Heimrasen Teil 1

Meine Zeit in Portugal ging nicht nur dem Ende entgegen, sondern es wurde knapp. Ich hatte einen Termin zu Pfingsten im Schwarzwald einzuhalten, andererseits aber auch mein Projekt die 608 Geländepritsche soweit fertig zu stellen, dass alle später benötigten Materialien und Sachen die ich schon für meine Expedition einplane gleich hier bleiben können und Platz finden. Nun also Zwischenlager.

Der Truck und mein Mopped kommen hier in der Ecke bewacht unter und werden den heißen Sommer hoffentlich gut überstehen.

Die Werkstatt wird praktischer Weise auch zum Ende des Monats aufgegeben, wäre auch blöd weiterhin an den Gauner Miete zu zahlen. Die Kollegen in der Halle sind ebenfalls fertig oder ziehen mit Sack und Pack um, die letzten Tage hieß es also sortieren und aufräumen. Bei mir dann zwei verschiedene Haufen, da eine Fuhre Ersatzteile zum Verkauf (übrig aus der Schlachtung) mit nach Deutschland müssen. Außerdem war ich in den letzten Wochen fleißig und habe für den Heimweg vorgesorgt. Nirgendwo ist es leichter an Frittenöl zu kommen und Zeit zum filtern fand sich hier auch noch irgendwie. Über 300Liter sind so zusammen gekommen.

Mein Kofferraum dementsprechend auch wieder bis unter die Decke voll beladen und der Anhänger beherbergt neben Motor und Getriebe noch Krümmer, Vorderachse und die beiden Hecktüren wie ein Zelt drüber aufgestellt. Alles gut verzurrt und das Sicherungsnetz drüber kann es trotzdem lustig werden. Ich mache mir keine Illusionen, bin hemmungslos überladen, wenn auch nicht aus technischer Sicht das Fahrzeug betreffend, eher die 3500kg Zulassung.

Für eine Entspannte Reise fehlt nur noch eines: Reiseproviant, und wo das zu finden ist weiß ich auch. Mein letzter Sonnenuntergang an der Algarve also in der Nähe von Portimao bei meinem favorisierten Container. Der Fund perfekt. Haltbares und Obst, Frischware für Morgen, ausgewogen und lecker.

Zum Glück muss ich niemand anderen mehr durchfüttern und kann entspannt mit einer Kiste von Dannen ziehen. Kleiner Snack und etwas aufgeregt ob der langen Fahrt die nächsten Tage mache ich mich schon für die ersten paar Kilometer auf die Socken raus aus der Stadt.
Kurz vor der Grenze zum Alentejo, da meine Route übers Landesinnere führt, nehme ich einen strategisch günstigen ruhigen Schlafplatz ein und wache pünktlich mit den ersten Strahlen der Sonne auf. Ab hinters Lenkrad.

Das Wetter die nächsten Tage wird gnadenlos, Sonne satt und keine Briese die vom Wasser her Milderung schafft. Als einziger Vorteil zu den üblichen Zugvögel-Gegebenheiten hab ich den Großteil des Tages die Sonne im Rücken und damit etwas Schatten und werde nicht geblendet. Jeden Herbst bei der Fahrt in den Süden ist das ein nicht zu unterschätzender nervender Faktor… wenn man sowas von Licht und Wärme überhaupt beanstanden darf.

Es rollte gut und flüssig die LC1 hinauf vorbei am Santa Clara und weiter die LC2 vorbei an Evora in Richtung spanischer Grenze. Einige (wenige) sehenswerte Punkte wie Portel habe ich mir für den Herbst auf der Liste markiert. Ansonsten wie nicht anders erwartet die übliche Vegetation aus Kork, Eukalyptus und jetzt schon ausgedörrten Wiesen. Aber ich brauch mal ne anständige Pause nicht nur zum Pinkeln und Essen. Zwei Liter Wasser hab ich noch vor dem Mittag durch meinen Organismus gejagt. Das letzte Stück zur spanischen Grenze neben der Autobahn passiere ich Elvas.
Das Städtchen bietet sich für einen Stop an, da ich auch so schon die Stadtgrenze streife und es interessant zu sein scheint.

Hinter der großen alten Stadtmauer durch die heute noch die Autos müssen (und ich mir deshalb mit dem Bus außerhalb nen Parkplatz suchte) liegt eine recht urige Altstadt mit historischem Flair.

Schmale steile Gassen und einige alte Gebäude und natürlich Kirchen gibt es zu bestaunen.

Die Sonne jedoch erbarmungslos und so geht es über schattige Wege zu einem schnellen Rundgang durch Elvas. Ganz oben thront eine Burg und erstaunlicher Weise bin ich so ziemlich der einzige Tourist hier.

Ein schöner Ausblick über… nun ja, ne Menge ödes Land rings herum… fotogen war auch erst wieder die Stadt an sich etwas weiter unten.

Die Ablenkung war trotzdem nötig und frisch erholt geht es auf eine weitere Etappe. Frittenöl nachgetankt fahre ich nun zu 100% damit und merke keinen Unterschied. Die Grenze nicht mehr weit und die Großstadt Badajoz dahinter lasse ich auch unberührt, hab alles was ich brauche und fahre.
Vorbei an Caceres und Plasencia ist die Gegend unspektakulär und die Route gut zu fahren. Ein paar Hügel an gut ausgebauten Schnellstraßen. Erst kurz vor Bejar der erste richtige Anstieg der mich in den zweiten Gang zwingt und ich den Lüfter einschalten muss. Die Sonne steht nun schon tief und ich hab gut Strecke gemacht. Der Mb407 mit dem Fünfzylinder Herzen ist keine Rakete, läuft aber echt gut gemessen der Gegebenheiten und Außentemperatur.
Auch Salamanca passiere ich heute noch und suche mir erst bei Tordesillas ein Nachtlager für einen vielleicht interessanten Morgenspaziergang bevor es wieder hinters Steuer geht.

Nun ja, die Nacht war ruhig aber ich hätte auch irgendwo in der Natur bleiben können, sehenswert ist hier nix, wie üblich nur altes Gemäuer an nem beschaulichen Fluss.

Tag2 des Heimrasens also und immerhin schon weit über 500km zurück gelegt. Meine Knochen lechzen nach Bewegung und ich halte kurz in Valladolid bei meinem FitnessCenter an welches nun wieder regelmäßig besucht werden „sollte“. Die Großstadt reizt mich nicht, also weiter. Interessant jedoch auf der Route nach Palencia so ca. Halbe Strecke gibt es zwei gigantische LKW Schrottplätze neben der Autovia. Markiert und vielleicht mal andermal besucht.

Ich bin im spanischen Norden und es wird bergig. Burgos und Vitoria-Gasteiz hab ich vor Jahren schonmal auf Alternativrouten in den Süden passiert. Der einfachste Weg nach San Sebastian erscheint mir durch Idiazabal und die Schlucht dort ist schon was fürs Auge. Kann mir die Gegend gut als Wander- und Klettergebiet vorstellen.

Aber das Ziel ist angepeilt und Irun sowie die französische Grenze nach einigen Staus auch endlich hinter mir. Hier unten um Biarritz war ich auch schon häufiger. So wusste ich auch wo ich die Nacht verbringen will… letztmalig für diesen Sommer am Atlantik und natürlich auch rechtzeitig zum einzig wahren Sonnenuntergang direkt am Horizont über Wasser.

2 Gedanken zu “Heimrasen Teil 1

  1. Max schreibt:

    Hallo,
    Was mich ja immer wieder Wunder ist dass dein 407 das alte Frittenöl so weg frisst. Ich habe ja ein Cummins 6BT hätte da ja Schiss das es meine Einspritzpumpe zerreißt ist ein direkt Einspritzer.

    Sonnige Grüße
    Max

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