Zwischendurch an der Algarve

Ich höre hier viel zu oft, dass ich vor lauter Projekten das Leben vergesse. Dem ist nicht so, ich genieße was ich tue und hätte mir diesen Winter nicht spannender vorstellen können. Meine Rückkehr im Mai ist fix, hab in Deutschland noch ein paar Dinge zu regeln. Also wäre diesen Winter wieder nur eine kurze Fahrt mit begrenztem Zeitbudget drin gewesen. So aber kann ich mich an einem Ort austoben und nebenbei die Basis für mein größeres Vorhaben aufbauen.

Über meine aktuellen Funde und Projekte habe und werde ich noch genügend Zeilen los. Dass aber auch meine Freizeit und Entspannung nicht zu kurz kommt beweise ich hiermit.

Klares Motto und Wegweiser für ein Leben in Freiheit. Die Tage starten und enden wann und wie man mag. Irgendwie Ritual geworden Sonnenaufgänge bewusst zu erleben.

Manche würden es früh aufstehen nennen, ich sehe es lieber als effektive Tagesnutzung. Die Energie der Sonne, unserem Lebensspender, wirkt nachweislich positiv auf Körper und Geist. Hier unten nicht nur durch weniger Wolken sondern auch einer Stunde mehr in der Summe verfügbar. Dazu eine ruhige Runde Sport mit Gymnastik oder Jogging und ich bin glücklich. Der Abend wiederum kann dann auch mal ohne schlechtes Gewissen mit dem Untergang eingeleitet werden.

Das Farbenspiel quasi der Abgesang und endlich auch wieder zu akzeptableren Zeiten. Die Temperaturen fallen rasch und Pullover, wenn nicht sogar Jacke ist dann Pflicht. Wenn ich also nicht grad am Basteln in der Halle bin oder irgendwo am Lagerfeuer zum philosophieren rumsitze ist es nun mal Zeit in den Bus zu verschwinden. Da freut man sich über jede Möglichkeit seine Zeit bis zur Nachtruhe ohne Langeweile zu verbringen. Es gibt Filme, Hörspiele und Bücher, ich hab ab und an immer noch die PlayStation am Laufen und natürlich wird auch gebloggt und sozial genetzwerkt. Doch in letzter Zeit geht meine Akkulaufzeit immer mehr für Duolingo drauf. Portugiesisch ist echt interessant und mit Hintergrundwissen französisch (oder auch spanisch) leichter als gedacht. Mein rollendes Heim lässt keine Wünsche offen, ich habe immer genug Strom auch für die Bettheizung in den kälteren Nächten. Der Ofen ist kaum noch an, es wird milder hier. Der Blick auf das Wetter der Heimat hingegen bringt kein Heimweh.

Da kann man doch solche Aussichten eher akzeptieren. Es soll ja bald die Regenzeit kommen… doch noch passt alles super.

So hat auch der Bobber seinen Anteil meiner Aufmerksamkeit und ist die ideale Wahl für diesen Winter. Sei es nur schnell um Ersatzteile in Lagos abzuholen oder neue Ecken auszukundschaften die nicht blauäugig mit dem Bus angesteuert werden sollten.

Und auch das andere Zweirad kann sich nicht über Bewegungsmangel beklagen. Hinter Sao Joao ist ein kleines hügeliges Wäldchen wo eine tolle Strecke mit teils sogar waghalsigen Sprüngen installiert wurde. Wenn also mal Laufen am Morgen ausfällt gibt’s die Portion Sport im Sattel.
Fahrrad

Auch zur Lebensmittelbesorgung bin ich ja schon mit dem Rad los. Ein Rucksack ist aber schnell voll und meine Kombüse nie in Mangelerscheinung. Meist verbinde ich die “Suche” aber mit Ausflügen in die Großstadt. Portimao bekommt noch einen eigenen Blog, meine Funde dort sind einfach unglaublich.

Im letzten Bild ersichtlich sogar tagesfrisch aus dem Restaurant, einzeln verpackte regionale Spezialitäten. So kann ich meist die Zeit fürs Kochen sparen und mehr in der Werkstatt abhängen.

Aber auch die üblichen Milchprodukte und Brotfunde gibt es, nur Obst wird irgendwie rarer auf meinem Speiseplan.


Die ganzen Baguettes ja eher nicht meine erste Wahl, aber der Zeitpunkt war ideal. Tagelanges in Würfle schneiden und trocknen und wozu das Ganze?

Einen ganzen Haufen Knödel und dazu die gesammelten Pilze aus dem Schwarzwald in einer tollen Sauce. Fehlen nur noch die hungrigen Mäuler dafür… klarer Fall für den Hippiemarkt. Es war mal wieder soweit und diesmal noch größer als zu Weihnachten. Bei Fussel Philipp dem berühmten Mechaniker gab es bayrische Semmelknödel mit Schwammerlsauce. Darf sich wirklich so nennen, denn ich hatte bezaubernde süddeutsche Unterstützung und konnte mich parallel um die üblichen Verkäufe von unnützem Geraffel kümmern.

Die Knödel der Renner und auf Spendenbasis sehr gerne angenommen. Über hundert kamen definitiv aus dem Topf und wurden sogar von einem österreichischem Koch geadelt. Was ein paar angeröstete Zweibeln und Muskatnuss doch ausmachen können. Übrigens auch begehrtes Tauschobjekt bei den Nachbarn und somit erfolgreich auf ganzer Linie. Der Markt wie üblich einige Tage lang und vorerst wohl mein letzter… den nächsten schaue ich mir mal aus der Zuschauerperspektive an, hab eh nix mehr zu verkaufen.

Der einzig ruhige Moment am frühen Morgen, wenn sich grad die Sonne über den Hügel rollt. Drei Tage Troubel sind mir doch zu viel. Selbst wenn ich wie dieses mal nicht mittendrin sondern ganz am Rand stand und kaum Verkehr vor der Nase hatte. Besagte Ruhepause mal ohne Musik und Hundegebell aufgenommen. Ein fast schon idyllisches Camp.

Der Montag Morgen gab für die Werkstatt ne Tüte Putzlappen und für die Müllabfuhr wieder nen Berg Arbeit… die lernen es nie.

Ich bin dann mal wieder fleißig und hab auch gut was vor. Der Markt auch super zum Kontakte knüpfen. Meine gute Arbeit an den Düdos hat sich schnell rumgesprochen und ich könnte allein daran Vollzeit arbeiten. Doch auch die Pläne für die Pritsche verdichten sich. Montag nach dem Markt biete ich einen Workshop an und checke ein paar Gefährte, darunter auch den hübschen gelben den ich mal unterwegs abgelichtet habe.

Ein früher 508 mit guter Technik und wenigen Problemchen. Leider gab es aber auch eine Teilnehmerin mit niederschmetterndem Fazit meinerseits. “Keinen Cent mehr in die Bude”… Rost an jeder Stelle die man sich denken kann, selbst das Karosserielager aufgequollen und eingefallen. Alle Leitungen, Schläuche, Gummilager und beweglichen Teile in mieserablem oder nicht existentem Zustand. Holländische Papiere aber einen hübschen und extravaganten Ausbau… wie dessen Besitzerin.
Der Motor startet nur auf drei Töpfen und selbst das schwer. Sie muss jeden Tag Dot4 nachfüllen… wtf…und ist trotzdem glücklich damit. Ich konnte wenigstens schnell noch die auslaufende vordere Bremse vor Publikum im workshop neu bestücken damit die nächsten Monate ein Abschied auf Raten möglich wird. Reparatur auf Spendenbasis und ich wünsche ihr viel Erfolg und vor allem ne sichere Fahrt.

Ich mach mich dann mal auf die Socken in die Werkstatt. Und darüber berichte ich dann demnächst.

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2 thoughts on “Zwischendurch an der Algarve

  1. Frank says:

    Hey Philipp, im letzten Eintrag hattest du geschrieben” in den Tag hinein Leben, ohne faul zu sein ” Das finde ich total genial und jeder Gedanke an: du könntest etwas falsch machen, erscheint mir völlig abwegig.
    Alles Liebe!
    Frank

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