Düdos in Portugal, leidenschaftlicher Urlaub

Ja, ich hab es mit dem blog etwas schleifen lassen (müssen). Bin aber nicht bei den Hippies versackt und im Drogensumpf verschwunden. Es gibt genug zu tun, packen wir es an. Ich war schon gut fleißig. Meine zufriedenstellende Arbeit an Düdos spricht sich rum und erst Recht hier unten bei der Vielzahl an Bussen mit knappem budget. Schon zum Neujahrstag hatte ich den Blaumann tragen müssen. Seit dem geht es von einem Termin zum anderen. Trotzdem entspannter als ich in nördliche Gefilden im Sommer schufte, dazu meist bei sonnigem Wetter zwischen 10-16Uhr bei um 20Grad… reicht. Und Freizeit nehm’ ich mir wann es passt.

Eine komplette Bremsrestauration wird hier auch auf zwei Tage aufgeteilt und wie in der Heimat ist dies das dringendste Bedürfnis bei den Düdos. Der Zustand der Fahrzeuge hier ohne Überwachung durch Tüv&Co sowie nicht existentem Risiko von Kontrollen extrem schlecht. Meist kommen die Anfragen erst wenn schon offensichtlich alles im Eimer ist. Es fahren aber auch kuriose Gefährte hier herum

Durch meinen Kompressor und die Werkzeuge an Bord bin ich wie üblich mobil und hab auch schon am Strandparkplatz Hand angelegt. Wo es halt grad passt, stört hier niemanden. Der Marktplatz in Barao mein abgelegener Favorit mit viel grün drum herum… man bleibt halt über Nacht einfach stehen. Zur Not auch aufgebockt.

So arbeitet es sich entspannt und alle sind glücklich. Lagerfeuer am Abend, und gegen die Kälte am Morgen den Ofen einheizen… macht auch gleich die Waschschüssel warm um nach dem Joggen zu “baden”

Das mobile Konzept zieht hier unten anscheinend, hab einige Handwerker kennen gelernt und wer seine sieben Sachen dabei hat braucht sich nicht um Material und Werkzeuge kümmern. Tolles setup eines weiteren Deutschen mit ner Werkstatt im Anhänger die andere nicht im Keller haben.

Mein Auftrag hier unten war ja bekannt und ich hab entsprechend essentielle Ersatzteile besorgt. Bin ja locker mit 100kg Verschleißteilen durch Europa gegondelt. Doch ehrlich gesagt hab ich das Aufkommen unterschätzt und nicht genügend eingepackt. 16 Radbremszylinder sind schnell verbastelt. Kein Problem denkt man, hat ja alle Herstellernummern und Alternativen im Kopf. Nur leider spielt die Infrastruktur in Portugal nicht mit. 407er, 508er und 6xx waren hier nunmal schon immer selten (bevor die Hippies damit eintrudelten) Online schoppen geht hier so gut wie nicht und bei den örtlichen Teilehändlern die zum Glück meist gut englisch sprechen hapert es dann an den Möglichkeiten. Was bleibt also übrig als in der Heimat ordern? Versand wird sicherlich exorbitant… bietet aber auch wieder ne Chance DIE andere Idee durchzuführen. Ich muss kurz zurück in die Heimat.

Schnell ist ein Flug von Faro nach Berlin gebucht… Umwelttechnisch völlig gegen meine Überzeugungen, aber bevor ich mich selbst hinters Steuer setze oder tagelang Züge und Busse buche… bei 9,99 wäre ich schön blöd. Ja, ehrlich unter 10,- mit allem drum und dran in vier Stunden in den Winter segeln, hoffentlich geht die Gesellschaft daran Zugrunde.

Rückflüge hab ich für 13,- gefunden, wäre nur blöd mit dem ganzen Gewicht der Ersatzteile, da kam mir eine weitere verrückte Idee. Ich will ja schon länger weniger für andere Schrauben und mehr für mich machen. Der nächste Sommer ist für den Tanzsaal so gut wie verplant. Was danach mit dem Projekt geschieht wird wohl meiner Reisekasse zu Gute kommen. Der riesige Koffer ist doch nicht mein Traum.

Link zum Tanzsaal

Das Wüstenschiff bekommt zwar noch eine Außenkur, ist dann aber perfekt, eigentlich alles was man brauche… und damit der Albtraum eines Bastlers. Es hat sich unverhofft wie sowas nunmal meist geschieht Konkurrenz in den eigenen Reihen eingeschlichen. Längere Geschichte, man hat ihn mir quasi aufgedrängt. Ich stelle vor, Hottifant das 613er Breitmaul.

Das Dickschiff ist fahrbereit und bezugsfertig, wenn auch die Ausstattung 80er Flair besitzt. Der Traum also das Ding hier runter zu rasen und neu aufzubauen.
Und was sage ich immer zu Träumen… nicht lange hadern… ausführen, was hat das sonst für einen Sinn sich den Mund wässrig zu wünschen? Also gab ich ne Annonce auf um Mitfahrer für den Trip zurück nach Portugal zu finden die nen Spritanteil übernehmen, auch schon erfolgreich. 3000km in drei Tagen möglich? Drei Betten im Bus, hieße auch drei Fahrer möglich. Schneller als das Wüstenschiff ist das Teil auf jeden Fall… 6Liter Hubraum mit 130PS und echt gut in Schuss. Hab ihn im Sommer ja schon geholt und zu nem Kumpel gefahren… Ein unbeschreibliches Gefühl wenn man LKW mit zweistelligem Geschwindigkeitsüberschuss überholen kann. 125Km/h läuft der Dank großer Räder und langer Achse. Mehr Details aber mal separat.

Doch zuerst heißt es fremde Busse basteln und dafür die raren Teile ranschaffen. Hab ja ne busfreaks connection hier unten und mache einen Ausflug zum Barragem Santa Clara. Tolle Gegend mit vielen ehemals Deutschen auf einem Stückchen Land. Auf einigen stehen halt noch die Überreste der Mobile die sie her brachten… und sind dementsprechend in schlechtem Zustand.

Zumindest für Bremstrommeln und ein paar Sachen reicht es noch. Es spricht sich aber schnell rum dass ich was suche und die verlockenden Angebote flattern nur so ins Haus. Weiteres Breitmaul mit überschaubarem Reparaturstau gefällig?… immerhin schon portugiesische Nummern (wichtig für diejenigen mit ner Residenz hier und nicht ganz so einfach zu bekommen)

Aber langsam, und eins nach dem anderen. Wobei das meist schwieriger ist als gesagt. Viele kennen sich untereinander und hatten schon vor mir Ideen die so einfach leider aber nicht durchzuführen sind. Mal schnell nen Motorumbau auf 617 machen z.B. wie das reingefriemelte Aggregat aus dieser Grotte hier…

Mal schauen was ich damit noch anfangen kann. Ist auf jeden Fall gekauft… Es wird also in Zukunft weitere Geschichten und Bilder geben die mit altem Blech vom Stern zu tun haben. Ich genieße diesen Winter der mal vollkommen anders ist als ein roadtrip ins Unbestimmte. Die Aussichten jedoch sind idyllisch und ich kann helfen. Ein Engländer hat an uns nen Narren gefressen, Flo als Experte fürs Blech und ich für den Rest… wir haben schon einen Bus in der Mache und der zweite steht daneben und wartet. Er will die Dinger dann in England verkaufen, der boom ist da schon preislich viel weiter… Lenkräder auf der falschen Seite bringt gut Kohle. Dann behalte ich meinen nächsten Fund mal noch ein paar Wochen geheim damit auch genug Freizeit bleibt… man sieht es jetzt nicht auf den ersten Blick, nur Nummernschild und Kabinentür auf der falschen Seite weisen drauf hin. Ein weiterer gestrandeter Brite

Nur wenige Meter weiter ein weiteres Schätzchen fast in Vergessenheit geraten… man könnte schwach werden.

Ich habe genug gesehen und mache mich lieber vom Acker, komme aber definitiv wieder. Zurück zur Basis nach Barao Sao Joao. Das muss ich Flo erzählen, meine Mission war erfolgreich.

Bald ziehen Wolken auf und irgendwann gibt es sicherlich auch Regen. Doch auch dafür steht nun ein Plan an. Der Traum eines jeden Schraubers, eine eigene Halle. Schlechtwetteralternative sozusagen und das angesprochene eigene Projekt renoviert sich auch schlecht auf der Straße. Diese Geschichte aber muss noch etwas warten. Ick freu ma.

Erstmal geht es weiter gut mit der lieben Sonne und ich schraube teils mit schönster Aussicht. Hier auf nem ganzen Hügel in Privatbesitz… nur 3km vom Strand entfernt, ideal fürs morgendliche Joggen. Brauche an dem Bus auch ne Weile und bleibe ein paar Tage… Salz in der Luft hat alle Bremsleitungen angegangen… packen wir’s an.

4 thoughts on “Düdos in Portugal, leidenschaftlicher Urlaub

  1. Stefan F. says:

    Bei dem Blog-Eintrag komme ich als Schrauber mal richtig auf die Kosten 😉
    Weiter so! Gerne auch mit einigen Unter-Boden-oder-Radkasten-Nahaufnahmen.
    Sehr schöne DüDos

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