen Monat Dauergast. Hilfe zu Gegenhilfe und immer viel Unterhaltung zwischendurch.
Es gab einige Interessierte und frei Helfer wie Matze, Rico, und meine italienischen Freunde Eduardo, Emy & Maya, danke für die Abwechslung.
Auch Holzwürmer waren gerne gesehen. Dank an meinen Kumpel Marian aus der Heimat der bei seinem Besuch sofort Werkzeug und Leiter holte, sowie Jan (Juan) und Brando für viele Kleinigkeiten und Ideen zur cleveren Umsetzung meiner Vorstellungen.

Alles in allem wie bei jedem Projekt, ab und an bis zur Verzweiflung, blöde Fehler und einiges an Fluchen doch am Ende wird alles gut.

4 Gedanken zu “Das Expeditionsmobil MB608 Ex-Pritsche

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