Heimfahrt durch Frankreich

Die ersten beiden Tage also ging es über 1000km durch die iberische Halbinsel. Es war heiß und relativ öde, der Weg mal nicht das Ziel. Dafür mein Nachtplatz nahe Capbreton lauschig und entspannt wie gewohnt. Wenn auch der letzte Parkplatz vorm Strand durch eine Schranke gesperrt war und sich einige Camper und Surfer im Wäldchen davor eingenistet haben.

Der nun wirklich aller letzte Blick auf den Atlantik beim Gassi am Morgen und dann ab hinters Steuer. Richtung Bordeaux kann man sogar die Autobahn nutzen ohne Maut zu zahlen, wenn man die Mautstelle bei Liposthey umfährt. Die Idee war mal nicht auf meinen Mist gewachsen sondern durch die Navi Einstellung ohne Maut entstanden. Wäre sonst auch gut teuer laut der Auflistung hier:

Um Bordeaux herum und weiter Richtung Angouleme, welches mir als hübsch und sehenswert in Erinnerung war. Diesmal aber kein Stop, für gar nix. Es läuft gut aber trotzdem immer noch sehr heiß und sonnig. Ich brauche ne anständige Pause und Atlas hächelt auch ordentlich. Wir wählen Confolens am Fluss als Ruhepol. Hund kann baden und ich meine Sinne entspannen.
Die Route also mal nördlich an Limoges vorbei, die Landstraße gut ausgebaut mit überschaubarer Anzahl von Kreisverkehren die mich hier in Frankreich doch schon wieder recht heftig nerven.

Bellac in der Vorbeifahrt als „demnächst mal besuchen“ markiert, sieht interessant aus… heute aber nicht. Gueret fliegt auch vorüber und ich steuere Montlucon an. Klar hat auch dieser Teil Frankreichs seinen Charme, aber ich bin definitiv nicht mehr im Süden. Keine Palmen und deshalb müssen Platanen herhalten um dekorativ beschnitten zu werden.

Ich bin tapfer und kämpfe am Steuer gegen die Langeweile. Hörbuch im Ohr und die Augen auf der Straße. Hinter mir meist ne Schlange obwohl ich mit über 70 durch die Gegend rase. Fans hab ich überall, viele grüßen mit Hupkonzerten wenn sie mich dann doch endlich passieren. Solch ein Oldtimer zum Sonntagsausflug ist schon was feines.

Die Franzosen hier unten haben Kohle oder es liegt irgendwas in der Gegend an, mir begegnen so ziemlich alle teuren Sportwagen von Lambo über Ferrari und Co. Dazu auch viele Veteranen aus Vorkriegszeiten. Autokultur im Alltag, schön. Manchmal sogar als Konvoi. Nun ja, ich habe meinen eigenen, hinter mir fährt der Pöbel.

Ich nächtige vor Montlucon an einem angelegten Badeteich mir CampingAreal. Keinen Bock auf weitere Suche, morgen früh geht’s gleich weiter.

Es ist nicht ganz nötig aber meine Neugier containertechnisch auf französische Delikatessen geweckt. Ich könnte Nudeln essen und Zeit sparen oder wenigstens einmal gucken, schadet ja nicht. Hab bezüglich meiner dumpster diving Artikel einige Meldungen bekommen, dass Frankreich nun ein Verbot zur Verschwendung ausgegeben hat… hier in Chalon-sur-Saone war das noch nicht durchgedrungen.

Man muss dazu sagen es war Sonntag Nachmittag und die Tonne hinterm Netto frei zugänglich. Es war auch ein ganzer Haufen HagenDasz oder „wie auch immer“ Eis darin, die zwar noch kalt aber schon flüssig. Der Fisch, Spinat und die TK-Torte waren aber noch gefroren. Kommt also mit. Zur Krönung, zwar pervers aber mal probieren, gab es Foie Gras und damit kein Grünzeug sondern Enten Stopfleber. Eine Quälerei für die armen Viecher und dann noch für den Müll. Kein Wunder, wer will auch reduzierter Preis 5,- für 80g ausgeben.
Also erster Versuch, erster Treffer, mit Obst und Schlemmereien. Jetzt schaue ich wirklich nirgendwo mehr hinein… oder doch?

Ich komme meinem „Lieblingsfluss“ nahe und mache einen kurzen Badestopp in der Doubs. Dies in Höhe Champdivers neben einer Brücke nachdem ich vergeblich den auf Maps.me gezeigten Strand gesucht habe der dann wohl die Halde des nahen Betonwerkes sein sollte. Klingt jetzt nicht cool, aber das Wasser wie gewohnt eines der klarsten was man sich vorstellen kann. Haufenweise Fische und angenehm kühl.

Ich sitze und liege ne Weile nackt drin und werde wahrscheinlich von jedem passierenden Auto angegafft…. egal, war nötig. Weiter geht’s.

Ich umfahre Dole (was man sonst nicht machen sollte wenn man die Stadt noch nicht gesehen hat) und auch meinen Lieblingsplatz bei Rochefort-sur-Nenon lasse ich rechts liegen, ein bissel Strecke kann ich heute noch machen. Eigentlich würde ich es bis Freiburg schaffen, muss aber nicht sein.

Vorbei an Bisanz oder nun Besancon befinde ich mich im Elsass, heimatnah. Die Neugier siegt doch und ich stoppe kurz an einer bekannten Tonne Intermarche in Baumes Les Dames… Volltreffer mit Fleisch für Atlas, Räucherfisch und einigen Innereiengerichten wie Kuttelnsuppe eher Gulasch. Reisen heißt auch neue Dinge probieren… mag das Zeug in Marokko sonst auch immer, als Gulasch zu Nudeln hatte ich das aber noch nicht. Hunger zieht auf und die Karte verrät es geht in der Nähe zum Fluss runter… warum nicht.

Etwas Abenteuer bei der Brücke mit 2,70m Höhe markiert haben die Franzosen aber echt ne komische Messlatte wenn mein 3,30m Bus ohne Probleme durchpasst. Hab’s natürlich nicht auf gut Glück probiert sondern konnte beim Springen die Decke nicht erreichen… Philipp Test.

Und dahinter eröffnet sich ein kleines Paradies. Ein gemütlicher Parkplatz für Kletterer und Rollschuhausflügler zum schwindenden Sonntag. Der kleine Weg entlang dem Fluß gut asphaltiert und zugang zum Wasser gibts auch. Außerdem ne Quelle und Schatten, als Bonus sogar ne Feuerstelle. Hier bleibe ich und koche.

Der Abend von Fröschen, Vögeln und Grillen besungen rauscht nachts nur ganz gemütlich das Wasser vorbei. Sonst Stille! Keine Straße weit und breit, auf der anderen Seite nur ein Weg zu ner Farm weiter stromabwärts.
Auch der nächste Tag startet entspannt, nach vier Tagen hinterm Steuer und 2000km auch verdient. Etwas Bewegung beim joggen und nen erfrischendes Bad, gut gegessen und schon ist Mittag. Jetzt lohnt es auch nciht mehr los zu fahren bei der Hitze. Ich hab gut Vorsprung rausgearbeitet und nur noch eine Etappe bis zum Ziel. Kann also heute getrost blau machen. Das ist Freiheit.

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