Die Pritsche

Ich hab mich auf den ersten Blick verliebt. Es kam einfach über mich… ich musste sie nehmen. Ich stelle vor, die Neue… die Pritsche.
Ja, manche Entscheidungen fällt man nicht aus Vernunft. Mein Fuhrpark eigentlich schon zu groß aber die Kleine hier musste aus dem Campo gerettet werden. Hat dort die letzten 17Jahre, zum Glück weit genug von der Küste entfernt, als Baufahrzeug und zum Holz holen gedient. Ein wahres Wunder, dass nur eine Daumengroße Stelle am Radlauf vom Rost befallen ist. Doch nun etwas genauer, was ist eine Pritsche? Da ich mich ja den Mercedes T2 genannt Düdos verschrieben habe nun mal ein Exkurs in die Modellpalette. Ein toller Werbefilm der 70er Jahre.

DüDo Werbevideo

Genauer beschrieben handelt es sich um eine Geländepritsche der Bundeswehr. Das Gestell der Ladefläche ist mehrfach gummigelagert und arbeitet bei Verdrehungen des Hauptrahmens mit. Dies ermöglicht extreme Fahrsituationen ohne Schäden an der Ladung. Eigentlich genau das was die Offroad-LKW und Expeditionsfahrzeuge immer versuchen unter ihre Shelter zu basteln. Hier steht es nun als gut gepflegtes originales und funktionales Gefährt vor mir und wird deshalb so wie es ist respektiert und übernommen. Der 608 ist auch eines der letzten Modelle und dadurch oft erprobt und verbessert, das Gebilde eine perfekte Einheit.

Der Nachteil ist zwar das zusätzliche (überschüssige) Gewicht der Konstruktion und die dadurch bedingte Höhe der Ladekante. Immerhin 110cm sind es die schonmal überwunden und in die Gesamthöhe eingerechnet werden müssen. Aber trotzdem überwiegen die Vorteile und den Rest kann man dementsprechend planen.

Der Grundriss beträgt grob 3,20×2,20 und wäre damit nur halb so groß wie mein aktuelles Reisemobil. Jedoch sind im Wüstenschiff der Fahrgastraum und das große Bett im Font in die 12m² eingerechnet, ohne die wäre es sogar eine Aufwertung. Außerdem plane ich einen Alkoven.
Spätestens jetzt sollte klar sein, was ich mit dem Ding vor habe. Logisch, es wird ein Expeditionsfahrzeug der besonderen Art. Ich habe vor einen mit Stahlgerüst verstärkten Holzaufbau auf die Pritsche zu setzen. Die Besonderheiten hier verrate ich noch nicht bis meine Ideen in die Tat umgesetzt sind.

Wie erwähnt steht die noch Namenlose bestens da, der Motor mit seinen 92tkm summt wie eine Biene und die Karosse sieht fast perfekt aus. Nur die Bremse vorne ging auf die letzten Meter fest. Gehe davon aus, dass auch niemand in den letzten 17Jahren dort reingeschaut hat und bin deshalb mehr als begeistert dass alles so lange durchgehalten hat. Der Retter naht, ich kümmere mich um deine Wehwehchen Kleines, das hast du dir verdient.

Wie erwartet war alles etwas verdreckt und die Radbremszylinder natürlich Auslaufmodelle. Trommeln und Beläge dafür neuwertig und weiteres Indiz für die Authentizität des geringen Tachostandes. 100mm und damit die breiten Backen nun mit 23,8mm ATE Hydraulik wie neu. Dazu ein paar neue Abschmiernippel an der frisch gefetteten Achse ohne Höhenspiel… alleine das schon ein Traum.

Geschichten kann das Fahrzeug sicherlich ne Menge erzählen. Der originale Aufkleber in der Tür zur Erklärung der Lastabhängigen Bremse an der Hinterachse ist noch vorhanden. Interessanter aber ein Aluschild auf der Ladefläche… Truppentransporter ohne damaligen Spaßfaktor.

Mich würde echt interessieren was die damit damals angestellt haben. Vielleicht kann jemand was mit der dreigepunkteten Blume und der 61 was anfangen?

Zur Ausstattung gehört auch eine fette Rockinger Anhängerkupplung… Die Pritsche schleppt wohl einiges weg.

und als Bonus ist dieses Teil im Rahmen des Pritschenaufbaus integriert… eine gigantische Abschleppstange die vorne wie hinten passt und ein weiteres Lächeln in mein Gesicht zaubert und Männerträume ermöglichen wird.

Das ganze andere unnütze Geraffel unter der Ladefläche kann schonmal weichen. Reserveradhalterung und Gerüst für zwei Nato-Kanister… das geht effektiver.

und erst recht die kleinen Staufächer an den übrigen freien Stellen für Feuerlöscher und Munitionskisten.

Als nächstes ist die Ladefläche dran. 17Jahre Holzlaster und Bauhure haben ihr nix anhaben können. Alle Seitenwände ohne grobe Macken nur die Bodenplatte muss aufgrund ihrer organischen Herkunft dem Lauf der Zeit Tribut zollen.

Und auch hier bei näherer Betrachtung keine Pflege des Materials und trotzdem (Danke da oben) keine Auswirkungen auf die Substanz. Die Kettenanker und umliegenden Kästen voll mit feuchtem Lehm und quasi Kompost, hat die letzten Tage mal geregnet hier.

Zur Aktion “Pritsche Besenrein” wurde auch der Innenraum entstaubt und der Dreck aus den Fugen gekehrt. Was ich auch immer mal gegen Gammel empfehle war hier mehr als nötig. Eine 5cm hohe Staubschicht im unteren Teil zu festem Lehm verdichtet hat sich in den Türen abgesetzt und damit den Ablauflöchern keine Chance gelassen. Und wieder bin ich einfach nur ein Glückskind… denn ich hab trotzdem keine Durchrostungen in den noch originalen Türen gefunden und alles rausgekratzt und freigeblasen. Es folgt der Hochdruckreiniger und ne Versiegelung.

In der Kombination können wir beide uns echt glücklich schätzen den Partner vielleicht sogar fürs Leben gefunden zu haben… hier unten in Portugal. Das Schicksal wollte es also, deshalb bin ich hier hängen geblieben.

Mit Blick auf den Unterschlupf… die Regenzeit wird kommen.

Und damit kommen schon promt die nächsten Fragen auf… wo steckt der Kerl da genau? Was ist das ganze Zeug im Hintergrund und was passiert nun mit dem Tanzsaal und dem 613 Hottifant? Erst Recht mit dem Wüstenschiff wenn seine Pläne Form annehmen? Geduld…
Wie gesagt, in den Tag hinein Leben (ohne faul zu sein) und nicht träumen sondern MACHEN mein Motto. Es ist immer gut Alternativen also einen Plan-B zu haben. Die Ideen kommen von ganz alleine und ich werde über die Umsetzung berichten. Sowas in der Art könnte man sich aber schon grob vorstellen (online geklaut…macht doch jeder) Seid gespannt.

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