Runde Sache – Gummifrage 4×4 all Terrain…

Es gibt wenige Dinge, die mit geringem Einsatz große Wirkung tun. Die Gummis am Fahrzeug sind der einzige Kontakt zum Untergrund und bei den meisten Bussen ein altes poröses Deasaster. Nicht nur auf die Sicherheit bezogen, sondern auch maximale Traktion in allen möglichen Lebenslagen stand für mich also fest: grobstollige Reifen müssen an den MB407. mit den alten Größen 6.00R16c und 6.50R16c können die wenigsten heute noch was anfangen. Es gibt kaum Auswahl und die Preise sind bei 6fach bereift plus Ersatz auch der Hammer und ein Ausschlußkriterium. Für mich ging es also an die Suche nach Alternativen

Im Netz gibt es metrische Umrechnungstabellen und dank Reifen.com, Amazon und ebay kann man sich auch schnell Preisübersichten zu bestimmten Größen besorgen. Die Traglast ist neben der Größe der einzig wichtige Faktor, da Geschwindigkeitsindexe diesseits der 100km/h dann getrost außer Acht gelassen werden können. Bei nem abgelasteten Düdo auf 3,5 Tonnen muss rechnerisch jeder Gummi knapp 600Kilo tragen um jeden Dorfscheriff die Mathematik zu vereinfachen. Wenn es an Achslasten geht sind vorne aber schnell mal mehr auf der Sollseite und nach Tabelle reicht dann erst eine Traglast von 104 besser noch etwas höher. Laut Tüv dürfen Abrollumfänge ohne Tachoangleichung und gesonderter Eintragung nur wenige Prozentpunkte Unterschied zum Original haben, dann wären wir irgendwo bei 175/75 R16 und damit Reifen aus dem Spielzeugregal für T4 Busse und kleine Vans.

Varianten laut TÜV für 6,00

für 6,50 (meist beim Düdo beide eingetragen)

Ich wollte derbes Profil und bin erst bei 205 /80 R16 all Terrain 4×4 mit M+S also Winterkennzeichnung zufriedengestellt. Der Witz an der Geschichte, die Reifen sind in echt exakt so groß wie die originale, und der Tacho geht mal richtig… nur laut Liste nicht passend. Wer schert sich aber schon um Vorgaben… Nächstes Problem: Versuche mal sechs solcher Giganten mit einem normalen Auto zu transportieren. Meine Reifen ziehe ich mit professionellem Equipment gerne selber um hier die Logistik.

Außerem wurden die Felgen vorher neu lackiert und die rostigen Stellen am Rand eliminiert die meist für Schleichplatten bei Schlauchlosbetrieb zuständig sind. Das dauert auch einen Tag zum trocknen, geht schlecht beim Reifenfritzen. Christie hier bei der Nachbehandlung.

Nun haben die breiten Dinger natürlich etwas mehr Auflage und nicht nur der Geräuschpegel ist höher, sondern auch der Verbrauch (wobei so geringfügig, also zu vernachlässigen) aber bei losem Untergrund oder Schlamm kann das bissel schonmal helfen.

Aber wer sich im Düdo über Rollgeräusche empört hat entweder tausende von Euros in Motor- und Karosseriedämmung investiert oder lässt gerne im Leerlauf rollen und genießt die Stille die sonst von allem Anderen am Oldtimer übertönt wird. Und der halbe Liter mehr Treibstoff ist es mir auch wert, dafür dass die Dinger zusammen 300,- im Einkauf gekostet haben! Macht knapp 50,- pro Stück inklusive Lieferung… Runderneuert aber immerhin in Frankreich (oder auch Italien gesehen) mit kopiertem und Overlander tauglichem All Terrain Profil. Heißt im Klartext, dass recycling auch bei meinen Pneus schon Thema war und super ins Konzept passt. Wer tiefer in die Materie eingehen will, die Karkasse wird neu auf ein schon vorhandenen aber fast komplett zerlegten Reifen aufvulkanisiert und komplett neu verbacken. Die Gummimischung und das Drahtgeflecht im Reifen sind also zu Anteilen schon anderswo Karrussel gefahren. Mein Profil hier nach knapp 10.tkm

Zum Thema Breite nur noch die Anmerkung, dass bei den Zwillingen auf der Hinterachse etwas Platzmangel herrschte und die nur 1-2 cm weder TÜV-gerecht noch dem Gewissen temporärer Reibung dazwischen erträglich waren und ich mir was einfallen lassen musste. Distanzscheiben zwischen die Felgen geht nicht aber es gibt da von den 6-Tonner Düdos Sprengringfelgen mit etwas tieferem Bett. Heißt der Gummi zieht sich mehr und gibt bei jeweils nur der äußeren so montiert weitere zwei Zentimeter. Nächster Vorteil dieser raren Stücke; man kann die auch mal abseits der Zivilisation alleine abziehen und bei ggf. eingefahrenen Nägeln den obligatorischen Schlauch wechseln. Von Innen sieht das verbaut so aus:

Nen Haufen Arbeit die alten Dinger von Rost zu befreien, aber nun wunschlos glücklich bei allzwecktauglicher Bereifung am MB407.

Auf die nächsten 20Tausend… und da gab es so einige derbe Schläge, scharfe Kanten und steinige Pisten.

Der Vollständigkeit halber muss ich erwähnen, dass nach den ersten drei Monaten Marokko das rechte Vorderrad bei Tempo 75 zurück in Spanien mit lautem Knall die Luft entließ. Die Hürden offroad waren wohl doch zu derbe fürs Material und mal wieder auf Asphalt am Limit bewegt hat sich die Karkasse erwärmt und zerfetzt. Der dicke Bus aber innerhalb weniger Meter stabil am Straßenrand geparkt… und zur Not fährt solch ein Gespann auch mal ne ganze Weile nur mit 5Rädern…

In der Summe bei all den erlebten Abenteuern und aktuell über 30.ooo Kilometern mit diesen Gummis zu verkraften und das Restprofil reicht nochmal für weitere dreißigtausend bevor der Verschleiß zu augenscheinlich wird. Auf die nächsten Etappen… keep rollin’

In Kombination mit schönen Federn ein nun auch optisch ansprechendes Fahrwerk, dazu aber später mal nen weiteres gesondertes Thema.

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2 thoughts on “Runde Sache – Gummifrage 4×4 all Terrain…

  1. Marc Fischerlehner says:

    Hallo
    Sehr guter Bericht, mach mir in letzter Zeit auch viele Gedanken über die Bereifung.
    Was hältst du von Einzelfereifung und 215/75 17,5 (ohne super-single)?!
    Ist der Düdo fahrbar nur mit 4 stk Reifen oder ist es eine starke Belastung für die Achse?
    Lg Marc

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    • mb407 says:

      Single hinten hatte ich auch schon öfter überlegt. Gäbe Vor- und Nachteile.
      Aber mit 17,5ern sowie Angebote dafür kenne ich mich nicht aus. Traglasten sollten zwar höher sein, aber trotzdem beachtet werden. Gibt ja genügend 4×4 LKW die nur noch Single fahren.

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